{"id":11472,"date":"2005-12-13T14:12:18","date_gmt":"2005-12-13T14:12:18","guid":{"rendered":".\/?p=11472"},"modified":"2005-12-13T14:12:18","modified_gmt":"2005-12-13T14:12:18","slug":"11472","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/12\/11472\/","title":{"rendered":"Wer war Leo Trotzki?"},"content":{"rendered":"<p>  K&#228;mpfer gegen Kapitalismus und Stalinismus &#8211; f&#252;r Sozialismus<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Im Auftrag Stalins wurde der Revolution&#228;r Leo Trotzki am 20. August 1940   ermordet. Heute sind Leben und Werk Trotzkis&#160; weit weniger bekannt als   das der Sozialisten Marx, Engels, Lenin. Das, obwohl er zweifellos in   einer Reihe mit diesen genialen Theoretikern und K&#228;mpfern f&#252;r den   Sozialismus steht. Seine Unterbewertung in der Geschichtsschreibung   befindet sich im krassen Gegensatz zu seiner f&#252;hrenden Rolle in der   sozialistischen Arbeiterbewegung in der ersten H&#228;lfte des 20.   Jahrhunderts: Trotzki war anerkannter Arbeiterf&#252;hrer in der Russischen   Revolution 1905 und stand mit Lenin an der Spitze der Oktoberrevolution   1917 in Russland. Der begeisternde Redner Trotzki organisierte und   mobilisierte die Rote Armee, die die junge Sowjetunion nach dem Sturz   des Kapitalismus&#160; in den darauf folgenden Jahren des B&#252;rgerkrieges   erfolgreich verteidigte. Trotzki ist der Verfasser der Manifeste der   ersten f&#252;nf Kongresse der 1919 gegr&#252;ndeten Kommunistischen (III.)   Internationale. Er f&#252;hrte den unvers&#246;hnlichen Kampf der linken   Opposition gegen Stalin und die B&#252;rokratisierung der Sowjetunion an.<\/p>\n<p>  <i>von Stephan Kimmerle, Stuttgart (zuerst erschienen in der VORAN 216 &#8211;   Juli\/August 2000)<\/i><\/p>\n<p>  Trotzki war nach Lenins Tod die herausragende revolution&#228;re   Pers&#246;nlichkeit seiner Zeit. Mit dieser Charakterisierung werden   keineswegs die gro&#223;en Verdienste von hunderttausenden Mitk&#228;mpfern der   sozialistischen Arbeiterbewegung geschm&#228;lert.<\/p>\n<p>  Kapitalismus bedeutet heute weltweit Armut, Massenarbeitslosigkeit,   Umweltzerst&#246;rung, R&#252;stung und Kriege. Die Herrschenden dieser Welt   f&#252;rchten zu recht, dass das Totengl&#246;ckchen f&#252;r dieses wahnsinnige   Profitsystem gel&#228;utet hat, sobald die Menschen eine Alternative zu   diesem System sehen. Deshalb versuchen sie alles, um die   Oktoberrevolution und die Idee des&#160; Sozialismus zu verleumden. Sie   behaupten, der Stalinismus sei die logische Fortsetzung der Politik der   Bolschewiki unter Lenin und Trotzki gewesen. Allein die Tatsache, dass   an erster Stelle die Verteidiger der Ziele der Oktoberrevolution, die   &#8222;Trotzkisten&#8220;, und am Ende Trotzki selbst, die Opfer der stalinistischen   Diktatur wurden, straft diese Behauptung L&#252;gen.<\/p>\n<p>  Trotzkis Bedeutung f&#252;r die internationale Arbeiterbewegung entsteht   nicht nur aus der Rolle, die er in der Russischen Revolution 1917 und im   Kampf gegen die stalinistische Zerst&#246;rung der Revolution spielte.   Entscheidend &#8211; auch f&#252;r seine Aktualit&#228;t heute &#8211; ist Trotzkis   Verst&#228;ndnis des Marxismus als Methode zur Analyse der gesellschaftlichen   Entwicklungen von einem internationalistischen Standpunkt aus. Auf   dieser Grundlage war er in der Lage, Entwicklungen, wie Stalinismus und   Faschismus nicht nur zu verstehen, sondern auch Perspektiven f&#252;r die   weiteren Abl&#228;ufe und damit Handlungsm&#246;glichkeiten f&#252;r SozialistInnen zu   entwickeln. Dabei&#160; vertraute er auf die M&#246;glichkeiten der Arbeiter und   Jugendlichen, der &#8222;normalen&#8220; Menschen, sich zu organisieren, aktiv zu   werden, die Gesellschaft in ihre H&#228;nde zu nehmen und zu leiten. Dreh-   und Angelpunkt seiner Ideen war die Selbstt&#228;tigkeit der Arbeiterklasse,   ihre F&#228;higkeit die Gesellschaft grundlegend umzugestalten und eine   sozialistische Demokratie aufzubauen.