{"id":11520,"date":"2006-02-09T12:21:05","date_gmt":"2006-02-09T12:21:05","guid":{"rendered":".\/?p=11520"},"modified":"2006-02-09T12:21:05","modified_gmt":"2006-02-09T12:21:05","slug":"11520","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/02\/11520\/","title":{"rendered":"&quot;Wenn sie ein soziales Gewissen h&#228;tten, m&#252;ssten sie sich sch&#228;men!&quot;"},"content":{"rendered":"<p>  Hunderte protestierten in Rostock gegen kommunale K&#252;rzungen und   Stellenabbau<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 1. Februar hat die Rostocker B&#252;rgerschaft den bisher weitestgehenden   Sozialkahlschlag in der Geschichte der Stadt beschlossen. Doch von   Seiten der Betroffenen regt sich Widerstand.<\/p>\n<p>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/p>\n<p>  Die Hansestadt ist pleite. Knapp 90 Millionen Euro Haushaltsdefizit und   &#252;ber 150 Millionen Euro an Gesamtschulden haben sich in den vergangenen   Jahren entwickelt. Angesichts dessen drohte das   SPD\/Linkspartei.PDS-regierte Land mit der Entmachtung der Kommune und   dem Einsetzen einer Zwangsverwaltung, wenn nicht entschieden gek&#252;rzt   w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Was folgte, war ein &#220;berbietungswettbewerb der b&#252;rgerlichen Fraktionen   mit dem parteilosen Oberb&#252;rgermeister Methling, wer am grausamsten   &#8222;einspart&#8220;. Nach einigem Machtgepl&#228;nkel war man sich doch darin einig,   dass 40 Millionen Euro bis zum Jahr 2009 gek&#252;rzt werden sollen. Dreimal   darf man raten, wie das geschehen soll: Bei sozialen und kulturellen   Einrichtungen, Lohnk&#252;rzungen, Personalabbau und durch weitere   Privatisierungen. Das ging und geht der &#8222;rot-roten&#8220; Landesregierung   nicht weit genug: Genau das doppelte, n&#228;mlich 80 Millionen Euro   K&#252;rzungsvolumen, fordert Schwerin, unter anderem soll die gr&#246;&#223;te   kommunale Wohnungsgesellschaft WIRO verscherbelt werden!<\/p>\n<p>  <span><b>&#8222;Das hier ekelt mich an&#8220;<\/b><\/span><\/p>\n<p>  Die SAV hat &#252;ber mehrere Monate eine Kampagne gegen die Sozialk&#252;rzungen   gef&#252;hrt. Mit Infost&#228;nden in den Stadtteilen und Aktionen haben wir   zusammen mit der Jugendorganisation widerstand international (wi!)   andere ermutigt, Widerstand zu leisten. Vor der B&#252;rgerschaftssitzung am   1. Februar organsierte die Gewerkschaft ver.di eine Kundgebung mit 600   Menschen, in erster Linie Besch&#228;ftigte der Stadtverwaltung. Den meisten   Applaus bekam unsere Abgeordnete Christine Lehnert, die darauf hinwies,   dass die geplanten K&#252;rzungen asozial sind. &#8222;Statt das Frauenhaus oder   die Stadtteilbibliotheken zu schlie&#223;en, muss das Geld dort geholt   werden, wo es ist: bei den Konzernen und Superreichen. Allein der   Verm&#246;genszuwachs der 80 reichsten Milliard&#228;re w&#252;rde allen Kindern und   Jugendlichen den Kindergarten, die Vorschule, Schule und   Berufsausbildung bzw. das Studium finanzieren&#8220; so Christine Lehnert. Als   sie eine der Vertreterinnen der etablierten K&#252;rzungsparteien auf der   Kundgebung direkt ansprach, erntete diese bei ihrer anschlie&#223;enden Rede   immer wieder Buhrufe von den Protestierenden. In der Sitzung der   B&#252;rgerschaft selbst war die Abgehobenheit der Politiker beispielhaft.   Sie beschlossen K&#252;rzungen bei Behinderten, Obdachlosen und   Haftentlassenen und schenkten sich anschlie&#223;end Blumen f&#252;r die   &#8222;erfolgreiche Arbeit&#8220;. Beim Volkstheater Rostock soll ein Haustarif   eingef&#252;hrt werden, doch die Ehrenkarten f&#252;r B&#252;rgerschaftsmitglieder, die   ihnen einen kostenlosen Eintritt erm&#246;glichen, wurden nicht angetastet.