{"id":11504,"date":"2006-01-15T10:28:21","date_gmt":"2006-01-15T10:28:21","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11504"},"modified":"2012-06-13T10:58:35","modified_gmt":"2012-06-13T08:58:35","slug":"11504","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/01\/11504\/","title":{"rendered":"Umbr\u00fcche in China"},"content":{"rendered":"<p><strong> von Peter Taaffe (April 2005) <\/strong><\/p>\n<p><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>Schon vor dem Auftreten der k\u00fcrzlich erlebten Spannungen zwischen China und Japan war China im Mittelpunkt des Interesses der ganzen Welt.<\/p>\n<p>Dies ist jetzt noch st\u00e4rker der Fall. Der Japanische Premierminister Koizumi hat, angesichts gro\u00dfer Demonstrationen in China und Angriffe auf Japanische Gesch\u00e4fte, einige Forderungen aus Beijing erf\u00fcllt und sein \u201etiefstes Bedauern\u201c f\u00fcr die Kriegsverbrechen, die in den 1930er Jahren und w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges vom Japanischen Imperialismus begangen wurden. Hinter diesen Demonstrationen in Shanghai und einigen anderen St\u00e4dten (siehe vorherige Berichte auf der CWI-Website) steckt ein gewaltiger Konkurrenzkampf zwischen der emporkommenden Macht China und Japan, unterst\u00fctzt durch die USA, um die Vorherrschaft in Asien.<\/p>\n<p>In diesem Konflikt hat das Chinesische Regime an tiefverwurzelte Gef\u00fchle des Chinesischen Nationalismus appelliert. Diese Gef\u00fchle entstammen dem berechtigten Glauben der ChinesInnen, dass sie im Laufe der Geschichte Opfer zahlreicher Ungerechtigkeiten waren, die ihnen durch die kapitalistischen M\u00e4chte des Westens zugef\u00fcgt wurden. Sie verstehen dass China eine bedeutende Macht war &#8211; in vielerlei Hinsicht sogar weiter entwickelt als der Westen &#8211; vor der Entwicklung des Kapitalismus in Europa und der darauf folgenden Besetzung Chinas durch den Imperialismus und seinen Verb\u00fcndeten. Hinzu kommt das furchtbare Leiden der Menschen in China unter dem Japanischen Imperialismus vor allem in den 1930er Jahren und w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges. Deswegen haben seitdem anti-Imperialistische und vor allem anti-Japanische Gef\u00fchle eine wichtige Rolle in der \u201eChinesischen Psyche\u201c gespielt. In einigen F\u00e4llen hat sich dieses Element in einem fortschrittlichen Sinne manifestiert. So demonstrierten zum Beispiel im Mai 1919 StudentInnen in Beijing gegen die \u00dcbergabe Deutscher Kolonien an Japan im Rahmen des Vertrages von Versailles. Was als anti-japanische Demonstration begann verwandelte sich rasch in eine Massenbewegung gegen den schwachen, r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten und autorit\u00e4ren chinesischen Kapitalismus der damaligen Zeit. Die herrschende Elite heute f\u00fcrchtet einen \u00e4hnlichen Verlauf der j\u00fcngsten Demonstrationen und bem\u00fchte sich, diese schnell wieder zu beenden.<\/p>\n<p>Angesichts des Untergangs der stalinistischen Ideologie blieb dem zunehmend kapitalistischen Regime Chinas alleine der Nationalismus als verl\u00e4ssliches Mittel um China zusammen zu halten. Um dies zu machen, haben sie sich auf die Geschichte bezogen. Mao st\u00fctzte sich ebenfalls auf den chinesischen Nationalismus, genau wie Deng Xiaoping, dem geistigen Vater von Chinas Entwicklung hin zum Kapitalismus, der \u201epatriotische Museen\u201c ins Leben rief, die sich haupts\u00e4chlich mit Japanischen Gr\u00e4ueltaten besch\u00e4ftigten. Auf \u00e4hnlicher Weise gingen anti-japanische Proteste der Revolution auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahre 1989 voraus &#8211; ein Ausdruck davon, wie Demonstrationen gegen den Japanischen Militarismus sehr schnell in Kritik des chinesischen Regimes umschlagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Demonstrationen speisen sich aus dem Reservoir des legitimen Unmutes der ChinesInnen aufgrund der Gr\u00e4ueltaten, die die japanische herrschende Klasse an sie ver\u00fcbt hat, dennoch erfuhren diese Demonstrationen zumindest ein St\u00fcck weit Unterst\u00fctzung seitens der Regierung. Wer in China Demonstrationen organisiert, muss meistens mit sofortiger Festnahme rechnen. Es gab eine Reihe von Faktoren, die zu diesen Demonstrationen gef\u00fchrt haben. Die herrschende Klasse Chinas war ver\u00e4rgert \u00fcber Japans Forderungen nach einem Sitz im UN-Sicherheitsrat , \u00fcber die Weigerung des japanischen Premierministers Koizumi, sich auf angemessene Weise f\u00fcr die Kriegsverbrechen Japans zu entschuldigen, \u00fcber die Remilitarisierung Japans und \u00fcber den Konflikt um Zugriff auf Energieressourcen im s\u00fcdchinesischen Meer. Offenbar wurden bereits 17 Mal Entschuldigungen f\u00fcr japanischen Kriegsverbrechen ausgesprochen, doch diese waren immer wenig \u00fcberzeugend und haben auf Chinesischer Seite eher mehr Wut verursacht. So wird etwa das Massaker von Nanjing, bei dem 1937 Sch\u00e4tzungsweise 300.000 ChinesInnen durch Japanische Streitkr\u00e4fte ermordet wurden, in Japanischen Schulb\u00fcchern lediglich als \u201eZwischenfall\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Es ist m\u00f6glich dass Koizumi angesichts der Demonstrationen in China und der Bef\u00fcrchtung, dass sich diese Situation, etwa wenn es zu einem Boykott kommt, negativ auf die Wirtschaft beider L\u00e4nder auswirken k\u00f6nnte, versuchen wird, die Situation vor\u00fcbergehend zu beruhigen. Die Sachfragen, die die Demonstrationen ausgel\u00f6st haben, bleiben jedoch ungel\u00f6st.