{"id":11497,"date":"2006-01-10T15:52:40","date_gmt":"2006-01-10T15:52:40","guid":{"rendered":".\/?p=11497"},"modified":"2006-01-10T15:52:40","modified_gmt":"2006-01-10T15:52:40","slug":"11497","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/01\/11497\/","title":{"rendered":"F&#252;r eine linke Partei mit linker Politik"},"content":{"rendered":"<p>Die WASG vor dem Bundesparteitag und die Aussichten f&#252;r den Neuformierungsprozess der Linken <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  W&#228;hrend an der Basis der WASG heftig &#252;ber das Verh&#228;ltnis zur   Linkspartei\/PDS und &#252;ber den Neuformierungsprozess der Linken debattiert   wird, steht f&#252;r die WASG-Bundesvorstandsmitglieder Klaus Ernst und Fritz   Schmalzbauer scheinbar fest: &#8222;Die neue Partei existiert, ob man sie will   oder nicht.&#8220; So manches WASG-Mitglied wird sich verwundert die Augen   reiben und einmal mehr den Eindruck gewinnen, vor vollendete Tatsachen   gestellt zu werden.<\/p>\n<p>  Doch die Tatsachen sind noch nicht vollendet. In den letzten Wochen   werden die kritischen Stimmen in der WASG zahlreicher und lauter. Vor   allem durch die Beschl&#252;sse des Berliner WASG-Landesparteitags vom   November hat eine Politisierung der Debatte &#252;ber die Vereinigung von   WASG und Linkspartei\/PDS stattgefunden. Die Weigerung der Berliner WASG   mit einer LP\/PDS gemeinsam zur Abgeordnetenhauswahl anzutreten, die als   Teil des rosa-roten SPD-PDS-Senats mitverantwortlich zeichnet f&#252;r   drastische Einschnitte im Sozialbereich und bei ArbeitnehmerInnen, f&#252;r   Privatisierungen und Tarifflucht, hat die entscheidende Frage in den   Mittelpunkt der Debatte ger&#252;ckt: welche inhaltlichen   Mindestvoraussetzungen bedarf eine linke Neuformierung, damit ihr das   Etikett &#8222;links&#8220; &#252;berhaupt geb&#252;hrt? Der Bundesparteitag der WASG am 4.   und 5. M&#228;rz kann dem Vereinigungsprozess eine neue Richtung geben.<\/p>\n<p>  <i>von Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher<\/i><\/p>\n<p>  Die Kritik richtet sich einerseits gegen die Beteiligung der   Linkspartei\/PDS an den Regierungskoalitionen mit der SPD in Berlin und   Mecklenburg-Vorpommern und der dort betriebenen Politik. Es geht der   Mehrzahl der KritikerInnen keineswegs darum, eine Regierungsbeteiligung   der Linken unter allen Umst&#228;nden auszuschlie&#223;en. Eine solche soll nur   zur Verbesserung der Lebensverh&#228;ltnisse f&#252;r die abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten,   die Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen f&#252;hren und nicht zur   Verschlechterung, wie es in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern der Fall   ist (siehe dazu Artikel auf Seite xx). Es geht den KritikerInnen auch   nicht darum, einen Neuformierungsprozess der Linken grunds&#228;tzlich zu   verhindern. Sie wollen nur sicher stellen, das das Ergebnis auch ein   Fortschritt, und kein R&#252;ckschritt, f&#252;r linke Politik ist.<\/p>\n<p>  <b>Demokratie wagen!<\/b><\/p>\n<p>  Die Kritik richtet sich auch gegen das Vorgehen des WASG-Bundesvorstands   bei dem Vereinigungsprozess mit der Linkspartei\/PDS. Es gibt einen   erheblichen Mangel an Transparenz und Demokratie. Immer mehr Mitglieder   f&#252;hlen sich &#252;bergangen und ohne Einfluss. Gerade in den Tagen nach dem   Berliner Landesparteitag wurde von einigen Bundesvorstandsmitgliedern   weniger argumentiert, als mit Spaltung und Ausschl&#252;ssen gedroht.