{"id":11510,"date":"2006-02-03T09:12:57","date_gmt":"2006-02-03T09:12:57","guid":{"rendered":".\/?p=11510"},"modified":"2006-02-03T09:12:57","modified_gmt":"2006-02-03T09:12:57","slug":"11510","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/02\/11510\/","title":{"rendered":"&#8222;Wo ist unser Geld?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>LG.Philips Besch&#228;ftigte in Aachen blockieren ihr Werk <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Seit Montag, den 30.01.2006 blockieren LG.Philips Besch&#228;ftigte die Tore   des Aachener Glas- und Gl&#252;hlampenwerks. Philips hatte pl&#246;tzlich am   vergangenen Freitag f&#252;r die Glasfabrik Insolvenz angemeldet.   Urspr&#252;nglich war geplant, das Werk zum 31.12.2007 zu schlie&#223;en, wor&#252;ber   ein festgeschriebener Sozialplan f&#252;r die noch 380 Besch&#228;ftigten   existiert. Jetzt sollen die Mitarbeiter ohne Abfindung und Sozialplan   von heute auf morgen entlassen werden. Dabei hatten die   Philipsbesch&#228;ftigten zugunsten des Sozialplanes in den letzten Jahren   auf die H&#228;lfte ihres Weihnachts- und Urlaubsgeldes verzichtet und   Mehrarbeit bei gleichem Lohn in Kauf genommen. Mit allein diesen   K&#252;rzungen hat Philips 8 Millionen Euro eingespart. Die Mitarbeiter   fordern die Einhaltung des Sozialplans, angemessene Abfindungen und die   R&#252;ckerstattung der 8 Millionen Euro.<\/p>\n<p>  <i>von Aemi Schr&#246;ter, Aachen<\/i><\/p>\n<p>  Bereits 2004 wurde das Philips Bildr&#246;hrenwerk in Aachen geschlossen.   1000 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Das Philips Glaswerk   lieferte ein Drittel ihrer Gesamtproduktion an das Bildr&#246;hrenwerk. Die   produzierten Fernsehbildschirme, bzw. Konen gehen nun an die   Tochterfirma in Dreux (Frankreich). Dieses Werk, sowie eine Tochterfirma   in Eindhoven (350 Besch&#228;ftigte) und ein Werk in Tschechien sollen   ebenfalls geschlossen werden.<\/p>\n<p>  Das Philips Gl&#252;hlampenwerk auf demselben Gel&#228;nde ist von der Insolvenz   nicht betroffen, wobei Kollegen vermuten, dass eine Schlie&#223;ung in den   n&#228;chsten zwei Jahren wahrscheinlich ist. Das Gl&#252;hlampenwerk ist   Lampenzulieferer f&#252;r u.a. Audi, Opel, BMW, Mercedes. Seit Montag wurde   kein LKW mit Gl&#252;hlampen mehr durch die Werkstore gelassen, womit die   Produktion der Autohersteller erheblich beeintr&#228;chtigt wird. Selbst PKWs   die versuchten Gl&#252;hlampen aus dem Werk zu schmuggeln wurden aufgehalten.   Der Druck hat sich ausgezahlt, Philips Deutschland hat sich zu   Gespr&#228;chen mit den Betriebsratsvertretern bereit erkl&#228;rt. Ein erstes   Angebot, weit unter den Forderungen der KollegInnen wurde von diesen   emp&#246;rt abgelehnt. Jetzt gibt es weitere Verhandlungen. Um   Gespr&#228;chsbereitschaft zu signalisieren, wurden auf Anweisung des   Betriebsrats seit Dienstag wieder einige wenige Transporter durch die   Tore gelassen. Viele der an der Blockade Beteiligten reagierten darauf   w&#252;tend. Sie sind der Ansicht, dass eine Lockerung der Blockade ihre   Verhandlungsposition nur verschlechtert.<\/p>\n<p>  <b>Angebot des Philips Konzerns<\/b><\/p>\n<p>  Laut Angaben des Philips Konzerns soll es eine   Besch&#228;ftigungsgesellschaft f&#252;r die Mitarbeiter des insolventen Werks   geben. Der Betriebsrat will &#252;ber das Angebot beraten. Eine Stellungnahme   dazu soll es in K&#252;rze dazu geben Doch ein tats&#228;chliches Ergebnis liegt   noch nicht auf dem Tisch. Viele KollegInnen signalisieren: wir gehen   hier nicht weg bis wir unser Geld haben.