{"id":11464,"date":"2002-12-08T19:15:09","date_gmt":"2002-12-08T18:15:09","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11464"},"modified":"2012-08-21T13:14:57","modified_gmt":"2012-08-21T11:14:57","slug":"11464","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/12\/11464\/","title":{"rendered":"Anarchismus: Ausweg oder Utopie?"},"content":{"rendered":"<p>Sei es beim Kampf gegen Rassismus und Faschismus oder bei der Suche nach einer Gesellschaftsalternative &#8211; der Anarchismus gewinnt gerade unter einer Schicht von Jugendlichen wieder an Attraktivit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><em>von Christine Lehnert<\/em><\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Dies ist auch erst einmal nicht verwunderlich. Sie sind schon lange abgesto\u00dfen von der Politik von SPD und Gr\u00fcnen und inzwischen auch vom reformistischen Anbiederungskurs der PDS. Durch den Stalinismus (das System in der DDR oder anderen \u201eOstblock-L\u00e4ndern\u201c) ist die System-Alternative \u201aSozialismus\u2018 in Verruf geraten, und da es heute keine starke sozialistische Kraft gibt, bleiben diese Vorurteile oft erst einmal bestehen. In dieser Situation wirkt das scheinbar radikale und kompromisslose Angebot der AnarchistInnen als Alternative. Radikale L\u00f6sungen sind tats\u00e4chlich n\u00f6tig, um Rassismus, Faschismus, Sozialabbau und Arbeitslosigkeit urs\u00e4chlich zu bek\u00e4mpfen. Doch bietet der Anarchismus diese L\u00f6sungen?<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Eine genaue Betrachtung des Anarchismus ist notwendig, die zeigen wird, dass er keinen Ausweg aus der Misere der Arbeiterklasse aufzeigt. Was \u00fcberhaupt ist Anarchismus und wie stehen MarxistInnen dem gegen\u00fcber?<br \/> Das Wort \u201eAnarchie\u201c kommt aus dem griechischen und bedeutet Herrschaftslosigkeit.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">1840 wurde dieser Begriff erstmalig (nach heutigem Wissenstand) von dem Franzosen Proudhon genutzt. Anarchie steht f\u00fcr die Ablehnung jeglicher Autorit\u00e4t. Dies bedeutet nicht unbedingt Ablehnung von Organisationen &#8211; viele AnarchistInnen sahen und sehen die Notwendigkeit der Bildung einer Organisation, die anarchistische Ideen propagiert und anarchisch handelt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Es gibt nicht DEN Anarchismus &#8211; kein einheitliches Weltanschauungsbild, sondern unterschiedliche Str\u00f6mungen, die teilweise aufeinander aufbauen und sich zum Teil auch ausschlie\u00dfen. Die verschiedenen Varianten des Anarchismus lassen sich nicht starr voneinander trennen, sondern verflie\u00dfen oft.<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Kommunistischer Anarchismus<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der kommunistische Anarchismus jedoch entwickelte sich zur Hauptbewegung seit 1880. Ist es Zufall, dass gerade der kommunistische Anarchismus an Bedeutung gewann?<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Nein, denn es spiegelte nur die Stimmung und das sich radikalisierende Bewusstsein der Arbeiterklasse Ende des 19.\/Anfang des 20. Jahrhunderts wider. Nachdem Karl Marx und Friedrich Engels mit dem Kommunistischen Manifest (1848) einen programmatischen Meilenstein im Kampf der Arbeiterklasse gegen ihre Unterdr\u00fccker gesetzt hatten, musste die anarchistische Bewegung sich an diesen Ideen messen lassen und wurde zu Teilen stark davon beeinflusst.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Nicht zuletzt die Russische Revolution 1917 zog viele anarchistisch Gesinnte an die Kommunistische Internationale. Der deutsche Anarchist Erich M\u00fchsam zum Beispiel wurde 1919 Mitglied der KPD. Die erfolgreiche Revolution 1917 war der beste Beweis der Richtigkeit der Ideen des Marxismus. Doch durch die ausbleibenden revolution\u00e4ren Erfolge auf internationaler Ebene, vor allem auch durch die gescheiterte deutsche Revolution 1918 kam es zur Isolierung der russischen Revolution und dadurch zur Entartung der Arbeiterdemokratie in Russland. Viele AnarchistInnen besannen sich da wieder auf ihre alten \u2013 eigentlich schon \u00fcber Bord geworfenen Ideen \u2013 und kritisierten nicht den Stalinismus, sondern den Marxismus als vermeintliche Ursache f\u00fcr die Entartung der russischen Revolution.