{"id":11478,"date":"2005-12-15T12:35:02","date_gmt":"2005-12-15T12:35:02","guid":{"rendered":".\/?p=11478"},"modified":"2005-12-15T12:35:02","modified_gmt":"2005-12-15T12:35:02","slug":"11478","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/12\/11478\/","title":{"rendered":"Die PDS Berlin zeigt sich standfest &#8211; an der Seite der Hartz-SPD &#160;"},"content":{"rendered":"<p>Bericht &#252;ber den Landesparteitag der Linkspartei.PDS in Berlin&#160;<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Man kann der Berliner PDS, die sich jetzt auch &#8222;Die Linkspartei.PDS&#8220;   nennt, einiges vorwerfen. Was man ihr allerdings nicht vorwerfen kann,   ist, sie w&#228;re wankelm&#252;tig. Vielmehr steht der Berliner Landesverband wie   der sprichw&#246;rtliche Fels in der Brandung, zeigt sich unbeeindruckt von   den Protesten von Gewerkschaften, sozialen Bewegungen und Betroffenen   ihrer neoliberalen Regierungspolitik. Die Berliner PDS bleibt standfest   an der Seite der SPD und ist fest entschlossen, mit den Sozialdemokraten   gemeinsam die Politik des Sozialraubes in der Hauptstadt auch nach den   n&#228;chsten Wahlen fortzusetzen. Das best&#228;tigte die Linkspartei.PDS   zumindest auf ihrem Landesparteitag am 3. und 4. Dezember in Berlin.<\/p>\n<p>  <i>von J&#246;rg Fischer, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Der scheidende Landesvorsitzende Stefan Liebich geriet in seiner Rede   schier ins Schw&#228;rmen &#252;ber die zur&#252;ckliegenden 4 Jahre Sozialraub durch   den SPD\/PDS-Senat: &#8222;Es war eine sch&#246;ne Zeit, es hat mir Spa&#223; gemacht und   es war mir eine Ehre als Erster eine PDS-Landesorganisation, die in der   Hauptstadt regiert, zu f&#252;hren.&#8220; Ob die Arbeitnehmerinnen und   Arbeitnehmer (im Schnitt zehn Prozent Gehaltsk&#252;rzungen im &#246;ffentlichen   Dienst), die Erwerbslosen (16.116 Ein-Euro-Jobs allein bei der   &#246;ffentlichen Verwaltung), die Jugendlichen (dieses Jahr 33 Millionen   gek&#252;rzt beim Jugendhilfe-Etat), und alle anderen, die die Politik des   Senates auszubaden haben, diese letzten vier Jahre auch &#8222;als sch&#246;ne   Zeit&#8220; empfunden und ihnen &#8222;Spa&#223; gemacht&#8220; haben?<\/p>\n<p>  Aber der Landesparteitag der Berliner PDS war nicht nur Verkl&#228;rung und   Selbstbeweihr&#228;ucherung der zur&#252;ckliegenden Jahre, sondern er zeigte auch   in die Zukunft, wie es weitergehen soll, welche Perspektiven die   Berliner PDS hat &#8211; und das sind keine guten Perspektiven f&#252;r die   Menschen in der Hauptstadt. Dass die PDS die Politik des Berliner   Senates mit der SPD auch zuk&#252;nftig, &#252;ber den Wahltag im September 2006   hinaus fortsetzen will, wurde sowohl bei den verabschiedeten Antr&#228;gen,   als auch bei den Personalentscheidungen f&#252;r den Landesvorstand deutlich. <\/p>\n<p>  Schon im Vorfeld wurden die in der PDS noch vereinzelt vertreten   antikapitalistischen Linken weiter an den Rand gedr&#228;ngt. Auch hierbei   gibt es zwischen SPD und PDS verbl&#252;ffende &#196;hnlichkeiten &#8211; im h&#246;chsten   Fall werden Linke noch als Feigenbl&#228;tter geduldet, das war es dann aber   auch schon. Die Bef&#252;rworter der Regierungspraxis und des Mitregierens um   jeden Preis wurden nahezu ausnahmslos mit Ergebnissen von bis zu fast 90   Prozent gew&#228;hlt.<\/p>\n<p>  Im mit &#252;berw&#228;ltigender Mehrheit verabschiedeten Leitantrag &#8222;Die   Linkspartei.PDS Berlin im Jahr 2006&#8220; hei&#223;t es gleich im ersten Absatz:   &#8222;Die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus sowie zu den   Bezirksverordnetenversammlungen sind eine zentrale Herausforderung f&#252;r   2006. Die Linkspartei.PDS k&#228;mpft darum, erneut als drittst&#228;rkste Kraft   in Berlin gew&#228;hlt zu werden und so die Option f&#252;r eine rot-rote   Regierung zu erneuern.&#8220; Diese Formulierung wurde gew&#228;hlt, um gegen&#252;ber   der WASG behaupten zu k&#246;nnen, es werde keine Koalitionsaussage zugunsten   der SPD gemacht!<\/p>\n<p>  Sehr aufschlu&#223;reich ist auch gleich der n&#228;chste Absatz: &#8222;Der   Landesvorstand und die Bezirksvorst&#228;nde bereiten den Wahlkampf   personell, inhaltlich, und organisatorisch vor. Der Landesvorstand   erarbeitet ein Wahlprogramm, das sich auf sechs bis acht wesentliche   landespolitische Projekte f&#252;r den Zeitraum 2006 bis 2011 konzentriert.   Weitere Vorhaben sind in einem &#187;A-Z&#171;-Dokument zusammenzufassen.