{"id":11564,"date":"2006-03-15T12:49:41","date_gmt":"2006-03-15T12:49:41","guid":{"rendered":".\/?p=11564"},"modified":"2006-03-15T12:49:41","modified_gmt":"2006-03-15T12:49:41","slug":"11564","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/03\/11564\/","title":{"rendered":"Neue Entwicklungen beim Streik im &#246;ffentlichen Dienst"},"content":{"rendered":"<p>Der Streik im &#246;ffentlichen Dienst ist inzwischen in die sechste Woche gegangen. Laut ver.di ist dieser Arbeitskampf mittlerweile der l&#228;ngste in der Geschichte des &#246;ffentlichen Dienstes seit achtzig Jahren. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Aron Amm, Berlin<\/i><\/p>\n<p>In Niedersachsen kursieren nun   Ger&#252;chte, dass f&#252;r die Kommunalbesch&#228;ftigten eine Einigung bald   bevorstehen k&#246;nnte. In Baden-W&#252;rttemberg vereinbarten ver.di und die   kommunalen Arbeitgeber eine Schlichtung. Ver.di benannte den fr&#252;heren   AOK-Chef von Baden-W&#252;rttemberg, Roland Sing, die Arbeitgeber beriefen   den Ex-Pr&#228;sidenten des baden-w&#252;rttembergischen Verwaltungsgerichtshofs,   Claus Meissner. Bis Sonntag soll ein Vorschlag unterbreitet werden.<\/p>\n<p>  Es droht, dass ver.di die Streiks in der Stuttgarter Region w&#228;hrend der   Schlichtung aussetzen k&#246;nnte &#8211; statt den Druck zu erh&#246;hen.   M&#246;glicherweise soll das auf einer Streikversammlung im Stuttgarter   DGB-Haus erreicht werden. Zudem ist davon die Rede, dass die IG Metall   bis Monatsende keine weiteren Warnstreiks im Rahmen des Tarifkonflikts   um die &#8222;Steink&#252;hler-Pause&#8220; plant.<\/p>\n<p>  SPD-Politiker bekommen allm&#228;hlich kalte F&#252;&#223;e, da sie &#8211; auch wegen der   Kandidaturen von WASG und der Linken &#8211; ihre Wahlchancen geschm&#228;lert   sehen. Die Besuche bei WASG-Treffen sind zwar schwach (in Stuttgart   waren bei einem Abend mit Tom Adler und Dieter Janssen nur 22   TeilnehmerInnen, obwohl 2.500 Flugbl&#228;tter verteilt wurden); das h&#228;ngt   damit zusammen, dass die WASG nicht als Kampfinstrument und konkrete   Hilfe gesehen wird. Dennoch spekulieren b&#252;rgerliche Wahlforscher, dass   die WASG auf Grund des Streiks bei den Landtagswahlen in   Baden-W&#252;rttemberg und Rheinland-Pfalz am 26. M&#228;rz ein bis zwei Prozent   zu legen k&#246;nnte (so der Tagesspiegel vom 13. M&#228;rz).<\/p>\n<p>  <b>Zugespitzte Auseinandersetzung<\/b><\/p>\n<p>  Nach wie vor ist der Arbeitskampf im &#246;ffentlichen Dienst nicht nur auf   Grund der L&#228;nge bedeutsam, sondern vor allem wegen der H&#228;rte der   Arbeitgeberseite: Einsatz von Hunderten von Streikbrechern   (LeiharbeiterInnen, Ein-Euro-Jobs), Ruf nach Polizeikr&#228;ften wie in   Osnabr&#252;ck, Medienhetze&#8230; J&#252;ngstes Beispiel: Freitag letzter Woche, also   am 10. M&#228;rz, hatten sich etwa 50 Krankenpflegesch&#252;lerInnen der   St&#228;dtischen Klinik in Duisburg an einem Soli-Streik in Essen beteiligt.   Daraufhin hatte die Klinikleitung bei ihrer R&#252;ckkehr die K&#252;ndigung   bekanntgegeben. Das hatte zur Folge, dass 300 bis 400 streikende   KollegInnen in Essen spontan in Busse stiegen und zur Klinik nach   Duisburg fuhren, um dagegen zu protestieren. Zun&#228;chst rief die   Klinikleitung dann nach der Polizei. Der Einsatzleiter teilte der   Klinikleitung aber bald mit, dass die DemonstrantInnen nicht abziehen   wollen und der K&#252;ndigungsbeschluss doch zur&#252;ckgenommen werden sollte.   