{"id":11550,"date":"2006-02-28T12:52:35","date_gmt":"2006-02-28T12:52:35","guid":{"rendered":".\/?p=11550"},"modified":"2006-02-28T12:52:35","modified_gmt":"2006-02-28T12:52:35","slug":"11550","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/02\/11550\/","title":{"rendered":"Offener Brief an Oskar Lafontaine"},"content":{"rendered":"<p>von Sascha Stanicic<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Lieber Oskar Lafontaine,<\/i><\/p>\n<p>in Deiner Presseerkl&#228;rung vom   27.2.06 sagst Du: <i>&#8222;Es wird zu einer gemeinsamen neuen Linken in ganz   Deutschland kommen, unabh&#228;ngig davon, dass Sektierer der Splittergruppe   SAV diese Neugr&#252;ndung zu verhindern versuchen.&#8220;<\/i>   Gleichzeitig forderst Du die Mitglieder der Berliner WASG auf, in der   Urabstimmung gegen einen eigenst&#228;ndigen Wahlantritt bei den   Abgeordnetenhauswahlen zu votieren.<\/p>\n<p>Die Reaktion vieler   F&#252;hrungskr&#228;fte aus Linkspartei.PDS und WASG auf den WASG-Landesparteitag   in Berlin ist, die Gefahr des Scheiterns des sogenannten   Parteibildungsprozesses an die Wand zu malen und der Berliner WASG zu   unterstellen, diese wolle keine Neuformierung der Linken in Deutschland.   Diese Behauptung entspricht nicht der Wahrheit.<\/p>\n<p>  Die Berliner WASG hat unter anderem durch sehr konkrete Vorschl&#228;ge f&#252;r   eine Demokratisierung des Neuformierungsprozesses der Linken bewiesen,   dass sie diese Neuformierung will und m&#246;glichst viele AktivistInnen und   Menschen einbeziehen will, die heute noch nicht in der LP.PDS oder WASG   organisiert sind.<\/p>\n<p>  Die Konsequenzen der Entscheidung der Berliner WASG f&#252;r den   Neuformierungsprozess der Linken h&#228;ngen nicht zuletzt davon ab, wie die   Vorst&#228;nde und prominenten Pers&#246;nlichkeiten aus beiden Parteien und aus   der Bundestagsfraktion damit umgehen.<\/p>\n<p>  Deine und andere Reaktionen aus den F&#252;hrungen kann man nur als &#8222;&#214;l ins   Feuer gie&#223;en&#8220; werten. Es ist der Versuch mit Schreckensszenarien eine   Ablehnung der eigenst&#228;ndigen Kandidatur in der Urabstimmung zu erreichen   statt mit sachlichen Argumenten zu reagieren.<\/p>\n<p><b>Haltung der SAV<\/b><\/p>\n<p>Ich   habe Dich schon nach Deinem Auftritt bei der Veranstaltung des   WASG-Bundesvorstands in Berlin darauf hingewiesen, dass Deine Aussagen   zur SAV nicht der Wahrheit entsprechen. Daraufhin sagtest Du, Du   w&#252;sstest tats&#228;chlich nicht viel &#252;ber die SAV. Nun erweckst Du in Deiner   Presseerkl&#228;rung den Eindruck, auf dem Berliner Landesparteitag der WASG   h&#228;tten nur oder vor allem SAV-Mitglieder die Entscheidung f&#252;r den   eigenst&#228;ndigen Antritt getroffen. Dies l&#228;sst auf mangelnde Kenntnis der   Berliner Verh&#228;ltnisse und\/oder mangelnden Respekt vor den Berliner   WASG-Mitgliedern schlie&#223;en. Von den &#252;ber 140 Delegierten des   Landesparteitags waren 12 Mitglieder der SAV. Der Grund f&#252;r das Votum   des Parteitags war keine Dominanz der SAV, sondern unter anderem die   Tatsache, dass ein sehr gro&#223;er Teil der Mitglieder direkt betroffen ist   von den Angriffen des Berliner Senats: ob als Erwerbslose, Besch&#228;ftigte   des &#246;ffentlichen Dienstes oder MieterInnen privatisierter Wohnungen.   Diese Menschen haben am eigenen Leibe erfahren, dass die Politik der   Berliner Linkspartei.PDS nicht sozial ist und haben aus dieser Erfahrung   heraus f&#252;r einen eigenen Antritt bei den Abgeordnetenhauswahlen gestimmt.