<\/p>\n<p><strong>Die chinesische Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Diese Ereignisse bewirken eine Zuspitzung wichtiger Fragen geo-politischer und anderer Art f\u00fcr China und die Welt. Wird China ein Rettungsanker f\u00fcr den globalen Kapitalismus sein? Wird das Wachstum der wirtschaftlichen Macht Chinas auch mit einem st\u00e4rkeren Auftreten in milit\u00e4rischer und diplomatischer Hinsicht einhergehen? Was wird dies wiederum f\u00fcr Asiens und den Rest der Welt bedeuten? Was werden die sozialen und \u00f6kologischen Kosten des massiven Wachstums sein, sowohl f\u00fcr China selbst als auch f\u00fcr die Welt als Ganzes? Vor allem, aus Sicht von SozialistInnen und MarxistInnen, stellt sich die entscheidende Frage nach der Chinesischen Arbeiterklasse und ihre Chancen f\u00fcr die Schaffung eigener, unabh\u00e4ngiger Organisationen, Gewerkschaften und Parteien.<\/p>\n<p>Die Frage, wie diese potentiell m\u00e4chtige Kraft wenn nicht zufriedengestellt doch wenigstens im Zaum gehalten werden kann, ist das Dilemma, ja sogar der Alptraum, der die Chinesische Elite heimsucht. Sicherlich ist es richtig, dass in China auch weiterhin ein wirtschaftliches Feuerwerk abgebrannt wird, durch das die Chinesischen Massen geblendet und in Schach gehalten werden. Dies wird wiederum beeinflusst werden durch die Beziehungen Chinas zu dem Rest der Welt sowie zu den anderen Riesen oder M\u00f6chtegern-Riesen Asiens- Indien und Japan &#8211; und vor allem zur dominanten Weltmacht, dem US-Imperialismus. Seit \u00fcber 25 Jahren marschiert die Stalinistische Elite Chinas fortw\u00e4hrend in Richtung einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Im Zeichen des bekannten Ausspruches von Deng Xiaoping \u201eEs ist egal, ob die Katze schwarz oder wei\u00df ist, so lange sie M\u00e4use f\u00e4ngt\u201c, entschied die \u201apragmatische\u2018 stalinistische Elite in der Chinesischen Regierung dass dies die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr China war, aus der wirtschaftlichen Sackgasse zu entkommen, in die ihre b\u00fcrokratische Herrschaft gef\u00fchrt hatte. Zu diesem Zweck wurde sie gezwungen, massiven Ausl\u00e4ndischen Direktinvestionen (ADI) und den damit einhergehenden Technologien die T\u00fcr zu \u00f6ffnen. Besonders diese Technologien haben ph\u00e4nomenale Wachstumsraten erm\u00f6glicht, vor allem in Guangdong, im Pearl River Delta, im Shanghai-Yangtze Delta, in Beijing und in anderen Gegenden in denen ausl\u00e4ndischen Investitionen eine wichtige Rolle gespielt haben.<\/p>\n<p>Von dieser Entwicklung haben auch die Chinesischen Massen in einem gewissen Ma\u00dfe profitiert. Sie bekamen, vor allem in den St\u00e4dten, Zugang zu mehr Konsumg\u00fctern, au\u00dferdem erlebten viele Teile der Bev\u00f6lkerung einen Anstieg des Lebensstandards. F\u00fcr andere Schichten hat es wiederum gro\u00dfe Verschlechterungen gegeben. Die Ungleichheiten sind weitaus h\u00f6her als noch unter dem alten Stalinistischen Regime.<\/p>\n<p>China hat jedoch einen weiten Weg vor sich, bevor es den westlichen Kapitalismus einholt. Der stellvertretende Chinesische Ministerpr\u00e4sident Huang Ju wies auf der Milliard\u00e4rsversammlung von Davos im Januar 2005 darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung Chinas aktuell $1.6 Billionen betr\u00e4gt, und bis 2020 auf $4 Billionen ansteigen k\u00f6nnte. Noch wichtiger, sagte er \u201eals besserer Indikator des Wohlstandes\u201c, wird sich die Wirtschaftsleistung pro Kopf bis dahin auf $3.000 pro Person belaufen. Vielleicht unbeabsichtigt, weist der Chinesische Regierungsvertreter damit auf den verarmten Zustand der Masse der Chinesischen Bev\u00f6lkerung hin, die auch in 15 Jahren weiter bestehen wird. Dies trifft jedoch nicht auf die Elite zu, die dabei ist, sich in die neue kapitalistische Klasse zu verwandeln. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Wirtschaftsleistung (ca. 60 Prozent) wird inzwischen vom Privatsektor erwirtschaftet.<\/p>\n<p><strong>Illusionen<\/strong><\/p>\n<p>Ungeachtet dessen wird China in einigen Kreisen in der neokolonialen Welt als \u201eModell\u201c eines erfolgreichen Entkommens aus der \u00f6konomischen und kulturellen R\u00fcckst\u00e4ndigkeit gehandelt. Teile der \u2018radikalen\u2018 oder gar \u2018linken\u2018 Intelligenz scheuen auf der Suche nach einem Ausweg aus der Sackgasse des Gro\u00dfgrundbesitzes und des Kapitalismus eindeutig sozialistische und marxistische Ideen und betrachten China als Modell f\u00fcr die Zukunft. Das gleiche gilt f\u00fcr einige Parteien, so wie die Kommunistische Partei Indiens &#8211; Marxisten (CPM), die den Standpunkt vertritt, dass die \u201eMischwirtschaft\u201c Chinas auch f\u00fcr Indien ein Entwicklungspfad darstellt. Es ist unglaublich, dass die CPM, eine Partei die angeblich f\u00fcr die Verteidigung der ArbeiterInnen und Armen in Indien steht, ein System &#8211; n\u00e4mlich den sich entwickelnden chinesischen Kapitalismus und Imperialismus &#8211; loben kann, das eine r\u00fccksichtslose Ausbeutung der Arbeiterklasse und der Armen Chinas betreibt.