Letztendlich lie&#223; der Klinikgesch&#228;ftsf&#252;hrer Reinhard Isenberg gegen&#252;ber   den demonstrierenden GewerkschafterInnen erkl&#228;ren, dass er sich   m&#246;glicherweise missverst&#228;ndlich ausgedr&#252;ckt habe. K&#252;ndigungen oder   Ma&#223;regelungen seien nicht beabsichtigt gewesen. Ein Beispiel also f&#252;r   erfolgreiche Solidarit&#228;t.<\/p>\n<p>  Ein SAV-Mitglied aus Hamburg berichtete &#252;ber die dortige   Streikversammlung der L&#228;nderbesch&#228;ftigten am 13. M&#228;rz, an der 300   KollegInnen teilgenommen haben, &#252;ber die Stimmung: &#8222;Die Diskussion war   recht kontrovers mit verschiedensten Schattierungen. Eine Reihe von   Mitgliedern hat ihren Unmut bekundet. Das war bereits in der vorherigen   Debatte &#252;ber die Aktivit&#228;ten sp&#252;rbar. In der ersten Diskussion haben   drei Leute nacheinander aus verschiedenen Bereichen den Wunsch ge&#228;u&#223;ert,   dass es ein Streikkomitee geben sollte, damit die Aktivit&#228;ten besser   organisiert werden k&#246;nnen. Das wurde von Siggi Fries, der zust&#228;ndigen   Funktion&#228;rin, ohne gro&#223;e Argumentation abgelehnt.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend des Referates von Rose gab es bereits zwei Rufe zum Thema   Arbeitszeit. Der eine war: &#8222;35 Stunde sind 100 Prozent&#8220; (Rose meinte   38,5 w&#228;ren 100 Prozent). Der andere Zuruf war: &#8222;F&#252;r 39,5 streike ich   nicht&#8220;.<\/p>\n<p>  Andere Kolleginnen haben die Spaltung der Arbeitszeit bei dem Abschluss   der Kommunalbesch&#228;ftigten kritisiert. Insbesondere KollegInnen von der   BSU haben den Abschluss scharf kritisiert. Auf dem   Betriebsgruppentreffen haben sie wohl einen Antrag verabschiedet, dass   sie f&#252;r gleiche Arbeitszeiten sind, und haben dar&#252;ber eine Abstimmung   gefordert. (Es hie&#223; von der Redeleitung Fries, dass diese Versammlung   nur ein Meinungsbild erstellen kann. Das Meinungsbild wurde sp&#228;ter   nat&#252;rlich nicht erstellt und der Antrag damit abgeb&#252;gelt). Es gab auch   resignierte Stimmen, die meinten, dass ein fauler Kompromiss von 39 oder   sogar 40 bei dieser Verhandlungstaktik sicher sind.&#8220;<\/p>\n<p>  <b>Die Frage der Ausdehnung des Arbeitskampfes<\/b><\/p>\n<p>  Um einer Ersch&#246;pfung der Streikenden entgegen zu wirken und den Druck   gegen die Arbeitgeber zu verst&#228;rken, w&#228;re bundesweit eine schnelle   Ausweitung aller streikbereiten Bereiche n&#246;tig. Nat&#252;rlich kann man nicht   &#252;ber die Erm&#252;dungserscheinungen hinweg gehen, die der wochenlange Streik   mit sich bringt. Vorschl&#228;ge, den Streik in einen Bereich vor&#252;bergehend   auszusetzen, um wieder Kr&#228;fte sammeln zu k&#246;nnen, d&#252;rfen auf keinen Fall   einfach abgetan werden. Im Vordergrund muss aber stehen, dass der beste   Weg, einem Abbr&#246;ckeln zuvorzukommen, eine Ausdehnung des Streiks w&#228;re &#8211;   und ein gemeinsamer Kampf mit den MetallerInnen.<\/p>\n<p>  Die &#214;ffentlichkeitsarbeit ist auch eine Schl&#252;sselfrage. Leserbriefe, wie   sie die ver.di-Spitze vorschl&#228;gt, sind bei weitem nicht genug.   Demonstrationen in der Innenstadt, Flugbl&#228;tter an die Bev&#246;lkerung und   andere Ma&#223;nahmen sind n&#246;tig.