<\/p>\n<p>  Aber auch Deine Behauptung, die SAV versuche die Neugr&#252;ndung einer   linken Partei zu verhindern, entspricht nicht der Wahrheit.<\/p>\n<p>  Die Sozialistische Alternative tritt seit einigen Jahren f&#252;r die Bildung   einer starken Partei f&#252;r ArbeitnehmerInnen, Erwerbslose, Jugendliche und   RentnerInnen ein. Wir haben uns von Beginn an am Aufbau der WASG   beteiligt und bef&#252;rworten das Projekt einer Neuformierung der Linken in   der Bundesrepublik.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig treten wir daf&#252;r ein, dass eine neue Partei der Linken   tats&#228;chlich linke Politik betreibt. Das bedeutet als Mindestbedingung   keine Beteiligung an Sozialabbau, Privatisierungen, Lohnk&#252;rzungen und   Arbeitsplatzvernichtung, egal ob im Bund, im Land oder in der Kommune.   Wir unterst&#252;tzen damit die Position des WASG-Grundsatzprogramms, das   Regierungsbeteiligungen nur f&#252;r solche F&#228;lle vorsieht, in denen dies zu   einem Politikwechsel in Richtung der WASG-Grunds&#228;tze f&#252;hrt.<\/p>\n<p>Die   SAV treibt den Neuformierungsprozess dort mit voran, wo dies auf einer   linken politischen Basis m&#246;glich ist. So hat Claus Ludwig, SAV-Mitglied   im Rat der Stadt K&#246;ln f&#252;r ein kommunales Wahlb&#252;ndnis, eine gemeinsame   Ratsfraktion mit der LP.PDS-Gruppe gebildet und kandidieren   SAV-Mitglieder auf den gemeinsamen Listen zu den Kommunalwahlen in   Hessen.<br \/><b><br \/>WASG-Kandidatur<\/b><\/p>\n<p>  Um die Haltung der Berliner WASG nachvollziehen zu k&#246;nnen, muss man die   Tragweite der Senatspolitik verstehen. Es geht hier nicht um eine   Geb&#252;hrenerh&#246;hung dort und die K&#252;rzung von ein paar F&#246;rdermitteln da (was   auch nicht zu unterst&#252;tzen w&#228;re). In Berlin hat es in den letzten vier   Jahren eine Welle von Sozialabbau, Privatisierungen, Lohnk&#252;rzungen   gegeben von der hunderttausende Besch&#228;ftigte, Erwerbslose, MieterInnen,   Jugendliche massiv betroffen sind.<\/p>\n<p>  Berlin ist die Hauptstadt der Armut und die Linkspartei.PDS regiert und   verwaltet diese Armut statt sie effektiv zu bek&#228;mpfen. Die Berliner WASG   will ja nicht eigenst&#228;ndig kandidieren, weil ihr das besonders viel Spa&#223;   macht. Wir sehen uns gezwungen, eigenst&#228;ndig anzutreten! Denn es gibt   keine Anzeichen daf&#252;r, dass die Berliner LP.PDS einen politischen   Kurswechsel hin zu sozialer Politik vollziehen wird.<\/p>\n<p>  Durch eine Unterst&#252;tzung der Linkspartei.PDS in Berlin w&#252;rden wir die   W&#228;hlerInnen in Berlin verraten. Denn wir sind angetreten, um auf allen   Ebenen den Sozialkahlschlag und die Privatisierungspolitik zu bek&#228;mpfen   und f&#252;r die Rechte der Lohnabh&#228;ngigen zu streiten. In Berlin muss man   das nun einmal gegen die derzeitige LP.PDS-Politik tun. Dies auf dem   Altar abstrakter linker Einheit zu opfern w&#228;re Verrat! Was hat denn der   Ein-Euro-Jobber davon, wenn er von einer Regierung unter Beteiligung   einer linken Einheitspartei ausgebeutet wird?<br \/>Hinzu kommt, dass die   Beteiligung der LP.PDS am Senat den Widerstand gegen diese unsoziale   Politik erschwert und schw&#228;cht. Die Wut und Entt&#228;uschung &#252;ber die LP.PDS   ist deshalb gerade bei vielen AktivistInnen sozialer Bewegungen und der   Gewerkschaften besonders hoch. Es ist auch kein Zufall, dass die WASG in   Meinungsumfragen in Ost-Berlin ein besseres Ergebnis erzielt als in   West-Berlin.