{"id":11555,"date":"2006-03-06T13:30:44","date_gmt":"2006-03-06T13:30:44","guid":{"rendered":".\/?p=11555"},"modified":"2006-03-06T13:30:44","modified_gmt":"2006-03-06T13:30:44","slug":"11555","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/03\/11555\/","title":{"rendered":"Wie demokratisch ist die Pr&#228;sidentin der Rostocker B&#252;rgerschaft?"},"content":{"rendered":"<p>Offener Brief von Christine Lehnert, SAV-B&#252;rgerschaftsabgeordnete in Rostock <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  An die Pr&#228;sidentin der B&#252;rgerschaft der Hansestadt Rostock<\/p>\n<p>  An das Pr&#228;sidium der B&#252;rgerschaft der Hansestadt Rostock<\/p>\n<p>  An den Oberb&#252;rgermeister der Hansestadt Rostock<\/p>\n<p>  <b>zur Kenntnis an die Presse<\/b><\/p>\n<p>  Rostock,den 28.2.2006<\/p>\n<p>  Offener Brief<\/p>\n<p>  <i>Arbeitspl&#228;tze in Rostock und NPD-Aufmarsch gehen die Gemeinde nichts   an? oder <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Wie demokratisch ist die Pr&#228;sidentin der Rostocker B&#252;rgerschaft?<\/i><\/p>\n<p>  In den letzten Monaten meiner T&#228;tigkeit als Mitglied der Rostocker   B&#252;rgerschaft n&#228;hrt sich in mir immer mehr der Verdacht, dass die   Pr&#228;sidentin der Rostocker B&#252;rgerschaft alles andere als unparteiisch   ihres Amtes waltet.<\/p>\n<p>  Dem aufmerksamen Beobachter wird w&#228;hrend der B&#252;rgerschaftssitzungen   immer wieder deutlich, dass ein Unterschied zwischen den Abgeordneten   der Fraktionen von CDU, SPD und B90 einerseits und denen von   Linkspartei, Rostocker Bund und der SAV andererseits gemacht wird.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend Mitglieder wie Maxi Mahlzahn (Fraktion B90) oder Kay-Uwe Nissen   (CDU-Fraktion) eine sehr dehnbare Redezeitbegrenzung haben oder anderen   ins Wort fallen d&#252;rfen, bekommen andere Mitglieder wie Elisabeth Rode   (PDS) oder ich selbst sehr schnell das Ende des Spielraums der   Gesch&#228;ftsordnung zu sp&#252;ren. So nutzten die Fraktionen von CDU, SPD und   B90 nach dem Bericht des Oberb&#252;rgermeisters auf der Sitzung am 7.12.2005   das Mittel der &#8222;Pers&#246;nlichen Erkl&#228;rung&#8220; um eine Stellungnahme f&#252;r ihre   Fraktionen abzugeben, was an sich nach der Rede des Oberb&#252;rgermeisters   nicht zul&#228;ssig ist. Die Pr&#228;sidentin musste erst von anderen Mitgliedern   der B&#252;rgerschaft auf die Einhaltung der Gesch&#228;ftsordnung hingewiesen   werden. Als Steffen Bockhahn bei einer fr&#252;heren Sitzung eine Nachfrage   zum Bericht des OB&#180;s stellen wollte, wurde er sofort gem&#228;&#223;   Gesch&#228;ftsordnung abgwiesen.<\/p>\n<p>  Der neueste Versuch jedoch, Antr&#228;ge von scheinbar unbequemen Mitgliedern   der B&#252;rgerschaft gar nicht erst auf die Tagesordnung zu nehmen sondern   de facto zu verbieten, ist ungeheuerlich.