<\/p>\n<p>  Zu seinen hervorragenden theoretischen Beitr&#228;gen geh&#246;ren seine<\/p>\n<p>  &#8211; Analyse und Perspektive f&#252;r den Verlauf der Revolution in einem   unterentwickelten Land (Theorie der permanenten Revolution)<\/p>\n<p>  &#8211; wissenschaftliche Erkl&#228;rung f&#252;r den Aufstieg Stalins und den Charakter   der Sowjetunion<\/p>\n<p>  &#8211; Schriften &#252;ber das Wesen und die Ursachen des Faschismus und wie er   bek&#228;mpft werden kann.<\/p>\n<p>  Geboren wurde Trotzki (sein richtiger Name war Leo Dawidowitsch   Bronstein) am 7. November 1879, (26. Oktober&#160; nach dem alten russischen   Kalender), in der heutigen Ukraine, die damals zu Russland geh&#246;rte.   Russland war&#160; &#8211; von einzelnen hoch-industrialisierten Zentren abgesehen   &#8211; von Gro&#223;grundbesitz und verarmten Bauern gepr&#228;gt.<\/p>\n<p>  <b>Die Permanente Revolution<\/b><\/p>\n<p>  Weil der Sozialismus die Gesellschaftsform ist die den Kapitalismus   abl&#246;sen soll, erwarteten Marx und Engels, dass die sozialistische   Revolution in einem der L&#228;nder beginnt, in dem der Kapitalismus am   weitesten entwickelt ist. Anfang des 20. Jahrhunderts waren B&#252;rgerliche   aber auch Sozialisten der Meinung, in den r&#252;ckst&#228;ndigen,   unterentwickelten L&#228;ndern, in denen noch Adel und Gro&#223;grundbesitzer   herrschten, st&#252;nde nur die klassische b&#252;rgerliche Revolution, nicht aber   die sozialistische Revolution auf der Tagesordnung.<\/p>\n<p>  Trotzki erkannte schon vor 1905 die Unm&#246;glichkeit f&#252;r halbfeudale L&#228;nder   wie Russland sich auf kapitalistischer Grundlage weiter zu entwickeln,   auch weil die m&#228;chtigen imperialistischen Staaten dies verhindern   w&#252;rden. Heute, ein ganzes Jahrhundert sp&#228;ter, haben sich die   &#8222;Entwicklungsl&#228;nder&#8220; dieser Welt noch immer nicht entwickelt.   Stattdessen herrschen in ihnen Armut und Hunger: Eine schlagende   Best&#228;tigung dieser Analyse.<\/p>\n<p>  Trotzki zog aus seinen Feststellungen die Schlussfolgerung, dass in   einem Land wie Russland die Revolution nicht bei den Aufgaben der   b&#252;rgerlichen Revolution (Landverteilung, Schaffung eines einheitlichen   Nationalstaates, Entmachtung von Adel und Gro&#223;grundbesitz) stehen   bleiben kann, sondern &#252;bergehen muss in eine sozialistische Revolution,   in der der Kapitalismus gest&#252;rzt wird (Diesem &#220;bergang,&#160; der &#8222;Permanenz&#8220;   der Revolution, verdankt diese Theorie ihren Namen: Permanente   Revolution). Diese sozialistische Revolution k&#246;nnte also durchaus in   einem unterentwickelten Land beginnen, aber nur durch den Sieg des   Sozialismus international vollendet werden.<\/p>\n<p>  1905 kam es in Russland zu einem ersten Aufstand gegen das zaristische   Regime. Diese Revolution, in deren Verlauf Trotzki zum Vorsitzenden des   Petrograder Arbeiterrates (Sowjet) gew&#228;hlt wurde, war gewisserma&#223;en die   Generalprobe f&#252;r die Revolution von 1917.<\/p>\n<p>  <b>Russische Revolution 1917<\/b><\/p>\n<p>  Die Februarrevolution 1917 setzte an, wo die Revolution 1905 aufgeh&#246;rt   hatte: Sie fegte beeindruckend schnell die alte zaristische Herrschaft   beiseite. Aus den Erfahrungen von 1905 zogen die ArbeiterInnen die   Schlussfolgerung, im ganzen Land Sowjets zu errichten. Parallel dazu   bildete sich eine b&#252;rgerliche Regierung. In der Zeit von Februar bis   Oktober wurde deutlich, dass Trotzkis Analyse richtig gewesen war:   Zusammen mit den B&#252;rgerlichen gelang es nicht, auch nur eines der   grundlegenden Probleme der russischen Gesellschaft zu l&#246;sen: Statt den   Krieg zu beenden, setzten die B&#252;rgerlichen ihre Hoffnungen in die   Zusammenarbeit mit den imperialistischen M&#228;chten Frankreich und   Gro&#223;britannien im Krieg. Die dr&#228;ngenden Fragen einer Landreform wurden   aus R&#252;cksichtnahme auf die Gro&#223;grundbesitzer und Adligen verschoben. Dem   Hunger der Bev&#246;lkerung hatte diese Regierung nichts entgegen zu setzen.<\/p>\n<p>  Trotzki, der sich 1917 den Bolschewiki angeschlossen hatte, nachdem   fr&#252;here Meinungsverschiedenheiten mit der Entwicklung der Revolution   beseitigt worden waren, k&#228;mpfte nun mit ihnen unter der Parole &#8222;Brot &#8211;   Friede &#8211; Land&#8220; f&#252;r die L&#246;sung dieser Fragen. Die Bolschewiki waren 1917   unter Lenins F&#252;hrung ebenfalls zu der Schlussfolgerung gekommen, dass   nur die Arbeiterklasse, gest&#252;tzt auf die Bauern, diese Aufgaben l&#246;sen   und gleichzeitig mit diesem Kampf den Auftakt zur sozialistischen   Revolution in West-Europa und weltweit geben k&#246;nnten.