<\/p>\n<p>  Christine Lehnert dazu &#8222;Das hier ekelt mich an. Wenn Sie ein soziales   Gewissen h&#228;tten, w&#252;rde ich Ihnen sagen, sch&#228;men sie sich.&#8220;<\/p>\n<p>  <span><b>Rolle der Linke.PDS<\/b><\/span><\/p>\n<p>  Neben der Vertreterin der SAV, Christine Lehnert, lehnte auch die   Linkspartei.PDS den Haushaltsentwurf der b&#252;rgerlichen Fraktionen und des   OB ab. Typisch f&#252;r die &#8222;Linke&#8220; ist aber, dass nicht prinzipiell der   gesamte politische Kurs kritisiert wurde. Stattdessen wurde angemahnt,   dass man doch &#8222;vern&#252;nftig&#8220; sparen solle, zudem war man sichtlich   beleidigt dar&#252;ber, dass CDU, SPD, FDP und B&#252;ndnis 90 quasi eine   inoffizielle Koalition geschmiedet hatten und den Rest der B&#252;rgerschaft   vor vollendete Tatsachen stellten. Statt diese Situation zu nutzen und   in die Offensive zu gehen, beklagte sich der stellvertretende   Fraktionsvorsitzende, dass er noch nie so &#8222;politisch gedem&#252;tigt&#8220; worden   sei.<\/p>\n<p>  Ganz zaghaft sprach auch die Linke.PDS von den eigentlichen Ursachen der   Krise der Stadt Rostock und vieler anderer Kommunen: Immer weniger Geld   von Bund und Land, stattdessen mehr Aufgaben und Belastungen, letztes   Beispiel Hartz IV. Der Aufruf unserer Abgeordneten Christine Lehnert,   Druck auf die Linkspartei.PDS in Schwerin auszu&#252;ben und die Koalition   mit der SPD zu verlassen, wurde nicht aufgegriffen. Hier ist alles beim   alten: W&#228;hrend die Linke.PDS in Schwerin die finanzielle   Mindestausstattung f&#252;r Kommunen unterwandert, zetert sie in Rostock   gegen K&#252;rzungen! Mit dieser Partei kann leider kein wirksamer Widerstand   auf die Beine gestellt werden.<\/p>\n<p>  <b>Wie weiter?<\/b><\/p>\n<p>  Am 22. Februar organisiert die SAV eine Veranstaltung, bei der unter   anderem mit dem lokalen ver.di-Vorsitzenden Geitmann die weiteren   Schritte f&#252;r den Widerstand diskutiert werden. Wir schlagen vor, dass &#8211;   ausgehend von einer Betriebs- und Personalr&#228;tekonferenz &#8211; ein Signal an   alle vom Sozialkahlschlag Betroffenen geht, gemeinsam Gegenwehr zu   leisten. Mit einer Widerstandskonfernz k&#246;nnen alle an einen Tisch geholt   werden und die n&#228;chsten Schritte im Protest beraten werden. Ein Streik-   und Protesttag k&#246;nnte die Br&#252;cke zu den sich entwickelnden K&#228;mpfen im   &#214;ffentlichen Dienst schlagen und die Forderung nach einer h&#246;herer   Besteuerung der Reichen und Konzerne in den Mittelpunkt stellen. Mit   diesem Geld k&#246;nnten nicht nur Arbeitszeitverk&#252;rzungen und entsprechende   Neueinstellungen, sondern auch dringend ben&#246;tigte kommunale   Investitionen in den Bereichen Bildung, &#246;ffentlicher Nahverkehr, Umwelt   und Soziales erm&#246;glicht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Hunderte protestierten in Rostock gegen kommunale K&#252;rzungen und<br \/>\n      Stellenabbau\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[104],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11520"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11520"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11520\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11520"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11520"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11520"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}