<\/p>\n<p>  So wurde der Antrag &#8222;Unterst&#252;tzung f&#252;r die KollegInnen der   Ostsee-Zeitung. Nein zu den Entlassungspl&#228;nen&#8220;, der die Unterst&#252;tzung   der vom Stellenabbau bei der OZ betroffenen Rostocker und Rostockerinnen   durch die Rostocker B&#252;rgerschaft und den Oberb&#252;rgermeister fordert, mit   der Begr&#252;ndung, dies w&#252;rde nicht die Interessen der Gemeinde ber&#252;hren,   von der Pr&#228;sidentin abgelehnt. Im Protokoll liest sich dies wie folgt:   &#8222;Die Angelegenheit wird aus formalen Gr&#252;nden nicht auf die Tagesordnung   gesetzt. Die Gemeindevertretung ist nur f&#252;r Angelegenheiten der Gemeinde   zust&#228;ndig. Dazu geh&#246;ren &#8222;alle Bed&#252;rfnisse und Interessen, die in der   &#246;rtlichen Gemeinschaft wurzeln oder auf sie einen spezifischen Bezug   haben, die also den Gemeindeeinwohnern gerade als solchen gemeinsam   sind, indem sie das Zusammenleben der Menschen in der Gemeinde betreffen   (BVerfGE 79, 127, 151 f). Dieser Ortsbezug ist eng auszulegen, wenn die   Angelegenheit Kompetenzen des Bundes oder der L&#228;nder ber&#252;hrt.&#8220; (Gentner   in: Schweriner Kommentierung der Kommunalverfassung, 3. Aufl., &#167; 22,   Rdn. 5). F&#252;r die Angelegenheit, die dem Antrag zu Grunde liegt, sind die   Tarifparteien zust&#228;ndig. Die Hansestadt Rostock ist in dieser   Angelegenheit keine Tarifpartei.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Hansestadt ist auch bei dem Antrag 0413\/05, der den   Oberb&#252;rgermeister in seinen Bem&#252;hungen f&#252;r den Erhalt von Scandlines in   Rostock unterst&#252;tzt, keine Tarifpartei. Trotzdem fand sich dieser Antrag   auf der Tagesordnung der B&#252;rgerschaft vom 04.05.2005. Auch der Forderung   der SPD, der Oberb&#252;rgermeister m&#246;ge sich bei der Landesregierung um mehr   Mittel bei der Novellierung des Finanzausgleichgesetzes einsetzen   (0736\/05 vom 02.11.2005), wurde gefolgt. Der Oberb&#252;rgermeister darf sich   aber nicht f&#252;r die Arbeitspl&#228;tze bei der OZ einsetzen?<\/p>\n<p>  In allen F&#228;llen handelt es sich um weitgefasstere Angelegenheiten, die   jedoch trotz allem einen Bezug zur Hansestadt Rostock und der hier   lebenden Menschen haben. Weshalb wird hier mit zweierlei Ma&#223; gemessen?<\/p>\n<p>  Auch der Antrag 0333\/05 der Fraktionen von B90 und PDS wurde behandelt.   Hier wurde gefordert, der Oberb&#252;rgermeister m&#246;ge sich gegen die   Bennenung des neuen Flughafenterminals nach Ohain einsetzen. Laut   Verwaltung war dies dem Oberb&#252;rgermeister aufgrund der   Gesellschafterzusammenh&#228;nge gar nicht m&#246;glich &#8211; trotzdem wurde der   Antrag behandelt.<\/p>\n<p>  Anders hingegen ist wieder der Umgang mit einem Antrag meiner Person.<\/p>\n<p>  Angesichts des bevorstehenden Aufmarsches der NPD am 1.Mai 2006   formulierte ich einen Beschlussvorschlag, der wie folgt lautet: &#8222;Die   B&#252;rgerschaft fordert den Oberb&#252;rgermeister auf, die Einwohnerinnen und   Einwohner in der n&#228;chsten Ausgabe des St&#228;dtischen Anzeigers &#252;ber die   Demonstration der NPD am 1. Mai 2006, deren Verlauf und die sich daraus   ergebenen Umst&#228;nde zu informieren.