{"id":11473,"date":"2005-12-13T17:19:18","date_gmt":"2005-12-13T17:19:18","guid":{"rendered":".\/?p=11473"},"modified":"2005-12-13T17:19:18","modified_gmt":"2005-12-13T17:19:18","slug":"11473","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/12\/11473\/","title":{"rendered":"Die Frage der Regierungsbeteiligung oder die Ohrfeige f&#252;r den \r\n      Kochlehrling &#160;"},"content":{"rendered":"<p>  Im Streit um die inhaltlichen Bedingungen im Vereinigungsprozess von   WASG und Linkspartei\/PDS geht es nicht um einen Berliner Sonderfall,   sondern um die Frage: Soll die Linke mitregieren in Koalitionen, die   Sozialabbau, Privatisierungen und Tarifflucht betreiben?<\/p>\n<p><i>von   Lucy Redler, Berlin<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Aufgrund der deutlichen Kritik an der PDS-Regierungsbeteiligung von   WASG-Landesverb&#228;nden war lange von Baustellen in Berlin und   Mecklenburg-Vorpommern im Neuformierungsprozess der Linken die Rede. Die   WASG in Berlin verweigere die Zusammenarbeit mit der Linkspartei\/PDS   wegen deren Regierungsbeteiligung. &#8222;Zehn Prozent Irre&#8220; seien da am Werk,   schrieb der Spiegel. Bisky kanzelte die KritikerInnen in der Leipziger   Volkszeitung als &#8222;linke Krawallo-Macher&#8220; ab. Feindbilder werden   rausgekramt: &#8222;Trotzkisten&#8220;, &#8222;Sektierer&#8220; oder noch einfacher&#8222;Irre&#8220; &#8211; das   Letztere versteht dann auch jede\/r.<\/p>\n<p>  Die scharfen Angriffe und Reduzierung des Konflikts auf ein paar   &#8222;Berliner Sektierer&#8220; sollen nur vertuschen, worum es in Wirklichkeit   geht: Um eine Kernfrage im Neuformierungsprozess, die nicht nur in der   Berliner WASG, sondern am Beispiel der Regierungspolitik der PDS in   Berlin bundesweit in der WASG und &#252;ber die WASG hinaus diskutiert werden. <\/p>\n<p>  Die Frage lautet, ob sich die neue Linke an Regierungen beteiligen soll   oder nicht und zu welchen Bedingungen.<\/p>\n<p>  <b>Berlin ist Pr&#228;zendenzfall <\/b><\/p>\n<p>  Dass die Regierungsbeteiligung der Berliner Linkspartei\/PDS kein   Sonderfall sondern Pr&#228;zendenzfall ist, wurde sp&#228;testens beim   Bundesparteitag der Linkspartei\/PDS in Dresden am 10.\/11.12.05   offensichtlich, als der Parteivorsitzende Bisky den Delegierten   einbleute, dass die PDS 2009 im Bund an die Regierung wolle. &#8222;Der linke   Dornr&#246;schenschlaf ist vorbei&#8220;, rief er den Delegierten zu.<\/p>\n<p>  Bereits vor dem Parteitag erl&#228;uterte Bisky seine Auffassung in der   Leipziger Volkszeitung (10.12.).Wenn die gro&#223;e Koalition im Bund endet,   so Bisky, sei die Partei verpflichtet, realistische Vorschl&#228;ge f&#252;r eine   Regierungsbeteiligung im Bund zu machen. Das gehe manchmal blitzschnell.   Bisky und empfiehlt seiner Partei f&#252;r diesen Fall &#8222;keine ewigen Regeln   festzulegen.&#8220;<\/p>\n<p>  Das hei&#223;t im Klartext: Bisky formuliert noch nicht einmal mehr klare   inhaltliche Mindestbedingungen f&#252;r die Regierungsbeteiligung im Bund. <\/p>\n<p>  Auch im Diskussionsbeitrag von Liebich\/Kaiser\/Gallert im Neuen   Deutschland vom 3.12. sucht man vergeblich nach inhaltlichen   Kernforderungen f&#252;r eine Regierung im Bund. Die Hauptargumentation   besteht darin, aus einer numerischen Mehrheit von SPD, Gr&#252;nen und   Linkspartei bei der Bundestagswahl im September das Ziel der   Regierungsbildung abzuleiten: &#8222;Unsere &#220;berzeugung ist: Die   gesellschaftliche Mehrheit in Ost und West, die eine auf soziale   Gerechtigkeit orientierte und auf Solidarit&#228;t setzende Politik w&#252;nscht,   hat ein Recht auf eine entsprechende Regierungspolitik. Wenn nicht   jetzt, dann bei der n&#228;chst sich bietenden Gelegenheit. Darauf muss die   Linkspartei bewusst und engagiert hinanrbeiten. Das ist ihre   Verantwortung.