<\/p>\n<p>  Der Druck der Basis scheint den Bundesvorstand aber inzwischen   erfolgreich gebremst zu haben. Vor allem der Verlauf der Sitzung des   bundesweiten L&#228;nderrats war f&#252;r Klaus Ernst und die anderen   Bundesvorstands-Mitglieder ein Warnsignal. Dort konnten sie viele   Abstimmungen nur durch den gro&#223;en Stimmenblock, den sie selber in dieses   Gremium einbringen, gewinnen. Einzige Ausnahme im Bundesvorstand war bei   dieser Sitzung der K&#246;lner Betriebsrat und Sozialist Thies Gleiss, der in   vielen Fragen gegen den Rest des Vorstands votierte.<\/p>\n<p>  Doch neuerliche &#196;u&#223;erungen von Bundesvorstandsmitgliedern lassen   bef&#252;rchten, dass die sachliche Argumentation und Diskussion noch nicht   die Oberhand &#252;ber Ausgrenzungsversuche gegen KritikerInnen gewonnen hat.   Klaus Ernst und Fritz Schmalzbauer drohen in dem eingangs zitierten Text   &#228;u&#223;erst nebul&#246;s und doch deutlich: &#8222;Die &#214;ffnung der Linkspartei.PDS   (Doppelmitgliedschaft), der gegenseitige Eintritt Lafontaine\/Gysi in die   jeweils andere Partei ist Symbolik. Weil es eine neue soziale und   demokratische Plattform braucht, wird es sie geben, weil sie in den   Wahlk&#228;mpfen unverzichtbar ist, gibt es sie faktisch. Die Frage ist, mit   welcher inhaltlichen und organisatorischen Breite. Zwei Grenzen sind   klar: Chauvinistische, rechtsradikale und menschenverachtende Positionen   haben in dem neuen Spektrum nichts zu suchen, <b>aber auch engstirnige   Dogmatik, die nicht bindet, sondern gesellschaftliche Breite ausgrenzt,   ist nicht parteibildungsf&#228;hig<\/b>.&#8220; (Hervorhebung durch uns, d.A.) <\/p>\n<p>  Zeitgleich zu diesem Artikel verfasste der Pressesprecher des   WASG-Bundesvorstands ein achtseitiges Diffamierungspapier gegen die SAV,   das vor L&#252;gen nur so strotzt, und k&#252;ndigt der SAV auf allen Ebenen die   Zusammenarbeit auf. Der Bundestagsabgeordnete und ebenfalls   Bundesvorst&#228;ndler der WASG Axel Troost macht sich dieses Papier zu eigen   und verbreitete es in einem &#8222;Bremen-Newsletter&#8220;.<\/p>\n<p>  Eine Versammlung der Bremer Linkstendenz in der WASG mit 22   TeilnehmerInnen bewertete diesen Vorgang als eine Neuauflage der   Ausgrenzungs- und Ausschlusskampagne gegen Sozialisten in der WASG und   verabschiedete daraufhin eine Erkl&#228;rung, in der es unter anderem hei&#223;t:   &#8222;Dies schadet nicht nur dem Ansehen der betroffenen WASG-Mitglieder,   sondern dem Ruf unserer Partei insgesamt und letztlich auch dem Projekt   einer neuen vereinigten Linkspartei.&#8220;<\/p>\n<p>  <b>Kooperationsabkommen III &#8211; es geht auch anders<\/b><\/p>\n<p>  Kritik gibt es vor allem am Inhalt und am Zustandekommen des   Kooperationsabkommens III zwischen den Vorst&#228;nden von WASG und   Linkspartei\/PDS.<\/p>\n<p>  Der Text schlie&#223;t konkurrierende Kandidaturen zwischen WASG und LP\/PDS   aus, obwohl die Diskussion innerhalb der Berliner WASG dazu nicht   abgeschlossen ist und eine Mehrheit des Landesverbandes eine   eigenst&#228;ndige Kandidatur f&#252;r den Fall favorisiert, dass die Berliner   LP\/PDS keinen politischen Kurswechsel vollzieht, sondern die   arbeitnehmerfeindliche Senatspolitik fortsetzen will. Das Abkommen   segnet zudem die politische Strategie der Regierungsbeteiligung unter   den gegenw&#228;rtigen Bedingungen ab und stellt den Neuformierungsprozess   damit faktisch auf die Grundlage der LP\/PDS-Politik.