{"id":11516,"date":"2006-02-07T15:10:35","date_gmt":"2006-02-07T15:10:35","guid":{"rendered":".\/?p=11516"},"modified":"2006-02-07T15:10:35","modified_gmt":"2006-02-07T15:10:35","slug":"11516","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/02\/11516\/","title":{"rendered":"38,5 bleibt &#8211; jetzt streikts"},"content":{"rendered":"<p>  <img style=\"width: 170px; height: 124px\" alt=\"klinikum\" src=\"\/media\/2006\/Streik_BW2.jpg\" align=\"left\">  Bericht aus Stuttgart &#252;ber den Streik im &#246;ffentlichen Dienst<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  20.000 Besch&#228;ftigte des &#246;ffentlichen Dienstes hatten sich am 5.12. in   Baden W&#252;rttemberg an einem Warnstreik beteiligt. Das war die   Generalprobe. Seit heute, 6.2.06, l&#228;uft im S&#252;dwesten die Urauff&#252;hrung   eines unbefristeten Streiks gegen die Verl&#228;ngerung der Arbeitszeit.<\/p>\n<p>  <i>von Ursel Beck, Stuttgart<\/i><\/p>\n<p>  Laut Presseberichten haben in Baden W&#252;rttemberg am ersten Streiktag   insgesamt 10.000 st&#228;dtische Besch&#228;ftigte die Arbeit niedergelegt. In der   Landeshauptstadt gibt es mit Abstand die gr&#246;&#223;te Beteiligung. 5.000   Streikende beteiligen sich an einer Demonstration durch die Innenstadt   und einer Kundgebung vor dem Rathaus. Keine Strafzettel wird   geschrieben, kein M&#252;ll wird wegger&#228;umt, die Vorbereitungen f&#252;r die   Fu&#223;ballweltmeisterschaft werden ausgesetzt. In den Kindertagesst&#228;tten   und im Klinikum Stuttgart gibt es nur Notdienst. Der Winterdienst ist   eingeschr&#228;nkt. Die M&#252;llwerker, Erzieherinnen, Krankenpfleger, die   Verwaltungsangestellten, Reinigungsfrauen und Arbeiter aller Bereiche   sind im Streik. Viele Azubis beteiligen sich am Ausstand.<\/p>\n<p>  &#8222;Wir wissen allein f&#252;rs Klinikum w&#228;ren es 160 Stellen weniger, wenn die   Arbeitszeit auf 40 Stunden erh&#246;ht wird&#8220; So Dieter Janssen, SAV-Mitglied   und Streikleiter am B&#252;rgerhospital Stuttgart, bei einer   Streikversammlung. &#8222;Und wir streiken nicht nur f&#252;r unsere Arbeitspl&#228;tze,   sondern auch f&#252;r gute Arbeitsbedingungen, damit wir eine gute   qualitative Patientenversorgung gew&#228;hrleisten k&#246;nnen.&#8220;<\/p>\n<p>  <img style=\"width: 110px; height: 164px\" alt=\"streik\" src=\"\/media\/2006\/Streik_BW1.jpg\" align=\"left\">  120 Besch&#228;ftigte des B&#252;rgerhospital demonstrieren nach einer   Streikkundgebung &#252;ber die Heilbronner Stra&#223;e zum Katharinenhospital zu   einer weiteren Zwischenkundgebung aller Besch&#228;ftigten des Klinikums.   Unterwegs winken Kolleginnen und Kollegen aus den B&#252;rogeb&#228;uden. Nicht   mal die Chefs der IHK k&#246;nnen verhindern, dass ihre Besch&#228;ftigten sich   solidarisch an den Fenstern zeigen. &#8222;38,5 Stunden ist der Kompromiss &#8211;   jede Minute l&#228;nger ist ein Mist&#8220;, t&#246;nt es aus dem Megaphon. Am   Glaspalast der LBWB &#246;ffnet sich ein Fenster. Jemand schwenkt eine   ver.di-Fahne. LKW-und Autofahrer dr&#252;cken aus Solidarit&#228;t auf ihre Hupen.   Vor dem Katharinenhospital berichtet Personalrat Volker M&#246;rbe, dass alle   OPs stillstehen und nur noch Notdienst gemacht wird. Auch in der   Augenklinik, in der der Chefarzt ungeachtet der Streikank&#252;ndigung   Patienten einbestellt hat, l&#228;uft au&#223;er Notf&#228;llen nichts. Alle   Berufsgruppen beteiligen sich am Streik. Mehrere Redner verweisen auf   die stark gestiegene Arbeitsbelastung, die eine weitere   Arbeitszeitverl&#228;ngerung verbietet. Und so ver.di-Sekret&#228;rin Christina   Ernst: &#8222;Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine Krankenschwester 40   Stunden arbeiten soll, ihre Tochter arbeitslos ist und ihre Enkelin   keinen Ausbildungsplatz findet.