{"id":11563,"date":"2006-03-15T12:40:56","date_gmt":"2006-03-15T12:40:56","guid":{"rendered":".\/?p=11563"},"modified":"2006-03-15T12:40:56","modified_gmt":"2006-03-15T12:40:56","slug":"11563","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/03\/11563\/","title":{"rendered":"Bericht von der Kreismitgliederversammlung in M&#252;nchen"},"content":{"rendered":"<p>Drohungen gegen Berliner WASG, Hetze gegen die SAV, R&#252;cktritte, Chaos und viel Bier <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am Montag den 13. M&#228;rz fand in M&#252;nchen die Kreismitgliederversammlung   der WASG statt. Die Versammlung mit ihren Turbulenzen, Drohungen,   Auseinandersetzungen, die letztendlich im Chaos zu versinken drohte,   konnte selbst hartgesottene Bayern &#252;berraschen. Ein norddeutscher   Besucher der Veranstaltung, der zuf&#228;llig an meinem Tisch sa&#223;, wurde im   Laufe des Abends immer blasser. Das es die knallige   Bierhallenatmosph&#228;re, die Lion Feuchtwanger in seinem Roman &#8222;Erfolg&#8220;   beschreibt auch auf links gibt, &#252;berraschte ihn sichtlich.<\/p>\n<p>  <b>Drohungen und Krawall<\/b><\/p>\n<p>  Die Versammlung in einer bekannten M&#252;nchner Kneipe dauerte von 19 Uhr   bis fast 2 Uhr am n&#228;chsten Morgen.. Den ersten H&#246;hepunkt des Abends   setzte der Landesvorsitzende Fritz Schmalzbauer. Im besten bayrisch   erkl&#228;rte er den Versammelten: &#8222;Heute Abend um 22 Uhr machen wir im   Bundesvorstand eine Telefonkonferenz. Wir lassen nicht zu, dass die   Berliner Sektierer (gemeint war der Landesverband der WASG-Berlin) so   weitermachen. Wir werden denen schon heimleuchten.&#8220; Ein Teil der   Versammelten applaudierte frenetisch. Ohne Argumente wetterte   Schmalzbauer gegen &#8222;die Berliner&#8220;, die sich offensichtlich der   &#8222;bayerischen Vernunft&#8220; entziehen. Eine Debatte zu dem Gru&#223;wort des   Landesvorsitzenden Schmalzbauer gab es nicht. Jedoch sorgte ein Antrag   gleich nach dem Gru&#223;wort des Landesvorsitzenden f&#252;r ziemliche Erregung.   Auf der Tagesordnung stand nicht nur der Bericht des alten   Kreisvorstandes zu seiner Arbeit, sondern das KV-Mitglied Frank Rehberg   sollte zur &#8222;Urabstimmung&#8220; und dem Parteifusionsprozess sprechen. Ein   Mitglied der WASG beantragte f&#252;r Max Brym, ein anderes Mitglied des   K-Vorstandes ein Korreferat, mindestens aber 10 Minuten Redezeit f&#252;r   ihn. Der Antragsteller machte deutlich, dass es auch in M&#252;nchen nicht   nur die Haltung von Schmalzbauer und Rehberg zur &#8222;Einheit der Linken&#8220;   gibt. &#8222;Es entspricht den demokratischen Gepflogenheiten, auch der   anderen Position die M&#246;glichkeit zu geben sich darzustellen&#8220; sagte der   Antragsteller. Neben Beifall gab es sofort johlende Zwischenrufe wie,   &#8222;Nix da!&#8220;. F&#252;r den Kreisvorstand formulierte Georg Waesler einen   Gegenantrag, Waesler erkl&#228;rte: &#8222;Wir haben bereits im Kreisvorstand   beschlossen, dem Max Brym keine l&#228;ngere Redezeit zu gew&#228;hren. Dabei   bleibts auch, wir sollten sogar sehr darauf achten, dass der Max nicht   l&#228;nger als 3 Minuten spricht&#8220;. Etwas mehr als die H&#228;lfte der Anwesenden   (&#252;ber 80 Personen) folgten dem Antrag von Waesler.<\/p>\n<p>  <b>Rehbergs Eigentore<\/b><\/p>\n<p>  Bis zum Bericht von Frank Rehberg g&#228;hnte die Mitgliedschaft, ging eine   rauchen, denn die &#8222;Formalien kennt man ja&#8220;. Erst als Frank Rehberg ans   Pult trat, f&#252;llte sich der Saal wieder und die Aufmerksamkeit stieg.   