<\/p>\n<p>  Unter der F&#252;hrung der Bolschewiki, mit Lenin und Trotzki an der Spitze,   eroberte die Arbeiterklasse Russlands in der&#160; Oktoberrevolution 1917 die   Macht. Die neue Regierung gab das Land der Gro&#223;grundbesitzer an die   Bauern und &#252;bertrug die Industrie in die H&#228;nde der Arbeiter.<\/p>\n<p>  Trotzki wurde Kommissar f&#252;r &#196;u&#223;eres und begann sofort die   Friedensverhandlungen mit der deutschen Heeresleitung in Brest-Litowsk.<\/p>\n<p>  <b>Weltrevolution&#160;<\/b><\/p>\n<p>  Nach Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution und durch die Praxis   von 1917 war deutlich geworden, dass die sozialistische Revolution in   einem unterentwickelten Land wie Russland beginnen konnte. Doch niemand   ging damals davon aus, den Sozialismus in einem Land, schon gar nicht in   einem r&#252;ckst&#228;ndigen, aufbauen zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  So richteten sich die Hoffnungen zur Verteidigung der Russischen   Revolution in erster Linie in ihre Ausdehnung nach Europa, in die   Entwicklung der Weltrevolution. Die Oktoberrevolution in Russland hatte   den ArbeiterInnen in anderen L&#228;ndern gezeigt, dass es m&#246;glich ist, das   verhasste kapitalistische System zu st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Die durch dieses Beispiel entstandene Bedrohung schockte die   Herrschenden in den kapitalistischen Staaten. Sie schickten Truppen   gegen Russland und unterst&#252;tzten mit Geld und Waffen die reaktion&#228;ren   Kr&#228;fte im Land, die die Herrschaft von Gro&#223;grundbesitz und Kapitalismus   wiederherstellen wollten.<\/p>\n<p>  Trotzki wurde Leiter der Roten Armee, die aus dem Nichts aus dem Boden   gestampft werden musste, um diesen imperialistischen Truppen etwas   entgegen zu setzen. Das war nur erfolgreich, weil die ArbeiterInnen und   B&#228;uerInnen in Russland die Erfahrung mit der Oktober-Revolution gemacht   hatten, weil da etwas entstanden war, das sich zu verteidigen lohnte.<\/p>\n<p>  Die Russische Revolution trat eine Welle von Revolutionen los, die ganz   Europa erfasste. Die deutsche Revolution 1918 und R&#228;te in Ungarn und   &#214;sterreich waren Teile dieser Kette. Durch das Fehlen einer   revolution&#228;ren F&#252;hrung gelang es den F&#252;hrern von SPD und Gewerkschaften   immer wieder, sich an die Spitze dieser Bewegungen zu stellen und einen   Sturz des Kapitalismus zu verhindern. Nicht aus Mangel an revolution&#228;rem   Willen der Arbeiterklasse sondern wegen des Fehlens einer Partei wie den   russischen Bolschewiki scheiterten diese Revolutionen. Die russische   Revolution blieb isoliert.<\/p>\n<p>  <b>B&#252;rokratisierung<\/b><\/p>\n<p>  Die Voraussetzungen f&#252;r die Entwicklung einer sozialistischen   Gesellschaft ist die durch die kapitalistische Entwicklung m&#246;glich   gewordene &#220;berflussproduktion. Mit den weltweit vorhandenen Ressourcen   w&#228;re es m&#246;glich, allen Menschen gen&#252;gend zu Essen, eine gute   Gesundheitsversorgung, Bildung und materiellen Wohlstand zugute kommen   zu lassen. Russland 1917 war allerdings von diesem Zustand des   &#220;berflusses weit entfernt. Im Gegenteil: Nachdem die Hilfe durch weitere   erfolgreiche sozialistische Revolutionen ausblieb, spitzte sich die Lage   in Russland zu. Geschw&#228;cht von dreieinhalb Jahren Weltkrieg und&#160; dem   dreij&#228;hrigen Kampf gegen die&#160; konterrevolution&#228;ren Armeen im   B&#252;rgerkrieg, in Kombination mit&#160; der schon vorher vorhandenen   R&#252;ckst&#228;ndigkeit der Wirtschaft, verschlechterten sich die   Lebensbedingungen bis hin zu Hungersn&#246;ten und barbarischen Zust&#228;nden.<\/p>\n<p>  Vor dem Hintergrund dieser besonderen Situation entwickelte sich eine   privilegierte, parasit&#228;re B&#252;rokratie in der Sowjetunion. Die   Einschr&#228;nkungen der demokratischen Rechte, die&#160; aus der Not des   B&#252;rgerkrieg heraus gemacht und als vor&#252;bergehende Ma&#223;nahmen gedacht   waren, wurde von dieser sozialen Schicht zementiert, um die eigene   Herrschaft zu erm&#246;glichen.