{"id":11511,"date":"2006-02-04T18:47:21","date_gmt":"2006-02-04T18:47:21","guid":{"rendered":".\/?p=11511"},"modified":"2006-02-04T18:47:21","modified_gmt":"2006-02-04T18:47:21","slug":"11511","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/02\/11511\/","title":{"rendered":"Sri Lanka &#8211; Ein Jahr nach dem Tsunami"},"content":{"rendered":"<p>Wie man mit Hilfe von Tsunami-Hilfsgeldern Pr&#228;sident wird und das Land in einen B&#252;rgerkrieg treibt <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n13 Monate sind seit dem Tsunami vom 26. Dezember 2004 vergangen. In Sri Lanka ist seither viel geschehen: es wurde wiederaufgebaut, es gab Pr&#228;sidentenwahlen und der beendet geglaubte B&#252;rgerkrieg steht vor einem neuen Ausbruch. Die Leidtragenden sind hundertausende Menschen der singhalesischen Bev&#246;lkerungsmehrheit ebenso wie der tamilischen Bev&#246;lkerungsminderheit. Eine L&#246;sung scheint nicht in Sicht. <\/p>\n<p>  <b>Die Fakten<\/b><\/p>\n<p>  Der Tsunami kostete in Sri Lanka &#252;ber 30.000 Menschen das Leben. Nach   Zahlen der nationalen Wideraufbaubeh&#246;rde Tafor wurden 35.100 H&#228;user   v&#246;llig und weitere 47.500 H&#228;user teilweise zerst&#246;rt. Rund 275.000 Jobs   wurden vernichtet, 72 Spit&#228;ler, 182 Schulen und 15.300 Fischerboote   zerst&#246;rt. 550.000 Menschen waren ohne sauberes Wasser, 222.600 Haushalte   ohne Strom. 1.615 Km Strassen und 160 Km Eisenbahnschienen wurden   zerst&#246;rt. Eine Welle von Hilfsbereitschaft ging rund um den Globus.   &#220;berall griffen Menschen tief in die Tasche um zu Spenden. Sch&#228;tzungen   gehen von bis zu 13 Milliarden Dollar f&#252;r die ganze Region (davon rund 3   Milliarden Dollar f&#252;r Sri Lanka) an Spenden aus. Aber: was ist mit dem   Geld geschehen?<\/p>\n<p>  <b>Leere Versprechen<\/b><\/p>\n<p>  Festgestellt werden muss, dass die Zusagen der verschiedenen Regierungen   meist v.a. sch&#246;ne Propaganda waren. Auch bei intensiver Suche kann z.B.   nicht festgestellt werden, wo die von der &#246;sterreichischen   Bundesregierung zugesagten 50 Millionen Euro sind. Von rund 20 Millionen   fehlt jede Spur. In einer Presseaussendung des Au&#223;enministeriums vom   Dezember 2005 wird stolz verk&#252;ndet, dass 12,7 Millionen Euro &#8222;in   konkreten Projekten gebunden (wurden)&#8220;. Das bedeutet, dass dieses Geld   aber ein Jahr nach der Katastrophe noch immer nicht ein eingesetzt   wurde, sondern nur bestimmten k&#252;nftigen Projekten zugeordnet wird. &#8222;Wer   rasch hilft, hilft doppelt&#8220; ist offensichtlich nicht die Devise des   Au&#223;enministeriums. Am konkretesten sind die Ausk&#252;nfte bez&#252;glich der 2,15   Millionen Euro, die die &#214;sterreichische Entwicklungszusammenarbeit   (OEZA) zur Verf&#252;gung gestellt hat. Die OEZA ist quasi die   Entwicklungshilfestruktur der Republik &#8211; die 2,15 Millionen wurden aber   keinesfalls zus&#228;tzlich eingesetzt sondern aus dem existierenden Budget   der OEZA einfach umgewidmet. Besonders zynisch ist die &#8222;Hilfe&#8220; der USA.   44,9% der bisher geleisteten Hilfe wurde f&#252;r milit&#228;rische Unterst&#252;tzung   eingesetzt!