&#8220; Die   Linkspartei.PDS geht gar nicht mehr davon aus, mit eventuellen   B&#252;ndnispartnern gemeinsam die inhaltlichen Grundlagen f&#252;r den   bevorstehenden Wahlkampf und f&#252;r die politische Arbeit im n&#228;chsten   Abgeordnetenhaus erarbeiten zu m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Gewerkschaften, soziale Initiativen, Sozialforen &#8211; sie und viele andere   in Berlin stehen in Opposition zum Senat und die PDS ist nicht bereit,   ihre Politik zu korrigieren. Zwar wird im weiteren Text des Leitantrages   erw&#228;hnt, dass auch die Berliner PDS f&#252;r eine neue Linkspartei sei und   deshalb auch in Berlin das Gespr&#228;ch mit der Wahlalternative Arbeit und   soziale Gerechtigkeit&#8220; (WASG) suchen w&#252;rde. Indes bleibt die Frage   unbeantwortet, auf welcher inhaltlichen Grundlage das geschehen soll &#8211;   immerhin wurde die WASG explizit als Alternative zu den   Sozialraub-Parteien gegr&#252;ndet.<\/p>\n<p>  Zu den bemerkenswerten Ereignissen des Berliner PDS-Landesparteitages   geh&#246;rte die Rede des WASG-Mitgliedes und Bundestagsabgeordneten Oskar   Lafontaine, der in seiner Rede unstrittig feststellte: &#8222;Es kann niemand   sich als links bezeichnen, der f&#252;r v&#246;lkerrechtswidrige Angriffskriege   und f&#252;r Sozialabbau steht.&#8220; Allerdings schien Lafontaine damit nicht   auch die Berliner PDS-SenatorInnen zu meinen. W&#228;hrend seiner   Ausf&#252;hrungen kam einem Lafontaine wie ein Redner vor, der zwar &#246;fters   den Mund spitzte, jedoch jedesmal glatt das Pfeiffen verga&#223;. So   kritisierte er zwar Privatisierungen, sprach sich aber gleichzeitig f&#252;r   die Fortsetzung der SPD\/PDS-Koalition aus, die unter anderem eben auch   f&#252;r massive Privatisierungen steht. Hier ist auch kritisch anzumerken,   das sich Lafontaine offensichtlich nur wenig, bzw. faktisch gar nicht   darum k&#252;mmert, was der Landesverband seiner Partei wenige Tage vorher   auf seinem Landesparteitag mehrheitlich beschlossen hat.<\/p>\n<p>  Dass die PDS kein Interesse an einer gleichberechtigten,   partnerschaftlichen Zusammenarbeit hat, wurde in den letzten Tagen   &#252;berdeutlich von f&#252;hrenden Vertretern der Landes-PDS klargemacht. In   einer Art &#8222;Planspiel&#8220; wurde ganz offen die Option aufgestellt, durch   Masseneintritte von PDS-Mitgliedern in die Berliner WASG dort die   Mehrheitsverh&#228;ltnisse zu ver&#228;ndern und so die WASG unter den Willen der   PDS zu beugen.<\/p>\n<p>  R&#252;ckendeckung erhalten die Berliner PDS-F&#252;hrer dabei auch von ihrer   Bundespartei. In einem Interview mit der &#8222;Leipziger Volkszeitung&#8220; machte   Bundesparteichef Bisky deutlich, das er &#8222;nicht alle Linken&#8220; in einer   neuen gemeinsamen Linkspartei haben m&#246;chte und das er insbesondere   &#8222;Trotzkisten&#8220; ausgrenzen will, die er augenscheinlich als Hauptfeinde   der realen PDS-Politik ausgemacht hat.<\/p>\n<p>  Daf&#252;r schw&#228;rmte Lothar Bisky auf dem Bundesparteitag seiner Partei am   vergangenen Wochenende in Dresden von einer, zumindest rechnerischen,   linken Mehrheit im Bundestag. Zu diesem Ergebnis kommt man indes nur,   wenn man die Agenda- und Kriegsparteien SPD und B&#252;ndnisgr&#252;ne als   vermeintlich links verortet. Der ehemalige Berliner Wirtschaftssenator   und jetzige Vorsitzende der PDS-Bundestagsfraktion Gregor Gysi wiederum   war in seiner Rede auf dem Bundesparteitag voll des Lobes f&#252;r seine   Berliner Parteifreunde und f&#252;r ihre Politik im Berliner Senat. Damit   stach die Rede des in Talkshows gest&#228;hlten Gysi kaum von Rest des   Parteitages hervor &#8211; Kritik an der Berliner Politik war nur vereinzelt   zu vernehmen.<\/p>\n<p>  Die PDS Berlin hat sich, abseits aller im Wahlkampf zu erwartender   Augenwischerei und Werberhetorik, auf ihrem Parteitag zumindest klar   positioniert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht &#252;ber den Landesparteitag der Linkspartei.PDS in Berlin&#160;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11478"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11478"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11478\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11478"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11478"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11478"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}