{"id":11573,"date":"2006-03-21T09:32:04","date_gmt":"2006-03-21T09:32:04","guid":{"rendered":".\/?p=11573"},"modified":"2006-03-21T09:32:04","modified_gmt":"2006-03-21T09:32:04","slug":"11573","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/03\/11573\/","title":{"rendered":"Russische Arbeiter besetzen Fabrik &#8222;Holodmasch&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahren k&#228;mpfen die Arbeiter der Fabrik &#8222;Holodmasch&#8220; in Jaroslavl (Nordrussland) gegen die korrupte Firmenleitung. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Diese versucht seit l&#228;ngerem das Unternehmen absichtlich in den Bankrott   gehen zu lassen. Dagegen organisieren die k&#228;mpferische Gewerkschaft   &#8222;Zaschita Truda&#8220; (Arbeiterverteidigung) unter dem Vorsitz von Olga Boiko   und der Schwesterorganisation der SAV vor Ort &#8222;Sozialistischer   Widerstand&#8220; zusammen mit den Arbeitern eine Kampagne f&#252;r eine   Betriebsbesetzung.<\/p>\n<p>  <i><span>von Ivan Ovsyannikow (&#220;bersetzung Doreen Ulrich., Dmitriy   Radchuk) <\/span><\/i><\/p>\n<p>  Einige Tage vor der Besetzung herrschte gerade unter den m&#228;nnlichen   Kollegen Verunsicherung, diese wurde vor allem von den Kolleginnen   aufgehoben. Die Frauen machten deutlich, das sie die Fabrik auf jeden   Fall besetzen werden, auch ohne die Hilfe der m&#228;nnlichen Kollegen.<\/p>\n<p>  Am 15.M&#228;rz gingen hunderte ArbeiterInnen zum Fabrikdirektor Michailow um   ihm ein letztes Ultimatum zu stellen. Die Forderungen der ArbeiterInnen   wurden von Michailow arrogant zur&#252;ckgewiesen. Dies f&#252;hrte zu einer   Explosion unter den ArbeiterInnen. Am Morgen des 17. M&#228;rz organisierten   sie eine Versammlung im Verwaltungsgeb&#228;ude der Fabrik. Die Fabrikleitung   wollte mit Hilfe des Werksschutz die Versammlung sabotieren, dieser aber   stellte sich auf die Seite der ArbeiterInnen. Nur einige wenige private   Security-Leute unterst&#252;tzten die Werksleitung. Zusammen mit unserer   Schwesterorganisation &#8222;Sozialistischer Widerstand&#8220; und einigen   Journalisten st&#252;rmten etwa dreihundert ArbeiterInnen das Direktorenb&#252;ro,   obwohl Security &#8211; Leiter und Direktor der Fabrik massiv Widerstand   leisteten. Innerhalb von einer Minute war das B&#252;ro &#252;bervoll mit Menschen.<\/p>\n<p>  Nach Besetzung des B&#252;ros verlas die Gewerkschaftsvorsitzende Olga Boiko   laut die Forderungen der ArbeiterInnen: sofortige Zahlung des   r&#252;ckst&#228;ndigen Lohnes (seit 4 Monaten wurde dieser nicht gezahlt), volle   Aufrecherhaltung der Produktion, K&#252;ndigungsschutz auch im Falle des   Bankrottes. Boiko erkl&#228;rte vor allen Anwesenden &#8222; Es gibt keine   Verhandlungsbasis zwischen der Fabrikleitung und den ArbeiterInnen mehr,   es gibt nichts mehr zu reden. Wir und sie bleiben solange hier bis der   Staatsanwalt und der Ministerpr&#228;sident des Bezirks Jaroslavl kommen.&#8220;<\/p>\n<p>  Vier Stunden lang musste sich der Fabrikdirektor den unangenehmen Fragen   der ArbeiterInnen stellen. So fragten sie warum zwei Drittel des   Kapitals heimlich auf die Konten anderer privater Unternehmen &#252;berwiesen   wurde. Bei jeder Frage wurde der Direktor bleicher und wischte sich   nerv&#246;s den Schwei&#223; von seiner Glatze. Die ArbeiterInnen dr&#228;ngten den   Direktor bis an den Rand des Nervenzusammenbruchs, bis er lauthals   schrie &#8222;Ihr seid alle Provokateure&#8220;. Daraufhin schlug ein Arbeiter vor,   den Direktor &#8211; in Anlehnung an Beispiele aus der russischen Revolution &#8211;   in einer Schubkarre aus dem Werksgel&#228;nde zu schmei&#223;en.