<\/p>\n<p>  <b>NGO&#8217;s: Keine saubere Weste<\/b><\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Regierungen sich in Krokodilstr&#228;nen und leeren   Versprechungen ergingen, war die Spendenbereitschaft von   ArbeitnehmerInnen, Arbeitslosen, PensionistInnen und Jugendlichen enorm.   Schulklassen sammelt Geld, MindestrentnerInnen eilten zur Bank um   einzuzahlen, Arbeitslose boten an in die Region zu fahren, um zu helfen.   Aber auch diese Hilfsbereitschaft wurde missbraucht. Eine Untersuchung   hat gezeigt, dass bis zu 32% der Spenden, die an diverse NGO&#8217;s (und das   beinhaltet &#8222;seri&#246;se&#8220; NGOS wie die WHO und das World Food Programme, die   beide zur UNO geh&#246;ren) geleistet wurden f&#252;r &#8222;Administration&#8220; eingesetzt   wurden. Oft begannen die NGO&#8217;s ihre &#8222;Hilfe&#8220; mit dem Ankauf neuer Autos,   um mobil zu sein, Helfer &#252;bernachteten in teuren Hotels. Oft wurde an   den Bed&#252;rfnissen der Tsunami-Opfer vorbei gearbeitet. Die FischerInnen   erhielten umfassende Hilfe (was ihnen selbstverst&#228;ndlich verg&#246;nnt ist),   aber andere betroffene Gruppen, wie z.B. v.a. Frauen, die in Heimarbeit   T&#246;pfereiprodukte, Besen und Produkte aus Kokusnusfassern herstellen,   haben fast keine Hilfe erhalten. Die von den NGO&#8217;s errichteten   Wellblechh&#252;tte werden in der tropischen Hitze Sri Lankas rasch zu   Back&#246;fen. Nat&#252;rlich haben viele HelferInnen auch enorme pers&#246;nliche   Opfer gebracht, nicht alle sind korrupt oder haben sich bereichert. Aber   die &#8222;schwarzen Schafe&#8220; sind keine Einzelf&#228;lle.<\/p>\n<p>  <b>Wo ist das Geld?<\/b><\/p>\n<p>  Tilaka aus Dodanduwa an der S&#252;dwest-K&#252;ste von Sri Lanka meint, das &#8222;von   der Regierung gar keine Hilfe kam, die NGO&#8217;s haben wenigstens 70% des   Geldes hergegeben&#8220;. Tats&#228;chlich hat die sri lankesische Regierung   Hilfslieferungen teilweise monatelang am Zoll festgehalten und ist bis   heute unklar, wo die Millionen Euro, die die sri lankesische Regierung   f&#252;r Tsunami-Hilfe erhielt, gelandet sind. Nach Regierungsangaben (die   noch dazu wahrscheinlich gesch&#246;nt sind) sind bisher gerade mal 6% der   zerst&#246;rten H&#228;user wieder aufgebaut worden. &#220;berall sieht man die   Fundamente der ehemaligen H&#228;user auf denen kleine Holzbaracken errichtet   wurden und auch die heute noch &#8211; &#252;ber ein Jahr nach der Katastrophe &#8211;   als Unterk&#252;nfte dienen. Ganze Familien m&#252;ssen in diesen rund 20 m2   gro&#223;en &#8222;H&#228;usern&#8220; leben. Das nur noch rund 20% der Opfer in den Zelten   und notd&#252;rftig aus Holz, Plastikplanen und Wellblech zusammengebastelten   Baracken der Notunterk&#252;nfte leben liegt daran, dass der gr&#246;&#223;te Teil bei   Verwandten bzw. FreundInnen untergekommen ist. Von den 2283,1 Millionen   Dollar, die die Regierung an Hilfsgeldern erhielt wurden bis jetzt   weniger als 20 % eingesetzt &#8211; und das sagt noch nichts dar&#252;ber aus,   wof&#252;r sie eingesetzt wurden. Nach der Katastrophe versprach die   Regierung, dass jede betroffene Familie 5000.