{"id":11523,"date":"2006-02-16T11:47:18","date_gmt":"2006-02-16T11:47:18","guid":{"rendered":".\/?p=11523"},"modified":"2006-02-16T11:47:18","modified_gmt":"2006-02-16T11:47:18","slug":"11523","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/02\/11523\/","title":{"rendered":"Europa: Rechtsextreme und faschistische Gefahr nicht vorbei"},"content":{"rendered":"<p>Bei den letzten Wahlen verloren rechtsextreme und faschistische Kr&#228;fte in einer Reihe europ&#228;ischer L&#228;nder an Stimmen. Einige Kommentatoren und sogar einige Linke betrachtet damit das Problem als erledigt, die Gefahr als gebannt. Das Beispiel &#214;sterreich zeigt, wie falsch diese Hoffnung ist. <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nIm April 2005 spaltete sich die FP&#214;. Diese Partei konnte an ihrem H&#246;hepunkt 1999 27% der Stimmen erreichen, ging in die Regierung und verlor seit dem dramatisch an Unterst&#252;tzung. Haider, der die FP&#214; in ihrer Wachstumsphase f&#252;hrte, spaltete sich zusammen mit allen FP&#214;-MinisterInnen und der Mehrheit der FP&#214;-Parlamentsabgeordneten ab. Das abgespaltene B&#252;ndnis Zukunft &#214;sterreich (BZ&#214;), immer noch Regierungspartei, konnte niemals richtig abheben und erreichte bei den Wiener Gemeinderatswahlen im Oktober 2005 nur 1,15% und somit sogar weniger als die Kommunistische Partei &#214;sterreichs (KP&#214;). Die Hauptaufgabe des BZ&#214; besteht in der Sicherung der Mehrheit f&#252;r die b&#252;rgerliche Regierung. <\/p>\n<p>  Die Reste der &#8222;FP&#214; alt&#8220; fiel in den Umfragen unmittelbar nach der   Spaltung auf magere 2-4% zur&#252;ck. Viele gelangten zu dieser Zeit zur   Ansicht, dass die FP&#214; erledigt w&#228;re. Die Sozialistische LinksPartei   (SLP), &#246;sterreichische Sektion des Komitees f&#252;r eine   Arbeiterinternationale (CWI), warnte, dass das Potential f&#252;r   rechtsextreme Kr&#228;fte immer noch vorhanden sei und dass aller   Wahrscheinlichkeit nach die Rest-FP&#214; noch weiter nach rechts r&#252;cken   w&#252;rde. Die Ereignisse in Wien im Oktober 2005 best&#228;tigten unsere   Perspektive.<\/p>\n<p>  <span><b>Neue FP&#214;-F&#252;hrung: Noch weiter rechts<\/b><\/span><\/p>\n<p>  Die neue innerste F&#252;hrungsriege der FP&#214; setzt sich aus Andreas M&#246;lzer   (Abgeordneter zum Europ&#228;ischen Parlament), der keinerlei   Ber&#252;hrungs&#228;ngste zu faschistischer Propaganda hat, Ewald Stadler, der   f&#252;r eine extrem reaktion&#228;res Christentum steht und Heinz Christian   Strache, dem neuen Vorsitzenden, der mittels aggressiver Rhetorik eine   Art Kopie des fr&#252;hen Haider repr&#228;sentiert, zusammen.<\/p>\n<p>  Im Wiener Gemeinderatswahlkampf organisierten sie eine extrem aggressive   Anti-Ausl&#228;nderInnen-Wahlkampagne, die &#8211; wie b&#252;rgerliche KommentatorInnen   feststellten &#8211; so gut wie keinen legalen Raum rechts der FP&#214; lie&#223;. Weit   davon entfernt erledigt zu sein, erreichte die FP&#214; in Wien 14,9% der   Stimmen. Obwohl dies gegen&#252;ber der Gemeinderatswahl 2001 ein R&#252;ckgang   war, bedeutete dieses Ergebnis einen Sieg f&#252;r die FP&#214;, die wie der   &#8222;Ph&#246;nix aus der Asche stieg.&#8220;<\/p>\n<p>  <span><b>Nationale &#8222;Internationale&#8220;<\/b><\/span><\/p>\n<p>  Von 11. bis 13. November 2005 organisierte die FP&#214; ein Treffen von elf   rechtsextremen und faschistischen Parteien aus neun europ&#228;ischen L&#228;ndern   in Wien. Es nahmen unter anderem die franz&#246;sische Front National, der   belgische Vlaams Belang, Ataka aus Bulgarien und die PRM aus Rumanien,   die beide als rassistisch und antisemitisch gelten. Italienische   Faschisten nahmen ebenso teil. Die neue polnische Regierungspartei PIS,   eine rechte Law-and-Order-Partei, &#252;bermittelte eine