<\/p>\n<p>Dieses \u201aProjekt\u2018 hat nichts auch nur ansatzweise \u201akommunistisches\u2018 oder \u201asozialistisches\u2018. Es ist ein besonders b\u00f6sartiges Beispiel aus der heutigen Zeit f\u00fcr die \u201eprimitive kapitalistische Akkumulation\u201c die Marx im Britischen Kapitalismus beschrieben hat. Diese beinhaltet versch\u00e4rfte Ausbeutung, sogar Super-Ausbeutung der Arbeiterklasse. Mit wenig oder gar keine Organisationen um der Offensive des Kapitals etwas entgegen zu setzen, zahlt die Arbeiterklasse einen furchtbaren Preis in Form von niedrigen L\u00f6hnen, langen Arbeitszeiten und drastischen Auswirkungen im Bereich Gesundheit und Sicherheit (ein Beleg hierf\u00fcr sind die 6.000 BergarbeiterInnen die jedes Jahr in China ums Leben kommen). Nicht zuletzt sind auch die fatalen Auswirkungen auf die Umwelt zu nennen &#8211; sowohl f\u00fcr China als auch f\u00fcr die Welt als Ganzes. Die \u201akommunistischen\u2018 F\u00fchrer in Indien haben den selben Weg eingeschlagen, in dem sie multinationalen Konzernen verg\u00fcnstigte Bedingungen in Westbengal anbieten, dort wo sie an der Regierung beteiligt sind. Sie haben die Marxistische Opposition gegen die Mischwirtschaft wie sie von der Sozialdemokratie vertreten wurde, nie verstanden. Es kann sein, dass sie ihren Mitgliedern sagen, dass durch diese Politik w\u00e4re nur eine provisorische Ma\u00dfnahme. In der Zukunft, wenn die Bedinungen daf\u00fcr g\u00fcnstiger sind, werde sich die Wirtschaft in eine st\u00e4rker sozialistische oder kommunistische Richtung bewegen. Im Gegenteil: der Kompass zeigt f\u00fcr die Zukunft Chinas in genau die andere Richtung, n\u00e4mlich in Richtung erbarmungsloses Wachstum des Kapitalismus und systematischer Abbau des staatlichen Sektors.<\/p>\n<p>Dies schlie\u00dft aber nicht aus, dass das Chinesische Regime, unter dem Druck der Massen oder angesichts einer ernsthaften \u00f6konomischen Krise, gezwungen sein wird, den Privatisierungsprozess vor\u00fcbergehend auszusetzen oder gar einige Betriebe wieder zu verstaatlichen. Solche Ma\u00dfnahmen sind allerdings, wie Beispiele aus Russland, Japan oder auch anderen L\u00e4ndern in den 90er Jahren gezeigt haben, vom Charakter her \u2018staatskapitalistisch\u2018. Kapitalistische Regierungen k\u00f6nnen schw\u00e4chende Industriezweige \u00fcbernehmen, wieder aufbauen und anschlie\u00dfend wieder dem Privatsektor \u00fcbergeben. Nur ein Revolution &#8211; und zwar eine vom Charakter her sozialistische und demokratische &#8211; durch die Chinesische Arbeiterklasse und Armen kann den Marsch Chinas in Richtung Kapitalismus aufhalten und das Land stattdessen auf den Weg zum Sozialismus bringen. Dies wurde ein Stop des katastrophalen Kahlschlags der staatlichen Industrie beinhalten, ebenso eine Wiederverstaatlichung privatisierter Bereiche der Wirtschaft, ein Ende des Einparteiensystems, und, durch ArbeiterInnen- und B\u00e4uerInnendemokratie, die Errichtung einer wirklich sozialistischen Planwirtschaft.<\/p>\n<p>Es stimmt, dass die Europ\u00e4ische Union es vorgezogen hat, China nicht als \u201evollwertige Marktwirtschaft\u201c zu klassifizieren. Dies liegt zum Teil daran, dass in China, zumindest intern, das \u201aneoliberale\u2018 Modell des Kapitalismus noch nicht vollst\u00e4ndig umgesetzt worden ist &#8211; es gibt nach wie vor einen bedeutsamen staatlichen Sektor. Des Weiteren ist es nicht \u201aoffen\u2018 und \u201atransparent\u2018 genug; es ist nicht bereit, dem ausl\u00e4ndischen Kapital innerhalb seiner Grenzen komplett freie Hand zu lassen. Nichtsdestotrotz ist China auf dem Weg zu einer vollst\u00e4ndig kapitalistischen Wirtschaft und zu einem kapitalistischen Staat, weit vorangeschritten.<\/p>\n<p>Es existieren weiter bedeutende Hindernisse die dem Abschluss dieses Prozesses im Wege stehen, in Form des Widerstandes der Arbeiterklasse. Ein weiteres Hindernis ist das Wesen des Kapitalismus selbst, mit Rezessionen oder Abschw\u00fcngen, manchmal katastrophaler Art. Angesichts eines Systems das zunehmend kapitalistisch ist, ist China jetzt auch einigen dieser Widerspr\u00fcche und Krankheiten ausgesetzt, die sonst im Kapitalismus \u00fcblich sind &#8211; Aufschw\u00fcnge gefolgt von Rezessionen oder Abschw\u00fcnge.