<\/p>\n<p>  <b>F&#252;r einen eint&#228;gigen Streik- und Protesttag aller Gewerkschaften und   Belegschaften der Region Stuttgart <\/b>    <\/p>\n<p>  Im Raum Stuttgart wird ein stadtweiter Streik- und Protesttag von   Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen Dienstes mit KollegInnen anderer   Bereiche, allen voran der MetallerInnen gefordert. Bei den MetallerInnen   l&#228;uft bekanntlich auch gerade ein Tarifkampf an (in   Nordw&#252;rttemberg-Nordbaden finden seit dem 1. M&#228;rz auch schon Warnstreiks   statt, da bez&#252;glich der &#8222;Steink&#252;hler-Pause&#8220; die Friedenspflicht vorbei   ist). AktivistInnen vom Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische   ver.di und Mitglieder der SAV setzen sich aktiv f&#252;r diese Losung ein.<\/p>\n<p>  In Stuttgart wurde ein Aufruf f&#252;r einen solchen Streik- und Protesttag   gestartet, der im &#246;ffentlichen Dienst bereits eine bemerkenswerte   Unterst&#252;tzerInnenliste vorweisen kann (unter anderem wurde ihm auf der   Streikversammlung vom Tiefbauamt Stuttgart zugestimmt; aus Schw&#228;bisch   Hall kam eine positive Zuschrift von einem Vorstandsmitglied des AGMAV   im Diakonischen Werk W&#252;rttemberg). Jetzt kommt es darauf an, auch unter   den MetallerInnen daf&#252;r zu werben. Dementsprechend wurde der Aufruf am   Dienstag, den 14. M&#228;rz in B&#246;blingen bei einer IG-Metall-Aktion   verbreitet und beim Metaller-Treffen in Stuttgart eingebracht.   Vereinbart wurde, f&#252;r diesen Vorschlag auch auf der Delegiertenkonferenz   der IG Metall am kommenden Samstag zu werben.<\/p>\n<p>  Im labournet hei&#223;t es zu der Initiative: &#8222;Solidarit&#228;t ist unsere St&#228;rke.   F&#252;r einen eint&#228;gigen Streik- und Protesttag aller Gewerkschaften und   Belegschaften der Region Stuttgart.&#8220; Aufruf f&#252;r die Idee eines Streik-   und Protesttages in der Region Stuttgart zur Unterst&#252;tzung der   Streikenden im &#246;ffentlichen Dienst (pdf). <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/diskussion\/gewerkschaft\/tarif06\/soli_s.pdf\">http:\/\/www.labournet.de\/diskussion\/gewerkschaft\/tarif06\/soli_s.pdf <\/a>    <\/p>\n<p>  Neben den bisherigen ErstunterzeichnerInnen wird der Aufruf einstimmig   unterst&#252;tzt von der Streikversammlung am B&#252;rgerhospital Stuttgart am 10.   M&#228;rz.<\/p>\n<p>  Aus dem Text: &#8222;&#8230;Die Gewerkschaftsbewegung ist gefordert, die harte   Gangart der Arbeitgeber mit der B&#252;ndelung und Steigerung ihrer   Kampfkraft zu begegnen. Die anhaltende Sympathie in der Bev&#246;lkerung f&#252;r   den Streik im &#246;ffentlichen Dienst sollte baldm&#246;glichst &#246;ffentlich   bekundet werden. Dies zu organisieren betrachten wir als Aufgabe des DGB   und der Einzelgewerkschaften. Wir schlagen deshalb dem DGB und den   Einzelgewerkschaften der Region Stuttgart vor, baldm&#246;glichst zu einem   eint&#228;gigen Streik- und Protesttag gegen Arbeitsplatzvernichtung und zur   Solidarit&#228;t mit den Streikenden im &#246;ffentlichen Dienst aufzurufen. Alle   Bereiche, die aus der Friedenspflicht sind (Metallindustrie, EnBW,   Einzelhandel&#8230;) sollten zu einem gemeinsamen eint&#228;gigen Warnstreik mit   gemeinsamer Demonstration und Kundgebung vor dem Rathaus aufgerufen   werden. Alle anderen Belegschaften (einschlie&#223;lich der BeamtInnen)   sollten w&#228;hrend der Arbeitszeit zur Demonstration und Kundgebung   aufgerufen werden&#8230;.&#8220; Weitere Unterst&#252;tzerInnen melden sich bei: <a href=\"mailto:dieter.janssen@freenet.de\">dieter.janssen@freenet.de<\/a>.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Streik im &#246;ffentlichen Dienst ist inzwischen in die sechste Woche<br \/>\n    gegangen. 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