{"id":11515,"date":"2006-02-05T20:37:23","date_gmt":"2006-02-05T20:37:23","guid":{"rendered":".\/?p=11515"},"modified":"2006-02-05T20:37:23","modified_gmt":"2006-02-05T20:37:23","slug":"11515","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/02\/11515\/","title":{"rendered":"Gro&#223;demo unterst&#252;tzt Ch&#225;vez-Regime"},"content":{"rendered":"<p>&#8211; rechte Opposition bringt nur ein paar Tausend auf die Stra&#223;e <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#8222;Somos un rio crecido&#8220; &#8211; &#8222;Wir sind wie ein rei&#223;ender Fluss&#8220;, stand auf einem Transparent, das auf der Gro&#223;demo zur Unterst&#252;tzung der Regierung Ch&#225;vez am Samstag, dem 4. Februar 2006 getragen wurde. Anderthalb Millionen Menschen brachten den Verkehr der venezolanischen Hauptstadt Caracas zum Erliegen und gaben das Bild eines Stroms ab, der in einem Meer roter Fahnen und Transparente m&#252;ndete. <\/p>\n<p>  <i>von Andy Bentley, Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV in   GB), z.Zt. Caracas, Venezuela<\/i><\/p>\n<p>  In den U-Bahnen der Stadt quetschten sich die Ch&#225;vez-Anh&#228;ngerInnen wir   &#214;lsardinen zusammen, um zur Kundgebung zu gelangen. Ein Gutteil von   ihnen hatte eine kilometerweite Anreise mit dem Motorrad, Bus, Auto und   sogar auf Kr&#252;cken hinter sich! Sto&#223;weise kamen die DemonstrantInnen in   Caracas an. &#220;ber 100 Busse waren aus der Region Vargas gekommen, obwohl   eine Br&#252;cke der Hauptverkehrsstra&#223;e in diese Richtung vor kurzem erst   eingest&#252;rzt war.<\/p>\n<p>  Im Gegensatz zu den Demonstrationsz&#252;gen, die in den vergangenen Tagen   anl&#228;sslich des Weltsozialforums stattfanden, setzte sich die Demo von   vergangenem Samstag in erster Linie aus der Arbeiterklasse und anderen   ausgebeuteten Schichten Venezuelas zusammen. ArbeiterInnen marschierten   hinter dem Banner ihrer jeweiligen Gewerkschaft oder des Barrios   (Stadtteil-Organisation), in dem sie aktiv sind. LandarbeiterInnen   nahmen auf den Ladefl&#228;chen ihrer LKWs an der Demo teil.<\/p>\n<p>  Die rechts-konservative Opposition setzt sich aus den kapitalistischen   Konzernchefs, den Gro&#223;grundbesitzern und den Repr&#228;sentanten der Kirche   zusammen, die allesamt vom US-Imperialismus unterst&#252;tzt werden. Sie   gingen nach der erklecklichen Wahlbeteiligung bei den vor kurzem   abgehaltenen Parlamentswahlen davon aus, dass sich die Lage nun wieder   zu ihren Gunsten entwickeln w&#252;rde. Doch der Massenandrang an der   pro-Ch&#225;vez-Demo im Vergleich zu den paar tausend TeilnehmerInnen der von   der Opposition organisierten Gegenkundgebung schaffte noch einmal   Klarheit &#252;ber die tats&#228;chlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse im Land.<\/p>\n<p>  Der radikal-populistische Hugo Ch&#225;vez nutzte die offiziell anl&#228;sslich   des 14. Jahrestags seines gescheiterten Milit&#228;rputsches im Jahr 1992   veranstaltete Demo, um den Wahlkampf f&#252;r die Pr&#228;sidentschaftswahlen zu   er&#246;ffnen. Diese werden Ende 2006 stattfinden und die Wahlkampagne hat   zum Ziel 10 Millionen W&#228;hlerInnen zu mobilisieren, um Ch&#225;vez&#180; Wiederwahl   zu sichern.<\/p>\n<p>  Tags zuvor war Ch&#225;vez bereits auf anderer Ebene in die Offensive   gegangen, als er einen US-Marineoffizier der Spionage bezichtigte und   des Landes verwies. Gleichzeitig k&#252;ndigte er weitere Sozialreformen an,   unter anderen die Anhebung des Mindesteinkommens um 15%, was Tausenden   aus der Arbeiterklasse zu Gute kommen wird.<\/p>\n<p>  Dennoch wird die abermalige Wiederwahl Ch&#225;vez&#180; zum Pr&#228;sidenten nicht   ausreichen, um all die Probleme zu l&#246;sen, denen sich die Arbeiterklasse,   die LandarbeiterInnen und Armen Venezuelas gegen&#252;ber sehen. Trotz der   einschneidenden Reformen, die in erster Linie aus den hohen &#214;leinnahmen   Venezuelas finanziert sind, leben 70% der Bev&#246;lkerung immer noch in   Armut &#8211; bei gleichzeitiger Profitsteigerung der Gro&#223;konzerne. Die   Reformen der Ch&#225;vez-Regierung, die vereinzelten   Verstaatlichungsma&#223;nahmen und die teilweise Beteiligung der   ArbeiterInnen haben die Opposition in Rage gebracht. Die   Eigentumsverh&#228;ltnisse in der Schl&#252;sselindustrie, bei den Banken und   Finanzinstituten sowie die Landfrage bleiben weiterhin unber&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Die weitere Entwicklung von Revolution und Gegen-Revolution in Venezuela   wird zweifellos fortschreiten. Hat dieses Gegenspiel jedoch in   absehbarer Zeit ein bestimmtes Level erreicht, so wird mensch nicht   umhin kommen, entscheidende Schlussfolgerungen zu ziehen. Entweder wird   die Konterrevolution die Macht durch einen blutigen Milit&#228;rputsch wie   1973 in Chile zur&#252;ck erobern oder in &#8222;demokratischerer&#8220; Form wie im   Nicaragua der 1980er und -90er Jahre. Ein anderes Szenario gibt die   Arbeiterklasse, die mit Unterst&#252;tzung der anderen ausgebeuteten   Schichten Venezuelas Kr&#228;fte aufbauen muss, um radikal mit dem   Kapitalismus zu brechen. Es wird entscheidend sein, die   Schl&#252;sselindustrien, die Banken und Finanzinstitute und den Boden unter   die demokratische Kontrolle der ArbeiterInnen zu stellen. Das w&#252;rde dann   endlich eine demokratisch geplante Produktion erm&#246;glichen, die den   Bed&#252;rfnissen der Massen und nicht mehr denen einer privilegierten   Minderheit entspricht. Eine erfolgreiche Schlussfolgerung nach diesem   Muster wird aber nicht automatisch erfolgen. Es bedarf dazu dringendst   einer unabh&#228;ngigen Organisation der Arbeiterklasse und Ausgebeuteten,   die mit einem sozialistischen Programm ausgestattet ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; rechte Opposition bringt nur ein paar Tausend auf die Stra&#223;e <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11515"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11515"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11515\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}