<\/p>\n<p>  Aber selbst WASG-Mitglieder, die dieses Abkommen nicht inhaltlich   ablehnen, &#252;ben scharfe Kritik an seiner Entstehungsgeschichte. So hat   der Landesvorstand der WASG in Sachsen erkl&#228;rt: &#8222;Es ist unertr&#228;glich,   auf welch &#252;berhebliche Weise der Bundesvorstand der WASG seit Gr&#252;ndung   der Partei in offensiver und fortgesetzter Weise die unserem   Gr&#252;ndungsverst&#228;ndnis zu Grunde liegenden demokratischen Spielregeln   missachtet.&#8220; Und: &#8222;Die Verfahrensweise kann als grundlegend sch&#228;dlich   f&#252;r den Parteibildungsprozess eingesch&#228;tzt werden. Von allen Gremien   wird gefordert, dass die Parteibasis nicht nur Tr&#228;ger sondern Initiator   der Parteibildung sein soll. Der Bundesvorstand konterkariert in seiner   Vorgehensweise diese Forderung und verletzt elementare Wesensz&#252;ge   unserer Partei, wie Fairness, Sensibilit&#228;t, Solidarit&#228;t und   demokratische Willensbildung.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Bundesparteitag hat im M&#228;rz die Chance, das Kooperationsabkommen III   politisch durch den Rei&#223;wolf zu jagen. Dazu m&#252;ssten aber alternative   Vorstellungen f&#252;r einen Neuformierungsprozess der Linken verabschiedet   werden. Solche werden in der Mitgliedschaft auch schon diskutiert.<\/p>\n<p>  Entscheidend ist hierbei, dass der Beschluss der Urabstimmung vom Sommer   tats&#228;chlich umgesetzt und nicht konterkariert wird. Darin hei&#223;t es, dass   ein ergebnissoffener Prozes zur Bildung eines Linksb&#252;ndnisses   beschritten werden soll, der &#252;ber WASG und Linkspartei\/PDS hinausgeht.   &#8222;Offen&#8220; soll dabei das Ergebnis sein, also ob es zur Bildung einer   neuen, gemeinsamen Partei kommt. Nicht offen sollte ein entscheidender   Grundsatz der WASG sein: sich an keinem Sozialabbau zu beteiligen und an   einer Regierung nur dann, wenn dies zu einem grundlegenden   Politikwechsel in Richtung der WASG-Forderungen f&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig muss ein Prozess eingeleitet werden, der nicht auf eine   Fusion der beiden Parteien hinausl&#228;uft, sondern tats&#228;chlich ein   Neuformierungsprozess unter Einbeziehung der vielen AktivistInnen aus   Gewerkschaften, globalisierungskritischen Netzwerken, kommunalen   Wahlb&#252;ndnissen, sozialistischen Organisationen, Frauenbewegung,   antifaschistischen und antirassistischen Gruppen, Jugendorganisationen   und Umweltverb&#228;nden, die mit Interesse und Skepsis WASG und LP\/PDS   beobachten und einen wertvollen Beitrag zur Neuformierung der Linken   leisten k&#246;nnten. Dies ist allerdings nur m&#246;glich, wenn diese nicht wie   G&#228;ste behandelt werden &#8211; freundlich, aber ohne Entscheidungsbefugnis. <\/p>\n<p>  Die in dem Kooperationsabkommen III vorgesehene Verhandlungskommission   wird nur von WASG und LP\/PDS getragen und sie kann nur um Menschen, die   nicht den beiden Parteien angeh&#246;ren, erweitert werden, wenn beide   Parteien zustimmen. Statt eines solchen auf WASG und LP\/PDS fokussierten   und auf die F&#252;hrungen der beiden Parteien zentralisierten Vorgehens,   sollte eine breite Verhandlungskommission gebildet werden. Die Mehrheit   der WASG-VertreterInnen in einer solchen Kommission sollten durch die   Landesverb&#228;nde gew&#228;hlt werden. Au&#223;erdem sollte den Kr&#228;ften, die nicht in   WASG und LP\/PDS sind, die M&#246;glichkeit gegeben werden, selbst&#228;ndig   VertreterInnen zu benennen. M&#246;glich w&#228;re zum Beispiel, dass WASG und   LP\/PDS in allen Bundesl&#228;ndern zu landesweiten Versammlungen f&#252;r   diejenigen linken Kr&#228;fte