{"id":11512,"date":"2006-02-04T21:27:56","date_gmt":"2006-02-04T21:27:56","guid":{"rendered":".\/?p=11512"},"modified":"2006-02-04T21:27:56","modified_gmt":"2006-02-04T21:27:56","slug":"11512","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/02\/11512\/","title":{"rendered":"Die Debatte um Regierungsbeteiligung"},"content":{"rendered":"<p>Eine Antwort von Sascha Stanicic auf den Beitrag von Stefan M&#252;ller (gesch&#228;ftsf&#252;hrender Landesvorstand Berlin)&#160; <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Anmerkungen zur Konferenz &#252;ber Regierungsbeteiligung am 28. Januar   2006 <\/b>    <\/p>\n<p>  <i>von Stefan M&#252;ller (Mitglied im gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Landesvorstand), 1.   Februar 2006 <\/i>    <\/p>\n<p>  Unsere Konferenz zu Regierungsbeteiligungen am 28.01.06 im IG Metall   Haus hat eine Reihe von Fragen aufgeworfen, auf die ich im folgenden mit   vier Thesen eingehen m&#246;chte.<\/p>\n<p>  1. Ausgangspunkt unserer Politik kann nicht sein, lediglich &quot;linkere&quot;   Forderungen als die Berliner PDS zu stellen. Die Berliner PDS ist nach   ihrer Gr&#252;ndung aus der SED mit einem sozialistischen Anspruch angetreten   und wollte insbesondere ostdeutsche Interessen im Vereinigungsprozess   vertreten. Zudem finden sich in der Berliner Linkspartei.PDS eine Reihe   ehemaliger GenossInnen aus westdeutschen trotzkistischen und   sozialistischen Organisationen. Am Anspruch und den in den vergangenen   15 Jahren formulierten Grundsatz- und Wahlprogrammen kann es nicht   gelegen haben, dass die Linkspartei.PDS in Berlin inzwischen zur   Tr&#228;gerin von Sozialabbau und Privatisierung &#246;ffentlicher   Dienstleistungen geworden ist.<\/p>\n<p>  Das Bundesprogramm der WASG und auch die Landespolitische Erkl&#228;rung der   Berliner WASG enthalten im Kern radikalreformerische Forderungen, die   aber keine &#252;ber den Kapitalismus hinausweisenden Perspektiven oder   Utopien formulieren. Entsprechend kritisch be&#228;ugen Teile der   Linkspartei.PDS unsere &quot;b&#252;rgerlich-reformerische&quot; Westpartei.<\/p>\n<p>  Statt jeweils noch &quot;linkere&quot; Forderung aufzustellen kommt es darauf an,   ein politisches Projekt zu formulieren. Dies kann unter den gegebenen   Bedingungen in Berlin nur eine radikale und soziale Opposition sein.   Heilsversprechungen nach dem Muster, &quot;wenn es eine wirklich linke   Regierung in Berlin g&#228;be&quot;, f&#252;hren in die Irre. Auch eine &quot;wirklich linke   Regierung&quot; h&#228;tte mit einer Haushaltsnotlage zu k&#228;mpfen. Die   gesellschaftlich&#160; notwendige Umverteilung von Reichtum &#8211; z.B.   Arbeitszeit bei Lohnausgleich, Mindestl&#246;hne &#8211; gelingt jedoch nur auf   Basis eines neuen linken Aufbruchs. F&#252;r diesen Aufbruch &#8211; d.h.   Selbstorganisierung der Menschen f&#252;r ihre Interessen &#8211; braucht es auch   eine Partei.<\/p>\n<p>  Wollen wir eine Alternative in der politischen Landschaft (Berlins)   darstellen, m&#252;ssen wir einen Gebrauchswert als Bestandteil eines   gesellschaftlichen Aufbruchs entwickeln. Nur unter diesen   Gesichtspunkten ist die Fragen nach einer Regierungsbeteiligung sinnvoll   zu beantworten: Nutzt es den Menschen, den sozialen Initiativen und   Verb&#228;nden, Gewerkschaften, den lohnabh&#228;ngig Besch&#228;ftigte wie   Erwerbslosen bei der Formulierung und Vertretung ihrer Interessen? Ob   wir ein zehn Euro g&#252;nstigeres Sozialticket fordern als die   Linkspartei.PDS ist solange uninteressant, wie wir nicht auch die   M&#246;glichkeiten formulieren, dies umzusetzen.