<\/p>\n<p>  <b>Solidarit&#228;t der Aachener Bev&#246;lkerung<\/b><\/p>\n<p>  Innerhalb der Aachener Bev&#246;lkerung ist die Solidarit&#228;t mit den   Besch&#228;ftigten riesig. Seit Anfang der Blockade werden die Kollegen u.a.   vom Roten Kreuz und den Maltesern mit Essen und Trinken versorgt. Eine   Aachener B&#228;ckerei brachte den Besch&#228;ftigten belegte Br&#246;tchen.   Restaurants beliefern die Streikenden mit Pizza. Viele Aachener kommen   mit Kaffee und Br&#246;tchen sowie Feuerholz vorbei. Ehemalige KollegInnern,   die das Werk schon lange verlassen haben kommen vorbei um mit den   KollegInnen die Blockade durchzuf&#252;hren.<\/p>\n<p>  Besonders ergreifend f&#252;r viele KollegInnen war der Besuch einer   Schulklasse und einer Kindergartengruppe die den KollegInnen Solidarit&#228;t   und ihre praktische Unterst&#252;tzung mit Lebensmitteln und Taschengeld   vorbeibrachten. Besonders wichtig f&#252;r die KollegInnen sind auch die   Abordnungen der KollegInnen aus anderen Betrieben. So unterst&#252;tzten   ver.di KollegInnen &#8211; vorwiegend aus dem nahe gelegenen Walmart &#8211; die   Blockade, genauso wie Mitglieder der IG BCE.<\/p>\n<p>  Es gab aber nicht nur Unterst&#252;tzung von Seiten der Aachener, auch eine   Abordnung der im Streik befindlichen AEG Besch&#228;ftigten aus N&#252;rnberg kam   nach Aachen gefahren, um ihre Solidarit&#228;t mit den Philips Besch&#228;ftigten   zu bekunden. Die Unterst&#252;tzung der eigenen Gewerkschaft jedoch bleibt   gering, sehr zum Unmut der Betroffenen! &#8222;Die sollen sich mal mit uns die   N&#228;chte bei &#8211;9&#176;C um die Ohren schlagen!&#8220; fordert ein Kollege.<\/p>\n<p>  <b>K&#228;mpferische Stimmung<\/b><\/p>\n<p>  Die meisten der betroffenen Besch&#228;ftigten &#228;u&#223;ern sich k&#228;mpferisch. Sie   sind gewillt, die Blockade so lange aufrecht zu erhalten, bis sie ihre   Ziele, die Aufrechterhaltung des Sozialplans und angemessene   Abfindungen, durchgesetzt haben. Mit dem Bewu&#223;tsein nichts mehr   verlieren zu k&#246;nnen, sind sie bereit, bis zum &#228;u&#223;ersten zu k&#228;mpfen.   Deshalb wird die Blockade auch fast rund um die Uhr aufrecht erhalten.   Viele KollegInnen stehen die halbe Nacht vor dem Tor und pr&#252;fen die   ankommenden Transporter.<\/p>\n<p>  Viele von ihnen sind mehr als zehn Jahre bei Philips besch&#228;ftigt. Mit   dem Verlust des Arbeitsplatzes geht ihre ganze Existenz zugrunde. Eine   Chance auf einen neuen Arbeitsplatz besteht f&#252;r die Besch&#228;ftigten kaum.   Viele sind ungelernte Arbeitskr&#228;fte oder wie einem auf dem Arbeitsamt   dann mitgeteilt wird mit Ende vierzig schon zu alt, um noch Aussicht auf   eine Besch&#228;ftigung zu haben. Deshalb fordern die KollegInnen auch   weiterhin auf Bannern &#8222;Gebt was uns zusteht&#8220;.<\/p>\n<p>  Infoseite von LG-Philips Besch&#228;ftigten: <a href=\"http:\/\/www.aachener-glassfront.de\/\">www.aachener-glassfront.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LG.Philips Besch&#228;ftigte in Aachen blockieren ihr Werk <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11510"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11510"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11510\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11510"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11510"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11510"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}