<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Gemeinsamkeiten<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Da der Anarchismus seine Wurzeln in der Suche nach Befreiung der Unterdr\u00fcckten hat, ergeben sich viele Gemeinsamkeiten mit dem Marxismus. Die Vorstellung von einer klassenlosen Gesellschaft ohne Unterdr\u00fcckung, ohne b\u00fcrgerliche Normen oder Institutionen, ohne b\u00fcrgerliche Zwangsgesetze oder \u201eklassischem Familienbild\u201c, ohne Geld &#8230; all\u00b4 das verstehen MarxistInnen unter Kommunismus und in den Augen der AnarchistInnen ist es eben Anarchie.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">R\u00e4umen wir auch gleich einmal auf mit dem Vorurteil, dass Anarchie gleichbedeutend w\u00e4re mit Chaos oder den schwarzen Bl\u00f6cken auf heutigen Antifa-Demos.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">So schreibt der russische Anarchist Berkman (1870-1936) \u201eAnarchismus ist das genaue Gegenteil von dem. Es bedeutet nicht Bomben, Unordnung und Chaos. Es bedeutet nicht Raub und Mord. Es bedeutet, dass alle Menschen Br\u00fcder sind und dass sie leben k\u00f6nnen wie Br\u00fcder, in Frieden und Harmonie\u201c (aus \u201eDie Idee ist entscheidend\u201c).<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">In diesem Punkt sind sich auch alle grundlegend einig \u2013 das Ziel ist eine freie, friedliche Welt. Doch die Frage wie dort hinzugelangen ist, \u00f6ffnet tiefe Gr\u00e4ben zwischen AnarchistInnen und MarxistInnen.<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Unterschiede<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Ein entscheidendes Mittel des Anarchismus ist die \u201ePropaganda der Tat\u201c. Dies bedeutet, durch Terror\/Gewalt Ungerechtigkeiten zu r\u00e4chen und dem Feind Furcht einzujagen. Au\u00dferdem soll dadurch auf das B\u00f6se, gegen das die Tat gerichtet war, aufmerksam gemacht werden. Die kommunistischen Anarchos l\u00f6sten sich schon von diesem Prinzip. Auch die SyndikalistInnen setzten eher auf Besetzungen, Boykotts oder Streiks anstatt \u201eTerrorakte\u201c. Trotzdem gab es immer wieder ein Aufleben dieser Ideen \u2013 zum Beispiel durch Gruppen wie RAF (Rote Armee Fraktion).<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Doch egal ob im 19., 20, oder 21. Jahrhundert \u2013 das individuelle Heldentum ist nicht in der Lage die Kraft und Macht der Masse der Arbeiterklasse zu ersetzen. Statt Anschl\u00e4gen bedarf es einer kollektiven Organisierung der Jugendlichen, KollegInnen, Arbeitslosen, &#8230;<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Aufgabe muss es sein, durch systematische Arbeit, gemeinsame Diskussionen und K\u00e4mpfe, den Suchenden eine Alternative aufzuzeigen. Die einzige Kraft, die in der Lage ist, kollektiv zu produzieren und somit eine sozialistische Gesellschaft Wirklichkeit werden zu lassen, ist die Arbeiterklasse. Und diese muss bef\u00e4higt werden, ihren Kampf selbst zu f\u00fchren.<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Frage des Parlaments<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der Anarchismus gibt sich radikal. Arbeit in Parlamenten? Niemals! und \u201eKeine Macht f\u00fcr niemand\u201c. Das h\u00f6rt sich gut an, bedeutet aber, sich vor komplizierteren Aufgaben des Klassenkampfes zu dr\u00fccken. Es ist n\u00e4mlich schwieriger, das Parlament als Trib\u00fcne zu benutzen und dem Druck dieser Umgebung nicht nachzugeben. F\u00fcr MarxistInnen hei\u00dft eine Position im Parlament, die Heuchelei der Herrschenden und ihre Skandale aufzudecken. Dies bedeutet nat\u00fcrlich niemals, eine Koalition oder Burgfrieden mit den etablierten Parteien zu schlie\u00dfen, sondern aufzuzeigen, wie diese den Ausverkauf der Interessen der Jugend, ArbeiterInnen, RentnerInnen, &#8230; betreiben. Die entscheidende Frage ist immer: Welcher Weg ist n\u00f6tig, um die Interessen der Arbeiterklasse konsequent zu erk\u00e4mpfen und den Kapitalismus abzuschaffen. Genau das \u201evergessen\u201c die AnarchistInnen, denn keine Macht f\u00fcr niemand hei\u00dft heute alle Macht f\u00fcr die da oben!