einladen, die sich an dem Neuformierungsprozess   beteiligen wollen. Diese AktivistInnen k&#246;nnen dann aus ihrer Mitte   VertreterInnen in eine Verhandlungskommission entsenden. Eine solche   Kommission w&#228;re notwendigerweise gro&#223;, sicher einhundert Personen oder   mehr. Dies w&#252;rde aber erm&#246;glichen, dass eine demokratische Kontrolle   durch die Basis und eine R&#252;ckkopplung in die Landes- und Kreisverb&#228;nde   und in die Kr&#228;fte au&#223;erhalb beider Parteien geschieht. Eine gro&#223;e   Kommission k&#246;nnte einen Ausschuss w&#228;hlen, der die t&#228;glichen Gesch&#228;fte   verrichtet.<\/p>\n<p>  <b>Neuwahl des Bundesvorstands?<\/b><\/p>\n<p>  In verschiedenen Landesverb&#228;nden der WASG wird die Meinung vertreten,   dass der aktuelle Bundesvorstand um Klaus Ernst zur&#252;cktreten sollte und   den Weg zu einer Neuwahl freimachen sollte. Zweifelsfrei hat der   Bundesvorstand unter vielen Mitgliedern das Vertrauen verloren und eine   Neuwahl (die aus Satzungsgr&#252;nden als Nachwahl nach R&#252;cktritt   ausgeschrieben werden m&#252;sste) w&#252;rde die Bildung eines Leitungsgremiums   erm&#246;glichen, das sowohl die Breite als auch die aktuelle politische   Mehrheitsmeinung in entscheidenden Fragen zum Ausdruck bringen w&#252;rde.   Die aktuellen Vorst&#228;ndlerInnen w&#228;ren eingeladen sich wieder zur Wahl und   damit dem Votum der Delegierten zu stellen. Ein neuer Bundesvorstand   k&#246;nnte die Lehren aus den b&#252;rokratischen Fehlern des aktuellen Vorstands   ziehen und ein neues Vertrauensverh&#228;ltnis zwischen ihm, den Landes- und   Kreisverb&#228;nden entwickeln. Im Dialog und durch Kooperation mit der Basis   k&#246;nnte die WASG gest&#228;rkt in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen   und in die Verhandlungen zur Neuformierung der Linken gehen.<\/p>\n<p>  <b>Berliner Wahlen<\/b><\/p>\n<p>  Der Bundesparteitag wird sich auch zu der Frage positionieren m&#252;ssen,   die derzeit am kontroversesten diskutiert wird: der m&#246;glichen   eigenst&#228;ndigen Kandidatur des Berliner Landesverbandes bei den   Abgeordnetenhauswahlen am 17. September 2006. Eine Woche vor dem   Bundesparteitag wird ein Landesparteitag in Berlin eine Entscheidung   treffen und diese den Mitgliedern im Landesverband in einer Urabstimmung   vorlegen. Die Urabstimmung wird erst nach dem Bundesparteitag beendet   sein.<\/p>\n<p>  In Erw&#228;gung, dass die Berliner Linkspartei\/PDS auch in den n&#228;chsten   Wochen an ihrem Kurs der Koalition mit der SPD auf dem R&#252;cken der   Mehrheit der Berliner Bev&#246;lkerung festh&#228;lt, wird der Berliner   Landesparteitag wahrscheinlich f&#252;r eine eigenst&#228;ndige Kandidatur   votieren. Dies w&#228;re in diesem Fall richtig und n&#246;tig, denn die von   Sozialabbau, Privatisierungen, Lohnk&#252;rzungen und Tarifflucht betroffenen   Berlinerinnen und Berliner brauchen bei den Wahlen eine politische   Stimme des Widerstands. Und der Unmut mit dem SPD-PDS-Senat in der Stadt   ist so gro&#223;, dass eine Liste der WASG, auf der GewerkschafterInnen und   parteilose AktivistInnen der sozialen Bewegungen kandidieren w&#252;rden,   eine gute Chance haben wird, in das Abgeordnetenhaus einzuziehen.