<\/p>\n<p>China k\u00f6nnte am Rande eines solchen Zusammenbruchs befinden, da es einige der Merkmale aufweist, die vor dem Crash 1997 auch in den betroffenen S\u00fcdostasiatischen L\u00e4ndern festzustellen waren. Die Konjunktur ist \u201a\u00fcberhitzt\u2018 mit massiven \u201a\u00dcberkapazit\u00e4ten\u2018, deutlich sichtbar anhand der zahlreich leeren und halbleeren Geb\u00e4uden und Fabriken in Schanghai und anderen st\u00e4dtischen Zentren. Der Bankensektor ist wacklig und sieht sich wachsender Feindseligkeit seitens kapitalistischer Rivalen gegen\u00fcber, mit Forderungen nach \u2018Schutz\u2018 vor Chinesischen G\u00fctern aus L\u00e4ndern die unter den Auswirkungen der scheinbar unaufhaltsamen Chinesischen Wirtschaftslokomotive leiden oder dieses zumindest behaupten. Nicht zuletzt unter den Problemen, mit denen die herrschende Klasse Chinas konfrontiert sieht, ist die Tatsache zu nennen, dass die Arbeiterklasse und die Armen nicht auf ewig die Sklavenl\u00f6hne und -Bedingungen hinnehmen werden, die ihnen im Moment zugemutet werden. Sogar einige ausl\u00e4ndische kapitalistische Investoren haben, aus Angst vor massiven sozialen Unruhen und die Auswirkungen, die dies f\u00fcr ihre Profite haben w\u00fcrde, und auch als Reaktion auf Druck der Arbeiterbewegung in den westlichen L\u00e4ndern , einen Anstieg Chinesischer Niedrigstl\u00f6hne gefordert. Sie sind sogar so weit gegangen, die Gr\u00fcndungen von \u201aGewerkschaften\u2018 zu gr\u00fcnden, selbstverst\u00e4ndlich von der zahmsten Sorte. Chinas zuk\u00fcnftige Entwicklung wird deswegen wahrscheinlich alles andere als ruhig und harmonisch sein.<\/p>\n<p><strong>China als Weltmacht?<\/strong><\/p>\n<p>China wurde schon als m\u00f6glicher Rettungsanker des Weltkapitalismus gefeiert, vor allem f\u00fcr den Fall eines ernsthaften Wirtschaftsabschwunges oder einer Krise.<\/p>\n<p>Schon jetzt stellt es einen bedeutsamen Anteil an der weltweiten Industrieproduktion. Dennoch ist es nur f\u00fcr 7 Prozent der weltweiten Fabrikproduktion verantwortlich, obwohl einige kapitalistische \u201aThink Tanks\u2019 prognostizieren, dass dieser Anteil in den n\u00e4chsten zwei Jahrzehnten auf 25 Prozent ansteigen k\u00f6nnte. Bedeutsam ist, dass erwartet wird, dass der Wachstum in Zukunft zunehmend durch einen massiven Ansteig der Binnennachfrage nach Konsum- und Industrieg\u00fctern seitens der Bev\u00f6lkerung von 1.3 Milliarden erzielt werden soll, anstatt, wie bis jetzt, durch Kapital und Export von Konsumg\u00fctern.<\/p>\n<p>All das setzt nat\u00fcrlich voraus, dass Chinas \u00f6konomische F\u00e4higkeiten gleichm\u00e4\u00dfig steigern und dass diese Steigerung durch andere kapitalistische und imperialistische M\u00e4chte, die Rivalen Chinas sind, wohlwollend hingenommen wird. Aufgrund dessen bezweifeln einige Kommentatoren die M\u00f6glichkeit, dass China zuk\u00fcnftig zu einer dominanten Weltmacht aufsteigen k\u00f6nnte \u2013 es liegt an dem zur Zeit begrenzten \u00f6konomischen Gewicht Chinas. Doch andererseits ist jetzt, nur wenige Jahre nach dem Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation WTO, der Einfluss Chinas auf den Welthandel nach Meinung der Financial Times \u201anicht mehr nur bedeutsam, sondern entscheidend\u2019. In M\u00e4rkten wie die f\u00fcr unedle Metalle, Schiffsbau, Kokskohle, Sojabohnen und andere landwirtschaftliche Produkte, ist China entweder zum dominanten Preisf\u00fchrer oder wenigstens zu einem mitentscheidenden Faktor in diesen Sektoren geworden.<\/p>\n<p>Die kolossalen Wachstumsraten \u2013 9.5 Prozent im Jahre 2004 \u2013 stellen einen Magneten f\u00fcr weltweite kapitalistische Investition dar und sind unentbehrlich, zum Beispiel. als Wachstumsmotor f\u00fcr Asien. China hat zwar einen riesigen Handels\u00fcberschuss gegen\u00fcber den USA, gegen\u00fcber den anderen Asiatischen L\u00e4ndern hat es jedoch ein Defizit. Aus der Sicht Japans k\u00f6nnte China die politische und wirtschaftliche Stabilit\u00e4t Asiens bedrohen und, vor allem, den Anspruch Tokios auf regionale Dominanz in Frage stellen. Ein Indiz f\u00fcr diese Bedrohung, sowohl f\u00fcr die USA als auch f\u00fcr Japan, ist die Tatsache, dass China nun \u201aden gr\u00f6\u00dften Beitrag zur Erholung des Exports in Asien leistet\u2019 (Asia Times). Siehe dazu die Fu\u00dfnote unten<\/p>\n<p>China ist eine Fertigungsbasis f\u00fcr relativ technologiearme G\u00fcter die aus anderen Asiatischen L\u00e4ndern importiert werden um dann als technologisch hochwertigere G\u00fcter in die Amerikanischen oder Europ\u00e4ischen M\u00e4rkte wieder exportiert zu werden. China hat Japan von Platz 3 der wichtigsten Handelsnationen (gemessen am Gesamtvolumen des Handels) hinter den USA und Deutschland verdr\u00e4ngt. Des weiteren hat China Japan \u00fcberholt um zum wichtigsten Handelspartner der USA aufzusteigen. Gleichzeitig ist es die Chinesische Zentralbank die, zusammen mit der Japanischen, den US-Dollar st\u00fctzt, trotz der riesigen Defizite, die sich in den USA aufget\u00fcrmt haben. Dies ist eine inoffizielle Gegenleistung \u2013 der Preis den Asiatische Kapitalisten zahlen m\u00fcssen, um den US-Markt lebhaft zu halten. Der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers hat diesen Zustand treffend als instabile \u201cBalance des finanziellen Terrors\u201c bezeichnet<\/p>\n<p>Einige Kommentatoren haben versucht die langfristige Bedrohung die China f\u00fcr rivalisierende M\u00e4chte darstellt, von der Hand zu weisen, zumindest was den Bereich der Wirtschaft betrifft. Als Grund weisen sie darauf hin, dass der Gro\u00dfteil von Chinas Exporten im technologischen Bereich aus G\u00fctern mit geringen Profitmargen