<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Rolle der Partei<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die russische Revolution 1917 hat deutlich gemacht, wie wichtig eine revolution\u00e4re, organisierte Kraft ist. Es reicht nicht aus, w\u00fctende Massen zu haben, sondern es bedarf auch erfahrener K\u00e4mpferInnen, die in allen Betrieben, Wohnvierteln, Unis, die \u00fcberall im Land zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Vorschl\u00e4ge machen. Um dies gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen, ist der Aufbau einer Organisation mit klarem Programm und Strukturen n\u00f6tig \u2013 dies jedoch widerstrebt den AnarchistInnen v\u00f6llig. Sie reden von \u201efreiheitlichen Vereinigungen\u201c und davon, dass die \u201eanarchistische Organisation offen und flexibel\u201c ist (\u201eKleiner Leitfaden&#8230;\u201c)<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Doch genau dieser Pluralismus, mit dem sie Ungerechtigkeiten und Fehlentwicklungen in der Organisation vermeiden wollen, f\u00fchrt zu selbigen. Wie werden Entscheidungen gef\u00e4llt, wer setzt diese um und was ist mit Minderheitenpositionen, wenn es keine Einigkeit gibt?<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Sehen wir uns einen Streik an, dann wird deutlich, wie \u201eautorit\u00e4r\u201c und gleichzeitig demokratisch dieser Akt ist. Die Mehrheit der KollegInnen beschlie\u00dft diesen Kampf und w\u00e4hlt sich ein Streikkomitee, welches oberstes Gremium und \u201eAutorit\u00e4t\u201c des Streiks ist. Zusammen stellen sie sicher, dass niemand diesen Streik torpedieren kann. Gibt es KollegInnen, die gegen den Streik sind und sind diese in der Minderheit, m\u00fcssen sie sich f\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">So k\u00f6nnen wir uns auch den prinzipiellen Aufbau einer revolution\u00e4ren Partei vorstellen. Sie erm\u00f6glicht breite, ausf\u00fchrliche Diskussionen und eine demokratische Beschlussfindung einerseits. Und sie gew\u00e4hrleistet andererseits auch die Umsetzung dieser Mehrheitsbeschl\u00fcsse.<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Ursache und Wirkung<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Doch hier wird von den AnarchistInnen das Kind mit dem Bade ausgesch\u00fcttet. F\u00fcr AnarchistInnen sind Parteien autorit\u00e4re Gebilde, die stets undemokratisch sind. Die Erfahrungen mit den traditionellen Arbeiterparteien, deren F\u00fchrung immer wieder die Ideen der ArbeiterInnen verraten hat, best\u00e4rkten die AnarchistInnen in ihrer ablehnenden Haltung gegen\u00fcber Parteien.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Diese Herangehensweise treffen wir auch bei der Betrachtung von Regierungen an. In den Augen der AnarchistInnen sind Regierungen an sich nicht nur Ausfluss der jeweiligen wirtschaftlichen Machtverh\u00e4ltnisse, sondern das \u00dcbel schlechthin. Somit gilt es auch dieses als erstes zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der russische Anarchist Berkman schreibt dazu:<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">\u201eWas also muss verschwinden, um die Freiheit zu sichern? Zuerst selbstverst\u00e4ndlich das Ding, das am meisten in dein Leben eindringt, dass deine freie Aktivit\u00e4t behindert oder verhindert. Dieses Ding ist die Regierung. Sie f\u00fcllt die Welt mit Gestalt, mit Betrug und Verrat, mit Unterdr\u00fcckung und Elend\u201c (\u201eDie Idee ist entscheidend\u201c).