<\/p>\n<p>  2. Die Linkspartei.PDS ist keine neoliberale Partei. Ihre Mitglieder und   W&#228;hlerInnen sind nicht die Profiteure der Globalisierung sondern   mehrheitlich ihre Verlierer. Auch die Funktions- und Mandatstr&#228;gerInnen   der Linkspartei.PDS sind nicht die politischen Stellvertreter des   &quot;globalisierten Kapitals&quot;.<\/p>\n<p>  Die Politik der Linkspartei.PDS in Berlin mag man als sozialdemokratisch   oder auch &#8211; so wie es Michael Pr&#252;tz getan hat &#8211; als sozialliberal   bezeichnen; entscheidend ist ihr Versuch, unter der Pr&#228;misse der   Haushaltskonsolidierung das &quot;kleinere &#220;bel&quot; zu spielen. Was kaum   gelingen kann. Denn das &quot;kleinere &#220;bel&quot; muss sich best&#228;ndig gegen das   &quot;kleine Gute&quot; stellen &#8211; den Protest und Widerstand der Menschen in   dieser Stadt gegen Sozialabbau, Privatisierungen, Lohnabbau und in der   Zukunft auch gegen Zwangsumz&#252;ge.<\/p>\n<p>  Sozialabbau kann nicht das alleinige Kriterium f&#252;r Neoliberalismus sein,   denn der Abbau sozialer Standards (bzw. dessen Versuch) ist elementarer   Bestandteil der politischen &#214;konomie des Kapitalismus. Das bedeutet   zugleich, dass der Gegner woanders steht. Die Frage lautet, ob die   Linkspartei.PDS in der Lage ist, sich als soziale und radikale   Opposition aufzustellen und mit der WASG an einem gemeinsamen   politischen Projekt zu arbeiten &#8211; im Bund und in Berlin &#8211; oder weiterhin   versucht, unter rein administrativen Gesichtspunkten das &quot;Elend&quot;   regierbar zu machen. Die Frage lautet aber nicht, ob sie neoliberal ist.<\/p>\n<p>3. Das von Thiess Gleiss (Bundesvorstand) auf der Konferenz aufgeworfene Problem, dass wir mit einem Ergebnis von 4,9 Prozent im September zu den gro&#223;en Verlierern geh&#246;ren, darf nicht ignoriert werden. Der Berliner Landesverband ist keine Regionalpartei, die mit einer Perspektive von f&#252;nf oder zehn Jahren versucht ins Abgeordnetenhaus zu gelangen und auf Basis von 4,9 Prozent einen oder zwei weitere Anl&#228;ufe organisieren kann. Wir sind Teil einer Bundespartei, die aktuell das Ziel hat, in anderthalb Jahren mit der Linkspartei.PDS zu fusionieren. Die Frage lautet deshalb: Haben wir in anderthalb Jahren eine Fraktion, die wir als politisches Gewicht in den Fusionsprozess einbringen k&#246;nnen, oder stehen wir politisch mit leeren H&#228;nden dar. <\/p>\n<p>  Gelingt es uns nicht, mit einer differenzierten Sachkritik und einem   eigenen oppositionellen Politikangebot ins Abgeordnetenhaus einzuziehen,   zeigt dies die Schw&#228;che unserer Argumente und unserer Kritik an der   Berliner Senatspolitik.<\/p>\n<p>  Die Konferenz vom 28.1.06 kann man aufgrund der Teilnehmerzahl von rund   200 Menschen als Erfolg betrachten. Wir m&#252;ssen uns aber ernsthaft   fragen, welche Ausstrahlung die Konferenz tats&#228;chlich hatte. Wie viele   Menschen waren dort, die nicht vorher schon &#252;berzeugte KritikerInnen der   Berliner Landespolitik waren? Welche reale Ausstrahlungskraft hatte die   Konferenz auf die anderen WASG-Landesverb&#228;nde? Wie viele der G&#228;ste waren   wirklich &quot;neugierig&quot; auf die Berliner Debatte?