besteht, etwa DVD-Player und PCs. Das ist zweifellos zum jetzigen Zeitpunkt wahr, angesichts der Tatsache dass sehr viel Forschung, Entwicklung und Innovation entweder von in China ans\u00e4ssigen ausl\u00e4ndischen Unternehmen oder von Unternehmen, die teilweise dem Chinesischen Staat in Zusammenarbeit mit internationalen Kapitalisten geh\u00f6ren, betrieben wird. Aber die Tatsache, dass China seit so langer Zeit an diesen Prozessen beteiligt ist hat wiederum einen Trieb zur Assimilierung der Technologie der weiter entwickelten Wirtschaften zur Folge gehabt, so wie es in der Vergangenheit bereits in anderen \u201eneu industrialisierten L\u00e4ndern\u201c zu beobachten war. Die Folgen davon sind dass China in den Bereichen der technologischen und wissenschaftlichen Innovation massive Fortschritte macht, was zum Beispiel in der Stammzellenforschung oder anhand der Anzahl von StudentInnen mit hochwertigen Studienabschl\u00fcssen sichtbar ist.<\/p>\n<p>In der modernen Welt ist es ebenso wie schon in der Vergangenheit, unm\u00f6glich ein Monopol der technologischen Innovation zu behalten. Diejenigen, die hinter den am \u201emeisten Entwickelten\u201d hinterher hinken leihen oder stehlen sich die Technologien ihrer Rivalen. Das gilt auch f\u00fcr China. Die neue kapitalistische F\u00fchrungsriege hat sehr schnell verinnerlicht, dass alle Ma\u00dfnahmen gerechtfertigt sind, wenn es darum geht, die Stellung der Kapitalisten und des Staates, der sie in zunehmendem Ma\u00dfe repr\u00e4sentiert, zu verbessern: &#8222;Die einzige soziale Verantwortung eines Unternehmens besteht darin, Profit zu machen,&#8220; sagt Milton Friedman im Film \u2018Made in China\u2019. Der \u00f6konomische Guru Thatchers sagte diese Worte als Rechtfertigung f\u00fcr die brutalen Bedingungen die die Chinesischen Massen unter der Knute des internationalen Kapitals zu erleiden haben, aber das gleiche gilt auch f\u00fcr die Beziehungen zwischen einzelnen Kapitalisten und den Staaten, die sie repr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Ein weiteres Argument ist, dass der US-Imperialismus niemals zulassen wird, dass sich China als Herausforderer seiner wirtschaftlichen und milit\u00e4rischen Machtstellung etabliert.<\/p>\n<p><strong>USA geschw\u00e4cht<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings hat der US-Imperialismus nach dem Irak-Krieg keine so dominante Stellung wie in der Zeit nach dem 11. September 2001. Die Vorstellung einer \u201eUnipolaren\u201c Welt, der Dominanz vor allem milit\u00e4risch aber auch wirtschaftlich einer einzigen Supermacht, den USA, ist ernsthaft untergraben worden. Die USA sind zwar milit\u00e4risch ein Riese, \u00f6konomisch allerdings nicht. Die wirtschaftliche Lage ist so prek\u00e4r, vor\u00fcbergehend gest\u00fctzt durch den Asiatischen Kapitalismus, dass es in jedem anderen Land IWF-Inspektoren mit K\u00fcrzungsprogrammen im Gep\u00e4ck auf den Plan rufen w\u00fcrde. Dies ist der genaue Gegenteil der Konstellation aus der Vergangenheit, als die \u00fcberw\u00e4ltigende wirtschaftliche St\u00e4rke des US-Imperialismus die Grundlage f\u00fcr die milit\u00e4rische Macht darstellte. 1945 waren die USA zum Beispiel noch f\u00fcr 50 Prozent der Weltproduktion verantwortlich, und drei Viertel der Goldreserven der Welt lagerten im Fort Knox. Diese Stellung ist weggeschmolzen wie der Schnee von Gestern, und die USA wurden, \u00e4hnlich wie viele andere \u201eindustrialisierte\u201c L\u00e4nder, durch den Niedergang des Industriesektors und durch Outsourcing in Billiglohnl\u00e4nder wie China ausgeh\u00f6hlt.<\/p>\n<p>Die \u00dcbermacht der USA wurde vor dem Irak-Krieg in einem gewissen Ma\u00dfe toleriert. Die feindselige Haltung der meisten Europ\u00e4ischen Bourgeoisien zu der Neokonservativen Clique um Bush und Co. im Wei\u00dfen Haus, die ein Ausdruck sowohl der Antikriegsstimmung der eigenen Bev\u00f6lkerungen als auch unterschiedlicher Interessenslagen ist, ist enorm vertieft. Der Atlantik ist breiter und tiefer geworden angesichts der Konturen einer inner-imperialistischen Rivalit\u00e4t zwischen dem US- und dem Europ\u00e4ischen Kapitalismus (mit Ausnahme einiger Europ\u00e4ischer Scho\u00dfhunde der US-Regierung, sowie Blair in Gro\u00dfbritannien, Berlusconi in Italien und einiger kleinen Fische in Osteuropa), die jetzt sichtbar werden. Nach seiner Wiederwahl startete Bush, durch Condoleezza Rice, eine hastige Initiative um \u201cBr\u00fccken zu bauen\u201d. Aber der Geist ist aus der Flasche entkommen. Die Beziehungen zwischen den kapitalistischen M\u00e4chten sind besch\u00e4digt und wurden in mancher Hinsicht durch die Weiterf\u00fchrung des Irak-Krieges sogar noch verschlechtert.