Rehberg sprach fast 40 Minuten und verpackte den Rechenschaftsbericht   des KV gleich mit seiner Haltung zu Berlin, zur SAV, den &#8222;Sektierern&#8220; im   allgemeinen und Max Brym im besonderen. Rehberg bezweifelte die   Legitimation der Berliner WASG nach der Urabstimmung. Der sonst eher   akademisch daher kommende Rehberg verwandte Formulierungen wie: &#8222;Wir   lassen uns das aus Berlin nicht gefallen&#8220; usw. Besonders lag Rehberg   aber die k&#252;rzlich gegr&#252;ndete SAV Gruppe in M&#252;nchen am &#8222;Herzen&#8220;. Er   nannte die SAV nicht tolerierbar, warf ihr gnadenloses Sektierertum vor   und forderte deren Ausgrenzung. Max Brym wurde von Rehberg ca. 10   Minuten lang pers&#246;nlich attackiert und als &#8222;Spalter&#8220; und Gegner   tituliert. Mit keinem Wort begr&#252;ndete er seine Angriffe gegen die SAV,   die Berliner ( Rehberg differenzierte dabei nicht zwischen SAV und   Berliner WASG) und Max Brym inhaltlich. Es war eine einzige   unvers&#246;hnliche Schimpfkanonade. Diese Schimpfkanonade ging nach hinten   los, viele Parteimitglieder meinten, dass dieser keinen   Rechenschaftsbericht liefert und er ist unversch&#228;mt pers&#246;nlich, obwohl   er weiss, dass der Brym nur begrenzt reagieren kann. Andere nannten die   Rede Rehbergs eine &#8222;Unversch&#228;mtheit&#8220; und einige meinten gar , &#8222;der will   aus der WASG einen sektiererischen monolitischen Block machen.&#8220; Der   Beifall f&#252;r Rehberg hielt sich trotz seiner Kraftausdr&#252;cke in der   Bierhalle in argen Grenzen.<\/p>\n<p>  <b>Die Debatte<\/b><\/p>\n<p>  In die Debatte stieg als erster Max Brym ein. Brym erkl&#228;rte den   zuckenden Schmalzbauer und Rehberg Anh&#228;ngern, &#8222;dass er auf ihre   pers&#246;nlichen Angriffe nicht eingehe, weil ihm dazu die Zeit fehle und   diese Diffamierungen auf sie selbst zur&#252;ck fielen&#8220;. Schmalzbauer rief   dazwischen &#8222;Brym und SAV schleicht&#180;s euch&#8220;. Dann stellte Max Brym klar,   wie demokratisch die Entscheidung in Berlin f&#252;r eine eigenst&#228;ndige   Kandidatur der WASG gefallen sei. Es gab zwei Parteitage mit eindeutigen   Beschl&#252;ssen in Berlin und die Urabstimmung mit einem Resultat. Brym   verglich die &#8222;seltsame bayrische Mathematik Rehbergs bez&#252;glich der   Entscheidung der Berliner mit dem legend&#228;ren Auftritt von Gerhard   Schr&#246;der am 18. September 2005.&#8220; Brym sagte: &#8222;Du rechnest genauso   bl&#246;dsinnig wie Schr&#246;der nach der verlorenen Bundestagswahl&#8220;. Brym warnte   noch vor &#8222;der sektiererischen Verengung bei der Schaffung einer linken   Massenpartei&#8220;. Er meinte damit die Einheit der Linken auf WASG und PDS   ohne inhaltliche Kl&#228;rung zu reduzieren. Mein Nachbar aus Norddeutschland   sagte: &#8222;Der Typ kann reden, jetzt ist mir klar, warum er kein Koreferat   halten durfte&#8220;. Nach Brym stieg der L&#228;rmpegel neuerlich an, als das SAV   und WASG Mitglied Oliver Stey redete. Er warnte entschieden vor der &#8222;SAV   Hysterie im Lande Bayern&#8220; und nannte Rehberg &#8222;einen substanzlosen   Schw&#228;tzer, der zu Berlin zwar auch ein paar linke Worte findet, aber   letztendlich der Berliner WASG den Antritt gegen die neoliberalen   Senatoren verbieten will&#8220;. Andere Redner des Kreisvorstandes legten den   SAV Mitgliedern nahe, die WASG zu verlassen. Woraufhin die Rednerin des   K-Vorstandes mit Rufen wie &#8222;Spalterin, Spalterin&#8220; unterbrochen wurde.   