<\/p>\n<p>  W&#252;rde das den Neuformierungsprozess vorzeitig beenden? Einen solchen   Automatismus gibt es nicht. Im Gegenteil: die Prinzipientreue der   Berliner WASG k&#246;nnte viele linke AktivistInnen motivieren, an der   Neuformierung der Linken teilzunehmen. Denn aus Berlin w&#252;rde das Signal   ausgehen, dass man auf dem Altar der Einheit nicht die eigenen   Grunds&#228;tze opfert. Eine Kandidatur der Berliner WASG w&#228;re eine wichtige   Voraussetzung, um noch zu verhindern, dass die WASG durch die LP\/PDS   geschluckt wird und die neue Partei doch nur eine Westausdehnung der   LP\/PDS wird und tats&#228;chlich bis 2009 in immer mehr Landesregierungen   Sozialabbau exekutiert, um sich f&#252;r die Bundesebene regierungsf&#228;hig zu   machen und der M&#252;ntefering\/Platzeck-SPD anzubiedern.<\/p>\n<p>  Der Vorschlag von Thies Gleiss, weder mit der LP\/PDS gemeinsam zu   kandidieren, noch eigenst&#228;ndig anzutreten kommt einer politischen   Kapitulation gleich. Eine Partei, die sich auf die Fahnen geschrieben   hat, Sozialabbau zu bek&#228;mpfen und an der Seite der betroffenen Menschen   zu stehen, kann in Wahlkampfzeiten nicht auf Tauchstation gehen oder   sich enthalten. Schon gar nicht nach der &#246;ffentlich und kontrovers   gef&#252;hrten Debatte der letzten Wochen. Der Verzicht auf eine Kandidatur   k&#228;me einer Unterst&#252;tzung der LP\/PDS gleich, zumindest w&#252;rde dieser   Eindruck erweckt. Und dieser w&#252;rde zweifelsfrei dadurch verst&#228;rkt, dass   es WASG-Mitglieder gibt, die in einem solchen Fall auf den Listen der   LP\/PDS kandidieren werden. Au&#223;erdem ist zu erwarten, dass andere linke   Kr&#228;fte in der Stadt, die jetzt auf die WASG hoffen, sich zu einer   Kandidatur gegen den SPD-PDS-Senat gezwungen s&#228;hen, eine solche aber   weniger soziales Gewicht und Erfolgschancen h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Der Bundesparteitag wird sich also positionieren m&#252;ssen. Das Mindeste,   was linke WASG-Mitglieder einfordern sollten, ist ein Beschluss, der   sich f&#252;r eine Akzeptanz der Entscheidung des Berliner Landesverbandes   und f&#252;r materielle Unterst&#252;tzung f&#252;r den Wahlkampf ausspricht. Das   richtige Signal an die &#214;ffentlichkeit und an die LP\/PDS w&#228;re aber eine   politische Unterst&#252;tzung f&#252;r die eigenst&#228;ndige Kandidatur der WASG,   sollte sie denn beschlossen werden, zu verabschieden. Damit w&#252;rde der   Parteitag sagen: ja, wir wollen eine Neuformierung der Linken, aber   diese soll demokratisch zustande kommen und sie soll eine linke Politik   machen. In Berlin betreibt die LP\/PDS keine linke Politik und sie   behindert dadurch den Neuformierungsprozess. Die Debatte dar&#252;ber muss   unter Einbeziehung m&#246;glichst vieler Kr&#228;fte aus Gewerkschaften und   Bewegungen vor und nach den Berliner Abgeordnetenhauswahlen fortgesetzt   werden.<\/p>\n<p>  <b>Aufgaben der Linken in der WASG<\/b><\/p>\n<p>  Die Aussichten f&#252;r die WASG und den Neuformierungsprozess sind offen.   Sollten sich Oskar Lafontaine und die Mehrheit des WASG Bundesvorstands   durchsetzen und eine bedingungslose Vereinigung mit der LP\/PDS   stattfinden, besteht die gro&#223;e Gefahr, dass aus dem hoffnungsvollen   Ansatz f&#252;r eine neue Arbeitnehmerpartei ein Fehlstart wird. Sollte eine   vereinigte linke Partei den Kurs der LP\/PDS fortsetzen und auf   Landesebene, und bald auch auf Bundesebene, an Regierungskoalitionen   teilnehmen, die Sozialabbau betreiben, w&#252;rde die Begeisterung des   letzten Jahres schnell in Entt&#228;uschung und Passivit&#228;t umschlagen. Die   Profiteure einer solchen Entwicklung w&#228;ren sicher die Faschisten der   NPD, die auch durch die Gr&#252;ndung der WASG an den rechten Rand gedr&#228;ngt   wurden. Sie k&#246;nnten mit ihrer verlogenen sozialen Demagogie und ihren   S&#252;ndenbocktheorien gegen ImmigrantInnen wieder die Hoffnungslosen   erreichen.