<\/p>\n<p>Diese Rivalit\u00e4t unter den imperialistischen M\u00e4chten hat mehr \u00c4hnlichkeiten mit den Konflikten rivalisierender Banden imperialistischer Kapitalisten in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als mit der Situation die f\u00fcr die meiste Zeit der Periode nach 1945 zu erleben war. Damals, angesichts eines antaganostischen Gesellschaftssystems zum Kapitalismus \u2013 die geplante Wirtschaft, allerdings unter totalit\u00e4rer Herrschaft der B\u00fcrokratie, in der Stalinistischen Sowjetunion \u2013 fungierte als Kitt der diese Rivalit\u00e4ten im Zaum hielt. Kapitalistische Rivalen des US-Imperialismus fanden sich damit ab, seine Dominanz zu dulden und sich unter seinem milit\u00e4rischen Schutz abzuschirmen. Der Fall der Berliner Mauer bereitete dieser Situation ein Ende. Der Kitt hatte sich aufgel\u00f6st. In den 1990er Jahren konnten die USA allerdings, aufgrund ihrer \u00fcberw\u00e4ltigenden milit\u00e4rischen St\u00e4rke, eine \u201eunipolare\u201d und auch zunehmend \u201eunilateralistische\u201d Welt regieren. Der Krieg im Irak hat diese Situation allerdings de facto beseitigt. All die unterschwelligen Spannungen sind explosionsartig an die Oberfl\u00e4che gekommen als die Bev\u00f6lkerungen Europas und der \u00fcbrigen Welt massenhaft gegen den Irak-Krieg demonstrierten. Die Europ\u00e4ischen Bourgeoisien dr\u00fcckten ihre Gegnerschaft zum US-Imperialismus offen aus. Sie wurden daf\u00fcr vom US-Verteidigungsminister absch\u00e4tzig als \u201eAltes Europa\u201d bezeichnet, doch dieser hat sich nach seiner Wiederwahl bem\u00fcht, sich mit \u201cHumor\u201d von seinen fr\u00fcheren feindseligen \u00c4u\u00dferungen zu distanzieren.<\/p>\n<p>Die selbe Entschlossenheit, den USA entgegenzutreten bildete auch den Hintergrund f\u00fcr die urspr\u00fcngliche Entscheidung, das Europ\u00e4ische Waffenembargo gegen China aufzuheben. Die Drohung, dies zu tun, erntete allerdings w\u00fctenden Widerspruch aus Washington. Als der ungl\u00fccklich agierende Jack Straw einschritt und das Ganze als \u201eMissverst\u00e4ndnis\u201c seitens der USA bezeichnete wurde er von Vertretern der US-Regierung scharf angegriffen. Diese Feindseligkeit seitens der USA und ihren Asiatischen Verb\u00fcndeten wie Japan, h\u00e4ngt teilweise mit der Angst zusammen, dass ein hochger\u00fcstetes China die gegenw\u00e4rtig vorherrschende geopolitische Ordnung Asiens durcheinander bringen k\u00f6nnte. Diese Ordnung ist nat\u00fcrlich eine, die zur Zeit von den USA und Japan dominiert wird. Japan betreibt eine Politik der Wiederaufr\u00fcstung mit dem Ziel, Australien als \u201eHilfssheriff\u201d der USA in der Asiatischen Region abzul\u00f6sen. Aus deren Sicht stellt das Wachstum der milit\u00e4rischen St\u00e4rke Chinas und die Modernisierung der dortigen Streitkr\u00e4fte eine zuk\u00fcnftige Bedrohung dar.<\/p>\n<p>Das wollen sie mit allen Mitteln verhindern \u2013 wie man anhand der erfolgreichen Bem\u00fchungen, Europa dazu zu \u201c\u00fcberreden\u201d (sprich: erpressen), von der geplanten Aufhebung des Waffenembargos gegen China wieder abzur\u00fccken. Vor allem die USA haben Druck auf den Europ\u00e4ischen Kapitalismus ausge\u00fcbt um diese Entscheidung zu treffen indem sie den Teufel zuk\u00fcnftiger Chinesischer \u201eAggression\u201c an die Wand gemalt haben. Als Antwort darauf sagte der Chinesischer Premierminister Wen Jiabao, in seiner Rede zum Abschluss des Nationalen Volkskongresses im April: \u201cChinas Politik der nationalen Verteidigung dient dem Selbstschutz&#8220; Die USA wiederum erwiderten darauf bei einem neuerlichen Treffen des US-Pazifik Kommandos, das Verst\u00e4rken der Chinesischen Marine sei \u201ebeunruhigend&#8230; und mehr als das, was zur Verteidigung notwendig sein d\u00fcrfte\u201c. Das gleiche gilt f\u00fcr die USA, die, entgegen ihren Bekundungen, nicht der Verteidigung der eigenen Grenzen dient wenn sie L\u00e4nder wie Irak angreifen. Des Weiteren erscheint der offizielle Verteidigungshaushalt Chinas, $30 Milliarden im Vergleich zu den Ausgaben des Pentagons in H\u00f6he von $400 Milliarden fast schon bescheiden.<\/p>\n<p><strong>Konfliktthema Waffen<\/strong><\/p>\n<p>Eine Modernisierung von Chinas Waffentechnologien w\u00fcrde mit Sicherheit die Chinesische Position im andauernden Konflikt um Taiwan zwischen China auf der einen und Taiwan und den USA auf der anderen Seite, st\u00e4rken. Gleichzeitig m\u00f6chte die riesige US-R\u00fcstungsindustrie ein fast vollst\u00e4ndiges Monopol auf den weltweiten Waffenhandel errichten. Eines der Gr\u00fcnde f\u00fcr die aggressive Politik gegen\u00fcber China und zugunsten Taiwans ist eben, Taiwan zu einer Steigerung der R\u00fcstungsausgaben zu bewegen, da \u201ees eine stetige Abnahme des Anteils des taiwanesischen Verteidigungshaushalts am BIP w\u00e4hrend des letzten Jahrzehnts gegeben hat\u201c. [Financial Times.] Das Taiwanesische Parlament in der Hauptstadt Taipei z\u00f6gert seit einiger Zeit mit dem Abschluss eines geplanten Vertrages zum Kauf von Waffen aus den USA. Die USA waren der gr\u00f6\u00dfte Nutznie\u00dfer der gesteigerten R\u00fcstungsausgaben. Um Druck auf die Taiwanesen auszu\u00fcben haben die USA Parallelen zwischen der Bedrohung Taiwans durch China und Saddam Husseins Angriff auf Kuwait 1990 gezogen.