- Rupien pro Monate   erhalten sollte (rund 40.- Euro). Nur erhielten die meisten Familien   diese Unterst&#252;tzung nur 3-5 Monate. Gleichzeitig stiegen die Preise.   Zement wurde um ca. 40% teurer, der Preis f&#252;r Eisentr&#228;ger verdoppelte   sich. Die Regierung f&#252;hrte keine Preiskontrolle oder staatliche   Preisbindung ein, erh&#246;hte aber mit Anfang 2005 die Umsatzsteuer, was die   Preise weiter erh&#246;hte.<\/p>\n<p>  Strassen und Bahnlinien wurden rasch wieder aufgebaut &#8211; bezahlen muss   das aber die Bev&#246;lkerung, da die Fahrpreise fast verdoppelt wurden. Es   ist kaum m&#246;glich, aktuelle Zahlen zur Arbeitslosigkeit zu bekommen. Vor   dem Tsunami lag sie bei 9%, heute bei gesch&#228;tzten 20%.   Arbeitslosenversicherung gibt es keine. Gleichzeitig gibt es auch unter   dem Druck internationaler Institutionen Pl&#228;ne f&#252;r Privatisierungen (und   damit weiterem Stellenabbau).<\/p>\n<p>  <b>Korruption bl&#252;ht<\/b><\/p>\n<p>  Der Wiederaufbau wurde f&#252;r pers&#246;nliche Bereicherung und politische   Einflussnahme missbraucht. An der Spitze der nationalen   Wideraufbaubeh&#246;rde Tafor stehen Freunde der ehemaligen Pr&#228;sidentin   Chandrika Bandaranika, u.a. ein gro&#223;er Hotelbesitzer. Da ist es dann   auch nicht verwunderlich, dass die 100-Meter-Schutzzone an der K&#252;ste, wo   seit dem Tsunami nicht mehr gebaut werden darf (was f&#252;r FischerInnen ein   gro&#223;es Problem darstellt) f&#252;r Hotels oft nicht gilt. Die Auftr&#228;ge f&#252;r   den Wideraufbau werden nicht in den betroffenen Regionen vor Ort   vergeben, Baumaterial wird von au&#223;en zugekauft und es kommen auch kaum   lokale Bauarbeiter &#8211; die seit dem Tsunami arbeitslos sind &#8211; zum Einsatz.   Ein profitables Gesch&#228;ft f&#252;r FreundInnen der Regierung. Das die   Korruption ein massives Problem ist, ist allgemein bekannt. Die   Anti-Korruptions-Programme der Regierung sind aber nur eine   Augenauswischerei. Ein paar kleine Fische (und manchmal auch gr&#246;&#223;ere,   wenn es sich um politische Gegner handelt) werden &#246;ffentlich   angeprangert, w&#228;hrend die wirklich gro&#223;en unbehindert weitermachen.<\/p>\n<p>  Die United Socialist Party (USP, Vereinigte Sozialistische Partei), die   Schwesterorganisation der SLP in Sri Lanka, hat sich nach dem Tsunami an   der Hilfe beteiligt. Durch gewerkschaftliche Strukturen und die   Organisation &#8222;Stimme der Opfer des Tsunami&#8220; wurde aber nicht von oben   herab und &#252;ber die K&#246;pfe der Betroffenen hinweg agiert. Die USP hat von   Anfang an gefordert, das die Hilfe nicht den korrupten PolitikerInnen   &#252;berlassen werden darf, sondern von demokratisch gew&#228;hlten Komitees aus   Betroffenen und Organisationen der ArbeiterInnenbewegung verwaltet   werden muss. Nur so kann Missbrauch verhindert werden und die Hilfe   landet bei den Menschen, die sie brauchen und in der Form, wie sie sie   brauchen!<\/p>\n<p>  <b>Mit Hilfsgeldern erkaufter Wahlsieg<\/b><\/p>\n<p>  Der jetzige Pr&#228;sident &#8211; Mahinda Rajapakse &#8211; der zu Zeiten des Tsunami   Premierminister war, hat die Hilfsgelder f&#252;r seine Zwecke missbraucht.   