&#8220;<\/p>\n<p>  Durch dieses und andere Strategiepapiere (Schubert\/Breitenbach oder auch   Hoff\/Kahrs\/Woop), die innerhalb der Linkspartei\/PDS kursieren, wird das   Ziel bekr&#228;ftigt, bis 2009 die Mehrheitsverh&#228;ltnisse im Bundesrat durch   m&#246;glichst viele Beteiligungen an Landesregierungen zu &#228;ndern, um im Bund   regieren zu k&#246;nnen. Nach Berlin und Mecklenburg-Vorpommern werden   Regierungsbeteiligungen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg angestrebt.<\/p>\n<p>  Gysi und Lafontaine kn&#252;pfen die Frage der Regierungsbeteiligung dagegen   an inhaltliche Bedingungen. Gysi f&#252;hrte beim Bundesparteitag aus, dass   die Agenda 2010 ge&#228;ndert, Hartz IV abgeschafft und v&#246;kerrechtswidrige   Kriege ausgeschlossen werden m&#252;ssten.<\/p>\n<p>  J&#252;rgen Els&#228;sser fragte in der jungen Welt vom 13.12.: &#8222;Der Teufel von   Gysis Vorschlag steckt allerdings im Detail. Was bedeutet &#187;&#196;nderung&#171; der   Agenda 2010? Wird mit Ablehnung nur der &#187;v&#246;lkerrechtswidrigen&#171;   Auslandseins&#228;tze nicht die T&#252;r f&#252;r allerhand juristische Wortklaubereien   ge&#246;ffnet? Was ist mit den UN-mandatierten, aber dennoch   imperialistischen Aufr&#228;umarbeiten der Bundeswehr in den von den USA   zerbombten Staaten des Balkan und in Afghanistan?&#8220;<\/p>\n<p>  Lafontaine erteilte Regierungsbeteiligungen, die eine neoliberale   Politik verfolgten eine Absage. Als neoliberal bezeichnete er, &#8222;wenn man   auf der einen Seite die Spitzensteuers&#228;tze f&#252;r die Besserverdienenden   senkt, wenn man die Unternehmenssteuern drastisch senkt, wenn man die   Verm&#246;genssteuer nicht einzuf&#252;hren wagt und gleichzeitig bei &#196;rmeren   k&#252;rzt, bei den Rentnern, bei den Sozialhilfeempf&#228;ngern und bei den   Arbeitslosen.&#8220; Etwas anderes sei es, &#8222;wenn ein Gemeindepolitiker, ein   Landes- oder Bundespolitiker bei knappen Kassen auch da oder dort   k&#252;rzt.&#8220; Damit rechtfertigte Lafontaine auch indirekt die   Regierungspolitik der Linkspartei\/PDS in Berlin. Ihre Politik wird   dadurch als alternativlos dargestellt und die kapitalistischen   Sachzw&#228;nge werden akzeptiert.<\/p>\n<p>  <b>Nicht alle Linken gewollt<\/b><\/p>\n<p>  Deutlich wird jedoch, dass die Frage der Regierungsbeteiligung auch als   ein nach innen gerichtetes Signal an KritikerInnen in WASG und   Linkspartei\/PDS zu verstehen ist.<\/p>\n<p>  Im Neuformierungsprozess und f&#252;r sein Vorhaben, die neue Linkspartei   regierungsf&#228;hig zu machen, machte Bisky klar, wolle er auch nicht alle   Linken haben.&#8220;Wer zu uns kommen will, muss sich an unsere vereinbarten   Regeln halten.&#8220; (Leipziger Volkszeitung, 10.12.)