<\/p>\n<p>Mit der Unterst\u00fctzung Japans haben sie die Pl\u00e4ne der Europ\u00e4ischen Union zur Aufhebung des Waffenembargos gegen China heftig kritisiert \u2013 dies obwohl China jetzt schon milit\u00e4risches Material aus Russland, Israel und Osteuropa bekommt. Israel wurde gezwungen, von Waffenverk\u00e4ufen an China Abstand zu nehmen, da die USA drohten, einige Milit\u00e4rhilfen f\u00fcr Israel selbst vorzuenthalten. Alles das weil \u201eDie USA die Bef\u00fcrchtung hat, dass Westeurop\u00e4ische Komponenten, Subsysteme und Technologie Beijing in die Lage versetzen k\u00f6nnte, die eigene Kommando- und Kontrollsysteme sowie die milit\u00e4rische Informationstechnologie gef\u00e4hrlich nah an das Niveau der USA zu bringen.\u201c [Financial Times.] \u00c4hnlich wie der Britische Imperialismus zu seinen Hochzeiten m\u00f6chte die USA alle Rivalen oder potentielle Rivalen so schwach wie m\u00f6glich halten; Liliputaner im Vergleich zu Gulliver.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist die Behauptung der Chinesischen Elite, ihre milit\u00e4rische Modernisierung w\u00fcrde ausschlie\u00dflich dem \u201eSelbstschutz\u201d dienen, nicht glaubw\u00fcrdig. Unzweifelhaft wird dabei auf die tiefsitzende Wut \u00fcber die imperialistische Auspl\u00fcnderung Chinas in der Vergangenheit angespielt. Der Chinesische Premierminister hat gesagt: \u201cIn den letzten Jahren, wurde China immer von anderen drangsaliert China hat niemals einen einzigen Soldaten geschickt, um einen einzigen Zentimeter eines anderen Landes zu besetzen.\u201c Der erste Teil dieser Aussage stimmt, der zweite nicht. Was waren die Chinesischen Invasionen Indiens und Vietnams anderes als ein Einfallen in ein \u201eanderes Land\u201c? Des weiteren w\u00fcrden TibetanerInnen sagen, dass sie seit 1950 unter der milit\u00e4rischen Besatzung der zentralisierten Chinesischen Staates leben. In Wirklichkeit h\u00e4ngt die milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung Chinas mit der Entwicklung nicht nur zu einem kapitalistischen, sondern auch zu einer zunehmend imperialistischen Macht zusammen, und zwar zu einer mit Macht und Einfluss. In der Vergangenheit, in der Zeit der maoistischen H\u00e4rte, war China gr\u00f6\u00dftenteils Selbstversorger, obwohl arm. Nun hat das Wachstum Chinas zu einer immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Abh\u00e4ngigkeit von massiven Importen von \u00d6l und anderen Rohstoffen. Deswegen sagten k\u00fcrzlich Experten der Zentralen Schule f\u00fcr \u201cKader der Kommunistischen Partei\u201d: \u201cChinas \u2018Lebensader verlief durch die Stra\u00dfe von Taiwan, das S\u00fcdchinesische Meer, Stra\u00dfe von Malacca und dem Indischen Ozean bis hin zum Arabischen Meer. China muss die eigenen Marinestreitkr\u00e4fte um den M\u00f6glichkeit zum Handel mit Ressourcen auf dem Seeweg zu gew\u00e4hrleisten, au\u00dferdem muss die Entwicklung einer gro\u00dfen Flotte, die in der Lage ist, in fernen Ozeanen zu operieren, aktiv vorangetrieben werden.\u201c<\/p>\n<p>Der Aufbau einer schlagkr\u00e4ftigen Hochseeflotte dient nicht der Unterst\u00fctzung der K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse oder der Armen Weltweit, sondern der Verbesserung der Machtstellung des Chinesischen Staates zur Verteidigung der imperialistischen Interessen der sich herausbildenden kapitalistischen Elite Chinas. China hat aus Russland wirksame Zerst\u00f6rer erworben dessen Raketen mit \u00dcberschallgeschwindigkeit gegen andere Schiffe abgefeuert werden k\u00f6nnen, ebenso wie besonders leise agierende dieselangetriebene U-Boote der Kilo-Klasse. ExpertInnen zur Folge k\u00f6nnten diese selbst f\u00fcr die m\u00e4chtigen US-Streitkr\u00e4fte eine Bedrohung darstellen.<\/p>\n<p>Dieser Prozess tr\u00e4gt zu einer Ver\u00e4nderung der bisherigen Wahrnehmung Chinas seitens der USA bei. Nach ihrem Amtsantritt 200 klassifizierte die Bush-Regierung China noch als \u201estrategischen Konkurrenten\u201c der USA. Diese Haltung wurde etwas aufgeweicht als sich China nicht gegen den US-\u201eKrieg gegen Terror\u201d stellte. In Zentralasien kooperierten die beiden M\u00e4chte sogar, um diktatorische Regime zu st\u00fctzen. Nun jedoch macht die Bush-Regierung, wenn nicht in Worten doch auf jeden Fall in der Praxis, die urspr\u00fcngliche Doktrin gegen\u00fcber China zur leitenden Philosophie der US-Regierung. Dies manifestiert sich etwa in der Opposition gegen die Aufhebung des Europ\u00e4ischen Waffenembargos und, was besonders bedeutsam ist, im Konflikt um Taiwan. US-Regierungssprecher haben vor der milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung Chinas gewarnt: \u201eWenn dieser Trend sich fortsetzt, wird sich die Haltung der USA zu China eines Tages eventuell \u00e4ndern.\u201c [Financial Times]<\/p>\n<p>Da wird zwar von der Zukunft gesprochen aber in Wirklichkeit hat sich in allen Bereichen \u2013 milit\u00e4risch, diplomatisch und wirtschaftlich, die Situation ziemlich dramatisch ver\u00e4ndert, oder, wie im Falle der Wirtschaft, sind Tendenzen am Werk \u2013 Drohungen mit Protektionismus \u2013 die auf einen zuk\u00fcnftigen Bruch hinweisen. In der EU allerdings, und vor allem in besonders wichtigen L\u00e4ndern wie Deutschland und Frankreich, schaut man gierig auf die zuk\u00fcnftigen Marktpotentiale in China. Schon jetzt macht die EU den USA Konkurrenz um den Rang des wichtigsten Handelspartners Chinas, das Volumen des Handels in beide Richtungen belief sich 2003 auf \u20ac135 Milliarden. Die Financial Times kommentierte dies mit den Worten: &#8222;Europ\u00e4ische Unternehmen sind darauf aus, Gesch\u00e4fte in dem Land zu machen, das dabei ist, zur gr\u00f6\u00dften Wirtschaft der Welt zu werden. Nat\u00fcrlich waren es auch die Europ\u00e4ischen R\u00fcstungsunternehmen, die zu den entschiedensten Bef\u00fcrwortern einer Aufhebung des Waffenembargos geh\u00f6rten..