Es gibt Vermutungen, dass er 83 Millionen Rupien (knapp 700.000 Euro) an   Hilfsgeldern unterschlagen und auf ein spezielles &#8222;Hilfe f&#252;r   Hambantota&#8220;-Konto transferiert haben soll. Das Verfahren wurde w&#228;hrend   des Wahlkampfes verschoben und wird wohl nun &#8211; nach seinem Wahlsieg &#8211;   abgeblasen werden. Hambantota ist die Heimatregion von Mahinda Rajapakse   und im Wahlkampf wurden &#8222;pl&#246;tzlich&#8220; gro&#223;z&#252;gig Hilfsgelder eingesetzt   (und zwar auch f&#252;r Menschen die zwar keine Opfer des Tsunami, daf&#252;r aber   potentielle W&#228;hlerInnen sind). Gleichzeitig sorgte Mahinda Rajapakse   aber auch daf&#252;r, dass eine gro&#223;e Opfergruppe keine Hilfe erhielt. Im vom   Tsunami stark betroffenen Norden und Nordosten lebt die tamilische   Bev&#246;lkerungsminderheit. Diese Regionen geh&#246;rten schon vor dem Tsunami zu   den &#228;rmsten Gebieten der Insel. Mahinda Rajapakse steht f&#252;r einen   scharf-nationalistischen Kurs gegen die TamilInnen. Er wurde in seinem   Wahlkampf von der ultra-chauvinistischen JVP unterst&#252;tzt die sogar   gerichtlich erwirkte, dass keine staatlichen Hilfslieferungen in die   TamilInnengebiete gingen.<\/p>\n<p>  <b>Pr&#228;sident steuert auf neuerlichen Ausbruch des B&#252;rgerkriegs hin<\/b><\/p>\n<p>  Mahinda Rajapakse gewann die Wahlen auf Basis einer extrem   nationalistischen und chauvinistischen anti-TamilInnen Propaganda. Als   Premier missbrauchte er den Tsunami und versuchte die TamilInnengebiete   und insbesondere die LTTE, die wichtigste bewaffnete tamilische   Organisation, die seit Jahrzehnten u.a. mit Terrorattentaten f&#252;r eine   Unabh&#228;ngigkeit der tamilischen Gebiete k&#228;mpft, im wahrsten Sinne des   Wortes auszuhungern. Nun ist er als Pr&#228;sident auch noch Finanz- und   Verteidigungsminister. Seit seinem Amtsantritt nehmen die &#220;bergriffe auf   TamilInnen zu. Ein tamilischer Parlamentsabgeordneter wurde ermordet. Es   gibt gro&#223;angelegte Razzien wo ganze Stadtteile abgesperrt werden, die   zur Einsch&#252;chterung der TamilInnen dienen. TamilInnen werden schikaniert   und die Armee geht mit zunehmender Brutalit&#228;t vor. &#220;ber Medien und   Regierungspropaganda wird eine Stimmung der Angst verbreitet und damit   eine Bedrohung &#8211; die in diesem Umfang nicht existiert &#8211; heraufbeschworen.<\/p>\n<p>  <b>LTTE r&#252;stet zum Kampf<\/b><\/p>\n<p>  Gleichzeitig nehmen aber auch die Angriffe von Seiten der LTTE wieder   zu. Seit der Wahl von Mahinda Rajapakse am 17. November 2005 sind weit   &#252;ber 100 Menschen &#8211; v.a. Armeeangeh&#246;rige &#8211; bei Attentaten get&#246;tet   worden. Auch wenn es Vermutungen gibt, dass diese teilweise von   Regierungsseite provoziert bzw. sogar der LTTE in die Schuhe geschoben   werden, so ist doch eine neuerliche Aufnahme der Kampfhandlungen durch   die LTTE nach dem Waffenstillstandsabkommen vom 21. Februar 2002   offensichtlich. Die LTTE k&#228;mpft seit mehreren Jahrzehnten f&#252;r ein   unabh&#228;ngiges Elam (Heimatland) im Norden und Nordosten des Landes. Der   &#252;ber 20 Jahre dauernde B&#252;rgerkrieg hat &#252;ber 70.000 Opfer gekostet. Das   Recht auf einen eigenen Staat &#8211; aber auch nur auf volle   staatsb&#252;rgerliche Rechte, die Teilen der TamilInnen verweigert werden &#8211;   wir ihnen von chauvinistischen SinghalesInnen und buddhistischen   Eiferern verweigert.