<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Noch deutlicher wird die Verwechslung von Ursache und Wirkung in folgenden Zeilen: \u201eDu siehst also, dass die Abschaffung der Regierung auch das Verschwinden von Monopol und pers\u00f6nlichem Besitz der Produktions- und Verteilmittel zu Folge h\u00e4tte\u201c (Berkman).<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Mit dieser Sichtweise ist es nicht unlogisch, dass ein Teil der AnarchistInnen ein Wegbomben der Regierungen als L\u00f6sung ansehen. Doch leider ist es auch hier wieder schwieriger. Erinnern wir uns, dass Lenin sagte \u201ePolitik ist konzentrierte \u00d6konomie\u201c. Eine Regierung spiegelt nur die wirtschaftlichen Besitzverh\u00e4ltnisse der Klassengesellschaft wider. Die soziale Revolution ist n\u00f6tig &#8211; also die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln. Dies bedeutet die \u00dcberf\u00fchrung der Banken und Konzerne in gesellschaftliches Eigentum unter Arbeiterkontrolle und \u2013verwaltung und die Organisierung einer demokratischen Planwirtschaft.<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Staatsfrage<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der ganze Staatsapparat, Milit\u00e4r, Polizei, Gesetze, Gerichte&#8230;, all\u2018 das dient in der heutigen Gesellschaft letztlich den Machtinteressen der Kapitalisten und geh\u00f6rt abgeschafft. Nach Auffassung der MarxistInnen m\u00fcssen die alte b\u00fcrgerliche Regierung und der alte b\u00fcrgerliche Staatsapparat durch eine Arbeiterregierung und einen Arbeiterstaat ersetzt werden, um die Revolution zu verteidigen und die geplante Wirtschaft auf allen Ebenen demokratisch zu organisieren und die Voraussetzungen f\u00fcr eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Doch schon hier kommen wieder die ersten Ungereimtheiten bei den anarchistischen Ideen auf. \u201eJegliche Staatsform muss weg\u201c ist das Ziel der AnarchistInnen \u2013 doch wie? Um einen klaren Weg vor Augen haben zu k\u00f6nnen, ist es nat\u00fcrlich notwendig, die Rolle und Aufgaben des Staates zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Friedrich Engels beschrieb den Staat folgenderma\u00dfen: \u201eDa der Staat entstanden ist aus dem Bed\u00fcrfnis, Klassengegens\u00e4tze im Zaum zu halten, da er aber gleichzeitig mitten im Konflikt dieser Klassen entstanden ist, so ist er in der Regel Staat der m\u00e4chtigsten, \u00f6konomisch herrschenden Klasse, die vermittels seiner auch politisch herrschende Klasse wird und so neue Mittel erwirbt zur Niederhaltung und Ausbeutung der unterdr\u00fcckten Klasse.\u201c<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Mit der Machtergreifung der Arbeiterklasse nun ergreift das Proletariat \u201edie Staatsgewalt und verwandelt die Produktionsmittel zun\u00e4chst in Staatseigentum. Aber damit hebt es sich selbst als Proletariat, damit hebt es alle Klassenunterschiede und Klassengegens\u00e4tze auf, und damit auch den Staat als Staat. Der erste Akt, worin der Staat wirklich als Repr\u00e4sentant der ganzen Gesellschaft auftritt &#8211; die Besitzergreifung der Produktionsmittel im Namen der Gesellschaft \u2013 ist zugleich sein letztes selbst\u00e4ndiger Akt als Staat\u201c (aus Engels \u201eAnti-D\u00fchring\u201c, S. 301 ff).<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">\u00dcbergang<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der Marxismus bedeutet also nach der Revolution die bewusste Abschaffung des b\u00fcrgerlichen Staates und die Errichtung des Arbeiterstaates. Marx beschreibt es als \u201ePeriode der revolution\u00e4ren Umwandlung\u201c. Doch entgegen den Verleumdungen der AnarchistInnen steht der Marxismus nicht f\u00fcr die Institutionalisierung dieses Staates oder den Aufbau einer B\u00fcrokratenriege wie fr\u00fcher in der DDR oder Osteuropa. Ganz im Gegenteil \u2013 der Arbeiterstaat unterscheidet sich von allen