<\/p>\n<p>  Aber welche Regeln meint Bisky? Wer hat sie vereinbart? Die   Bundesvorst&#228;nde der WASG und Linkspartei\/PDS, die ein   Koooperationsabkommen vereinbart haben, dass dem PDS-Bundesparteitag zum   Abnicken vorgelegt wurde? Selbst Katja Kipping (stellvertretende   Parteivorsitzende der Linkspartei\/PDS) musste im Interview mit der   Jungen Welt vom 12.12. zugeben, dass das Abkommen nicht einseitig   ge&#228;ndert werden k&#246;nne. Aber immerhin stand das Abkommen   &#8222;selbstverst&#228;ndlich unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Parteitags&#8220;,   so Kipping. Christine Buchholz vom WASG-Bundesvorstand erkl&#228;rte dagegen   k&#252;rzlich, dass es nicht vorgesehen sei, das Kooperationsabkommen III   beim Bundesparteitag der WASG im M&#228;rz zur Abstimmung zu stellen.<\/p>\n<p>  Der Berliner Landesverband der WASG hatte auf dem Landesparteitag am   26.\/27.11. das Kooperationsabkommen abgelehnt, u.a. mit der Begr&#252;ndung,   dass darin positiv auf den Willen &#8222;zur Mit- und Umgestaltung&#8220; (und damit   zur Regierungsbeteiligung) Bezug genommen wird.<\/p>\n<p>  <b>Kritik in WASG w&#228;chst<\/b><\/p>\n<p>  Doch Bisky und alle anderen, die die KritikerInnen innerhalb der WASG an   der Regierungspolitik der PDS als &#8222;Kleingruppe&#8220; oder &#8222;Berliner   Sektierer&#8220; beschimpfen, d&#252;rften sich verrechnet haben. Die Kritik an der   unsozialen Politik der Linkspartei\/PDS in den Landesregierungen wird von   vielen WASG-Mitgliedern au&#223;erhalb Berlins und Schwerins geteilt.<\/p>\n<p>  So erkl&#228;rte der WASG-Kreisverband Steinfurth k&#252;rzlich: &#8222;Wir halten   jedoch die Politik der Linkspartei im Berliner Senat augenblicklich f&#252;r   die WASG nicht f&#252;r b&#252;ndnisf&#228;hig und fordern sie auf, das B&#252;ndnis mit der   SPD aufzuk&#252;ndigen und gemeinsam mit der WASG innerhalb und au&#223;erhalb der   Parlamente gegen Privatisierungen und Sozialabbau zu k&#228;mpfen.&#8220; (Auszug) <\/p>\n<p>  Der Landesvorstand des gr&#246;&#223;ten WASG-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen   beschloss Anfang Dezember: &#8222;Die Linkspartei (in Berlin, Anmerkung Lucy   Redler) tut sich und der gesamten Linken keinen Gefallen, wenn sie   gemeinsam mit einer der Verursacherinnen dieser Politik die Folgen tr&#228;gt   und in eine Sachzwanglogik einlenkt. (&#8230;) Die Linke in Deutschland   steht vor der M&#246;glichkeit, durch konsequente Opposition die Verh&#228;ltnisse   grundlegend zu ver&#228;ndern.&#8220; (Auszug)<\/p>\n<p>  Am 8.12. wurde bei der Kreismitgliederversammlung in Leipzig   beschlossen: &#8222;Einen gemeinsamen Wahlantritt mit der Linkspartei\/PDS kann   es nicht geben, solange diese im Land Berlin nicht zu einem   grundlegenden Kurswechsel bereit ist.(&#8230;) Eine Einigkeit der Linken ist   w&#252;nschenswert, aber nicht auf einer v&#246;llig ungekl&#228;rten Grundlage.&#8220;   (Auszug)<\/p>\n<p>  Einige WASG-Mitglieder haben leider bereits die Konsequenz gezogen, der   Partei den R&#252;cken zu kehren. So erkl&#228;rten 22 WASG-Mitglieder am 11.12.   ihren Austritt in einem offenen Brief an den WASG-Bundesvorstand mit   folgenden Worten (Auszug):<\/p>\n<p>  &#8222;Ihr wollt uns, sozusagen von oben herab, zwangsvereinigen mit einer   Partei, die in den o.g. Bundesl&#228;ndern in Regierungsverantwortung sich an   massiven Sozialraub, Ausstieg aus Tarifvertr&#228;gen und der konsequenten   und schnellen Umsetzung von Hartz IV und in der Folge an der gr&#246;&#223;ten   Zwangsumsiedlung von Menschen in der Nachkriegsgeschichte unseres Landes   aktiv beteiligt. &#214;ffentlich Besch&#228;ftigte sehen sich massiven   Lohnk&#252;rzungen und Massenentlassungen ausgesetzt, &#246;ffentliche   Einrichtungen werden privatisiert bis hin zur Trinkwasserversorgung,   Sozialwohnungen werden verkauft und in private Eigentumswohnungen   umgewandelt, zum Nachteil der ehem. Mieter, etc. Die Linkspartei.PDS   ruft an den Wochenenden zur Weltrevolution aus und zeigt Werktags ihr   neoliberales Gesicht mit all den negativen Folgen f&#252;r die Betroffenen.