{"id":11579,"date":"2006-03-29T10:31:40","date_gmt":"2006-03-29T10:31:40","guid":{"rendered":".\/?p=11579"},"modified":"2006-03-29T10:31:40","modified_gmt":"2006-03-29T10:31:40","slug":"11579","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/03\/11579\/","title":{"rendered":"Die Wahlen sind gelaufen &#8211; jetzt kommt die K&#252;rzungskeule"},"content":{"rendered":"<p>Zum Abschneiden von WASG und Linkspartei.PDS<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Wahlen vom 26. M&#228;rz wurden als erste Messlatte f&#252;r die Akzeptanz der   Merkel-Regierung pr&#228;sentiert. Durch die Bank erkl&#228;ren SPD und CDU die   Gro&#223;e Koalition als positiv best&#228;tigt. Das geschieht, obwohl die   Wahlbeteiligung ein Rekordtief erreicht hat.<\/p>\n<p>  <i>von Tanja Niemeier, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  17 Millionen Wahlberechtigte waren aufgefordert, bei den drei   Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-W&#252;rttemberg   sowie bei den Kommunalwahlen in Hessen ihre Stimme abzugeben.   Bezeichnenderweise machten sehr viele, in Sachsen-Anhalt sogar die   Mehrheit, davon keinen Gebrauch.<\/p>\n<p>  <b>Wahlbeteiligung auf Rekordtief<\/b><\/p>\n<p>  Die Wahlbeteiligung lag in Baden-W&#252;rttemberg bei 60 Prozent, in   Rheinland-Pfalz bei knapp 54 Prozent. In Sachsen-Anhalt rutschte sie auf   44,5 Prozent ab. Davon l&#228;sst sich keine Zustimmung f&#252;r Merkel,   M&#252;ntefering und die Landesf&#252;rsten ableiten. In absoluten Zahlen haben   auch die Parteien der Ministerpr&#228;sidenten Oettinger, B&#246;hmer (beide CDU)   und Beck (SPD) Stimmen verloren.<\/p>\n<p>  Der inhaltsleere und personenorientierte Wahlkampf lie&#223; die &#252;berwiegende   Mehrheit kalt. So war es im S&#252;dwesten f&#252;r streikende KollegInnen von   geringem Unterhaltungswert zu erfahren, ob G&#252;nter Oettinger schon mal   Marihuana geraucht hat. In Rheinland-Pfalz haben 16 Prozent erst am   Wahltag entschieden, wen sie w&#228;hlen.<\/p>\n<p>  Viele sind von der Politik entt&#228;uscht und f&#252;hlen sich nach wie vor von   keiner Partei vertreten.<\/p>\n<p>  In Sachsen-Anhalt &#8211; das in den letzten Jahren verschiedene   Regierungskonstellationen durchmachte &#8211; bekunden 68 Prozent der   Bev&#246;lkerung, dass es in Deutschland eher ungerecht zugeht. 40 Prozent   gehen auf Distanz zu Politik und Parteien.<\/p>\n<p>  <b>Wahlergebnisse f&#252;r WASG und die Linke<\/b><\/p>\n<p>  Als junge und relativ kleine Partei hatte die WASG mit eingeschr&#228;nkten   finanziellen Mitteln zu k&#228;mpfen und war dadurch benachteiligt gegen&#252;ber   den etablierten Parteien. Das kann aber nur zum Teil begr&#252;nden, warum es   der WASG begrenzt gelungen ist, das vorhandene Vakuum zu f&#252;llen. Im   Vergleich zu den Bundestagswahlen (BTW) 2005 hat die WASG insbesondere   in Rheinland-Pfalz (BTW: 5,6 Prozent, LTW: 2,5 Prozent), aber auch in   Baden-W&#252;rttemberg (BTW: 3,8 Prozent, LTW: 3,1 Prozent) nicht auf den   Ergebnissen aufbauen k&#246;nnen. Das hat mehrere Gr&#252;nde.<\/p>\n<p>  <b>Verankerung<\/b><\/p>\n<p>  In den Ergebnissen gab es zum Teil gr&#246;&#223;ere regionale Unterschiede. In   Mannheim konnten beispielsweise in den zwei Wahlkreisen jeweils 6,9 und   4,77 Prozent erreicht werden. Diese Ergebnisse liegen &#252;ber dem   Landesdurchschnitt und spiegeln die unterschiedliche regionale Pr&#228;senz   und Verankerung wider. Die Wichtigkeit &#246;rtlicher Verankerung wird auch   an den Resultaten verschiedener hessischer St&#228;dte deutlich. In   Marburg-Stadt konnten 9,3 Prozent, in Kassel 6,8 und in Frankfurt 7,3   Prozent erreicht werden.