<\/p>\n<p>  Trotzki begann mit Lenin &#8211; kurz vor dessen Tod &#8211; den Kampf gegen diese   Form der Konterrevolution in Russland. Sein wichtigstes Instrument in   diesem Kampf, war eine klare marxistische Analyse der Entwicklungen in   der Sowjetunion:<\/p>\n<p>  Marx und Engels hatten eine solche Entwicklung nicht vorhergesehen. Sie   waren von der Entwicklung des Sozialismus in entwickelten L&#228;ndern   ausgegangen. Marx schrieb einmal &#252;ber die Notwendigkeit des   gesellschaftlich vorhandenen Wohlstands: Die &#8222;Entwicklung der   Produktivkr&#228;fte [=Fabriken, Werkzeuge, Ausbildungsniveau der   ArbeiterInnen &#8230;] ist auch deswegen eine absolut notwendige praktische   Voraussetzung [f&#252;r den Sozialismus], weil ohne sie nur der Mangel   verallgemeinert, also mit der Notdurft auch der Streit um das   Notwendigste wieder beginnen und die ganze alte Schei&#223;e sich herstellen   m&#252;sste.&#8220;<\/p>\n<p>  <b>Stalinismus<\/b><\/p>\n<p>  Trotzki wandte dies auf die Entwicklung Russlands an. &#8222;Grundlage des   b&#252;rokratischen Kommandos ist die Armut der Gesellschaft an Konsumg&#252;tern   mit dem daraus entstehenden Kampf aller gegen alle. Wenn genug Waren im   Laden sind, k&#246;nnen die K&#228;ufer kommen, wann sie wollen. Wenn die Waren   knapp sind, m&#252;ssen die K&#228;ufer Schlange stehen. Wird die Schlange sehr   lang, muss ein Polizist f&#252;r Ordnung sorgen. Das ist der Ausgangspunkt   f&#252;r die Macht der Sowjetb&#252;rokratie.&#8220; (Trotzki in &#8222;Verratene Revolution&#8220;,   seinem Hauptwerk &#252;ber und gegen die stalinistische B&#252;rokratie).   Diejenigen, die sich &#252;ber die Gesellschaft erheben, um den Mangel zu   verwalten (die &#8222;Polizisten&#8220;, die &#8222;Ordnung&#8220; schaffen), sorgen dabei   daf&#252;r, dass sie nicht zu kurz kommen. So entstehen aus einer   Mangelsituation neue Privilegien.<\/p>\n<p>  Dabei st&#252;tzte sich die B&#252;rokratie auf die sozialen Errungenschaften der   Oktober-Revolution: Verstaatlichung der Banken und Konzerne, der Beginn   einer geplanten Wirtschaft, der Schutz dieser Wirtschaft gegen&#252;ber den   Imperialisten bzw. dem Weltmarkt durch ein Au&#223;enhandelsmonopol &#8211; all   dies wurde zun&#228;chst nicht angetastet. Denn nur auf dieser &#246;konomischen   Grundlage war der Aufbau der sowjetischen Wirtschaft von einer   r&#252;ckst&#228;ndigen &#214;konomie zur sp&#228;teren Super-Macht m&#246;glich. Nur so konnten   die Grundlagen gelegt werden, die es im Zweiten Weltkrieg erm&#246;glichten,   den Angriff des hochger&#252;steten Hitler-Deutschland siegreich zur&#252;ck zu   schlagen. Auch wenn die B&#252;rokratie nie besonders weitsichtig war, war   f&#252;r sie fassbar, dass die M&#246;glichkeit, f&#252;r sich Privilegien zu erhalten,   von dieser schnellen Entwicklung der Wirtschaft abhing. Andererseits   h&#228;tte die unmittelbare Wiedererrichtung kapitalistischer, halbfeudaler   Verh&#228;ltnisse diese Privilegien bedroht. Die erste Gefahr bestand f&#252;r die   B&#252;rokratie allerdings im Wiederaufleben der Sowjets, der R&#228;te. In diesem   Sinne brach die B&#252;rokratie voll und ganz mit den Traditionen der   Oktober-Revolution: Ihre Macht beruhte auf der Entmachtung und   Entm&#252;ndigung der Arbeiterklasse. Jede Form von Arbeiter-Demokratie &#8211; in   Gewerkschaften, Parteien, Streik-Komitees usw. &#8211; war eine unmittelbare   Bedrohung ihrer Macht. Entsprechend brutal versuchten die Stalinisten   ihre Herrschaft zu sichern. Diese Unterdr&#252;ckung jeglicher Initiative der   ArbeiterInnen f&#252;hrte zu einer &#246;konomischen Erstickung der Planwirtschaft   durch die B&#252;rokratie und zum Zusammenbruch der stalinistischen Systeme   kaum 70 Jahre sp&#228;ter &#8211; trotz der zwischenzeitlich enormen, nur durch die   Planwirtschaft m&#246;glich gewordenen Fortschritte.