{"id":11578,"date":"2006-04-12T10:30:06","date_gmt":"2006-04-12T10:30:06","guid":{"rendered":".\/?p=11578"},"modified":"2006-04-12T10:30:06","modified_gmt":"2006-04-12T10:30:06","slug":"11578","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/04\/11578\/","title":{"rendered":"Vogelgrippe: Profitstreben behindert Schutzma&#223;nahmen"},"content":{"rendered":"<p>Epidemien k&#246;nnten heute schnell einged&#228;mmt werden. Voraussetzung ist eine demokratische Planung &#8211; auf internationaler Ebene <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Als das Vogelgrippevirus in Deutschland auftrat, wirkten die   verantwortlichen Politiker planlos. Tagelang wurden Sicherheitsma&#223;nahmen   auf der Insel R&#252;gen verschleppt. Zu gro&#223; war der Druck der   Tourismusunternehmen, die wirtschaftliche Einbu&#223;en bef&#252;rchteten.   Ausreichende Vorsorge f&#252;r eine eventuelle &#220;bertragung des Virus auf den   Menschen gibt es bis heute nicht.<\/p>\n<p>  von Doreen Ullrich, Aachen<\/p>\n<p>  Das als &#8222;Vogelgrippe&#8220; bekannte Virus H5N1 ist kein unbekannter Erreger.   1997 trat der Erreger zum ersten Mal in Hongkong auf. 18 Menschen   steckten sich mit dem Virus an, sechs von ihnen starben. 2003 kam es zum   n&#228;chsten Ausbruch, diesmal breitete sich die Vogelgrippe in   verschiedenen L&#228;ndern S&#252;dostasiens aus. Seit dem vergangenen Jahr jagt   der Erreger um die Welt.<\/p>\n<p>  Schnell wurde bekannt, dass Menschen, die mit erkrankten Tieren auf sehr   engem Raum zusammenleben, Gefahr laufen, an dem Virus zu erkranken und   daran zu sterben. In der ostt&#252;rkischen Provinz Van starben zu Beginn   diesen Jahres Kinder an dem Virus. Insgesamt erlagen weltweit bisher   rund hundert Menschen dem Virus. Die Vorsorge ist bis heute mehr als   mangelhaft.<\/p>\n<p>  Droht eine neue Pandemie?<\/p>\n<p>  Bisher sind keine F&#228;lle bekannt, in denen das Virus von Mensch zu Mensch   &#252;bertragen wurde. Trotzdem ist es m&#246;glich, dass das Virus mutiert und   dann &#252;bertragen werden k&#246;nnte. Oder es kommt zu einer &#8222;Kreuzung&#8220; des   Erregers mit einem den Menschen befallenden Grippevirus. Ein solcher   Erreger k&#246;nnte theoretisch Menschen &#252;berall auf dem Globus treffen &#8211;   eine neue Pandemie ist m&#246;glich. Eine Mutation mit anschlie&#223;ender   Pandemie hat es in der Geschichte schon h&#228;ufiger gegeben. So zum   Beispiel 1957 bei der Asiatischen Grippe oder beim letzten Fall gro&#223;en   Ausma&#223;es 1968 bei der Hongkong-Grippe (mit 800.000 Toten).<\/p>\n<p>  Tamiflu und der Konzern Roche<\/p>\n<p>  Beim heutigen Stand von Wissenschaft und Technik w&#228;re es m&#246;glich, bei   Auftreten eines neuen Pandemie-Erregers in relativ kurzer Zeit (drei bis   sechs Monate) einen entsprechenden Impfstoff zu entwickeln. Bis dahin   k&#246;nnten Medikamente bereitgestellt werden. F&#252;r die Pharmaindustrie ist   es jedoch nicht lohnend, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Zu gering   sind die Gewinnaussichten.