{"id":11490,"date":"2006-01-09T11:28:45","date_gmt":"2006-01-09T11:28:45","guid":{"rendered":".\/?p=11490"},"modified":"2006-01-09T11:28:45","modified_gmt":"2006-01-09T11:28:45","slug":"11490","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/01\/11490\/","title":{"rendered":"Bolkestein: Sozialdumping made in EU"},"content":{"rendered":"<p> Am 14. Februar will das EU-Parlament &#252;ber die Liberalisierung von   Dienstleistungen beschlie&#223;en  <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die vom ehemaligen EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein Anfang 2004   vorgelegte Richtlinie ist auf die im Jahr 2000 bei einem Sondergipfel   der EU-Staats- und Regierungschefs beschlossene &#8222;Strategie von Lissabon&#8220;   zur&#252;ckzuf&#252;hren. Nach dieser Strategie soll aus der Europ&#228;ischen Union   bis 2010 der &#8222;wettbewerbsf&#228;higste und dynamischste wissensbasierte   Wirtschaftsraum der Welt&#8220; werden.<\/p>\n<p>  <i>von Franz K&#252;hne, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Von der Bolkestein-Richtlinie sind fast alle Dienstleistungen betroffen,   die in der EU erbracht werden. Handel, Werbung, Personaleinstellung   (einschlie&#223;lich Zeitarbeit), Reinigungs- und Bauleistungen, &#246;ffentliche   Bildung und Kultur, Dienstleistungen der Kommunen &#8211; alles das soll in   vollem Umfang der freien Konkurrenz ausgesetzt werden. Lediglich der   Gesundheitsbereich und &#8222;hoheitliche Aufgaben&#8220;, wie Milit&#228;r und Polizei   sollen ausgenommen bleiben.<br \/> Von den katastrophalen Auswirkungen, die   den ArbeiterInnen der EU drohen, haben Besch&#228;ftigte in Deutschland   bereits einen Vorgeschmack bekommen. So hat Franz M&#252;ntefering vor kurzem   in einem Interview betont, dass mit der Agenda 2010 &#8222;weitreichende   Fortschritte bei der nationalen Umsetzung der Lissabon-Strategie   erzielt&#8220; worden seien.<br \/> Der Gesetzentwurf ist einzig und allein   den Unternehmern von Nutzen. Ein Beispiel: Bisher mussten die Kosten   einer Produktionsverlagerung einkalkuliert werden, wenn ein Unternehmer   von niedrigeren L&#246;hnen und Sozialstandards in anderen EU-Staaten   profitieren wollte. Dank Bolkestein braucht der Betrieb k&#252;nftig nicht   mehr verlagert zu werden, um von &#8222;billigen&#8220; Lohnsklaven zu profitieren.   Der Unternehmer kann sich in Zukunft ganz bequem Arbeitskr&#228;fte aus dem   Herkunftsland &#8222;entsenden&#8220; lassen, das den niedrigsten K&#252;ndigungsschutz   und die niedrigsten Sozialstandards bietet. Dieses   &#8222;Herkunftslandprinzip, nach dem der Dienstleistungserbringer einzig den   Rechtsvorschriften des Landes unterliegt, in dem er niedergelassen ist&#8220;,   bildet das Kernst&#252;ck des neoliberalen Bolkestein-Gesetzentwurfs.<\/p>\n<p>  <b>Freiheit der Unternehmer &#8211; Unfreiheit der ArbeiterInnen<\/b><\/p>\n<p>  Die Liberalisierung des EU-Dienstleistungsmarktes bedeutet nichts weiter   als die Freiheit der Unternehmer, ihre Profite auf dem R&#252;cken der   ArbeiterInnen auszubauen. In Sachen K&#252;ndigungsschutz und   Sozialversicherung soll durch die Bolkestein-Richtlinie der   Dumpingwettbewerb versch&#228;rft werden. Einflussreiche Lobbyverb&#228;nde der   Wirtschaft, wie der European Round Table (ERT) ziehen die F&#228;den. Es   besteht die Gefahr, dass das niedrigste nationale Niveau in der EU als   Referenz f&#252;r alle anderen EU-Staaten dienen wird. Nach einer Studie des   Instituts der deutschen Wirtschaft lag im Jahr 2004 das Gef&#228;lle zwischen   den h&#246;chsten und niedrigsten sogenannten &#8222;Arbeitskosten&#8220; in der EU bei   &#252;ber 8,5 : 1.<\/p>\n<p>  <b>Rassistische Spaltung abwehren<\/b><\/p>\n<p>  Der &#8222;Bolkestein-Hammer&#8220; soll die Konkurrenz zwischen den arbeitenden   Menschen verschiedener Nationen und damit die Gesch&#228;fte der Unternehmer   beleben. Dadurch, dass ArbeiterInnen von den Unternehmern quer durch   Europa verschickt werden k&#246;nnen, entsteht ein Wettbewerb um niedrige   L&#246;hne und Sozialstandards direkt am Arbeitsort. Das durch den   Standortwettbewerb unter den EU-Staaten bereits geschaffene Klima des   latenten Rassismus gegen sogenannte &#8222;Fremdarbeiter&#8220; wird weiter   angeheizt. Der Abwehrkampf gegen Lohn- und Sozialdumping, gegen   nationale und rassistische Spaltung kann nur international erfolgreich   sein.<\/p>\n<p>  <b>Widerstand organisieren<\/b><\/p>\n<p>  Massiver l&#228;nder&#252;bergreifender Protest auf der Stra&#223;e ist wichtig. Das   reicht aber erfahrungsgem&#228;&#223; nicht aus, um den Willen der herrschenden   Klassen zur r&#252;cksichtslosen Entfesselung des Kapitalismus in Europa zu   stoppen. Entscheidend ist der organisierte Kampf der europ&#228;ischen   Besch&#228;ftigten und ihrer Gewerkschaften. In den Gewerkschaften muss der   Druck erh&#246;ht werden f&#252;r einen k&#228;mpferischen Kurs der F&#252;hrung bis hin zu   einem europ&#228;ischen Streiktag. Die Bolkestein-Richtlinie kann verhindert   werden &#8211; wenn die Kraft der internationalen Solidarit&#228;t aller   ArbeiterInnen gezeigt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Am 14. 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