{"id":11581,"date":"2006-04-04T18:19:16","date_gmt":"2006-04-04T18:19:16","guid":{"rendered":".\/?p=11581"},"modified":"2006-04-04T18:19:16","modified_gmt":"2006-04-04T18:19:16","slug":"11581","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/04\/11581\/","title":{"rendered":"F&#252;r einen Neustart im Neuformierungsprozess"},"content":{"rendered":"<p>Nach der bundesweiten Urabstimmung der WASG sind mehr als 10.000 Euro weg &#8211; und nichts gekl&#228;rt. Ein &#8222;weiter so&#8220; des Bundesvorstands vergr&#246;&#223;ert die Spannungen in der WASG und verkompliziert den Neuformierungsprozess der Linken. Jetzt muss umgesteuert werden.<\/p>\n<p><i>von Sascha Stanicic und Stephan Kimmerle <\/i> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  57 Prozent der Mitglieder beteiligten sich an der bundesweiten   Urabstimmung. Mehr als drei Viertel von ihnen sagten:<i><span>&quot;Ich bin   daf&#252;r den Parteibildungsprozess zwischen WASG und Linkspartei unter   Einbeziehung der sozialen Bewegungen fortzusetzen. Am Ende dieses   Prozesses soll eine neue linke gesamtdeutsche Partei stehen. Ich fordere   den Bundesvorstand auf, bis Herbst 2006 den Mitgliedern Vorschl&#228;ge f&#252;r   ein Programm, eine Satzung und den zeitlichen und organisatorischen   Ablauf der Neubildung einer linken Partei zur Diskussion vorzulegen.&quot;<\/span><\/i>   So zumindest die Formulierung.<\/p>\n<p>  Eine Frage, der sicherlich mehr als die knapp 5.300 der 12.000   WASG-Mitglieder zustimmen k&#246;nnten, die auf ihrem Stimmzettel ihre   Zustimmung &#228;u&#223;erten. W&#228;re da nicht das Kleingedruckte auf dem Wahlzettel   und die &#8222;Interpretationshilfen&#8220; gewesen, die bis zur &#196;u&#223;erung Bodo   Ramelows, des L.PDS-Fusionsbeauftragten, reichten, <i><span>&#8222;nach der   Mitgliederbefragung habe der WASG- Vorstand jede Handhabe, &quot;um die   Berliner zum R&#252;ckzug von einer eigenst&#228;ndigen Landtagskandidatur zu   zwingen, sie in die Schranken zu weisen oder einen neuen Landesverband   zu gr&#252;nden&quot;&#8220;<\/span><\/i> (Saarbr&#252;cker Zeitung, 2. M&#228;rz).<\/p>\n<p>  Trotz Mobilisierung zur Urabstimmung via erstmaligem Versand einer   Mitgliederzeitung und einem Brief von Lafontaine und Gysi blieb   umstritten, was mit der Urabstimmung bezweckt werden sollte &#8211; und die   Wahlbeteiligung mau. Nicht umsonst hatten im Vorfeld acht   Landesvorst&#228;nde ihre KollegInnen in Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz   aufgefordert, auf das Plebiszit zu verzichten.<\/p>\n<p>  Auch mit dem jetzigen Ergebnis isf klar: Ja, die WASG versteht sich nach   wie vor als Sammlungsbewegung und tritt f&#252;r die Neuformierung der Linken   &#8211; auch unter Einschluss der Linkspartei.PDS &#8211; ein. Doch jenseits davon   spaltet der Kurs des Bundesvorstands die Mitgliedschaft, bringt diesen   Prozess in eine Krise und hilft nicht, die politischen Fragen der   Neuformierung zu kl&#228;ren.<\/p>\n<p>  <b><span>Inhaltliche Fragen von Sozialabbau und Privatisierungen <\/span><\/b><\/p>\n<p>  Thomas H&#228;ndel, Mitglied im gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Bundesvorstand, wertete   das Abstimmungsergebnis als <i><span>&#8222;einen eindeutigen Auftrag an den   kommenden Parteitag der WASG, den begonnenen Weg fortzusetzen, zu   gestalten und zu konkretisieren.&#8220;<\/span><\/i> Fakt ist, dass im   Neuformierungsprozess endlich politische Fragen in den Mittelpunkt   r&#252;cken: Fast einhellig wird der Ausverkauf der 48.000 Wohnungen in   Dresden kritisiert. Gleiches muss dann auch f&#252;r Tarifflucht und   Absenkungstarifvertr&#228;ge in Berlin gelten. Eine klare Position der   k&#252;nftigen Partei gegen die Politik des vermeintlich &#8222;kleineren &#220;bels&#8220;   muss erstritten werden.