<\/p>\n<p>  Weil&#160;er wusste, dass eine Planwirtschaft ohne Demokratie auf Dauer nicht   lebensf&#228;hig ist, charakterisierte Trotzki die Sowjetunion im   historischen Sinn immer als &#220;bergangsregime, f&#252;r das es nur zwei   Perspektiven geben konnte: Entweder Sturz der B&#252;rokratie durch die   sowjetische Arbeiterklasse in einer politischen Revolution, um dann im   Rahmen der internationalen Revolution zum Sozialismus zu kommen, oder   aber kapitalistische Konterrevolution. Vor zehn Jahren ist letzteres   eingetreten, allerdings erst nachdem mehrere Versuche der politischen   Revolution gescheitert waren (siehe auch Artikel &#252;ber&#160;Arbeiteraufstand   in Polen 1980).<\/p>\n<p>  <b>Sozialismus in einem Land?<\/b><\/p>\n<p>  Genauso wie innerhalb der Sowjetunion die&#160; B&#252;rokratie sich vor der   eigenen Arbeiterklasse f&#252;rchten musste, entwickelten Stalin und seine   Helfer eine berechtigte Angst vor der Entwicklung der Revolution   weltweit. Da f&#252;r die stalinistische B&#252;rokratie der eigene Machterhalt   das einzige Ziel war,&#160; verwandelte sie die Parteien der Kommunistischen   Internationale, gegr&#252;ndet um die Revolution von Russland aus weltweit   weiterzutragen, in reine Au&#223;enagenturen des Kreml. Sie ordneten ihrem   nationalen, russischen Interesse die Interessen der internationalen   Arbeiterklasse unter. Dazu proklamierte Stalin 1926 die &#8222;Theorie vom   Sozialismus in einem Land&#8220;. Ganz offensichtlich im Gegensatz zu allem,   wof&#252;r Marx, Engels und Lenin eingetreten waren, sollte es jetzt m&#246;glich   sein, trotz R&#252;ckst&#228;ndigkeit, Isolation und materiellem Elend in Russland   den Sozialismus aufzubauen. Diese Theorie diente als &#8222;Argumentation&#8220;,   die Unterdr&#252;ckung revolution&#228;rer Bewegungen weltweit zu rechtfertigen,   da sie angeblich den Aufbau des &#8222;Sozialismus&#8220; in Russland gef&#228;hrden   w&#252;rden.Diese Politik f&#252;hrte bis hin zur Rechtfertigung des   &#8222;Hitler-Stalin-Paktes&#8220;. Die Stalinisten &#252;bernahmen so eine   konterrevolution&#228;re Rolle in den sich entwickelnden Revolutionen.<\/p>\n<p>  Isolation und R&#252;ckst&#228;ndigkeit in Russland waren die Grundlage auch f&#252;r   die Ersch&#246;pfung und Demoralisierung der russischen ArbeiterInnen und   B&#228;uerInnen, die aufopferungsvoll in Revolution und B&#252;rgerkrieg f&#252;r ihre   Interessen gek&#228;mpft hatten. Die durch sozialdemokratische und   stalinistische F&#252;hrer weltweit verursachten Niederlagen st&#228;rkten die   Demoralisierung und damit &#8211; paradoxerweise &#8211; die Machtbasis der   Stalinisten. So endeten die revolution&#228;ren K&#228;mpfe einer ganzen Periode   in Niederlagen: &#8222;Die Niederwerfung des bulgarischen Aufstandes und der   ruhmlose R&#252;ckzug der deutschen Arbeiterparteien im Jahre 1923, der   Zusammenbruch des estnischen Aufstandsversuches 1924, die heimt&#252;ckische   Liquidierung des Generalstreiks in England und das unw&#252;rdige Verhalten   der polnischen Arbeiterparteien bei Pilsudskis Macht&#252;bernahme im Jahre   1926, die gr&#228;&#223;liche Vernichtung der chinesischen Revolution 1927, sp&#228;ter   die noch f&#252;rchterlicheren Niederlagen in Deutschland (1933) und   &#214;sterreich (1934), das sind die historischen Katastrophen, die in den   Sowjetmassen den Glauben an die Weltrevolution erl&#246;schen lie&#223;en und es   der B&#252;rokratie erlaubten, als einziger rettender Leuchtturm immer h&#246;her   aufzuragen.&#8220; (Trotzki in &#8222;Verratene Revolution&#8220;, 1936)<\/p>\n<p>  <b>Linke Opposition f&#252;r Arbeiter-Demokratie und Sozialismus<\/b><\/p>\n<p>  Trotzki organisierte die Linke Opposition in der Sowjetunion und sp&#228;ter   die Internationale Linke Opposition im Kampf gegen den Stalinismus. Sie   boten den AktivistInnen der Arbeiterbewegung nicht nur eine marxistische   Analyse des Stalinismus, sondern darauf aufbauend auch das Programm der   politischen Revolution: Um eine sozialistische Gesellschaft zu   erk&#228;mpfen, musste die B&#252;rokratie gest&#252;rzt werden und die direkte   Aus&#252;bung der Macht durch eine Wiedereinf&#252;hrung der R&#228;te, der Sowjets,   wieder in die H&#228;nde der ArbeiterInnen gelangen. Dazu forderten sie<\/p>\n<p>  &#8211; jederzeitige W&#228;hl- und Abw&#228;hlbarkeit aller Funkrion&#228;rInnen und   VertreterInnen.