&#8220; <\/p>\n<p>  <b>Position des WASG-Bundesvorstands<\/b><\/p>\n<p>  Auch der Bundesvorstand der WASG kommt zunehmend unter Druck. So   erkl&#228;rte Klaus Ernst auf dem Bundesparteitag der Linkspartei:&#8222;Es gibt   ernsthafte politische Meinungsverschiedenheiten, so &#252;ber   Regierungsbeteiligungen.&#8220;<\/p>\n<p>  Im Debattenbeitrag &#8222;Neue Linke und Regierungsbeteiligung&#8220;vom 7.12.   (WASG-Website) formulieren die Bundesvorstandsmitglieder Joachim   Bischoff und Bj&#246;rn Radke Kritik am Kurs des rot-roten Senats in   Berlin:&#8222;In Sachen Privatisierung, Einhaltung von Tarifvertr&#228;gen und   Gestaltung sozialer Mindeststandards sind gravierende Fehlentscheidungen   zu verzeichnen. Aber diese Kritik ist aus unserer Sicht kein   prinzipielles Argument gegen Regierungsbeteiligung auf kommunaler und   L&#228;nderebene.&#8220;<\/p>\n<p>  Bischoff und Radke stellen in diesem Zusammenhang ein Kriterium f&#252;r   Regierungsbeteiligungen auf: &#8222;Wer sich an der Regierung beteiligt, muss   den Nachweis antreten, dass sich die Lebenslage gerade der sozial   Schw&#228;cheren durch diese Politik positiv entwickelt hat. Kann dieser   Nachweis nicht erbracht werden, muss die Linke die Konsequenzen ziehen   und sich aus Koalitionen zur&#252;ckziehen.&#8220;<\/p>\n<p>  <b>Worum geht es?<\/b><\/p>\n<p>  Diesem Kriterium ist insofern zuzustimmen, als dass es nicht um eine   prinzipielle Ablehnung von Regierungsbeteiligungen, sondern um die Frage   geht, zu welchem Ziel diese f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Ma&#223;stab muss dabei sein, ob eine linke Partei die Interessen der   arbeitenden und erwerbslosen Bev&#246;lkerung besser in der Opposition   vertreten oder ob sie daf&#252;r die Ebene der Regierungsbeteiligung nutzen   kann. Wenn die Beteiligung an einer Regierung dazu f&#252;hrt, dass die linke   Partei kein glaubw&#252;rdiger und aktiver Teil von Massenprotesten mehr sein   kann, ist eine Regierungsbeteiligung abzulehnen. Die Beteiligung an   Regierungen ist kein Ziel an sich, sondern kann Mittel zum Zweck sein,   die Lebensverh&#228;ltnisse von Massen zu verbessern. Nicht vergessen werden   sollte dabei, dass der entscheidende gesellschaftliche Druck auf der   Stra&#223;e und in den Betrieben entfaltet wird. Deshalb ist es n&#246;tig, dass   eine linke Partei auf Massenmobilisierungen und den Aufbau von   Widerstand setzt und im Sinne des Gr&#252;ndungsprogramms der WASG agiert:   &#8222;Wir sind die Opposition gegen die herrschende, neoliberal bestimmte   Politik. An einer Regierung in Land oder Bund werden wir uns nur dann   beteiligen, wenn dies zu einem grundlegenden Politikwechsel in Richtung   unserer Forderungen f&#252;hrt.&#8220; Auch das Wahlmanifest der WASG beinhaltet   folgende Feststellung: &#8222;Wir werden uns nicht an einer Regierung   beteiligen oder sie tolerieren, die Sozialabbau betreibt&#8220;.