<\/p>\n<p>  Bereits heute gibt es ein Medikament mit dem Handelsnamen Tamiflu,   welches den Ausbruch einer Pandemie durch den Virus des Typs H5N1   zumindest verz&#246;gern k&#246;nnte. Dieses Medikament jedoch liegt unter   Patentschutz. Der einzige Konzern, der Tamiflu produzieren darf, ist die   Schweizer Firma Roche. Diese weigert sich aber, auf das Monopol zur   Herstellung von Tamiflu zu verzichten. G&#252;nstigere &#228;hnliche Pr&#228;perate &#8211;   so genannte Generika &#8211; k&#246;nnen folglich nicht produziert werden. Den   Preis f&#252;r Tamiflu und die Menge der produzierten Medikamente bestimmt   Roche allein. So beunruhigend das f&#252;r viele Menschen ist, so beruhigend   sind f&#252;r Roche die gestiegenen Ums&#228;tze. Von Januar bis September 2005   sind neun Mal mehr Packungen Tamiflu verkauft worden als im Vorjahr.<\/p>\n<p>  Auf Grund von Roches Monopol ist der Preis f&#252;r Tamiflu nicht nur v&#246;llig   &#252;berteuert. Daraus resultieren auch unzureichende   Produktionskapazit&#228;ten. Die Folge: In gro&#223;en Teilen Afrikas oder Asiens,   wo die Vogelgrippe grassiert, kann von nennenswerten Vorr&#228;ten &#252;berhaupt   keine Rede sein. Abgesehen von einer kleinen, reichen Minderheit sind   dort die meisten ohne jeden Schutz.<\/p>\n<p>  Arbeitslose und die Kadaver<\/p>\n<p>  Trotz der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen   Tamiflu-Reserven f&#252;r mindestens 20 Prozent der Bev&#246;lkerung haben viele   Landesregierungen diesen Vorschlag weit unterlaufen: So stellt   Sachsen-Anhalt einen Vorrat f&#252;r nur 4,5 Prozent bereit.<\/p>\n<p>  Gef&#228;hrdet ist man als ArbeitsloseR schon jetzt, mit dem Virus infiziert   zu werden. Nachdem auf der Insel R&#252;gen die ersten F&#228;lle von toten V&#246;geln   bekannt wurden, lie&#223; man auch Ein-Euro-Jobber f&#252;r die Bergung der   Kadaver einsetzen.<\/p>\n<p>  Plan statt Profitwahn<\/p>\n<p>  Der konkrete Verlauf der Epidemie ist mit ganz bestimmten sozialen   Verh&#228;ltnissen verkn&#252;pft: Von der Entstehung in S&#252;dostasien &#252;ber die   Verbreitung und Einnistung in Europa. Basis daf&#252;r war sowohl in Asien   als auch in den t&#252;rkischen und kurdischen Bergd&#246;rfern bittere Armut.   Menschen und Gefl&#252;gel sind in engstem Kontakt zu einander. Aus Mangel an   Geld f&#252;r Stallbehausungen werden die Tiere im Winter zum Beispiel oft   ins Haus genommen. Nachrichten werden kaum weiter gegeben.<\/p>\n<p>  Aus Profitgr&#252;nden vernachl&#228;ssigt man Forschung und Produktion in   Medikamente und Impfstoffe. W&#228;hrend der Vogelgrippevirus nicht an   L&#228;ndergrenzen halt macht, &#8222;sch&#252;tzen&#8220; die Nationalstaaten nur die   Interessen der Konzerne im eigenen Land. Beh&#246;rden verharmlosen   vielerorts die Situation, wie auf R&#252;gen, wo sie den Tourismus bedroht   sahen. Konkurrenz und nationalstaatliche Grenzen machen den Zugang zu   allen n&#246;tigen Informationen und eine l&#228;nder&#252;bergreifende Zusammenarbeit   unm&#246;glich.<\/p>\n<p>  Nur in einer Welt, in der die gro&#223;en Banken und Konzerne in   Gemeineigentum &#252;berf&#252;hrt sind und nicht mehr der Profit z&#228;hlt, kann die   Seuchengefahr deutlich reduziert werden. In einer sozialistischen   Gesellschaft k&#246;nnten sicherlich nicht alle Krankheiten verhindert   werden, aber es g&#228;be die M&#246;glichkeit, auf das Know-How aller   WissenschaftlerInnen und auf die modernsten Techniken zur&#252;ckzugreifen &#8211;   ohne Beschr&#228;nkungen durch Patente, Profitinteressen und Politiker, die   dem Kapital verpflichtet sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Epidemien k&#246;nnten heute schnell einged&#228;mmt werden. 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