<\/p>\n<p>  &#8211; einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn f&#252;r alle Funktion&#228;rInnen,   BeamtInnen usw. Ende aller b&#252;rokratischen Privilegien.<\/p>\n<p>  &#8211; Abschaffung der stehenden Armee und Ersetzung durch demokratische   Arbeiter-Milizen.<\/p>\n<p>  &#8211; f&#252;r eine demokratische Kontrolle und Leitung der Betriebe, f&#252;r die   Wiedererrichtung der Macht der Arbeiter- und Bauernr&#228;te, wie sie im   Oktober 1917 geschaffen wurden.&#160;<\/p>\n<p>  <b>Die faschistische Gefahr<\/b><\/p>\n<p>  Je tiefer die wirtschaftliche Krise des Kapitalismus wurde, umso   brutaler versuchten die Herrschenden, sich der Bedrohung durch die   Arbeiterbewegung zu entledigen.<\/p>\n<p>  Beginnend mit den Ereignissen in Italien zeichnete sich in Europa eine   besondere Form der Konterrevolution ab: der Faschismus, eine   Massenbewegung der vom sozialen Abstieg bedrohten Kleinb&#252;rger, d.h. der   Handwerker, Bauern und&#160; kleinen Selbst&#228;ndigen.<\/p>\n<p>  Nach der Phase von Revolutionen und Konterrevolutionen nach dem Ersten   Weltkrieg galt f&#252;r die Herrschenden: <i>&#8222;Die Periode der   Halbma&#223;nahmen ist vorbei. Um zu versuchen, einen neuen Ausweg zu finden,   muss sich die Bourgeoisie [Kapitalistenklasse] vollends des Drucks der   Arbeiterorganisationen entledigen, sie hinwegr&#228;umen, zertr&#252;mmern,   zersplittern. Hier setzt die historische Funktion des Faschismus ein. Er   bringt jene Klassen auf die Beine, die sich unmittelbar &#252;ber das   Proletariat erheben und f&#252;rchten, in dessen Reihen gest&#252;rzt zu werden,   organisiert und militariseirt sie unter Deckung des offiziellen Staates   mit den Mitteln des Finanzkapitals und treibt sie zur Zertr&#252;mmerung der   proletarischen Organisationen, der revolution&#228;ren wie der gem&#228;&#223;igten.<\/i><\/p>\n<p>  <i>Der Faschismus ist nicht einfach ein System von Repression,   Gewalttaten, Polizeiterror. Der Faschismus ist ein besonderes   Staatssystem, begr&#252;ndet auf der Ausrottung aller Elemente proletarischer   Demokratie in der b&#252;rgerlichen Gesellschaft. Die Aufgabe des Faschismus   besteht nicht allein in der Zerschlagung der proletarischen Avantgarde,   sondern auch darin, die ganze Klasse im Zustand erzwungener   Zersplitterung zu halten. Dazu ist die physische Ausrottung der   revolution&#228;ren Arbeiterschicht ungen&#252;gend. Es hei&#223;t, alle selbst&#228;ndigen   und freiwilligen Organisationen zu zertr&#252;mmern, alle St&#252;tzpunkte des   Proletariats zu zerst&#246;ren und die Ergebnisse eines dreiviertel   Jahrhunderts Arbeit der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften zu   vernichten. Denn auf diese Arbeit st&#252;tzt sich in letzter Instanz auch   die Kommunistische Partei.&#8220; (Trotzki,&#160; &#8222;Was nun?&#8220; 27.1.1932)<\/i><\/p>\n<p>  Die Stalinisten aber sahen im Faschismus nur eine weitere Form   kapitalistischer Herrschaft und stellten ihn auf eine Stufe mit anderen   b&#252;rgerlichen Regimen. So kam es zu der &#196;u&#223;erung, Sozialdemokratie und   Faschismus seien &#8222;Zwillinge&#8220;, d.h. eben nur zwei verschiedene Formen   b&#252;rgerlicher Herrschaft, der &#8222;Sozialfaschismus-Theorie&#8220;. Diese &#8222;Theorie&#8220;   verwirrte die Arbeiterbewegung: Wenn das eine so schlimm ist wie das   andere, worin liegt dann noch die Gefahr von Hitlers Aufstieg?<\/p>\n<p>  <b>Volksfront f&#252;hrt zur Niederlage<\/b><\/p>\n<p>  Nach dem blutigen Scheitern ihrer Sozialfaschismus- &#8222;Theorie&#8220; schwenkten   die Stalinisten um, und forderten eine &#8222;Volksfront&#8220;, d.h. die   Zusammenarbeit der Arbeiterorganisationen mit &#8222;fortschrittlichen&#8220;   B&#252;rgerlichen gegen den Faschismus. Die Folgen dieser Wende zahlten die   ArbeiterInnen im Spanischen B&#252;rgerkrieg mit ihrer Niederlage. <i>&#8222;Die   Arbeiter und Bauern verm&#246;gen nur dann den Sieg zu erringen, wenn sie um   ihre eigene Befreiung k&#228;mpfen. Unterstellt man unter diesen Umst&#228;nden   das Proletariat [Arbeiterklasse] der F&#252;hrung der Bourgeoisie   [Kapitalistenklasse], so garantiert man ihm von vornherein eine   Niederlage im B&#252;rgerkrieg.