{"id":11554,"date":"2006-03-02T12:26:05","date_gmt":"2006-03-02T12:26:05","guid":{"rendered":".\/?p=11554"},"modified":"2006-03-02T12:26:05","modified_gmt":"2006-03-02T12:26:05","slug":"11554","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/03\/11554\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir streiken weiter!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Politischer (Streik-)Aschermittwoch&#8220; in Stuttgart <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am dritten Tag der vierten Streikwoche fand wieder eine gr&#246;&#223;ere   Streikversammlung im Stuttgarter Gewerkschaftshaus statt. Die   Beteiligung war so gut, dass der gro&#223;e Saal nicht ausreichte und die   Zwischenwand zum benachbarten kleinen Saal entfernt wurde.<\/p>\n<p>  <i>von Wolfram Klein, Weil der Stadt<\/i><\/p>\n<p>  Ver.di-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Bernd Riexinger berichtete, dass die Drohung der   Stadt Stuttgart, private M&#252;llentsorger als Streikbrecher einzusetzen   vorl&#228;ufig vom Tisch sei. Nachdem ver.di gedroht hatte, die   Notdienstvereinbarung zu k&#252;ndigen und auch den Winterdienst zu   bestreiken habe man sich geeinigt, den Notdienst um zwei Fahrzeuge f&#252;r   &#8222;seuchenhygienisch kritische Stellen&#8220; zu erweitern.<\/p>\n<p>  Riexinger r&#228;umte ein, dass die Notdienstvereinbarungen gro&#223;z&#252;giger   seien, als viele KollegInnen f&#252;r richtig hielten. Er gab zu, dass das   Durchlassen der Fahrzeuge f&#252;r den Notdienst die Streikmoral untergrabe.   Auf der anderen Seite sei so eine Eskalation und der Einsatz Privater   verhindert worden. Wenn die Stadt Notdienste missbrauche, um normalen   M&#252;ll einzusammeln, werde die Vereinbarung wieder gek&#252;ndigt werden. Heute   morgen h&#228;tten sich die Streikenden geweigert, den zus&#228;tzlichen Notdienst   zu machen und gemeint, die zus&#228;tzlichen Fahrzeuge sollten die &#8222;Kapos&#8220;   selber fahren.<\/p>\n<p>  Riexinger verwahrte sich gegen Kritik an der Streikf&#252;hrung, mahnte zur   Geschlossenheit &#8211; und erkl&#228;rte, dass man den Streik auswerten m&#252;sse. Im   ersten Streik nach 14 Jahren h&#228;tten sich nat&#252;rlich Schw&#228;chen gezeigt,   bis zum n&#228;chsten Streik d&#252;rfe es nicht wieder 14 Jahre dauern.<\/p>\n<p>  Den Tarifabschluss in Hamburg bewertete Bernd Riexinger als gut. Sp&#228;ter   kritisierte eine Kollegin, dass Hamburg aus der Streikfront ausgeschert   sei und damit den Streik geschw&#228;cht habe. Riexinger meinte, dass ein   guter Abschluss keine Schw&#228;chung sondern eine St&#228;rkung f&#252;r die anderen   Bundesl&#228;nder sei. An diesem Punkt hielt sich der Beifall in Grenzen.<\/p>\n<p>  Es scheint unter den Besch&#228;ftigten eine betr&#228;chtliche Skepsis gegen&#252;ber   den gestaffelten Arbeitszeiten zu geben.<\/p>\n<p>  Bern Riexinger berichtete au&#223;erdem noch &#252;ber die Verhandlungen. Die   Arbeitgeberv h&#228;tten bis gestern an der 40-Stunden-Woche festgehalten.   Ver.di hatte den Arbeitgebern ein Ultimatum gestellt, sich bei den   Verhandlungen am Mittwoch zu bewegen oder sie werden abgebrochen (was im   Verlauf des Mittwochs dann passierte). Um den Druck zu verst&#228;rken, rief   er dazu auf, mittags vom Gewerkschaftshaus zum Hotel Maritim zu gehen,   um beim Beginn der Verhandlungen Druck zu machen.<\/p>\n<p>  Riexinger ging nicht davon aus, dass es so schnell ein Ergebnis geben   werde. Auf jeden Fall werde der Streik auch bei einem Ergebnis bis zur   Urabstimmung weitergehen. Deshalb m&#252;sse man auch eine Ausweitung des   Streiks n&#228;chste Woche vorbereiten. Am Montag, 6.3., werde es auf jeden   Fall wieder eine Gro&#223;demo in Stuttgart geben, diesmal auch mit   KollegInnen aus Heilbronn, Karlsruhe, Mannheim etc., zu der 10.000   TeilnehmerInnen erwartet w&#252;rden.