<\/p>\n<p>  Die USP verteidigt das Selbstbestimmungsrecht der TamilInnen, bis hin   zum Recht auf Abtrennung, wenn die TamilInnen das wollen und unterst&#252;tzt   Proteste von TamilInnen gegen die zunehmende Repression. Trotzdem gibt   es aber von der USP keine Unterst&#252;tzung f&#252;r die Methoden des Terrorismus   &#8211; dem keineswegs nur Angeh&#246;rige des Repressionsapparates zum Opfer   fallen &#8211; und die keine L&#246;sung bringen k&#246;nnen. Es wird zwar dem sri   lankesischen Staat kaum gelingen, die LTTE milit&#228;risch zu besiegen. Es   ist ihm in den 1980er Jahren nicht mit der Unterst&#252;tzung von bis zu   200.000 indischen Soldaten gelungen und es wird ihm auch nicht mit Hilfe   der USA, die sich zunehmend einmischt, gelingen. Aber ein neuerlicher   Ausbruch des B&#252;rgerkriegs bedeutet eine Katastrophe f&#252;r die tamilische   Bev&#246;lkerung. Es hat bereits eine Fluchtwelle ins nahegelegene Tamil Nadu   (indischer Bundesstaat) eingesetzt. Die Frage von Autonomie bzw.   Unabh&#228;ngigkeit ist nicht in erster Linie eine milit&#228;rische. In einem   unabh&#228;ngigen kapitalistischen tamilischen Staat w&#252;rden die sozialen und   wirtschaftlichen Probleme, die durch B&#252;rgerkrieg und Tsunami ein   dramatisches Ausma&#223; angenommen haben, nicht gel&#246;st werden.<\/p>\n<p>  <b>Regierung unter Druck<\/b><\/p>\n<p>  Mahinda Rajapakse hat die Wahl auf Basis von   singhalesisch-chauvinistischer Propaganda gewonnen. Er hat aber auch   eine Reihe von Versprechungen gemacht, und sogar ein bisschen auf   &#8222;anti-Neoliberalismus&#8220; gesetzt. Nun ist er in einer schwierigen   Situation. Die Versprechungen &#8211; 1 Million Jobs f&#252;r die Jugend, eine   Erh&#246;hung der L&#246;hne im &#214;ffentlichen Dienst, finanzielle Unterst&#252;tzung f&#252;r   die Kleinb&#228;uerInnen &#8211; kann er nicht einl&#246;sen. Das widerspricht den   Interessen der nationalen und internationalen KapitalistInnen. Er   braucht die politische Unterst&#252;tzung der extrem-chauvinistischen JVP.   Aber er steht auch unter dem Druck des internationalen Kapitals, das   einen neuerlichen B&#252;rgerkrieg verhindern will. Ein Grund daf&#252;r ist auch   die destabilisierende Wirkung die ein neuerlicher Krieg auf den nahen   indischen Bundesstaat Tamil Nadu (und damit auf die ganze Region) haben   k&#246;nnte, in dem es ebenfalls eine Bewegung f&#252;r Unabh&#228;ngigkeit gibt.