stalinistischen Fratzen und nat\u00fcrlich vom b\u00fcrgerlichen Staat. Er basiert auf der politischen Beteiligung der gro\u00dfen Mehrheit vermittels der R\u00e4te, in denen es demokratische Kontrolle und Rechenschaftspflicht gibt. In denen Funktion\u00e4re keinerlei Privilegien haben d\u00fcrfen, und nicht mehr als einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn bekommen. Es wird der gerechteste und demokratischste Staat sein, der je existierte \u2013 und er bereitet die Grundlage f\u00fcr sein eigenes Absterben. Vielleicht werden AnarchistInnen fragen, weshalb es denn \u00fcberhaupt diesen Arbeiterstaat geben muss, wo er doch sowieso abstirbt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Aber nach Meinung von MarxistInnen kann die sozialistische Gesellschaft (f\u00fcr AnarchistInnen = Anarchie) nicht unmittelbar die kapitalistische Gesellschaft abl\u00f6sen. Dazwischen liegt eine Phase des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus. Die sich entwickelnde sozialistische Gesellschaft wird eine Gesellschaft ohne Armut oder Mangel, ohne Krisen und Kriege sein. Sie wird sich jedoch noch mit den alten, \u00fcber Jahrhunderte und Jahrtausende vermittelten Traditionen der Klassengesellschaft auseinander zusetzen haben.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die kommunistische Gesellschaft wird dann eine noch h\u00f6here Stufe menschlicher Gesellschaft sein. Dort sind die Menschen nicht nur frei von allen materiellen Beschr\u00e4nkungen, sondern auch frei von allen Beschr\u00e4nkungen durch traditionelle Normen und Vorstellungen. Dies zu erreichen gelingt aber leider nicht von heute auf morgen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Aus der Geschichte wissen wir auch, dass die Kapitalisten alles versuchen werden, um ihre Macht zur\u00fcckzuerobern, auch mit Gewalt. Sie werden die reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte im Lande selbst mobilisieren und von den kapitalistischen L\u00e4ndern Unterst\u00fctzung bekommen, in denen die Revolution noch nicht gesiegt hat. Genau das geschah nach der Revolution in Russland 1917.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Sobald aber der Sozialismus weltweit \u00fcber den Kapitalismus gesiegt haben wird, gibt es keine Kapitalistenklasse mehr, gegen die sich zu verteidigen n\u00f6tig w\u00e4re. Denn die ehemaligen Kapitalisten w\u00e4ren ihrer heutigen Machtmittel beraubt, ihrer Fabriken und Banken. Sie w\u00e4ren ihres Kapitals beraubt, mit dem sie ja jetzt st\u00e4ndig drohen, es nicht oder im Ausland zu investieren. Und sie k\u00f6nnten nicht mehr \u00fcber ihren alten Staatsapparat verf\u00fcgen.<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Idealismus oder Materialismus?<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Es gibt eine weitere Diskrepanz zwischen Marxismus und Anarchismus \u2013 die Philosophie des Idealismus.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die Bedingung zur Erreichung der Freiheit ist f\u00fcr die Verfechter des Anarchismus ein besseres Wesen. Gelernt werden kann und soll das in \u201efreien Kommunen\u201c. Laut Berkman hei\u00dft es \u201ewenn Dein Ziel ist die Freiheit zu sichern, so musst Du lernen ohne Autorit\u00e4t und Zwang zu leben. Wenn Du beabsichtigst, mit deinem N\u00e4chsten in Frieden und Harmonie zu leben, m\u00fcsst ihr Br\u00fcderlichkeit \u00fcben und Respekt voreinander haben. Dieser Geist kann nicht \u00fcber Nacht geboren werden. Es ist ein Geist der kultiviert, gepflegt und gez\u00fcchtet werden muss, wie eine wunderbare Blume.