{"id":11494,"date":"2006-01-17T11:44:38","date_gmt":"2006-01-17T11:44:38","guid":{"rendered":".\/?p=11494"},"modified":"2006-01-17T11:44:38","modified_gmt":"2006-01-17T11:44:38","slug":"11494","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/01\/11494\/","title":{"rendered":"Regierungsbeteiligung der Linken? Ja &#8211; aber nur an einer linken Regierung"},"content":{"rendered":"<p>Debatte in der WASG &#252;ber Regierungsbeteiligungen und die Realpolitik der Linkspartei\/PDS <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Bei den aktuellen Auseinandersetzungen &#252;ber die Frage, ob die Berliner   WASG unabh&#228;ngig von der Regierungspartei Linkspartei\/PDS zur   Abgeordnetenhauswahl im September antreten soll, geht es nicht um   Kleinigkeiten. Sondern um die Kernfrage, was linke Politik in diesem   Land &#252;berhaupt bedeutet. Um die Alternative: Fortsetzung des Sozial- und   Stellenabbaus im Namen der kapitalistischen Sachzw&#228;nge und des   &#8222;kleineren &#220;bels&#8220; &#8211; oder Einleitung eines wirklichen Politikwechsels im   Interesse der lohnabh&#228;ngigen und erwerbslosen Mehrheit der Bev&#246;lkerung. <\/p>\n<p>  von Heino Berg, Bremen<\/p>\n<p>  Mit dem Bundesparteitag der WASG im M&#228;rz stehen die politischen   Bestrebungen auf dem Spiel, die viele Tausend Mitglieder und   SympathisantInnen mit der Wahlalternative verbunden haben. Hoffnungen   auf eine neue, linke Sammlungsbewegung, die sich nicht mehr wie die   SPD-F&#252;hrung im Namen der &#8222;Sachzw&#228;nge der Globalisierung&#8220; dem Willen der   Konzernherren unterordnet.<\/p>\n<p>  Dieser neue Faktor auf der politischen B&#252;hne, der entscheidend zum   Erfolg der Linken bei der Bundestagswahl beigetragen hat, droht wieder   in der Versenkung zu verschwinden, falls die WASG ausgerechnet in der   Bundeshauptstadt das Ziel eines Politikwechsels einer kritiklosen   Unterst&#252;tzung f&#252;r die neoliberale Politik des SPD\/PDS-Senats opfern   w&#252;rde.<br \/>Bisky nimmt Kurs auf Regie-rungsbeteiligung im Bund<\/p>\n<p>  Auf dem Dresdner Parteitag hat der Vorsitzende der Linkspartei\/PDS,   Lothar Bisky, angek&#252;ndigt, dass seine Partei nicht nur in   Landesregierungen, sondern bei einem vorzeitigen Ende der Gro&#223;en   Koalition auch im Bund f&#252;r eine rot-rot-gr&#252;ne Koalition &#8222;blitzschnell&#8220;   zur Verf&#252;gung stehen k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Bisky hat diesbez&#252;glich nicht einmal Bedingungen formuliert. Hei&#223;t das   also, ohne einen Kurswechsel der SPD, ohne ein klares Nein zu Hartz IV,   zur Agenda 2010 und zu Auslandseins&#228;tzen der Bundeswehr?<\/p>\n<p>  Da sich der sozialdemokratische Koalitionspartner bisher weder in der   Berliner Landesregierung noch im Bund von einer Politik verabschiedet   hat, die den Unternehmern Massenentlassungen bei gleichzeitigen   Rekordgewinnen erlaubt, beginnt sich Bisky seinerseits von den Zielen zu   verabschieden, f&#252;r welche die Linke bei der Bundestagswahl angetreten   ist.<br \/>Der SPIEGEL, jeder Sympathie f&#252;r die &#8222;trotzkistischen Sektierer&#8220;   in der Berliner WASG wohl unverd&#228;chtig, beschreibt in Heft 51 wie <i> &#8222;die Spitze der Linken die Partei auf Realpolitik einschw&#246;rt &#8211; in der Hoffnung   auf ein rot-rot-gr&#252;nes B&#252;ndnis. Daf&#252;r w&#252;rde sie sogar die Haltung zu   UNO-Eins&#228;tzen und Hartz IV &#252;berdenken.