<\/p>\n<p><strong>Geopolitische Auswirkungen<\/strong><\/p>\n<p>Diese Entwicklungen haben sowohl geopolitischen als auch wirtschaftliche Auswirkungen. Das Potential Chinas ist unbestreitbar aber die Realisierung diese Potentials ist viel problematischer. Auf der einen Seiten zeigt China den selben imperialistischen Appetit wie seine Rivalen wenn es, zum Beispiel, die PC-Sparte des US-Computerriesen IBM aufkauft \u2013 was zu Schockreaktionen in den USA f\u00fchrte, und versucht, den US-Energieriesen Unocal zu \u00fcbernehmen. Gleichzeitig dr\u00e4ngt China darauf, den eigenen Einfluss in allen Teilen der Welt zu steigern, aber vor allem in jenen L\u00e4ndern und Regionen, die reich an Energiequellen und Rohstoffe f\u00fcr Chinas rapide fortschreitende Industrie sind. In der Zeit zwischen 2000 und 2003 war China f\u00fcr fast 40 Prozent des gesamten Wachstums der Weltwirtschaftsleistung verantwortlich.<\/p>\n<p>Lateinamerika ist ein Beispiel f\u00fcr einen m\u00f6glichen Nutznie\u00dfer der boomenden Nachfrage nach importierten Rohstoffen in China. Andererseits wurden die dortigen Industrien im Bereich Textilien und Fertigung geringwertiger G\u00fcter durch den industriellen Aufschwung Chinas in Mitleidenschaft gezogen, wie die entsprechenden Branchen in der \u00fcbrigen Welt auch. Gleichzeitig haben Brasilien, Venezuela und Chile und viele andere L\u00e4nder von mehr Handel mit China profitiert. Vor allem Venezuela \u2013 das sich sowohl mit den USA als auch mit dessen Verb\u00fcndeten in Lateinamerika, wie Kolumbien, die das Chavez-Regime st\u00fcrzen wollen, sich im Konflikt befindet \u2013 ist scharf drauf, aus Chinas Suche nach zus\u00e4tzlichen \u00d6lquellen einen Nutzen zu ziehen. Chavez hat angedeutet dass der Handel mit China, der gro\u00dfe Chinesischen Investitionen in Venezuelas \u00d6lindustrie und \u00d6lexporte nach China beinhaltet, 2005 $3 Milliarden betragen werde, mehr als eine Verdoppelung gegen\u00fcber 2004. Angesichts von Lebensmittelknappheiten aufgrund des maroden Zustandes der Landwirtschaft legt China Wert auf Sojabohnen und Weizen aus Brasilien um die eigene Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren. Diese Situation kann weder f\u00fcr Lateinamerika, noch f\u00fcr die \u201eunterentwickelte Welt\u201c und noch viel weniger f\u00fcr die gesamte Weltwirtschaft auf Dauer als Rettungsanker dienen. Dennoch versucht sich China sowohl als sich entwickelnde Supermacht als auch als Verteidiger der unterdr\u00fcckten Afrikanischen, Asiatischen, und in einem gewissen Ma\u00dfe auch Lateinamerikanischen Welt zu profilieren.<\/p>\n<p>Die Stalinistische Elite hat bereits in der Vergangenheit diese Rolle sich zu eigen gemacht, durch ihrer Beteiligung an der Konferenz von Bandung 1955, auf dem sich 29 \u201eBlockfreie\u201d L\u00e4nder Asiens und Afrikas ohne Beteiligung des industriellen Westens trafen. Auf der Suche nach einem Gegengewicht zum Einfluss der USA und des Sowjetischen Stalinismus intervenierte der damalige Premierminister Zhou Enlai auf dieser Konferenz als F\u00fcrsprecher der neokolonialen Welt. Das Regime von Mao hatte zur damaligen Zeit weder das wirtschaftliche Gewicht noch die Klassenbasis um entscheidend in der neokolonialen Welt einzugreifen. Seit damals hat sich einiges ge\u00e4ndert. Einem Kommentar der \u201eAsian Times\u201c zufolge: \u201ebetont Beijing weiterhin die Notwendigkeit eines gemeinsamen Handelns der Entwicklungsl\u00e4nder als Gegengewicht zum industrialisierten Westen, aber diese Initiativen Chinas sind nicht mehr durch Ideologie motiviert, sondern durch Versuche, nat\u00fcrliche Ressourcen und politischen Einfluss zu sichern.\u201c Dies beinhaltet Bem\u00fchungen, M\u00e4rkte und Rohstoffquellen auszudehnen, und dabei die selben Anreize zu verwenden wie die anderen imperialistischen M\u00e4chte, n\u00e4mlich Hilfsgelder und Darlehen. China bot Angola k\u00fcrzlich einen zinsg\u00fcnstigen Kredit in H\u00f6he von $2 Milliarden an, um sich bei der Vergabe eines Vertrages f\u00fcr die F\u00f6rderung eines \u00d6lfeldes vor der K\u00fcste den Zuschlag vor Indien zu sichern.<\/p>\n<p><a title=\"zweiter Teil\" href=\"\/?p=16833\">weiter zu Teil 2<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Peter Taaffe (April 2005)<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11504"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11504"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11504\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11504"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11504"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11504"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}