<\/p>\n<p>  <b>Interne Probleme<\/b><\/p>\n<p>  In Rheinland-Pfalz wechselte die fr&#252;here PDS-Landesvorsitzende die   Partei und trat im Oktober in die CDU ein. Die designierte   WASG-Spitzenkandidatin strich Anfang Dezember auf Grund interner   Konflikte die Segel. Der Landesvorsitzende der Linkspartei trat im   Dezember ebenfalls aus der Partei aus. Und gegen einen   rheinland-pf&#228;lzischen Bundestagsabgeordneten der Linken wird wegen   Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt.<\/p>\n<p>  <b>Orientierung<\/b><\/p>\n<p>  In Baden-W&#252;rttemberg war das zentrale Ereignis w&#228;hrend des Wahlkampfs   der Streik im &#246;ffentlichen Dienst. Hier h&#228;tte die WASG viel   entschlossener in den Arbeitskampf eingreifen m&#252;ssen. Das h&#228;tte den   Anspruch, eine Partei aufbauen zu wollen, die eindeutig auf Seiten der   abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten steht, viel deutlicher unterstrichen.<\/p>\n<p>  <b>Linke, anti-neoliberale Partei n&#246;tig<\/b><\/p>\n<p>  In einer Presseerkl&#228;rung bezeichnete Gregor Gysi die Ergebnisse in   Rheinland-Pfalz und in Baden-W&#252;rttemberg als &#8222;beachtlich&#8220;. Er f&#252;hrte   weiter aus: &#8222;Diesmal haben sich noch negativ die Quersch&#252;sse der   Berliner WASG und die Tatsache ausgewirkt, dass es die neue Partei der   vereinigten Linken noch nicht gibt.&#8220; Auch Thomas H&#228;ndel, Mitglied im   Bundesvorstand der WASG, erkl&#228;rte, &#8222;die internen Auseinandersetzungen   sind nicht spurlos an uns vor&#252;bergegangen&#8220;.<\/p>\n<p>  Damit wird &#252;ber die tats&#228;chlich vorhandenen Probleme von mangelnder   Orientierung auf den Arbeitskampf im &#246;ffentlichen Dienst und die   fehlende Verankerung hinweg gegangen. Ebenso wenig wird erw&#228;hnt, dass   w&#228;hrend der hei&#223;en Wahlkampfphase in Dresden 48.000 Wohnungen verkauft   wurden. Dazu konnte es nur kommen, weil neun der 17 PDS-Abgeordneten   daf&#252;r stimmten. Wenn Lafontaine auf der einen Seite von der &#8222;Haltelinie&#8220;   Privatisierung spricht, diese Linie aber gleichzeitig durch Teile der   Linkspartei.PDS durchbrochen wird, dann ist die Glaubw&#252;rdigkeit linker   Politik in Frage gestellt. Die j&#252;ngsten Umfrageergebnisse der Berliner   Linkspartei von nur noch 13 Prozent deuten auch nicht gerade darauf hin,   dass es sich bei dieser Politik um eine Erfolgsstory handelt. Eben-so   wenig sprechen sie daf&#252;r, nun verst&#228;rkt f&#252;r die Teilnahme an Regierungen   zu argumentieren.<\/p>\n<p>  Im &#252;brigen gelang der Linkspartei.PDS in Sachsen-Anhalt nur eine   prozentuale Verbesserung. In absoluten Zahlen verlor sie 20.000 Stimmen.   Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt darf deshalb von Spitzenkandidat Wulf   Gallert nicht benutzt werden, die Strategie der Linkspartei.PDS   Sachsen-Anhalt im Wahlkampf, auf Regierungsbeteiligung zu setzen, f&#252;r   die Zukunft der neuen Linken zu verallgemeinern.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem muss sich die Bundestagsfraktion die Frage gefallen lassen, ob   sie im ausreichenden Ma&#223;e in Erscheinung getreten ist, um Widerstand   gegen neoliberale Politik zu organisieren.<\/p>\n<p>  Diese inhaltlichen Fragen d&#252;rfen nicht unter den Teppich gekehrt werden.   Sie sind ausschlaggebend daf&#252;r, ob eine neue linke Partei das verloren   gegangene Vertrauen der arbeitenden Bev&#246;lkerung zur&#252;ckgewinnen kann.<\/p>\n<p>  Genau das &#8211; Konsequenz in den Inhalten und die Organisierung von   Widerstand &#8211; muss nun in den Mittelpunkt r&#252;cken.<\/p>\n<p>  Jetzt, wo die Wahlen vorbei sind, wird die Gro&#223;e Koalition in   schnellerem Tempo ihr Programm f&#252;r das Kapital durchziehen wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Abschneiden von WASG und Linkspartei.PDS<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[180],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11579"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11579"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11579\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}