\u201c<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Also lasst uns alle anstrengen und lieb zueinander sein? Schade blo\u00df, dass es da auch noch materielle Abh\u00e4ngigkeiten gibt \u2013 und nicht jede Familie mal gerade in einer Bauernkommune f\u00fcr den Sozialismus \u00fcben kann. Nicht alle AnarchistInnen formulieren ihren Idealismus so platt, aber alle geben sich mehr oder weniger der Illusion hin, schon im Kapitalismus den \u201esozialistischen Menschen\u201c schaffen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Das Sein bestimmt das Bewusstsein<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der Kapitalismus jedoch setzt die Menschen in Konkurrenz zueinander. Gleichzeitig machen die arbeitenden Menschen die Erfahrungen, dass sie nur durch solidarisches Handeln, nur durch gemeinsamen Kampf ihre Interessen verteidigen k\u00f6nnen. Im Gegensatz zur idealistischen Herangehensweise des Anarchismus sagt der Marxismus, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt. Wenn wir also den von den AnarchistInnen anvisierten \u201eGeist\u201c erreichen wollen, m\u00fcssen wir die materiellen Grundlagen daf\u00fcr schaffen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Schaffen wir das kapitalistische Konkurrenzsystem ab, dann h\u00f6rt auch das Konkurrenzdenken auf. Schaffen wir also die Grundlagen f\u00fcr ein Leben, in dem jede\/r nach den eigenen Bed\u00fcrfnissen und F\u00e4higkeiten leben, lieben, arbeiten kann. Dann wird sich auch ein entsprechend hohes Bewusstsein (Geist) entwickeln \u2013 aber nicht umgekehrt.<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Kleinb\u00fcrgertum<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die anarchistische Str\u00f6mung spiegelt die L\u00f6sungssuche des Kleinb\u00fcrgertums wider. Gezogen durch die starken sozialistischen Kr\u00e4fte Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts orientierte sich das Kleinb\u00fcrgertum (Handwerker, Bauern, kleine Selbst\u00e4ndige, Akademiker,&#8230;) an der Arbeiterklasse und entwickelte zwar linke Ideen, die jedoch immer wieder die Realit\u00e4ten der Arbeiterklasse au\u00dfer Acht lie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Statt Antworten auf die Probleme des Industriearbeiters oder der Angestellten im Dienstleistungsbereich zu geben, fordern AnarchistInnen ihre Selbstbestimmung, dezentrale H\u00f6fe und Produktionsst\u00e4tten und den Tauschhandel. Dies ist ein Ignorieren der Entwicklung der Menschheit.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der Marxismus dagegen zeigt genau die M\u00f6glichkeiten auf, die sich aus der st\u00e4ndig entwickelnden Industrie, den Forschungen und Entdeckungen ergeben, wenn nicht mehr im Interesse einer Minderheit oder nach dem maximalen Profit gewirtschaftet und regiert wird.<\/p>\n<h4 style=\"margin-bottom: 0cm;\">Sozialistische Alternative<\/h4>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Wir bauen mit der SAV und unserer internationalen Organisation, dem Komitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale (engl. CWI) eine Kraft auf, die die Idee des Sozialismus befreit von ihrer Diskreditierung durch den Stalinismus. Wir bauen eine Kraft auf, die sich von allen b\u00fcrgerlichen oder reformistischen Parteien unterscheidet \u2013 und konsequent die Interessen der breiten Masse der Bev\u00f6lkerung vertritt. Der Kapitalismus ist schon lange wie eine \u00fcberreife, besser verfaulte Frucht, die es gilt abzusch\u00fctteln. Mit der Methode des Marxismus wird es gelingen, den Garten zum Bl\u00fchen zu bringen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Wir unterbreiten ehrlichen anarchistisch orientierten AktivistInnen ein Angebot zum gemeinsamen Kampf. Wir sind \u00fcberzeugt, dass denen, die k\u00e4mpfen wollen und sehenden Auges durch die Welt laufen, die eigenen Erfahrungen als auch die Geschichte den Weg zum Marxismus zeigen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anarchismus gewinnt gerade unter einer Schicht von Jugendlichen wieder an Attraktivit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[131,92],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11464"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11464"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11464\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}