<\/p>\n<p>  Was bedeutet das f&#252;r Berlin? Berlin ist mit 60 Milliarden Euro hoch   verschuldet. Vor diesem Hintergrund muss sich eine Partei entscheiden,   zu welchen Bedingungen sie in eine Regierung eintritt. Die   Linkspartei\/PDS hat die Haushaltskonsolidierung zu einem prim&#228;ren Ziel   erhoben und dabei als Rahmenbedingung akzeptiert, dass der Senat   j&#228;hrlich knapp 2,4 Milliarden Euro an Zinszahlungen an die Banken   &#252;berweist.<\/p>\n<p>  Nicht die Bed&#252;rfnisse der Menschen, sondern der ausgeglichene Haushalt   stehen f&#252;r die PDS im Mittelpunkt der Betrachtung. Sie akzeptiert damit   voll und ganz die kapitalistischen Sachzw&#228;nge.<\/p>\n<p>  Was w&#228;re die Aufgabe einer konsequent linken Kraft? Sie d&#252;rfte die   Sparpolitik der SPD und der Linkspartei\/PDS nicht mittragen. Bei   Tarifbruch, Privatisierung und Stellenabbau darf es keine Kompromisse   geben. Wenn die SPD das ablehnt, kann eine linke Partei sich an keiner   Regierung beteiligen.<\/p>\n<p>  Eine linke Partei muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie   gesellschaftlich steht: Auf der Seite der Charit&#233;-Besch&#228;ftigten wie die   WASG Berlin oder auf Seiten der Arbeitgeber wie die PDS Berlin im   derzeitigen Tarifkonflikt an der Charit&#233;. Es geht darum, gemeinsam mit   den abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten, Erwerbslosen und Jugendlichen dieser Stadt   und dar&#252;ber hinaus die gesellschaftlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse nachhaltig   zu ver&#228;ndern &#8211; durch den Aufbau von Widerstand und   Massenmobilisierungen, um eine Umverteilung von oben nach unten zu   erk&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  <b>Beschr&#228;nkung aufs Parlament<\/b><\/p>\n<p>  F&#252;hrende PDS-PolitikerInnen wiederholen jedoch gebetsm&#252;hlenartig, dass   ihre Politik die Lage der Menschen verbessert habe und erbringen damit   aus ihrer Sicht den von Bischoff und Radke verlangten Nachweis. So   beschloss die Linkspartei\/PDS auf ihrem Landesparteitag in Berlin am   3.\/4.12.05 einen Leitantrag, in dem es hei&#223;t: &#8222;Die Ergebnisse rot-roter   Politik der ablaufenden Legislaturperiode k&#246;nnen sich sehen lassen.   (&#8230;) Berlin ist 2005 besser, als es 2001 war, solider und &#8211; gemessen an   den Rahmenbedingungen &#8211; sozialer.&#8220;<\/p>\n<p>  Das ist jedoch eine falsche Darstellung der Tatsachen: 2001 haben die   Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen Dienstes noch acht bis zehn Prozent mehr   Gehalt verdient. 2001 gab es noch keine Ein-Euro-Jobs. 2001 hatten   Jugendeinrichtungen noch deutlich mehr finanzielle Mittel. 2001 gab es   noch kein Risikoabschirmungsgesetz f&#252;r die Berliner Bankgesellschaft,   das den Berliner Landeshaushalt in der Zukunft mit bis zu 21,66   Milliarden Euro belasten kann. 2001 war die Wohnungsbaugesellschaft GSW   noch nicht privatisiert.<\/p>\n<p>  Der Ma&#223;stab der Linkspartei\/PDS (und einiger Kr&#228;fte in der WASG) ist   jedoch auch nicht der oben beschriebene Ma&#223;stab, ob in der Opposition   oder in der Regierung mehr f&#252;r die Arbeiterklasse zu erreichen ist. Die   Linkspartei\/PDS stellt sich gar nicht mehr die Frage, wie sie in der   Opposition die gesellschaftlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse durch eine   konsequente Politik gegen jegliche Form von Sozialabbau mit Hilfe von   Massenmobilisierungen ver&#228;ndern k&#246;nnte. So erkl&#228;rte Bisky im Interview   in der Leipziger Volkszeitung: &#8222;Auch die PDS ist eine wilde Partei   gewesen. Wir haben n&#228;chtelang diskutiert &#8211; und nichts bewegt, au&#223;er   unsere Innereien. Zur Politikf&#228;higkeit geh&#246;ren klare Mehrheiten.