&#8220;<\/p>\n<p>  Im Anschluss an die Streikundgebung vor dem Katharinenhospital ziehen   die Besch&#228;ftigten des Klinikums zusammen mit mehreren tausend   Kolleginnen und Kollegen anderer st&#228;dtischer Einrichtungen durch die   Innenstadt vors Rathaus. Dort spricht die   ver.di-Landesbezirksvorsitzende, Sybille Stamm: &#8222;Die Republik schaut   heute auf uns, weil wir sind die Vorhut und wir m&#252;ssen beweisen, dass   wir kampf&#228;hig und streikf&#228;hig und durchsetzungsf&#228;hig sind. Und das   werden wir tun.&#8220; M&#252;llwerker skandieren: &#8222;Schuster (OB) raus, Schuster   raus&#8220;!<\/p>\n<p>  Auch die Behauptung der Arbeitgeber 18 Minuten seien eine Lapalie und   zumutbar wurde an diesem Tag wiederholt gekontert. &#8222;18 Minuten sind 10   freie Tage im Jahr und hochgerechnet auf die Lebensarbeitszeit sind es 2   Jahre und wenn das Renteneintrittsalter auf 67 erh&#246;ht wird, dann sind   wir bei 4 Jahren. Und wenn die Arbeitgeber meinen, das sei eine Lapalie,   dann k&#246;nnen sie auf die Arbeitszeiterh&#246;hung verzichten.&#8220; So Thomas B&#246;hm,   ver.di-Vorsitzender des Bezirks Stuttgart und Personalratsvorsitzender   am Klinikum Stuttgart. Und weiter: &#8222; Es wird uns gesagt, wir h&#228;tten   einen sicheren Arbeitsplatz und deshalb h&#228;tten wir kein Recht zu   streiken. In den letzten 10 Jahren wurden im &#246;ffentlichen Dienst aber   mehr als 100.000 Arbeitspl&#228;tze abgebaut. Im Klinikum und in vielen   anderen Bereichen werden alle Kolleginnen und Kollegen nur noch   befristet eingestellt. Sind das sichere Arbeitspl&#228;tze? &#8230; Es wird   gesagt, der Streik sei unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig, weil die Bev&#246;lkerung darunter   leide, weil vielleicht eine Operation oder eine Behandlung verschoben   werden muss. Kennen sie die Wartezeiten auf eine Knie- oder   H&#252;ftoperation in Stuttgart? Dort wartet man ein halbes oder ein   dreiviertel Jahr auf eine Operation. Wissen sie wie lang man auf   Kindergartenpl&#228;tze warten muss? All das regt die Politiker nicht auf.   Aber wenn wir im &#246;ffentlichen Dienst einen Tag streiken, dann weinen sie   Krokodilstr&#228;nen und sagen, die Patientenversorgung sei gef&#228;hrdet. Der   Dieb ruft: haltet den Dieb. Das lassen wir nicht zu.&#8220;. So, Thomas B&#246;hm. <\/p>\n<p>  Auf Transparenten und in Reden wird die Forderung nach   Arbeitszeitverk&#252;rzung erhoben. In Gespr&#228;chen kommt immer wieder Skepsis   gegen&#252;ber ver.di durch. &#8222;Ich guck mir das jetzt an. Aber was soll man   davon halten, dass unsere eigene Gewerkschaft den Arbeitgebern   Verhandlungen &#252;ber die 40-Stunden-Woche angeboten hat?&#8220;, erkl&#228;rt ein   Kollege aus der Stadtverwaltung vor dem Gewerkschaftshaus. Die gr&#246;&#223;te   Unzufriedenheit herrscht bei den M&#252;llwerkern, dem R&#252;ckgrat des Streiks.   Sie h&#228;tten unheimlich viel verloren in den letzten Jahren, beklagen   sie.Viele bef&#252;rchten, dass am Ende des Kampfes wieder ein fauler   Kompromiss gemacht wird. Der Streik wird auch zum Ventil, um gegen   Verschlechterungen des neuen Tarifvetrags (TV&#246;D) anzuk&#228;mpfen. Im   Klinikum werden Reinigungsfrauen bereits mit der Niedriglohngruppe f&#252;r   brutto 1.286 Euro eingestellt. Eine Kollegin hat ein Schild mit der   Aufschrift &#8222;Mehr Lohn f&#252;r Reinigungsfrauen. 1.286 &#8364; brutto = Armutslohn.   Wir fordern 1.500 &#8364; Mindestlohn&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img style=\"width: 170px; height: 124px\" alt=\"klinikum\" src=\"\/media\/2006\/Streik_BW2.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n      Bericht aus Stuttgart &#252;ber den Streik im &#246;ffentlichen Dienst\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11516"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11516"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11516\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11516"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11516"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11516"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}