<\/p>\n<p>  KollegInnen w&#252;rden gerade in Feuerbach warnstreikenden KollegInnen bei   Bosch eine Solidarit&#228;tserkl&#228;rung &#252;berbringen, so wie es umgekehrt   Solidarit&#228;tserkl&#228;rungen von MetallerInnen aus Mettingen, Untert&#252;rkheim   und Sindelfingen gegeben habe. Es laufen Gespr&#228;che mit der IG Metall, ob   am Montag ein gemeinsamer Streik m&#246;glich ist &#8211; es sei aber nicht sicher,   ob sich das mit der IGM-internen Planung vereinbaren lasse. Bei diesem   Teil der Rede gab es den meisten Beifall. Bei der Ank&#252;ndigung, den   Streik wieder auszuweiten, kam zum ersten Mal richtig Stimmung auf!<\/p>\n<p>  Danach sprachen noch mehrere KollegInnen aus verschiedenen Bereichen:   Ein Kollege vom Staatstheater, wo die Besch&#228;ftigten heute morgen spontan   beschlossen, ihren 12. Streiktag zu machen, schlug unter gro&#223;em Beifall   vor, die im Streik entstandenen M&#252;llberge bestehen zu lassen und zum   Gesamtkunstwerk zu erkl&#228;ren&#8230;<\/p>\n<p>  Ein Kollege von der AWS kritisierte, dass die Streikposten bei der   M&#252;llabfuhr nur morgens bis 9.00 oder 10.00, aber nicht ganzt&#228;gig gut   besetzt sind. Das soll die n&#228;chsten Tage besser organisiert werden.<\/p>\n<p>  Eingerahmt wurde die Veranstaltung von einem Kulturprogramm. Danach   wollten sich die Besch&#228;ftigten der verschiedenen Bereiche separat   treffen und den weiteren Streik planen.<\/p>\n<p>  Etwa gegen 12.15 zogen dann alle gemeinsam in einer spontanen   Demonstration vom Gewerkschaftshaus zum Hotel Maritim, wo sie von   Mitgliedern der ver.di-Verhandlungskommission erwartet wurden.   Landesleiterin Sibylle Stamm sagte: &#8222;Ich freue mich, dass weiter   gestreikt wird, und es ist n&#246;tig, denn am Verhandlungstisch bewegt sich   leider nichts.&#8220; Sie protestierte gegen die Demagogie der Arbeitgeber,   die mehr Ausbildungspl&#228;tze versprechen, aber gleichzeitig mit ihrer   Arbeitszeitverl&#228;ngerung die Stellen streichen wollen, in die sie danach   &#252;bernommen werden k&#246;nnten. Sie versicherte: &#8222;Wir streiken f&#252;r die   Sicherung von 10.000 gef&#228;hrdeten Arbeitspl&#228;tzen, f&#252;r die   38,5-Stunden-Woche.&#8220; Danach sprach ver.di-Verhandlungsf&#252;hrer Wohlfart   und griff die starre Haltung der Arbeitgeber an und versicherte den   Streikenden, sie w&#252;rden genug Sitzfleisch haben und so lange verhandeln,   bis ein Ergebnis in ihrem Sinne herauskomme. Im Anschluss sprach noch   ein Vertreter der ver.di-Jugend, der ebenfalls den Versuch der   Arbeitgeber anprangerte, Auszubildende gegen Besch&#228;ftigte auszuspielen.<\/p>\n<p>  Die Kundgebung war sehr lebhaft mit Pfeifkonzerten f&#252;r die Arbeitgeber   und immer wieder neuen Sprechch&#246;ren. Der Sprechchor, der mit der gr&#246;&#223;ten   Begeisterung gerufen wurde, lautete einfach: &#8222;Wir streiken weiter!&#8220;<\/p>\n<p>  Dann kam die Meldung, dass die Arbeitgebervertreter schon durch einen   Hintereingang ins Hotel geschlichen seien. Daraufhin zogen die   Streikenden zum Gewerkschaftshaus zur&#252;ck, mit dem festen Vorsatz bei   weiteren Verhandlungen wiederzukommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Politischer (Streik-)Aschermittwoch&#8220; in Stuttgart <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11554"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11554"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11554\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}