&#8220; (Trotzki, &#8222;Die spanische Lehre&#8220;)<\/i><\/p>\n<p>  Genauso agierten allerdings in Spanien die Stalinisten: Aus R&#252;cksicht   auf die Kapitalisten wurden Landbesetzungen und Betriebsbesetzungen im   B&#252;rgerkrieg zur&#252;ckgenommen, eine neue Front in den eigenen Reihen damit   er&#246;ffnet, Revolution&#228;rInnen ermordet, die dagegen ank&#228;mpften. Dies   m&#252;ndete im Sieg Francos.<\/p>\n<p>  <b>Einheitsfront<\/b><\/p>\n<p>  Gegen &#8222;Sozialfaschismus&#8220;- und &#8222;Volksfront&#8220;-Theorie k&#228;mpfte die   Internationale Linke Opposition f&#252;r eine Einheitsfront der   Arbeiterorganisationen. Auch wenn die sozialdemokratischen F&#252;hrer schon   damals eine klare Politik im Interesse des Kapitals machten, so sahen   doch noch viele ArbeiterInnen die sozialdemokratischen Parteien als ihre   Parteien an. Sie stellten damals die Basis dieser Organisationen. Ein   Wesenszug des Faschismus lag in seiner existenziellen Bedrohung auch f&#252;r   diese Arbeiterparteien mit b&#252;rgerlicher F&#252;hrung. Das hei&#223;t auch f&#252;r die   sozialdemokratischen Parteien bestand ebenso wie f&#252;r Gewerkschaften und   Kommunistische Parteien die Bedrohung und damit die Notwendigkeit der   Selbstverteidigung gegen die faschistische Gefahr. Auf dieser Grundlage   forderte Trotzki die Bildung einer Einheitsfront: Gemeinsamer Kampf   gegen den Faschismus auf der Grundlage einer scharfen Trennung zwischen   den Organisationen der&#160; Arbeiterklasse auf der einen&#160; und den Parteien   des Kapitals auf der anderen Seite. Also eine scharfe Trennung auch   gegen&#252;ber den b&#252;rgerlichen Parteien, die aus Angst vor ihrer eigenen   politischen Entmachtung dem Faschismus ablehnend gegen&#252;berstanden. Einem   solchen Appell zu einer Einheitsfront aller Arbeiterorganisationen   h&#228;tten sich auch sozialdemokratische Parteien und Gewerkschaften nicht   entziehen k&#246;nnen &#8211; war die Bedrohung doch greifbar. Die Dynamik dieses   B&#252;ndnisses h&#228;tte auf der Grundlage des Interesses der Arbeiterklasse &#8211;   ohne falsche R&#252;cksichtnahmen auf die &#8222;fortschrittlichen&#8220; B&#252;rgerlichen &#8211;   erfolgen k&#246;nnen. Forderungen zur Verteidigung der ArbeiterInnen, zum   Beispiel eine Entmachtung der hinter den Faschisten stehenden   Kapitalisten, h&#228;tten sich recht nat&#252;rlich aus dem gemeinsamen Kampf   heraus entwickelt. Aus dem Kampf aller&#160; Arbeiterorganisationen gegen die   unmittelbare Bedrohung des Faschismus h&#228;tte sich der Kampf um die   Gewinnung der Mehrheit der Arbeiterklasse f&#252;r   revolution&#228;r-sozialistische Ideen entwickelt, als einzigem Ausweg vor   der kapitalistischen Konterrevolution in Gestalt des Nationalsozialismus   entwickelt.<\/p>\n<p>  Statt diese Einheit zu organisieren, vertieften sozialdemokratische und   stalinistische F&#252;hrer die Spaltung der ArbeiterInnen. Die SPD   beschimpfte die KPD als rot-lackierte Nazis, die KPD antwortete mit der   &#8222;Sozialfaschismus-Theorie&#8220;. Die Spaltung f&#252;hrte zur Niederlage. Erst in   den KZs fanden sich SozialdemokratInnen, KommunistInnen,   GewerkschafterInnen vereint. Die Vernichtung der AktivistInnen der   Arbeiterbewegung, der Juden, Sinti und Roma, Homosexueller und   unz&#228;hliger anderer wurde grausameRealit&#228;t.<\/p>\n<p>  <b>Gr&#252;ndung der Vierten Internationale<\/b><\/p>\n<p>  Nachdem die kommunistischen Parteien weltweit zu reinen Au&#223;enstellen   Moskaus geworden waren und ihre Verr&#228;terische Rolle besonders beim Sieg   des Faschismus in Deutschland 1933 deutlich geworden war, zogen Trotzki   und die Mitk&#228;mpferInnen der Internationalen Linken Opposition die   Schlussfolgerung, dass eine neue Internationale aufgebaut werden m&#252;sse,   um der Arbeiterklasse einen Ausweg aus Kapitalismus und Stalinismus   aufzuzeigen und anzubieten. So entstand 1938 die Vierte Internationale,   in deren Tradition das Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale (KAI)   steht. Dessen Mitglied in Deutschland ist die Sozialistische Alternative.