{"id":11532,"date":"2006-02-18T15:25:35","date_gmt":"2006-02-18T15:25:35","guid":{"rendered":".\/?p=11532"},"modified":"2006-02-18T15:25:35","modified_gmt":"2006-02-18T15:25:35","slug":"11532","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/02\/11532\/","title":{"rendered":"Warnstreiks in Leipzig"},"content":{"rendered":"<p>Im s&#228;chsischen Kfz-Handwerk und an der Leipziger Uniklinik wurden Hammer und Spritze fallen gelassen.&#160;<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die BMW- und DaimlerChrysler-Niederlassungen in Leipzig, Dresden und   Chemnitz und einige weitere Kfz-Betriebe wurden am 10. Februar 2006   durch einen Warnstreik lahmgelegt. 500 Kfz-MechanikerInnen, darunter   auch viele Azubis, kamen in Leipzig zusammen, um ihrem &#196;rger &#252;ber die   Hinhaltetaktik der Bosse Luft zu machen. Einige KollegInnen kamen direkt   von der Nachtschicht. Dieser Warnstreik war der vorl&#228;ufige H&#246;hepunkt in   einem Tarifpoker, der sich bereits monatelang hinzieht. Seit neun   Monaten herrscht tarifloser Zustand im s&#228;chsischen Kfz-Handwerk.<\/p>\n<p>  Ein lautes Pfeifkonzert begleitete die Reden der Betriebsr&#228;te und IG   Metall-Funktion&#228;re. LKW-Fahrer und Kollegen der Stadtreinigung zeigten   ihre Solidarit&#228;t durch Hupen. Auf Transparenten wurde gleicher Lohn in   Ost und West gefordert. Viele hatten die IG Metall-M&#252;tzen aus dem   Ostmetallerstreik f&#252;r die 35-Stunden-Woche aufgesetzt.<\/p>\n<p>  &#8220;Wir sind jetzt nicht mehr kompromissbereit. Jetzt sind die Arbeitgeber   dran, sonst gibt es weitere Streiks!&#8221; k&#252;ndigte Gabriele M&#252;ller,   DaimlerChrysler-Betriebsr&#228;tin aus Leipzig an. Die Bosse hatten einen   Kompromissvorschlag der IG Metall, die gerade mal 3,5 Prozent mehr Lohn   fordert, abgelehnt und setzen weiter auf Konfrontation. Unter anderem   fordern sie eine unbezahlte Verl&#228;ngerung der Arbeitszeit von 37 auf 38   Stunden. Die Vertreter der Tarifgemeinschaft Mitteldeutsches   Kfz-Handwerk hatten auch noch die Frechheit das damit zu begr&#252;nden, dass   die KollegInnen dann ja weniger Gelegenheit zur Schwarzarbeit h&#228;tten!   Insgesamt w&#252;rden dadurch 40 Arbeitspl&#228;tze wegfallen, allein in der   BMW-Niederlassung Leipzig w&#228;ren f&#252;nf KollegInnen betroffen. Der IG   Metall-Verhandlungsf&#252;hrer konterte die Dreistigkeit: &#8220;Sie sagen, es   w&#228;ren ja nur 12 Minuten am Tag l&#228;nger! Aber ich kann mir auch f&#252;r 12   Minuten was besseres vorstellen als zu arbeiten!&#8221;<\/p>\n<p>  Der Leipziger DGB-Chef richtete den Streikenden Gr&#252;&#223;e von der IG BAU   aus. Wenn es zu einem Arbeitskampf kommen sollte, dann werden die   Bauarbeiter bereit stehen, um die Werkstatttore mit Zement zuzusch&#252;tten!<\/p>\n<p>  Leipziger SAV-Mitglieder beteiligten sich am Warnstreik und verkauften   sechs Zeitungen. Ein Kollege hielt die Titelseite unserer Zeitung   (&#8220;Widerstand gegen Merkel, M&#252;nte &amp; Manager!&#8221;) in die laufende   Fernsehkamera!<\/p>\n<p>  Die beginnende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie wurde auch   angesprochen. Allerdings wurde nicht aufgezeigt, wie ein erfolgreicher   gemeinsamer Kampf aussehen k&#246;nnte. Dabei ist gerade das jetzt wichtig:   Die Besch&#228;ftigten aus Industrie, Handwerk, &#214;ffentlichem Dienst,   Gesundheitswesen und anderen betroffenen Bereichen m&#252;ssen den Bossen   zusammen gegen&#252;ber treten.<\/p>\n<p>  Denn dass auch im Osten eine breite Streikbewegung m&#246;glich ist, zeigten   die KollegInnen der Uniklinik, als 500 von ihnen am 7. Februar trotz   Regen zu einer Warnstreikkundgebung zusammen kamen. Diesmal hatte nicht   der Marburger Bund, sondern ver.di zum Streik aufgerufen. Seit drei   Jahren hat es keine Lohnerh&#246;hungen mehr an der Uniklinik gegeben.   Stattdessen bekommen Neueingestellte au&#223;ertarifliche Vertr&#228;ge und die   Azubi-Verg&#252;tungen wurden von 600 Euro auf 280 Euro (!) abgesenkt! Die   Wut dar&#252;ber zeigte sich auch an der guten Streikbeteiligung von Azubis.<\/p>\n<p>  Bernhard Krabiell, der ver.di-Vorsitzende des Bezirks   Leipzig-Nordsachsen, k&#252;ndigte weitere Streikma&#223;nahmen an, wenn sich die   Klinik-Bosse nicht bewegen sollten. Leider nutzt ver.di die bundesweite   Streikbewegung im &#214;ffentlichen Dienst aber noch nicht, um auch in   Sachsen die KollegInnen massiv auf die Stra&#223;e zu holen. Wenn nur bei der   Zwickauer Stra&#223;enmeisterei und an der Leipziger Uniklinik zum Streik   aufgerufen wird, und auch dort nur mit &#8220;Nadelstichen&#8221;, dann entwickelt   sich kaum eine Dynamik und Begeisterung daf&#252;r, den Streik auszuweiten.<\/p>\n<p>  Gerade jetzt &#8211; angesichts von massiven Entlassungspl&#228;nen bei Leipziger   Betrieben wie der Telekom, der Allianz, der Victoria-Versicherung und   bei Quelle &#8211; ist es n&#246;tig, die Streikkraft zu b&#252;ndeln. Ein gemeinsamer   stadtweiter Streik- und Protesttag w&#228;re daf&#252;r eine gute Gelegenheit.<\/p>\n<p>  <i>von Christoph, Leipzig<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im s&#228;chsischen Kfz-Handwerk und an der Leipziger Uniklinik wurden Hammer<br \/>\n    und Spritze fallen gelassen.&#160;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11532"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11532"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11532\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}