&#8220; Daf&#252;r wollen die linken   &#8222;Spitzenpolitiker vor allem zwei H&#252;rden schleifen, die den k&#252;hnen   Tr&#228;umen von der Macht im Bund bislang im Wege stehen: Die Beschl&#252;sse,   die jedes Ja zu UNO-Eins&#228;tzen verbieten und die pure Ablehnung der   Arbeitsmarktreform Hartz IV. (&#8230;) Gysi wirbt f&#252;r Einzelfallpr&#252;fung von   Blauhelm-Missionen. Ramelow will Hartz IV nach vorn aufl&#246;sen. (&#8230;) Im   Klartext: Deutliche Nachbesserungen &#8211; aber keine R&#252;ckkehr zum alten   System.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  <b>Lafontaine und die Linke im Bundestag<\/b><\/p>\n<p>  Es ist nicht nur die langj&#228;hrige F&#252;hrungsriege der PDS, die auf eine   Regierungsbeteiligung im Bund schielt. Auch Oskar Lafontaine hat, zum   Beispiel auf eben jenem Dresdner Parteitag, &#246;ffentlich der Berliner   Senatspolitik seine Unterst&#252;tzung ausgesprochen. Mit dem gleichen   Argument, dass die alternativlose Politik der &#8222;Haushaltskonsolidierung&#8220;   dank der Linkspartei\/PDS wenigstens ein St&#252;ck weit sozial abgefedert   werden k&#246;nnte. Ein Argument, das auch bald auf Bundesebene herhalten   d&#252;rfte.<\/p>\n<p>  Vor dem Hintergrund solcher Regierungsambitionen wundert es nicht, dass   die Bundestagsfraktion der Linkspartei\/PDS nicht einmal die angek&#252;ndigte   Klage gegen Hartz IV auf den Weg gebracht hat und dass bei ihnen nicht   mehr von einer R&#252;ckkehr zur unbefristeten Arbeitslosenhilfe die Rede ist. <\/p>\n<p>  Hier zeichnet sich eine Weichenstellung ab, die um des Regierens willen   alles &#252;ber Bord wirft, was eine Regierungsbeteiligung von Linken erst   sinnvoll machen k&#246;nnte. Anstatt ein Mittel zur Durchsetzung von   Arbeitnehmerinteressen gegen das Diktat der Konzerne zu bleiben, droht   die Regierungsbeteiligung und die &#8222;Einheit der Linken&#8220; ein Selbstzweck   zu werden, dem s&#228;mtliche Wahlversprechungen unterzuordnen sind.<\/p>\n<p>  Die einzige Rechtfertigung f&#252;r diese Abkehr von allem, was   antikapitalistische Politik ausmacht, ist die Drohung mit noch   schlimmeren Alternativen schwarz-roter oder schwarz-gelber   Koalitionsregierungen. Mit diesem noch gr&#246;&#223;eren, denkbaren &#220;bel   begr&#252;ndet die Berliner Linkspartei\/PDS ihre Unterst&#252;tzung f&#252;r   Sozialk&#252;rzungen, f&#252;r den Ausstieg aus Tarifvertr&#228;gen, f&#252;r   Stellenk&#252;rzungen und f&#252;r den Einrichtung von Ein-Euro-Jobs.<\/p>\n<p>  Das Ergebnis waren keine Reformen im Sinne kleiner, aber realer   Verbesserungen f&#252;r die Lage der arbeitenden Bev&#246;lkerung, sondern   R&#252;ckschritte. Mit dieser &#8222;Realpolitik&#8220; des angeblich &#8222;kleineren &#220;bels&#8220;   haben Schr&#246;der und Wowereit die Drecksarbeit f&#252;r die Unternehmer   erledigt und die sozialen Errungenschaften ausgeh&#246;hlt, die jetzt   endg&#252;ltig zertr&#252;mmert werden sollen.