Viele Redner griffen Rehberg wegen seines Stils und seinem nicht   &#8222;gehaltenen Rechenschaftsbericht&#8220; an. Diese Menschen waren zum Teil   urspr&#252;nglich vom Landesgesch&#228;ftsf&#252;hrer Albert Lochner in Marsch gesetzt   worden, um die Zusammensetzung des Kreisvorstandes auf prinzipienloser   Grundlage zu ver&#228;ndern. Im Laufe der Debatte bekam das Ganze aber eine   Eigendynamik, Rehberg hatte sich derma&#223;en verrannt, das ihn weder   &#8222;Linke&#8220; noch &#8222;Rechte&#8220; noch einfache WASG Mitglieder ohne gro&#223;e   politische Vergangenheit w&#228;hlen konnten<\/p>\n<p>  <b>Wahlen, Eskalation und Chaos<\/b><\/p>\n<p>  Nach der Aufstellung der Kandidatenliste spielten die altgedienten   Gewerkschaftsfunktion&#228;re um Waesler und Rehberg ihre letzte Karte aus.   In pers&#246;nlichen Ausf&#252;hrungen erkl&#228;rten sie ihren Verzicht auf die   Kandidatur. Die Hoffnung dabei war, dass man sie anflehen w&#252;rde doch   wieder zu kandidieren und andere ihre Kandidatur zur&#252;ckziehen w&#252;rden.   Diese Karte stach nicht. Die Erkl&#228;rung wurde kurz vor 1 Uhr nachts von   den verbliebenen Mitgliedern kommentarlos hingenommen. Die &#8222;Anti   SAV-Hetze&#8220; hat Waesler und Rehberg nicht gerettet, im Gegenteil. Den   neuen Kreisvorstand bilden bis auf ein zwei Ausnahmen Menschen ohne   gro&#223;en politischen Hintergrund. Das erregte Schmalzbauer und Lochner,   Lochner wollte im neuen Kreisvorstand eine Mehrheit, aber nicht ohne die   erfahrenen Apperatleute von Verdi. Die Gr&#252;nderriege der WASG hat in   M&#252;nchen keine Funktionen mehr. Die Wahl von sogenannten Praktikern traf   das Bed&#252;rfnis vieler einfacher WASG Mitglieder. Sie wollten wohl keine   Versammlung mehr im Bierdunst bis fast 2 Uhr morgens erleben. Max Brym   erzielte bei der Wahl ein annehmbares Ergebnis. Besonders gut war das   Ergebnis des SAV Mitglieds Beate Jenkner, sie erhielt 21 Stimmen von 56   Wahlberechtigten. Das reichte aber nicht, um in den neuen Kreisvorstand   einzuziehen. W&#228;hrend des Wahlgangs wurde wild im Saal gestritten, einige   hockten m&#252;de im Bierdunst und selbst Schmalzbauer sprach zu einem seiner   Adjutanten vom &#8222;Chaos&#8220;. Dieses Chaos k&#246;nnte aber auch zu einer   lehrhaften Lektion werden. Die Machtverh&#228;ltnisse im Kreisverband wurden   v&#246;llig ver&#228;ndert, vielleicht lernen einige doch noch, dass w&#252;ster   Antikommunismus innerhalb der WASG nichts bringt. Auf alle F&#228;lle hat die   K-Mitgliederversammlung auch unter den orts&#252;blichen Verh&#228;ltnissen (Bier   und Schreierei) gezeigt, die Mitgliedschaft ist f&#252;r bestimmte   Funktion&#228;re nicht berechenbar.<\/p>\n<p>  <i>Alexandra Cohen, M&#252;nchen<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drohungen gegen Berliner WASG, Hetze gegen die SAV, R&#252;cktritte, Chaos und<br \/>\n    viel Bier <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11563"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11563"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11563\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11563"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11563"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11563"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}