<\/p>\n<p>  Das Ziel muss sein, die 5-Prozent-H&#252;rde zu &#252;berspringen. Dies wird uns   aber nur gelingen, wenn wir uns inhaltlich wesentlich breiter   aufstellen. Wenn wir f&#252;r unsere Veranstaltungen eine Anziehungskraft   &#252;ber die sowieso schon &#220;berzeugten hinaus erlangen, kommen auch die   KollegInnen aus unserem Bundesvorstand und der Berliner Linkspartei.PDS   nicht umhin, sich mit uns aufs Podium zusetzen. Angesichts der immer   noch ungekl&#228;rten &#246;ffentlichen Foren mit der Linkspartei.PDS ist dies   &#252;berlebensnotwendig. Wenn wir aber anstatt Ausstrahlungskraft zu   entwickeln der Meinung sind, die Linkspartei.PDS h&#228;tte sich auf der   Konferenz &quot;Nachhilfestunden&quot; holen k&#246;nnen, erreichen wir das genaue   Gegenteil. Wir isolieren uns!<\/p>\n<p>  4. Der eventuelle eigenst&#228;ndige Wahlantritt und die damit verbundene   Frage einer Regierungsbeteiligung in Berlin ist kein Pr&#228;zedenzfall f&#252;r   die WASG. Die Frage von &quot;Gestaltung&quot; in den hessischen und   nieders&#228;chsischen Kommunen (beide Wahlen in diesem Jahr) oder das   Problem, Z&#252;nglein an der Wage in Bremen zu werden (Fr&#252;hjahr 2007),   k&#246;nnen und d&#252;rfen wir nicht von Berlin aus beantworten. Wir k&#246;nnen und   m&#252;ssen politische Bedingungen f&#252;r Regierungsbeteiligungen formulieren.   Wir k&#246;nnen dar&#252;ber aber nicht &#8211; wie auch im Leitantrag des   Landesvorstandes f&#252;r den 4.Landesparteitag formuliert &#8211; per   &quot;Paukenschlag&quot; entscheiden. Wir werden in Berlin m&#246;glicherweise zu   anderen Ergebnissen kommen als unsere KollegInnen in Hessen ,   Niedersachsen und Bremen. Wenn wir f&#252;r unseren Landesverband das Recht   und die Kompetenz postulieren, &#252;ber unsere Form der Wahlbeteiligung zu   entscheiden, werden wir dies den anderen Landesverb&#228;nden ebenfalls   zugestehen m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Jeder und jede, die von Berlin aus eine Pr&#228;zedenzentscheidung &#252;ber   Regierungsbeteiligung in der Gesamtpartei herbeif&#252;hren will, gef&#228;hrdet   unser Projekt eines begr&#252;ndeten und nichtsektiererischen Antritts zu den   Abgeordnetenhauswahlen. Wer die &quot;Entscheidungsschlacht&quot; sucht, kann auch   ganz entschieden verlieren.<\/p>\n<p>  Wir werden auf unserem 4. Landesparteitag und in der folgenden   Urabstimmung &#252;ber die Form unseres Wahlantritts entscheiden und   zumindest indirekt damit auch &#252;ber unsere Bedingungen in Fragen der   Regierungsbeteiligung. Wir entscheiden aber nicht &#252;ber das prinzipielle   Ob des Zusammengehens mit der Linkspartei.PDS &#8211; weder in Berlin noch auf   Bundesebene. Das machen wir im Jahr 2007. Allerdings wird unsere   Entscheidung Einfluss auf die politische Substanz des B&#252;ndnisses und   eine neuen Linken haben.<br \/>________________<\/p>\n<p>  <b><span>Einige Anmerkungen zu Stefan M&#252;llers &#8222;4 Thesen&#8220; <\/span><\/b><\/p>\n<p>  Stefan M&#252;ller schreibt in seinem Thesenpapie, dass der &#8222;Ausgangspunkt   unserer Politik nicht sein kann, lediglich &quot;linkere&quot; Forderungen als die   Berliner PDS zu stellen.&quot; Auch wenn niemand in der WASG diese These   vertritt, kann man ihm nur zustimmen. Ausgangspunkt unserer Politik muss   die Verteidigung der Interessen von abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten,   Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen sein. Unser Minimalkonsens   sollte daher sein, dass wir jede Form von Sozialabbau, Privatisierung,   Tarifflucht und Arbeitsplatzvernichtung ablehnen. Ausgangspunkt ist aber   auch die These, dass diese Gesellschaft reich genug ist, um allen   Menschen einen weitaus besseren Lebensstandard zu sichern, dies aber   durch die Verteilung des Reichtums und die Macht- und   Eigentumsverh&#228;ltnisse verhindert wird. Ausgehend von dieser Feststellung   werfen wir Forderungen auf, die die Umverteilung des Reichtums von oben   nach unten in den Mittelpunkt stellen. Solche Forderungen sind   zwangsl&#228;ufig links von der Berliner PDS, denn diese praktiziert eine   Politik des Sozialabbaus, der Privatisierung, der Tarifflucht, der   Arbeitsplatzvernichtung. Wenn unsere Forderungen nicht links von der   Berliner PDS w&#228;ren, w&#252;rden wir etwas falsch machen.