<br \/>Auf diesem   neoliberalen Weg hat die SPD Millionen von W&#228;hlerInnen und   Hunderttausende von Mitgliedern verloren. Warum sollte sich die WASG,   die als Alternative dazu gegr&#252;ndet wurde, nun von Bisky und Liebich in   dieselbe Sackgasse treiben lassen und dort das hoffnungsvolle Projekt   einer neuen, breiten Linkspartei als &#8222;Wurmfortsatz der PDS&#8220; beerdigen? <\/p>\n<p>  <b>Wann Regierungsbeteiligungen Sinn machen<\/b><\/p>\n<p>  Die WASG hat sich bisher keineswegs grunds&#228;tzlich gegen   Regierungsbeteiligungen ausgesprochen, sondern dies an inhaltliche   Bedingungen gekn&#252;pft, n&#228;mlich an die Einleitung eines politischen   Kurswechsels. Zu Recht. Die Linke hat die Aufgabe, alle M&#246;glichkeiten   auszunutzen, die Lage der arbeitenden und erwerbslosen Menschen zu   verbessern. Auch wenn die eigentliche Macht in den Chefetagen der Banken   und Konzerne konzentriert ist, k&#246;nnen &#252;ber Regierungsbeteiligungen   Sozialk&#252;rzungen gestoppt und Ma&#223;nahmen im Interesse der Lohnabh&#228;ngigen   ergriffen werden &#8211; vorausgesetzt, eine solche linke Regierung kann sich   auf Massenproteste st&#252;tzen, die enormen Druck auf Kapitaleigner und   Verm&#246;gende aus&#252;ben.<br \/>Ohne diesen massiven Druck von der   Stra&#223;e und aus den Betrieben ist der von Gysi und Lafontaine, aber auch   vielen Noch-W&#228;hlern erhoffte Kurswechsel der SPD, der die Voraussetzung   f&#252;r eine linke Koalitionsregierung bildet, ohnehin nicht vorstellbar. <\/p>\n<p>  <b>Aufgaben in der Opposition<\/b><\/p>\n<p>  Auch in der Opposition lassen sich Dinge bewegen. Aber auch in diesem   Fall gilt es, das Hauptgewicht auf den Widerstand in den Betrieben und   auf der Stra&#223;e zu legen. Abgeordnete sollten in der Protestbewegung fest   verankert sein, diese mit aller Kraft st&#228;rken und vor allem die   Selbstorganisation der abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten, der Erwerbslosen und der   Jugend f&#246;rdern. Auf dieser Basis kann das Parlament zum einen als   Plattform genutzt werden, zum anderen k&#246;nnen die Forderungen der   Bewegung auch im Parlament erhoben werden &#8211; in Form von Anfragen,   Beitr&#228;gen oder Gesetzesentw&#252;rfen.<\/p>\n<p>  Die Berliner Regierungspolitik ist kein Sonder-, sondern ein   Pr&#228;zedenzfall f&#252;r die Zukunft der Linken in ganz Deutschland. Darum   m&#252;ssen sich die WASG-Mitglieder und AktivistInnen gegen Sozialabbau   nicht nur in Berlin, sondern auch im Bund aktiv in diese Debatte   einschalten.<\/p>\n<p>  <i>Heino Berg ist Mitglied der WASG Bremen und Redakteur der Website <a href=\"http:\/\/www.linkspartei-debatte.de\/\"> www.linkspartei-debatte.de<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Debatte in der WASG &#252;ber Regierungsbeteiligungen und die Realpolitik der<br \/>\n    Linkspartei\/PDS <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[178],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11494"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11494"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11494\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11494"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11494"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11494"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}