<\/p>\n<p>  Der Kampf f&#252;r eine neue linke Partei, die konsequent und auf allen   Ebenen gegen die Angriffe des Kapitals und der Regierungen auf die   kleinen Leute k&#228;mpft, ist deshalb auch ein Kampf gegen das   Wiedererstarken der neuen Nazis.<\/p>\n<p>  Der Verlauf des Neuformierungsprozesses h&#228;ngt aber nicht nur von den   heutigen Akteuren in WASG und LP\/PDS ab. Kommt es zu gr&#246;&#223;eren   Klassenk&#228;mpfen und Bewegungen gegen die Angriffe der Gro&#223;en Koalition   und gegen die Offensive der Bosse in den Betrieben, k&#246;nnen beide   Parteien bzw. eine vereinigte Partei nach links gedr&#252;ckt werden. Der   Eintritt einiger tausend k&#228;mpferischer ArbeiterInnen und Jugendlicher   w&#252;rde schon einen wichtigen Unterschied ausmachen. Ob eine solche   Eintrittswelle von frischen und k&#228;mpferischen Kr&#228;ften kommt, h&#228;ngt vom   Verlauf von Klassenk&#228;mpfen und davon ab, ob die WASG bzw. eine   vereinigte Partei von k&#228;mpfenden KollegInnen als ihre Vertretung   angesehen werden kann. Einerseits ist es f&#252;r WASG, LP\/PDS und die   Bundestagsfraktion ein Leichtes, sich auf Bundesebene links zu   profilieren und eine gewisse Anziehungskraft auszustrahlen. Aber selbst   das gelingt der Bundestagsfraktion seit ihrem Bestehen kaum. Kommt es zu   einer Regierungsbeteiligung in Sachsen-Anhalt und sollte die derzeitige   Berliner Mehrheit der WASG aus der Partei gedr&#228;ngt werden, um den   Regierungskurs der LP\/PDS in Berlin zu unterst&#252;tzen, k&#246;nnte eine neue   Partei nur alter Wein in neuen Schl&#228;uchen bedeuten. Aber das ist noch   offen und h&#228;ngt vom Verlauf der Auseinandersetzungen in den n&#228;chsten   Wochen und Monaten ab.<\/p>\n<p>  Deshalb w&#228;re es fatal, wenn SozialistInnen und linke WASG-Mitglieder   sich aufgrund von Entt&#228;uschung &#252;ber die Politik der F&#252;hrungen der beiden   Parteien, zur&#252;ckziehen w&#252;rden. Im Gegenteil: diejenigen Kr&#228;fte, die die   Gr&#252;ndungsprinzipien der WASG verteidigen wollen, die eine Neuformierung   auf Basis wirklich linker Politik wollen, die nicht in Sozialabbau   betreibende Regierungen eintreten wollen und die eine &#252;ber den   Kapitalismus hinausweisende sozialistische Perspektive in den   Neuformierungsprozess einbringen wollen, sollten sich enger zusammen   schlie&#223;en und eine organisertere Kooperation und Publikation beginnen.   Projekte, wie die Webseiten <u><a href=\"http:\/\/www.linkspartei-debatte.de\/\"><font color=\"#000080\"> www.linkspartei-debatte.de<\/font><\/a><\/u> und <a href=\"http:\/\/www.linkezeitung.de\/\"><u><font color=\"#000080\"> www.linkezeitung.de<\/font><\/u><\/a> sind dabei ein Anfang, reichen aber noch   nicht aus. Auch f&#252;r die m&#246;glichen Neuwahlen zum Bundesvorstand muss sich   die Linke in der WASG auf eine Gruppe von KandidatInnen einigen, die   eine Kurskorrektur durch einen neuen Bundesvorstand glaubhaft vertreten   und umsetzen k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die WASG vor dem Bundesparteitag und die Aussichten f&#252;r den<br \/>\n    Neuformierungsprozess der Linken <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[250],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11497"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11497"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11497\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}