<\/p>\n<p>  Aber Stefan geht es darum, dass man nicht nur Forderungen aufstellen   soll, sondern auch deren Umsetzungsm&#246;glichkeiten formulieren soll. Dabei   erweckt er aber leider den Eindruck, dass eine &#8222;wirklich linke   Regierung&#8220; keine andere Politik im Berliner Senat betreiben k&#246;nnte und   vertritt, ob gewollt oder ungewollt, die These der Alternativlosigkeit   zu dieser Politik, die wir sonst von der PDS kennen.<\/p>\n<p>  Es ist richtig, dass die Probleme Berlins nicht allein in Berlin zu   l&#246;sen sind, sondern nur durch weitreichende gesellschaftliche   Ver&#228;nderungen. Es ist auch richtig, dass f&#252;r solche gesellschaftlichen   Ver&#228;nderungen ein breiter Widerstand n&#246;tig ist: Massenbewegungen,   Selbstorganisation, eine neue Partei.<\/p>\n<p>  Daraus ergibt sich aber nicht, dass eine andere Senatspolitik   grunds&#228;tzlich ausgeschlossen w&#228;re, wenn die Linke &#252;ber eine absolute   Mehrheit verf&#252;gen w&#252;rde. Stefan f&#252;hrt an, dass auch eine &#8222;wirklich linke   Regierung&#8220; mit der Haushaltsnotlage zu k&#228;mpfen h&#228;tte. Mal ganz abgesehen   davon, dass man auch ohne einen Cent mehr Geld in der Landeskasse viele   Dinge anders machen k&#246;nnte und auch abgesehen davon, dass das Land   Berlin die Gewerbesteuer erh&#246;hen k&#246;nnte und weitere Schulden zur   Investitionsfinanzierung machen k&#246;nnte, solange die   gesamtgesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse noch nicht ver&#228;ndert sind: eine   linke Regierung k&#246;nnte als Teil des au&#223;erparlamentarischen Widerstandes   einen effekiven Kampf an der Seite der Gewerkschaften und   Protestbewegungen f&#252;r mehr Geld vom Bund f&#252;hren. Das w&#228;re auch ein   Beitrag zu dem von Stefan etwas abstrakt eingefordrten &quot;neuen linken   Aufbruch&quot;. Das Beispiel des sozialistischen Stadtrates von Liverpool aus   den 80er Jahren ist daf&#252;r ein Beleg (<a href=\"\/?p=11499\">siehe   hier<\/a>). Eine Regierung d&#252;rfte nicht Verwaltung sein, sondern m&#252;sste   sich mit den Herrschenden in diesem Land anlegen, um Geld f&#252;r Soziales   und f&#252;r L&#246;hne locker zu machen.<\/p>\n<p>  Aber zur Zeit steht eine solche linke Mehrheitsregierung tats&#228;chlich   nicht auf der Tagesordnung, deshalb bleiben wir nach dem 17.9. in der   Opposition und h&#228;tte die PDS auch in der Opposition bleiben sollen. Denn   ohne eine linke Mehrheit kann es in einer Landesregierung auch keine   linke Politik geben. Es ist nur falsch, wenn Stefan der These der   Alternativlosigkeit der Senatspolitik auf den Leim geht.<\/p>\n<p>  Irritierend wird Stefans Text, wenn er darauf hinweist, dass die WASG in   Hessen, Niedersachsen und Bremen m&#246;glicherweise auf komunaler bzw.   