<\/p>\n<p>  Und dieser Prozess wurde durch die Debatten um einen eigenst&#228;ndigen   Wahlantritt der WASG in Berlin forciert. Auch der Bundesvorstand &#228;u&#223;ert   sich mittlerweile zu diesen Fragen. Lafontaine spricht von &#8222;Haltelinien&#8220;   linker Politik. Konsequent ist dann, nicht nur abstrakt, programmatisch   dar&#252;ber zu reden, sondern in Berlin eine klare Positionierung   vorzunehmen: Die Politik, die die L.PDS im Berliner Senat mittr&#228;gt ist   eine massive Belastung f&#252;r den Neuformierungsprozess. Eine Fortsetzung   von Absenkungstarifvertr&#228;gen sowie der Privatisierungen von Wohnungen,   Kitas, Teilen der Kliniken und zum Beispiel der f&#252;r die n&#228;chsten Jahre   geplante Abbau von 5.000 Stellen allein im Gesundheitswesen (bei Charite   und Vivantes) bedroht die Glaubw&#252;rdigkeit der neuen Linken &#8211;   existenziell.<\/p>\n<p>  N&#246;tig ist eine Positionierung des Bundesvorstands: Ohne Streit um die   elementaren Positionen linker Politik kann es den Zusammenschluss nicht   geben. Die WASG ist gefordert unter Einbeziehung von AktivistInnen aus   Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen gegen&#252;ber der L.PDS,   dem Partner im Neuformierungsprozess, klar zu machen:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p> Mit der neuen Linken darf es keine Privatisierungen, keinen  Lohnraub, keine Arbeitszeitverl&#228;ngerung, keinen Sozialabbau, keine  Absenkungstarifvertr&#228;ge geben.    <\/p>\n<p> Wir stehen nicht zur Verf&#252;gung f&#252;r die Politik eines &#220;bels, ob  kleiner oder gr&#246;&#223;er.    <\/p>\n<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p> F&#252;r uns gilt nach wie vor die Position unseres Gr&#252;ndungsprogramms: <i><span>&#8222;Wir  sind die Opposition gegen die herrschende, neoliberal bestimmte  Politik. An einer Regierung in Land oder Bund werden wir uns nur  dann beteiligen, wenn dies zu einem grundlegenden Politikwechsel in  Richtung unserer Forderungen f&#252;hrt.&#8220;  <\/span><\/i>   <\/p>\n<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p> Das bedeutet in Berlin: Entweder es gelingt eine grundlegende  Kurskorrektur, der rot-rote Senat verabschiedet sich in Worten und  Taten von Stellenabbau, Privatisierungen und  Absenkungstarifvertr&#228;gen &#8211; oder die Koalition mit der SPD findet  mangels Gemeinsamkeiten ihr Ende.    <\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>  Eine linke Partei, die sich den Sachzw&#228;ngen des Kapitalismus entziehen   will ben&#246;tigt Alternativen zum Profit-System. Die Neuformierung ist auch   eine Chance, die Diskussion &#252;ber sozialistische Ideen und eine   Gesellschaft jenseit von Konkurrenz und Ausbeutung zu f&#252;hren.<\/p>\n<p>  <b><span>Spaltung der WASG?<\/span><\/b><\/p>\n<p>  Die Urabstimmung wurde in den Kontext gestellt, den widerspenstigen   Landesverb&#228;nden in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zu zeigen, wo der   Hammer h&#228;ngt. So wird Bj&#246;rn Radke, Mitglied im Bundesvorstand, bei der   Bekanntgabe der Urabstimmungsergebnisse widergegeben: <i><span>&#8222;Radke   k&#252;ndigte neue Gespr&#228;che mit den beiden Landesverb&#228;nden an. Deren   Verhalten sei angesichts der Mehrheitsmeinung in der WASG &quot;inakzeptabel&quot;&#8220;<\/span><\/i>   (Mittelbayrische, Donau.de, 2. April). Die niedrige Wahlbeteiligung   macht eher deutlich, dass die Fragestellung alles andere als kl&#228;rend war   und die damit verbundenen Ziele zwischen den Zeilen nicht einfach   Mehrheitsmeinung sind. Eine Grundlage f&#252;r administrative Ma&#223;nahmen gibt   dieses Ergebnis nicht her.<\/p>\n<p>  Der Berliner Landesverband hat mehrfach seine Unterst&#252;tzung f&#252;r das   bundesweite Projekt einer neuen Linken formuliert. Auch der Berliner   Landesverband ist <i><span>&#8222;daf&#252;r den Parteibildungsprozess zwischen   WASG und Linkspartei unter Einbeziehung der sozialen Bewegungen   fortzusetzen&#8220;<\/span><\/i> (Text der Urabstimmung).<\/p>\n<p>  Das Problem in Berlin: Die L.PDS h&#228;lt nach wie vor an ihrem Kurs der   Regierungsbeteiligung im Sinne der Umsetzung der neoliberalen Vorgaben   der Bundesregierung mit den Folgen von Tarifflucht, Sozialabbau und   Privatisierungen fest. Aus ihrer Sicht soll der &#8222;gro&#223;e Erfolg&#8220;   (Blossiner Erkl&#228;rung der L.PDS-Landesvorst&#228;nde Berlin, Brandenburg,   Sachsen-Anhalt) fortgesetzt werden.