Gru&#223;botschaft. Das   Ziel des Treffens war, eine engere Kooperation in der Zukunft zu   er&#246;rtern. In der &quot;Wiener Erkl&#228;rung der patriotischen und nationalen   Bewegungen und Parteien Europas&quot; sprachen sie sich f&#252;r &#8222;Schaffung eines   Europas der freien und unabh&#228;ngigen Nationen&#8220;, eine   &#8222;pro-nationalistische Familienpolitik&#8220; und &#8222;die F&#246;rderung des   Kinderreichtums der europ&#228;ischen V&#246;lker in der traditionellen Familie&#8220;   aus. Weitere Treffen, ein B&#252;ro in Wien und eine gemeinsame Kandidatur   bei den n&#228;chsten Wahlen zum europ&#228;ischen Parlament sind bereits in   Planung. Ein Einzug einer gemeinsamen Liste ins europ&#228;ische Parlament   k&#246;nnte bedeuten, dass sie Fraktionsstatus erreichen, der ihnen   zus&#228;tzliche M&#246;glichkeiten, Ressourcen und nicht zuletzt Geld verschafft.<\/p>\n<p>  <span><b>Neue FP&#214; &#8211; Neue Gefahr<\/b><\/span><\/p>\n<p>  Die neue FP&#214;-F&#252;hrung brachte den faschistischen Fl&#252;gel, der auch vorher   existierte und auch Haider beeinflusste, ins Zentrum der Partei. Die   neue F&#252;hrung hat ein Konzept mit st&#228;rkerer ideologischer Basis und   st&#252;tzen sich nicht in erster Linie auf Populismus. Sie haben aus den   Fehlern der Vergangenheit gelernt und zeigen keine Ambitionen in n&#228;herer   Zukunft wieder in eine Regierung zu gehen. Sie versuchen bewusst die   Partei neu aufzubauen: Unmittelbar nach den Wiener Gemeinderatswahlen   plakatierten sie statt der &#252;blichen &#8222;Danke&#8220;-Plakate, welche die   aufforderten, mit Ihnen aktiv zu werden. Sie verf&#252;gen &#252;ber eine Schicht   rechtsextremer Jugendlicher, die in ihrer Wahlkampagne aktiv waren und   nach dem Erfolg der aggressiven Kampagne nun aufgeputscht sind. Es   werden bereits vermehrt rassistisch motivierte &#220;bergriffe, verbaler und   physischer Natur, verzeichnet.<\/p>\n<p>  In der n&#228;chsten Periode ist es am wahrscheinlichsten, dass die FP&#214;   versucht, den gestiegenen Hass gegen die EU zu verwenden, um wieder an   Boden zu gewinnen. Nat&#252;rlich haben RassistInnen keine Antworten auf die   zugrunde liegenden Probleme, in Ermangelung einer starken   sozialistischen Kraft, bleiben diese Antworten aber oft die einzigen   &#246;ffentlich wahrnehmbaren.<\/p>\n<p>  Die weitere Entwicklung der FP&#214; ist zur Zeit noch offen. Der   faschistische Fl&#252;gel konnte seinen Einfluss st&#228;rken. Auf der anderen   Seite werden sie auch in Zukunft gezwungen sein, populistische   Forderungen, die nicht in ein faschistisches Weltbild passen, zur   Stimmenmaximierung einzusetzen. Die wichtigste offene Frage im   Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung der FP&#214; ist die Entwicklung   der Klassenk&#228;mpfe in &#214;sterreich (Dies gilt auch f&#252;r andere L&#228;nder).   &#214;sterreich erlebte 2003 eine gro&#223;e Streikbewegung, aber seit dem sind   weitere Angriffe der Regierung auf die ArbeiterInnenklasse nicht mehr   mit vergleichbaren Streiks beantwortet worden. Doch gerade solche   Bewegungen sind zentral f&#252;r die Formierung einer neuen Partei f&#252;r   ArbeitnehmerInnen und Jugendliche, die einer rechtsextremen oder gar   faschistischen Partei entgegentreten k&#246;nnte.<span><i> <\/i><\/span><\/p>\n<p>  <span><i>von Sonja Grusch, Bundessprecherin der SLP   (Schwesterorganisation der SAV in &#214;sterreich<\/i><\/span>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den letzten Wahlen verloren rechtsextreme und faschistische Kr&#228;fte in<br \/>\n    einer Reihe europ&#228;ischer L&#228;nder an Stimmen. Einige Kommentatoren und sogar<br \/>\n    einige Linke betrachtet damit das Problem als erledigt, die Gefahr als<br \/>\n    gebannt. 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