Landesebene Entscheidungen f&#252;r Regierungsbeteiligungen f&#228;llen wird   (wobei dieser Begriff bei Kommunen nicht ganz zutreffend ist). Stefan   schl&#228;gt zwar politische Bedingungen f&#252;r Regierungsbeteiligungen vor,   formuliert diese aber nicht. Wir in Berlin sollen uns aber nicht   einmischen und auch nicht mehr davon reden, dass Berlin ein   Pr&#228;zedenzfall ist. Stefan macht es kompliziert, wo es doch recht einfach   ist. Unsere Bedingung sollte sein: keine Beteiligung an Sozialabbau,   Privatisierungen, Arbeitsplatzvernichtung. Auf dieser Basis wurde zum   Beispiel in K&#246;ln eine gemeinsame Fraktion von Linkspartei.PDS und dem   f&#252;r ein lokales Wahlb&#252;ndnis im Stadtrat vertetenen SAV-Mitglied   gebildet. Diese Bedingung ist in K&#246;ln so richtig, wie in Berlin, Bremen,   Hannover und Wiesbaden. Wird sie hier in Berlin gebrochen, wird es in   anderen Teilen der Republik f&#252;r die rechtssozialdemokratischen Kr&#228;fte in   der WASG und der Linkspartei.PDS einfacher sie auch dort zu brechen.<\/p>\n<p>  Wieso der Hinweis darauf, dass die sogenannte &#8222;Berliner Frage&#8220; eine   Pr&#228;zedenzfrage ist, &#8222;unser Projekt eines begr&#252;ndeten und   nichtsektiererischen Antritts zu den Abgeordnetenhauswahlen&#8220; gef&#228;hrdet,   bleibt Stefans Geheimnis. Nicht nur Rosa Luxemburg hat darauf   hingewiesen, dass man die Wahrheit aussprechen soll und eines ist doch   klar: setzen sich in Berlin die Regierungssozialisten gegen uns durch,   wird die Opposition gegen eine Strategie der Beteiligung an m&#246;glichst   vielen Landesregierungen bis zur n&#228;chsten Bundestagswahl enorm   geschw&#228;cht. Darum wird die Auseinandersetzung um Berlin ja auch   bundesweit mit einer gewissen Sch&#228;rfe gef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Die Augen reibt man sich dann aber bei folgender Aussage von Stefan:   &#8222;Gelingt es uns nicht, mit einer differenzierten Sachkritik und einem   eigenen oppositionellen Politikangebot ins Abgeordnetenhaus einzuziehen,   zeigt dies die Schw&#228;che unserer Argumente und unserer Kritik an der   Berliner Senatspolitik.&#8220; Gleichzeitig sagt er, dass wir beim Verfehlen   der 5-Prozent-H&#252;rde mit &#8222;leeren H&#228;nden&#8220; dastehen.<\/p>\n<p>  Es gibt das Potenzial f&#252;nf Prozent und mehr zu erreichen, denn   Hunderttausende sind w&#252;tend &#252;ber den Verrat der PDS und selber Opfer der   Senatspolitik. Wir k&#246;nnen selbstbewusst und &#252;berzeugt in den Wahlkampf   gehen und das Ziel formulieren, den Einzug in das Abgeordnetenhaus zu   schaffen. Es kann aber keine Garantie auf das Erreichen der f&#252;nf Prozent   geben. Jeder, der das behauptet, handelt verantwortungslos. Ein   Verfehlen dieses Ziels macht unsere Argumente und unsere Kritik auch   nicht schw&#228;cher. Und Stefan wei&#223; genauso gut, wie jedes WASG-Mitglied,   dass Wahlkampf nicht einfach ist &#8211; vor allem wenn man wenig Geld und   evtl. den Bundesvorstand der eigenen Partei gegen sich hat. Trotzdem ist   es n&#246;tig, den von Sozialk&#252;rzungen Betroffenen eine linke politische   Stimme anzubieten, sonst sind die Rechten die einzige Opposition zum   Senat. Deshalb ist es falsch, an die Frage der eigenst&#228;ndigen Kandidatur   nur vom Blickwinkel des bundesweiten Neuformierungsprozesses &#8211; der bei   Stefan jetzt leider auch schon Fusionsprozess hei&#223;t &#8211; heranzugehen. Die   Notwendigkeit einer solchen Kandidatur ergibt sich zuallererst aus den   sozialen Auseinandersetzungen und Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen in Berlin.<\/p>\n<p>  Erfolg oder Misserfolg der Kandidatur sollte man auch nicht nur an der   Stimmenzahl messen: wieviele Mitglieder gewinnen wir, wieviele   au&#223;erparlamentarischen Proteste k&#246;nnen wir im Wahlkampf f&#246;rdern, wie   weit verankern wir uns in den Stadtteilen und sozialen Bewegungen &#8211; das   sind Fragen, die auch von gro&#223;er Bedeutung sind.