<\/p>\n<p>  Eine gemeinsame Kandidatur f&#252;r den Ausverkauf von Wohnungen (aktuell:   1.700), Stellenabbau im &#246;ffentlichen Dienst (geplant unter SPD-PDS-Regie   neben den Krankenh&#228;usern auch im &#246;ffentlichen Nahverkehr) wird es mit   der WASG Berlin nicht geben.<\/p>\n<p>  Die Option, jetzt an der Seite von Charite-Besch&#228;ftigten zu stehen, die   sich gegen den Senat wehren, und bei der Wahl am 17. September den Mund   zu halten und zuzuschauen, wie Vertreter der Minderheit der Berliner   WASG auf den Listen der L.PDS Wahlkampf f&#252;r eine Fortsetzung der   SPD-PDS-Koalition machen &#8211; das ist Unglaubw&#252;rdig und zerst&#246;rt die   Unterst&#252;tzung, die sich die WASG aufgebaut hat.<\/p>\n<p>  Damit bewegt sich die WASG Berlin auf dem Gr&#252;ndungskonsens der   Wahlalternative bundesweit. Das ist kein Spalter- oder Sektiererkurs.   Berlin r&#252;ckt nur deshalb in den Mittelpunkt der Debatte, weil der   Bundesvorstand der WASG die grundlegenden Positionen der WASG nicht   selbst gegen&#252;ber der L.PDS lautstark vertritt.<\/p>\n<p>  Radkes Haltung, die Berliner Position sei <i><span>&#8222;inakzeptabel&#8220;<\/span><\/i>   sch&#252;rt die innerparteiliche Zerrissenheit, statt die gemeinsame   Diskussion zu suchen. Auch hier: Ein Kurswechsel ist n&#246;tig.<\/p>\n<p>  <b><span>Ausweg aus der Krise der Neuformierung<\/span><\/b><\/p>\n<p>  Die WASG und der Neuformierungsprozess stecken in einer Krise: Drei   Landesvorst&#228;nde dr&#252;cken eine Urabstimmung gegen acht andere durch; die   Mitgliedschaft wird bei komplexen Fragen zu einer &#8222;Ja oder Nein&#8220;-Frage   gen&#246;tigt, statt die Inhalte zu diskutieren; der Bundesvorstand sucht   sich seine Gegner in den eigenen Reihen, in Berlin und   Mecklenburg-Vorpommern; die L.PDS-Spitze setzt auf b&#252;rokratische,   administrative Ma&#223;nahmen innerhalb der WASG (&#8222;Neugr&#252;ndung&#8220; des Berliner   Landesverbands), statt sich der inhaltlichen Diskussion zu stellen; Bodo   Ramelow gef&#228;llt sich in der Rolle des Kommandeurs (<i><span>&#8222;Es   wird keine konkurrierenden Antritte geben&#8220;<\/span><\/i>).<\/p>\n<p>  Im Interesse einer neuen Linken: Ein Ausweg muss gefunden werden.   Schritte dazu w&#228;ren:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p> Die Diskussion &#252;ber die Inhalte der Neuformierung werden breit in  den beiden Parteien auf allen Ebenen und endlich &#8222;unter Einbeziehung  der sozialen Bewegungen&#8220; (Urabstimmungstext) gef&#252;hrt. Dazu finden  auf allen Ebenen offene Konferenzen und Diskussionen statt. Die  Landesverb&#228;nde werden zum Beispiel mit mehreren von ihnen gew&#228;hlten  VertreterInnen in die Steuerungsgruppen einbezogen. Zu den  Kernpunkten der Debatte m&#252;ssten folgende Punkte geh&#246;ren: Zu den  &#8222;Haltelinien&#8220;, das hei&#223;t Mindeststandards, linker Politik geh&#246;ren  die Absage an Privatisierungen und Sozialabbau, gleich welcher Art.  Das gilt in Bund, L&#228;ndern und Kommunen. K&#252;rzungen und Ausverkauf in  sozial vertr&#228;glichen Dosen gibt es nicht. Die Beteiligung an  Regierungen oder kommunalen Entscheidungen ist diesem Grundsatz  unterzuordnen.    <\/p>\n<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p> Die Konflikte bez&#252;glich Regierungsbeteiligungen werden diskutiert  statt, wie von Ramelow gefordert, wegkommandiert. Diktate  funktionieren nicht. Daher: Definitiver Verzicht auf administrative  Ma&#223;nahmen gegen den Berliner oder Mecklenburg-Vorpommerschen Verband  aufgrund deren Wahlbeteiligung am 17. September. Administrative  Ma&#223;nahmen schaden der Sammlungsbewegung. Sind keine inhaltlichen  Einigungen m&#246;glich, so geh&#246;rt dazu auch, konkurrierende Wahlantritte  auszuhalten.    <\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>  Der WASG-Bundesparteitag Ende April wird sich dieser Fragen annehmen   m&#252;ssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der bundesweiten Urabstimmung der WASG sind mehr als 10.000 Euro weg<br \/>\n    &#8211; und nichts gekl&#228;rt. 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