&#8220;<\/p>\n<p>  Auch hier wird die Behandlung der Angelegenheit und die Entscheidung   &#252;ber den Antrag gar nicht erst der B&#252;rgerschaft vorgelegt. Die   Begr&#252;ndung der Pr&#228;sidentin der B&#252;rgerschaft: &#8222;Die Angelegenheit wird aus   formalen Gr&#252;nden nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Der   Oberb&#252;rgermeister ist als Kreisordnungsbeh&#246;rde gem&#228;&#223; &#167; 2 der   Landesverordnung &#252;ber die zust&#228;ndigen Beh&#246;rden nach dem   Versammlungsgesetz (VersG-ZustVO) die sachlich zust&#228;ndige Beh&#246;rde in   Versammlungsangelegenheiten. Kreisordnungsbeh&#246;rde ist nach &#167; 2 Abs. 1   SOG M-V die f&#252;r die Gefahrenabwehr zust&#228;ndige Ordnungsbeh&#246;rde. Die   Gefahrenabwehr wird gem&#228;&#223; &#167; 1 Abs. 4 SOG M-V von den kreisfreien St&#228;dten   als Landesaufgabe im &#252;bertragenen Wirkungskreis wahrgenommen. Insoweit   handelt es sich bei dem Aufmarsch der NPD am 1. Mai 2006 nicht um eine   eigene Angelegenheit der Gemeinde, die m&#246;glicherweise der Entscheidung   der B&#252;rgerschaft vorbehalten ist. Die B&#252;rgerschaft ist daher nicht   berechtigt, den Oberb&#252;rgermeister zu beauflagen, etwaige Informationen   &#252;ber einen Aufmarsch der NPD am 1. Mai 2006 an die Einwohnerinnen und   Einwohner Rostocks zu geben.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Antrag schl&#228;gt jedoch keine Entscheidung &#252;ber den Aufmarsch vor.   Dies ist laut g&#252;ltigen Gesetzen nicht zul&#228;ssig. Die angef&#252;hrten Gesetze   sagen jedoch nichts dar&#252;ber aus, ob und wie der Oberb&#252;rgermeister von   der B&#252;rgerschaft aufgefordert werden kann, die &#214;ffentlichkeit &#252;ber eine   in der Stadt Rostock angemeldete Demonstration zu informieren. Die   Abweisung dieses Antrages ist also gesetzeswidrig und widerspricht auch   den aktuellen Bestrebungen in MV, durch ein Informationsfreiheitsgesetz   den Zugang zu Beh&#246;rdeninfos zu erleichtern.<\/p>\n<p>  Aber auch hier zeigt die Handhabung &#228;hnlicher Antr&#228;ge, dass die   Pr&#228;sidentin mit CDU-Mitgliedschaft in der Tasche, sehr undemokratisch   agiert.<\/p>\n<p>  Der Antrag der PDS-Fraktion (0358\/05 vom 06.04.2005) auf eine umfassende   Information der Einwohner\/innen zum Verfassungsentwurf der Europ&#228;ischen   Union wurde zum Beispiel behandelt, obwohl die Stellungnahme der   Verwaltung betonte: &#8222;Die &#214;ffentlichkeitsarbeit f&#252;r die Angelegenheiten   der Europ&#228;ischen Union geh&#246;rt nicht zu den laufenden Gesch&#228;ften der   Verwaltung.&#8220;<\/p>\n<p>  Angesichts dieser Faktenlage fordere ich die Pr&#228;sidentin der   B&#252;rgerschaft auf, dieser Ungerechtigkeit sofort ein Ende zu bereiten und   die von mir gestellten Antr&#228;ge unverz&#252;glich auf die Tagesordnung der   B&#252;rgerschaftssitzung zu setzen.<\/p>\n<p>  Den Menschen in Rostock kann und will ich gleichzeitig versichern, dass   ich mich durch solche Schikanen nicht einsch&#252;chtern lassen werde und   mich weiter f&#252;r die Interessen der Besch&#228;ftigten, Erwerbslosen, Rentner   und Jugendlichen in dieser Stadt einsetzen werde.<\/p>\n<p>  Christine Lehnert<br \/>Mitglied der B&#252;rgerschaft der Hansestadt Rostock   f&#252;r die SAV\/Liste gegen Sozialkahlschlag<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offener Brief von Christine Lehnert, SAV-B&#252;rgerschaftsabgeordnete in<br \/>\n    Rostock <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[104],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11555"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11555"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11555\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}