<\/p>\n<p>  Ganz abgesehen davon bin ich nicht das einzige WASG-Mitglied, das im   Bundestagswahlkampf die Meinung zu h&#246;ren bekam: diesmal w&#228;hle ich Euch   zusammen mit der PDS, weil Bundestagswahlen sind, aber bei den Berliner   Wahlen werde ich das nicht tun<\/p>\n<p>  <b>Drei Fragen <\/b>    <\/p>\n<p>  Wir haben Deinen Aufruf, eine antikapitalistische Partei aufzubauen und   Deine klaren Worte gegen Privatisierungen und Neoliberalismus begr&#252;&#223;t (   siehe dazu <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/\">www.archiv.sozialismus.info<\/a>   ). Deine Ausf&#252;hrungen auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz k&#246;nnten eine   Basis f&#252;r das Zusammenkommen von WASG und Linkspartei.PDS sein. Das sage   ich, obwohl ich mit vielen der von Dir ge&#228;u&#223;erten Ideen &#252;ber die   M&#246;glichkeit einer Regulierung der kapitalistischen Wirtschaft nicht   &#252;bereinstimme.<\/p>\n<p>  Ich sehe in verschiedenen Deiner &#196;u&#223;erungen aber Widerspr&#252;che, die Du   bisher nicht aufgel&#246;st hast. So schreibst Du in Deinem Brief an die   Berliner WASG-Mitglieder: <i>&#8222;Ein getrennter Wahlantritt von WASG und   Linkspartei macht die Privatisierung der BVG, der BSR und der gro&#223;en   Krankenh&#228;user Berlins, die die Linkspartei bisher verhindert hat,   wahrscheinlicher.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  Das kommt einer Aussage f&#252;r die Fortsetzung des SPD\/PDS-Senats gleich   und entspricht Deiner Argumentation f&#252;r eine &#8222;Politik des kleineren   &#220;bels&#8220; bei der Veranstaltung des WASG-Bundesvorstands in Berlin am 20.   Februar und Deinen &#196;u&#223;erungen zur Unterst&#252;tzung des Berliner Senats vom   November letzten Jahres.<\/p>\n<p>  Ich will Dir in diesem Zusammenhang drei Fragen stellen:<\/p>\n<p>  1. Warum war es richtig mit der Mogelpackung Rot-Gr&#252;n auf Bundesebene   Schluss zu machen und dabei das Risiko einer CDU\/CSU-FDP-Regierung   einzugehen und warum soll es in Berlin falsch sein, mit der Mogelpackung   &#8222;Rot-Rot&#8220; Schluss zu machen?<\/p>\n<p>  2. Zu wieviel Sozialabbau und Privatisierungen bist Du bereit, wenn   andere Parteien erkl&#228;ren, sie w&#252;rden es noch schlimmer machen, k&#246;nnten   sie die Regierung bilden?<\/p>\n<p>  3. Bist Du mit uns der Meinung, dass au&#223;erparlamentarischer Widerstand   und die Selbstorganisation der abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten und Erwerbslosen   f&#252;r die Neue Linke entscheidend sind und eine Beteiligung an Sozialabbau   betreibenden Landesregierungen dem schadet?<\/p>\n<p>  <b>Aufforderung zur Debatte<\/b><\/p>\n<p>  Ich fordere Dich deshalb zu einer &#246;ffentlichen Debatte &#252;ber diese Fragen   und die Zukunft der Linken auf und lade Dich zu einer Podiumsdiskussion   zum Thema &#8222;Neuformierung der Linken, Wahl in Berlin und Aufgaben f&#252;r den   Widerstand&#8220;. Diese findet am 15.4. (Ostersamstag) im Rahmen der   Sozialismustage in Berlin statt.<\/p>\n<p>  Sollte Dir dieser Termin nicht m&#246;glich sein, richte ich mich gerne bei   der Terminfindung nach Dir.<\/p>\n<p>  <i>Mit sozialistischen Gr&#252;&#223;en<br \/>Sascha Stanicic   (SAV-Bundessprecher)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Sascha Stanicic<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11550"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11550"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11550\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11550"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11550"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11550"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}