{"id":11498,"date":"2006-01-09T15:56:46","date_gmt":"2006-01-09T15:56:46","guid":{"rendered":".\/?p=11498"},"modified":"2006-01-09T15:56:46","modified_gmt":"2006-01-09T15:56:46","slug":"11498","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/01\/11498\/","title":{"rendered":"WTO: &#8222;Entwicklungsrunde&#8220; nach gescheiterter Konferenz in Hong Kong am \r\n      Ende"},"content":{"rendered":"<p>Die aktuelle WTO-Runde hat den Anspruch, den &#8222;Entwicklungsl&#228;ndern&#8220; Verbesserungen zu geben, ohne dass daf&#252;r Gegenleistungen verlangt werden. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Doch bereits im Vorfeld hatte der Wirtschaftwissenschaftler und   Nobelpreistr&#228;ger Joseph Stiglitz gewarnt, dass in dieser   &#8222;Entwicklungsrunde&#8220;, die &#8222;diesen Namen gar nicht verdient&#8220;, die armen   L&#228;nder h&#246;chstens &#8222;Kr&#252;mel&#8220; abbekommen w&#252;rden. <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\" lang=\"de-DE\">  <i>von Sean McGinley<\/i><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\" lang=\"de-DE\">  Und genau so kam es auch: Ein Sprecher der Hilfsorganisation Oxfam   meinte, statt einer &#8222;Entwicklungsrunde&#8220; h&#228;tte &#8222;die entwickelte Welt eine   Runde geschenkt bekommen&#8220;. Die WTO hingegen versucht, die Konferenz als   Erfolg darzustellen; vor allem mit Verweis darauf, dass die   Industriestaaten ihre Agrarsubventionen bis 2013 auslaufen lassen   werden. Doch die Abschaffung vieler dieser Subventionen war schon vorher   beschlossen, die Industriestaaten haben sich mit zahlreichen   Sonderklauseln und Ausnahmeregelungen abgesichert: So subventionieren   die USA die eigene Baumwollindustrie mit 2.4 Milliarden US-Dollar   j&#228;hrlich &#8211; fast eine Verdopplung seit 1999, und mehr als das jeweilige   BSP der vier westafrikanischen Staaten deren eigene Baumwollindustrie am   st&#228;rksten unter der Subventionspolitik leidet &#8211; dabei hat zum Beispiel   Burkina Faso zwei Millionen Baumwollb&#228;uerInnen, gegen&#252;ber nur 28.000 in   den USA. Die Abschaffung dieser Subventionen wurde bereits lange vor   Hong Kong von der WTO gefordert&#8211; eine Forderung, die die USA einfach   ignorierten. Au&#223;erdem gibt es noch zahlreiche weitere   Unterst&#252;tzungsleistungen der US-Regierung f&#252;r die eigene   Baumwollindustrie, die weiter laufen werden.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\" lang=\"de-DE\">  Selbst die gro&#223;z&#252;gigen Subventionen der USA sehen im Vergleich zu denen   der EU, mit einem j&#228;hrlichen Volumen von 108 Milliarden Euro, bescheiden   aus. Genau wie in den USA wird denen, die am meisten haben, am meisten   gegeben: 80 Prozent des Budgets gehen an das oberste F&#252;nftel der   Landwirtschaftsindustrie. Diese Zahlen erkl&#228;ren, warum zwar 96 Prozent   der weltweit in der Landwirtschaft Besch&#228;ftigten in den so genannten   &#8222;Entwicklungsl&#228;ndern&#8220; leben, aber nur 31 Prozent des weltweiten Handels   mit Agrarprodukten auf diese L&#228;nder entf&#228;llt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\" lang=\"de-DE\">  Wenn sich die &#246;ffentliche Entt&#228;uschung &#252;ber die d&#252;rftige Bilanz der   Konferenz in Grenzen h&#228;lt dann wohl nur deshalb weil die Erwartungen   bereits im Vorfeld bewusst heruntergeschraubt wurden. Im Fr&#252;hjahr ist   eine &#8222;Hong Kong II&#8220; &#8211; Runde geplant, doch ist dort kaum von einem   Durchbruch auszugehen. In den letzten Jahren ist es den WTO-Konferenzen   immer schwerer gefallen, einen Konsens zu finden. 2003 f&#252;hrte die   geschlossene Ablehnung der von der EU und den USA geforderten   Liberalisierungsma&#223;nahmen durch L&#228;nder der neokolonialen Welt zum   Scheitern der Konferenz in Cancun. Vor allem die &#8222;G20&#8220;-Gruppe um   Brasilien und Indien wurde danach als Gegengewicht zu den   Industrienationen gesehen, die sich f&#252;r die Interessen der &#228;rmeren   L&#228;nder einsetzen. Aber wenn die Regierungen dieser L&#228;nder in den letzten   Jahren h&#228;ufiger gegen westliche Forderungen im Rahmen der WTO   opponieren, dann allerdings in erster Linie deswegen, weil viele dieser   Regierungen mit massiven Protesten im eigenen Land gegen die   Auswirkungen der Politik von WTO, IWF und Weltbank konfrontiert sind,   und sich deswegen nicht in der Lage sehen, viel mehr an   Verschlechterungen f&#252;r ihre Bev&#246;lkerungen durchzusetzen. Die   &#8222;G20&#8220;-Gruppe ist au&#223;erdem sehr heterogen und br&#252;chig, wie sich in Hong   Kong zeigte: W&#228;hrend Brasilien und Indien in den Bereichen   Dienstleistungen und Industrieg&#252;ter weitere Liberalisierungen   unterst&#252;tzten, lehnten viele der &#228;rmsten L&#228;nder diese ab, da sie die   eigene Wirtschaft mit Z&#246;llen und Subventionen sch&#252;tzen wollen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\" lang=\"de-DE\">  Auch in westlichen L&#228;ndern werden vermehrt protektionistische Ma&#223;nahmen   als Reaktion auf die Auswirkungen wirtschaftlicher Krisen gefordert.   Doch solche, ausschlie&#223;lich auf nationalstaatlicher Ebene bleibenden   Ma&#223;nahmen haben heute noch weniger Aussicht auf Erfolg als in fr&#252;heren   Jahrzehnten. Auch diejenigen Teile der Anti-Globalisierungs-Bewegung,   die auf Reformen von WTO, IWF und Weltbank im Interesse der Massen   setzen, bieten keine realistische Perspektive: diese Institutionen sind   ihrem Wesen nach undemokratische Institutionen, ausf&#252;hrende Organe zur   Durchsetzung der Interessen der globalen Banken und Konzerne. Erst wenn   die Wirtschaft von der lokalen bis hinauf zur globalen Ebene in einem   sozialistischen System demokratisch organisiert und geplant wird, wird   es m&#246;glich sein, die katastrophalen sozialen und &#246;kologischen Folgen der   kapitalistischen Globalisierung zu &#252;berwinden, und allen eine   menschenw&#252;rdiges Leben zu erm&#246;glichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle WTO-Runde hat den Anspruch, den &#8222;Entwicklungsl&#228;ndern&#8220;<br \/>\n    Verbesserungen zu geben, ohne dass daf&#252;r Gegenleistungen verlangt werden. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[134],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11498"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11498"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11498\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11498"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11498"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11498"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}