&#8220; <\/p>\n<p>  Stattdessen steht die Frage im Zentrum, ob eine gro&#223;e oder schwarz-gelbe   Koalition alles noch schlimmer machen w&#252;rde. Damit wird es dann m&#246;glich,   jede Sozialk&#252;rzung zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>  Nicht die Entwicklung von Widerstand und der Kampf f&#252;r bessere   Lebensbedingungen steht auf der Agenda der PDS ganz oben, sondern die   Frage der Mitgestaltung einer Politik, die vor dem Hintergrund von   wirtschaftlicher Stagnation von Sozialabbau gepr&#228;gt ist.<\/p>\n<p>  Der tiefer liegende Kern liegt darin, dass die PDS keine Alternative zur   kapitalistischen Sachzwanglogik hat. Ihr demokratischer Sozialismus   gleicht einer leeren Formel.<\/p>\n<p>  <b>Ja zum Neuformierungsprozess zu klaren Bedingungen<\/b><\/p>\n<p>  Die gro&#223;e Mehrheit der KritikerInnen der realexistierenden   Regierungsprolik der Linkspartei\/PDS lehnen nicht die Vereinigung der   Linken ab. Aber sie fragen: Was ist links?<\/p>\n<p>  Inhaltliche Bedingungen m&#252;ssen einen zentralen Stellenwert im Prozess   der Neuformierung einnehmen. So beantragte das L&#228;nderratsmitglied Leonie   Blume aus Hessen bei der Sitzung des L&#228;nderrats der WASG, folgende   Bedingung im Neuformierungsprozess zu stellen:&#8222;Die politische Basis f&#252;r   die Neuformierung ist die prinzipielle Ablehnung von Sozialk&#252;rzungen,   Arbeitsplatzabbau und Privatisierung und von Beteiligungen an   Regierungen, die Sozialabbau betreiben.&#8220;<\/p>\n<p>  Dieser Antrag erhielt 19 Pro- und 19 Gegenstimmen und wurde damit knapp   abgelehnt. Beim Bundesparteitag der WASG am 4.\/5.03.06 sollte die Frage   der programmatischen Grundlage der Neuformierung eine zentrale Rolle   spielen.<\/p>\n<p>  Schenkt man den Gebr&#252;der Grimm Glauben, wird im gleichen Moment, als das   adlige Dornr&#246;schen wachgek&#252;sst wird, der arme Kochlehrling in der K&#252;che   geohrfeigt, so dass er zu schreien beginnt. Wer wird die Wange   hinhalten, wenn die Linkspartei\/PDS von der SPD den Koalitionskuss   empf&#228;ngt?<\/p>\n<p>  <i>Lucy Redler ist Mitglied im gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Landesvorstand der   WASG Berlin und Mitglied im WASG-L&#228;nderrat<\/i><\/p>\n<p>  Ein Bericht von der Sitzung des WASG-L&#228;nderrats vom 3.\/4.12.05 findet   sich <a href=\"http:\/\/www.wasg-berlin.de\/uploads\/media\/WASGLaenderrat20051203_04.pdf\"> hier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Im Streit um die inhaltlichen Bedingungen im Vereinigungsprozess von<br \/>\n      WASG und Linkspartei\/PDS geht es nicht um einen Berliner Sonderfall,<br \/>\n      sondern um die Frage: Soll die Linke mitregieren in Koalitionen, die<br \/>\n      Sozialabbau, Privatisierungen und Tarifflucht betreiben?<\/p>\n<p><i>von<br \/>\n      Lucy Redler, Berlin<\/i>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[27,30],"tags":[250],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11473"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11473"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11473\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11473"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11473"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11473"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}