<\/p>\n<p>  Die sri lankesische kapitalistische Klasse ist schwach sowie dominiert   und abh&#228;ngig von imperialistischen Staaten. Dieser Druck des   internationalen Kapitals f&#252;hrt dazu, das Mahinda Rajapakse zur Zeit   wieder Signale in Richtung Verhandlungsbereitschaft mit der LTTE sendet   und zu All-Parteien-Gespr&#228;chen einl&#228;dt. Es ist offen, ob die neuerlichen   Friedensverhandlungen in Genf, die f&#252;r Mitte Februar geplant sind,   angesichts der zunehmenden Provokationen zu einer friedlichen L&#246;sung   f&#252;hren werden. Eine neuerlicher Ausbruch des B&#252;rgerkrieges ist eine   m&#246;gliche Entwicklung.<\/p>\n<p>  <b>Gewerkschaftliche Einheit statt kapitalistischer Spaltung<\/b><\/p>\n<p>  Auf kapitalistischer Grundlage ist ein dauerhafter Frieden in Sri Lanka   nicht m&#246;glich. Die USP fordert daher statt Verhandlungen zwischen   verschiedenen kapitalistischen PolitikerInnen die Zusammenarbeit der   ArbeiterInnenklasse und von Gewerkschaften. Als einziger Kandidat bei   den Pr&#228;sidentschaftswahlen im November hat Siritunga Jayasuriya von der   USP das Selbstbestimmungsrecht der TamilInnen verteidigt. Er erhielt   mehr als 35.000 Stimmen und wurde Dritter. Nach Verk&#252;ndigung des   Wahlergebnisses, als klar war, dass der chauvinistische Mahinda   Rajapakse gewonnen hatte, hielt Siritunga eine weit beachtete   Fernsehansprache. Er machte deutlich, dass Mahinda Rajapakse   verantwortlich ist daf&#252;r, dass die Situation zwischen TamilInnen und   SinghalesInnen wieder eskaliert und dass er viele soziale Verbesserungen   versprochen hat, aber wohl kaum etwas davon halten wird.<\/p>\n<p>  Nach dem Tsunami gab es wechselseitige Hilfe von TamilInnen und   SinghalesInnen. Die bewusste Spaltung der Regierung und   nationalistischer Kr&#228;fte hat hier entgegengearbeitet. Die USP tritt f&#252;r   eine breite linke Plattform ein, um den Krieg zu stoppen. Eine solche   Plattform muss v.a. von Gewerkschaften getragen werden. Sri Lanka hat   eine sehr reiche Geschichte der ArbeiterInnenbewegung. Es gab   sozialistische und sogar trotzkistische Massenorganisationen. Die St&#228;rke   der ArbeiterInnenbewegung war der Grund, warum &#8211; im Gegensatz zu z.B.   Indien oder Vietnam &#8211; die nationale Unabh&#228;ngigkeit unblutig erreicht   wurde. Sie ist auch der Grund f&#252;r einen in der Region relativ hohen   Lebensstandard und z.B. eine sehr niedrige AnalphabetInnenrate. Auch in   den vergangenen Jahren gab es Streiks und Klassenk&#228;mpfe von   verschiedenen Teilen der ArbeiterInnenbewegung gegen neoliberale   &#8222;Reformen&#8220;. Die USP steht in den besten Traditionen der sri lankesischen   ArbeiterInnenbewegung die sozialistisch und anti-chauvinistisch ist &#8211;   und die Basis f&#252;r eine friedliche Zukunft darstellt.<\/p>\n<p>  <i>von Sonja Grusch,<\/i> <i>Wien<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie man mit Hilfe von Tsunami-Hilfsgeldern Pr&#228;sident wird und das Land in<br \/>\n    einen B&#252;rgerkrieg treibt <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11511"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11511"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11511\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11511"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11511"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11511"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}