<\/p>\n<p>  Die Kritik an der Konferenz vom 28. Januar stellt die Dinge auf den   Kopf. PDS, Bundestagsfraktion und Bundesvorstands-Mehrheit sind nicht   gekommen, weil sie uns nicht aufwerten wollten. Das war Teil einer   Kampagne gegen die Mehrheit des Berliner Landesverbands und hat nichs   mit mangelnder inhaltlicher Breite zu tun. Angesichts dieser Kampagne   sollten die Reihen geschlossen werden und keine nebul&#246;se Kritik an der   besten Veranstaltung ge&#252;bt werden, die die Berliner WASG seit Monaten   durchgef&#252;hrt hat.<\/p>\n<p>  Stefan betont, dass die PDS nicht neoliberal ist. In der Analyse kann   man ihm nur zustimmen, denn tats&#228;chlich ist die LP.PDS keine Partei, die   die neoliberale Ideologie voran treibt, &#252;brigens auch in Berlin nicht.   Hier exekutiert sie die Vorgaben neoliberaler Politik im Bund und macht   sich zur Mitt&#228;terin. Stefans Schlussfolgerung, der Gegner sei woanders,   ist deshalb auch nicht zuzustimmen. Es gibt nicht nur einen Gegner, denn   CDU, SPD, FDP, die Gr&#252;nen und vor allem die Kapitalisten sind auch   Gegner. Aber die F&#252;hrung der Berliner Linkspartei.PDS ist auch eine   Gegnerin von sozialer Politik in dieser Stadt. Deshalb muss man auch   gegen sie k&#228;mpfen, demonstrieren, streiken &#8211; und kandidieren! Denn   Sozialabbau bleibt Sozialabbau, egalb ob mit neoliberalen,   keynesianischen oder pseudo-sozialistischen Rechtfertigungen. Deshalb   ist die Frage, ob die Linkspartei.PDS neoliberal ist v&#246;llig   uninteressant f&#252;r die Entscheidungsfindung der WASG Berlin.<\/p>\n<p>  Interessanter ist da schon die Frage, warum die PDS so geworden ist, wie   sie heute ist. Stefan vertritt die Meinung, dass dies nicht &quot;am Anspruch   und den in den vergangenen 15 Jahren formulierten Grundsatz- und   Wahlprogrammen gelegen haben kann&quot;. Es w&#252;rde den Rahmen dieses Textes   sprengen, diese Frage ausf&#252;hrlich zu behandeln. Eine ausf&#252;hrliche Bilanz   der Entwicklung der PDS findet sich <a href=\"\/?p=11456\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>  Auf eines sei aber hingewiesen: der Anspruch der PDS war in den letzten   Jahren viel mehr, in dieser kapitalistischen Bundesrepublik &quot;anzukommen&quot;   als eine sozialistische Ver&#228;nderung der Gesellschaft zu erreichen.   Dementsprechend ordnete sie vielfach ihre Tagespolitik eher der   Akzeptanz im bundespolitischen Parteiensystem, als der Ver&#228;nderung   gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse in Richtung Sozialismus unter. Auch die   Programmatik der PDS wurde in den letzten Jahren weitgehend und   qualitativ verw&#228;ssert. Zuerst wurde der Sozialismus von einer konkreten   zu erreichenden Gesellschaftsform zu einem Wertesystem und Bewegung   gemacht, mittlerweile bezieht sich das PDS-Programm sogar positiv auf   einige der Grundfesten der kapitalistischen &#214;konomie: Markt,   Privateigentum, Profit. Die Anpassung der PDS-F&#252;hrung an die   realkapitalistischen Verh&#228;ltnisse hat sehr wohl eine Entsprechung in   ihrer Programmatik. Aber selbst, wenn das nicht der Fall w&#228;re: Papier   ist geduldig. Was z&#228;hlt, sind Taten.<\/p>\n<p>  <i><span>Sascha Stanicic, 4.2.2006<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Antwort von Sascha Stanicic auf den Beitrag von Stefan M&#252;ller<br \/>\n    (gesch&#228;ftsf&#252;hrender Landesvorstand Berlin)&#160; <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11512"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11512"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11512\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}