{"id":11534,"date":"2006-02-23T11:43:33","date_gmt":"2006-02-23T11:43:33","guid":{"rendered":".\/?p=11534"},"modified":"2006-02-23T11:43:33","modified_gmt":"2006-02-23T11:43:33","slug":"11534","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/02\/11534\/","title":{"rendered":"Hamas-Erdrutschsieg in Pal&#228;stina"},"content":{"rendered":"<p>  Die Instabilit&#228;t im Nahen Osten nimmt zu<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Bei ihrer ersten Teilnahme an Parlamentswahlen bekam die Hamas 76 von   132 Sitzen, die bisher dominierende Fatah nur noch 43. Das war eine   Abfuhr f&#252;r die korrupte Fatah-F&#252;hrung, die nichts gegen wirtschaftliche   Not und israelische Unterdr&#252;ckung ausrichtete.<\/p>\n<p>  <i>von Wolfram Klein, Weil der Stadt <\/i><\/p>\n<p>  Jahrzehntelang hatte die Fatah und die seit Ende der sechziger Jahre von   ihr dominierte PLO die pal&#228;stinensische Politik beherrscht. In den   neunziger Jahren hatten Arafat und die Hamas versucht, durch   Friedensverhandlungen mit Israel einen Pal&#228;stinenserstaat zu erreichen.<\/p>\n<p>  <b>Friedensprozess &#8211; Was f&#252;r ein Friedensprozess?<\/b><\/p>\n<p>  Die Oslo-Abkommen wurden im Westen bejubelt, f&#252;r die Massen brachten sie   weder in Israel noch Pal&#228;stina etwas. Nach einem neuen UN-Bericht haben   30 Prozent in Westbank und Gaza zu wenig zu essen, weitere 40 Prozent   nur knapp das n&#246;tigste. Die Hilfsgelder von EU und anderen Quellen   landeten zu einem erheblichen Teil in den Taschen von Fatah-F&#252;hrern.   Wenn ein Teil des Geldes doch in den Aufbau von Infrastruktur floss,   wurde ein erheblicher Teil durch die wiederholten israelischen   Milit&#228;raktionen zerst&#246;rt. Laut pal&#228;stinensischem Roten Halbmond wurden   fast 3.800 Pal&#228;stinenserInnen seit dem Beginn der zweiten Intifada im   Jahr 2000 get&#246;tet. Zwar r&#228;umte Israel Siedlungen im Gazastreifen, aber   andere Siedlungen in der Westbank wurden ausgebaut. Israel baut einen   Grenzzaun zur Westbank, der weitgehend auf pal&#228;stinensischem Gebiet   verl&#228;uft, B&#228;uerInnen von ihren Feldern, Kinder von ihren Schulen,   PatientInnen von ihren &#196;rztInnen trennt. Die israelische Armee   kontrolliert den Zugang zu den Pal&#228;stinensergebieten und unterh&#228;lt   Hunderte von Kontrollposten zwischen pal&#228;stinensischen St&#228;dten und   D&#246;rfern, die endlose Wartezeiten und schikan&#246;se und dem&#252;tigende   Kontrollen zum Alltag machen. Israel kontrolliert die Wasser-, Strom-   und Benzinversorgung und treibt Steuern und Z&#246;lle ein. Es ist kein   Wunder, dass die Parteinahme des israelischen Staatsapparats f&#252;r Fatah   und gegen Hamas der Hamas Stimmen brachte.<\/p>\n<p>  <b>Politik der Hamas<\/b><\/p>\n<p>  Das Wahlergebnis war auch Anerkennung f&#252;r den bescheidenen Lebensstil   vieler Hamas-F&#252;hrer und f&#252;r die Arbeit der von Hamas betriebenen   Wohlt&#228;tigkeitseinrichtungen wie Schulen und Krankenh&#228;user. Viele haben   die Hamas aus Protest gegen Fatah gew&#228;hlt, nicht weil sie das   reaktion&#228;re Hamas-Ziel eines islamischen Staats oder die destruktive   Hamas-Methode von Selbstmordattentaten gegen ZivilistInnen unterst&#252;tzen   w&#252;rden. Aber unabh&#228;ngig vom Willen der Hamas-W&#228;hlerInnen ist zu   bef&#252;rchten, dass eine Hamas-Regierung mehr Unterdr&#252;ckung f&#252;r   pal&#228;stinensische Frauen oder GewerkschafterInnen oder &#252;berhaupt   Opposition bedeutet. Gleichzeitig hat die Hamas seit den Kommunalwahlen   vor einigen Monaten schon auf kommunaler Ebene Sozialabbau und   Privatisierungen betrieben.<\/p>\n<p>  Die &#8222;linken&#8220; Organisationen haben kaum von der Diskreditierung der Fatah   profitiert. Fr&#252;her unterst&#252;tzten sie die nationalistische Politik der   Fatah, statt konsequent f&#252;r die Verbindung des nationalen   Befreiungskampfes mit dem Klassenkampf (sowohl f&#252;r den Sturz der   pro-imperialistischen Regime in den arabischen Nachbarl&#228;ndern als auch   f&#252;r einen gemeinsamen Kampf mit den israelischen ArbeiterInnen)   einzutreten. Der Zusammenbruch der stalinistischen Staaten schw&#228;chte sie   weiter.<\/p>\n<p>  <b>Krisenhafte Entwicklung<\/b><\/p>\n<p>  Viele Faktoren destabilisieren die Lage im Nahen Osten: die   Auseinandersetzungen zwischen dem iranischen Regime und dem   Imperialismus der USA und der EU-L&#228;nder: der Konflikt mit Syrien wegen   der angeblichen Verstrickung in den Mord an dem pal&#228;stinensischen   Politiker Hariri; der ununterbrochene Widerstand im Irak gegen die   Besatzung; immer wieder neue Berichte &#252;ber Folter in Abu Ghraib oder   Guantanamo; die wochenlangen Proteste wegen der Mohammed-Karikaturen;   die Umw&#228;lzung des israelischen Parteiensystems durch die Wahl von Amir   Peretz zum Chef der Arbeitspartei, die Gr&#252;ndung der Kadima-Partei durch   Scharon und Scharons Schlaganfall. Der Wahlsieg der Hamas stellt einen   weiteren Instabilit&#228;tsfaktor dar.<br \/>Die kurzfristige Folge ist,   dass die durch Amir Peretz entstandene Chance, dass im israelischen   Wahlkampf soziale und Klassenfragen eine gro&#223;e Rolle spielen w&#252;rden,   wieder geringer wurde. In den ersten Umfragen in Israel nach dem   Hamas-Wahlsieg legt der reaktion&#228;re Likud zu und verlor die   Arbeitspartei, Kadima blieb aber mit Abstand am st&#228;rksten. Mittelfristig   stellt sich die Frage, ob der Imperialismus auf Konfrontation mit der   neuen Hamas-Regierung setzt oder auf Einbindung. Schlie&#223;lich hatten die   Likud-Gr&#252;nder und Scharon-Ziehv&#228;ter Begin und Schamir ebenso eine   &#8222;terroristische&#8220; Vergangenheit wie Arafat oder der   Pal&#228;stinenserpr&#228;sident Abbas. Aber egal zu welchen Man&#246;vern sie greifen,   l&#246;sen lassen sich die Probleme des Nahen Ostens auf kapitalistischer   Grundlage nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Instabilit&#228;t im Nahen Osten nimmt zu\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[179],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11534"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11534"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11534\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}