<\/p>\n<p>  &#220;bergangsprogramm<\/p>\n<p>  Die Gr&#252;ndung der Vierten Internationale beruhte also auf der Erkenntnis,   dass sowohl sozialdemokratische als auch die &#8222;kommunistischen&#8220;, in   Wahrheit stalinistischen, Parteien zu Hindernissen im Kampf um eine   sozialistische Revolution geworden waren. Gleichzeitig orientierten sich   aber viele ArbeiterInnen immer noch an ihnen. W&#228;hrend also die   objektiven Bedingungen international l&#228;ngst reif f&#252;r eine sozialistische   Umgestaltung waren, ja sogar danach dr&#228;ngten &#8211; die Widerspr&#252;che im   Kapitalismus trieben auf den zweiten Weltkrieg zu &#8211; war die   Arbeiterklasse nicht auf der H&#246;he der Zeit. Genauer:<i> &#8222;Die   gegenw&#228;rtige Krise der menschlichen Kultur ist eine Krise der   proletarischen F&#252;hrung&#8220; (Trotzki &#8222;&#220;bergangsprogramm&#8220;, das   Gr&#252;ndungsdokument der Vierten Internationale, 1938)<\/i><\/p>\n<p>  Daraus ergab sich die strategische Aufgabe, die sich die Vierte   Internationale setzte: <i>&#8222;Die strategische Aufgabe der n&#228;chsten Periode   besteht darin, den Widerspruch zwischen der Reife der objektiven   Voraussetzungen f&#252;r die Revolution und der Unreife des Proletariats und   seiner Vorhut (Ratlosigkeit und Entmutigung der alten Generation,   Unerfahrenheit der jungen) zu &#252;berwinden. Man muss den Massen im Verlauf   ihres t&#228;glichen Kampfes helfen, die Br&#252;cke zwischen ihrer   augenblicklichen Forderungen und dem sozialistischen Programm der   Revolution zu finden. Diese Br&#252;cke muss aus einem System von   &#220;bergangsforderungen bestehen, die von den heutigen Bedingungen und dem   heutigen Bewu&#223;tsein breiter Schichten der Arbeiterklasse ausgehen und   stets zu ein und demselben Schluss f&#252;hren: zur Machterorberung des   Proletariats.&#8220; (Trotzki, &#8222;&#220;bergangsprogramm&#8220;)<\/i><\/p>\n<p>  Im &#8222;&#220;bergangsprogramm&#8220; der Vierten Internationale wird dies bei   wichtigen Fragen aufgezeigt, z.B. dem Kampf gegen Arbeitslosigkeit durch   die Forderung nach Verteilung der vorhanden Arbeit auf alle durch   Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn. Es geht darum, die unmittelbaren   Probleme der Besch&#228;ftigten und Jugendlichen aufzugreifen und Forderungen   zu entwickeln, die keine R&#252;cksicht auf die Erf&#252;llbarkeit innerhalb des   kapitalistischen System nehmen, sondern im Gegenteil die Notwendigkeit   der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft deutlich werden lassen.<\/p>\n<p>  F&#252;r eine sozialistische Alternative<\/p>\n<p>  Trotzkis Analysen und sein Kampf f&#252;r den Aufbau einer   Arbeiter-Internationale und eine sozialistische Demokratie machten ihn   zum Feind sowohl der Kapitalisten als auch der Stalinisten. Er wurde   immer wieder ausgewiesen und landete schlie&#223;lich nach der T&#252;rkei,   Norwegen und Frankreich in Mexico. Die stalinistische Geheimpolizei,   GPU, verfolgte ihn und brachte ihn schlie&#223;lich um. Doch richtige Ideen   und &#220;berzeugungen k&#246;nnen nicht ausgel&#246;scht werden . Kurz vor seiner   Ermordung schrieb Trotzki in seinem politischen Testament:<\/p>\n<p>  <i>&#8222;Ich sterbe als proletarischer Revolution&#228;r, als Marxist, als   dialektischer Materialist und &#8211; folglich &#8211; als unvers&#246;hnlicher Atheist.   Mein Glaube an die kommunistische Zukunft der Menschheit hat an Glut   nichts eingeb&#252;&#223;t.<\/i><\/p>\n<p>  <i>Dieser Glaube an den Menschen und seine Zukunft gibt mir auch jetzt   eine Widerstandskraft, wie sie keine Religion jemals geben k&#246;nnte.<\/i><\/p>\n<p>  <i>Ich sehe den breiten Streifen Gr&#252;n unter der Mauer, den klaren,   blauen Himmel dar&#252;ber und das Sonnenlicht &#252;berall. Das Leben ist sch&#246;n.   M&#246;gen es die kommenden Generationen von allem &#220;bel, aller Unterdr&#252;ckung,   aller Gewalt befreien und es in vollem Ma&#223;e genie&#223;en.<\/i>&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      K&#228;mpfer gegen Kapitalismus und Stalinismus &#8211; f&#252;r Sozialismus\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90,91],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11472"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11472"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11472\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}