<\/p>\n<p>  Nach und nach kamen dutzende von Journalisten verschiedenen Zeitungen   und Fernsehsender zu der Fabrik. Die private Security blockierten   daraufhin die Eing&#228;nge der Fabrik um keinen Journalisten herein zu   lassen. Doch die ArbeiterInnen dr&#228;ngten die Security beiseite und bauten   gleich die gesamten T&#252;ren aus. Kurz darauf marschierte ein Trupp   Polizisten auf, um den Fabrikdirektor zu besch&#252;tzen. Diese f&#252;hlten sich   jedoch sichtlich unwohl in ihrer Haut und mussten H&#228;me und Witze von   Seiten der ArbeiterInnen &#252;ber sich ergehen lassen.<\/p>\n<p>  Sp&#228;ter kamen Vertreter verschiedener unternehmernaher (gelben)   Gewerkschaften und ein Vertreter des Bezirksindustrieministeriums. Den   einzigen Vorschlag den sie machten, war wieder an den Verhandlungstisch   zur&#252;ckzukehren. Nat&#252;rlich lehnten die ArbeiterInnen diesen Vorschlag ab.   Dann kam der Staatsanwalt, der erst behauptete eine Insolvenz k&#246;nne   nicht strafrechtlich verfolgt werden. Unter dem Druck der ArbeiterInnen   musste er aber eine Untersuchung zusagen. Die ArbeiterInnen forderten   endlich mit dem Ministerpr&#228;sidenten sprechen zu k&#246;nnen, doch sie wurden   mit der Begr&#252;ndung abgewiegelt der Minister sei nicht in der Stadt.   Stattdessen versprach der Stellvertreter des Ministerpr&#228;sidenten die   Arbeiter zusammen mit dem Staatsanwalt und den Gewerkschaftsspitzen in   drei Tagen zu besuchen. In Vorbereitung auf das Treffen w&#228;hlten die   ArbeiterInnen ein demokratisches Streikkomitee und drohten, dass wenn   ihre Forderungen nicht erf&#252;llt w&#252;rden sie radikalere Ma&#223;nahmen ergreifen   werden.<\/p>\n<p>  Nach diesem Treffen erkl&#228;rte sich die Bezirksregierung Jaroslavl bereit   die volle Verantwortung f&#252;r die Fabrik im Falle einer Insolvenz zu   &#252;bernehmen und die offenen Schulden f&#252;r Gas und Strom zu erlassen.   Ausserdem wurden die Fabrikbesitzer angewiesen innerhalb einer Woche   alle ausstehenden L&#246;hne zu zahlen. Und Schlussendlich versprach der   Stellvertreter des Ministerpr&#228;sidenten mit der russischen Regierung &#252;ber   eine Verstaatlichung der Fabrik zu verhandeln. F&#252;r die ArbeiterInnen ein   Sieg auf ganzer Linie.<\/p>\n<p>  Die Arbeiter von &#8222;Holodmasch&#8220; brauchen weiter Unterst&#252;tzung!   Solidarit&#228;tserkl&#228;rungen senden an:<\/p>\n<p>  tel.: (4852) 355614 (Ivan)<\/p>\n<p>  e-mail: <a href=\"mailto:bezduhovnost@list.ru\">bezduhovnost@list.ru<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahren k&#228;mpfen die Arbeiter der Fabrik &#8222;Holodmasch&#8220; in Jaroslavl<br \/>\n    (Nordrussland) gegen die korrupte Firmenleitung. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11573"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11573"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11573\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11573"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11573"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11573"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}