{"id":11460,"date":"2005-12-08T13:33:16","date_gmt":"2005-12-08T13:33:16","guid":{"rendered":".\/?p=11460"},"modified":"2005-12-08T13:33:16","modified_gmt":"2005-12-08T13:33:16","slug":"11460","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/12\/11460\/","title":{"rendered":"Von oben nach unten?"},"content":{"rendered":"<p>  Neuformierungsprozess, WASG und Linkspartei\/PDS<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der Bundesvorstand der Linkspartei\/PDS legt ihrem Bundesparteitag am 10.   und 11. Dezember in Dresden einen Antrag f&#252;r ein Kooperationsabkommen   III mit der WASG vor. Den selben Antrag stellt der WASG-Bundesvorstand   beim WASG-L&#228;nderrat am 3 und 4. Dezember ebenfalls zur Abstimmung.<\/p>\n<p><i> von Lucy Redler, Berlin<\/i><\/p>\n<p>In dem Papier ist nicht mehr die Rede   davon, m&#246;glichst viele AktivistInnen von sozialen Bewegungen und aus dem   gewerkschaftlichen und betrieblichen Spektrum mit einzubeziehen. Der   Prozess wird auf den Zusammenschluss von Linkspartei\/PDS und WASG   verengt.<\/p>\n<p><b>&#8222;Top-down&#8220;<\/b><\/p>\n<p>In Punkt 4 des   Abkommens ist davon die Rede, dass die Mitglieder beider Parteien in die   Diskussionen mit einbezogen werden sollen. In Punkt 5 wird jedoch   deutlich, dass diese breit angelegten Diskussionen lediglich f&#252;rs   Schaufenster veranstaltet werden. W&#228;hrend sich die Mitgliedschaft in   &#246;ffentlichen Diskussionsforen so richtig austoben darf, bereiten   Steuerungsgruppen zu Programm, politischer Strategie, Satzung, Finanzen   und internationalen Parteibeziehungen die Entscheidungen der   Bundesvorst&#228;nde der Parteien vor. Diese Steuerungsgruppen unterliegen   weder der Kontrolle der Basis der WASG- noch der   Linkspartei\/PDS-Mitgliedschaft. Stattdessen soll ein Beirat aus   VertreterInnen aus Wissenschaft, Kunst und Kultur den   Parteibildungsprozess beratend begleiten. In Punkt 7 des Abkommens wird   dar&#252;ber hinaus festgehalten, dass die Vorst&#228;nde von Linkspartei und WASG   auf L&#228;nder- und Kreisebene auf der Grundlage des Abkommens agieren   sollen.<br \/>Aber Halt! Am Ende sollen die Parteitage und die   Mitgliedschaft in einer Urabstimmung &#252;ber den Parteibildungsprozess   entscheiden. Doch &#252;ber was entscheidet der Parteitag der WASG Anfang   M&#228;rz? &#220;ber die Ergebnisse von Steuerungsgruppen, die bereits medial   transportiert wurden. &#220;ber einen Prozess, der bereits ins Laufen   gekommen ist. &#220;ber die Auswirkungen eines Kooperationsabkommens, das die   Linkspartei\/PDS bereits im Dezember beschlossen hat&#8230;<\/p>\n<p><b>  Inhaltliche Fragen ausgeblendet<\/b><\/p>\n<p>Das Kooperationsabkommen   bezieht sich positiv auf das &#8222;Potsdamer Dreieck&#8220;. Im &#8222;Potsdamer   Dreieck&#8220;, benannt nach dem Potsdamer Parteitag 2003, bilden soziale   Proteste, Regierungsbeteiligung und Antikapitalismus eine strategische   Einheit. Im Kooperationsabkommen ist die Zielsetzung &#228;hnlich.<br \/>  Die Auswirkungen dieser widerspr&#252;chlichen Ziele kennen wir zur Gen&#252;ge:   Von Montag bis Freitag werden in den Landesregierungen von Berlin und   Mecklenburg-Vorpommern von der Linkspartei\/PDS Sozialk&#252;rzungen   mitgetragen, am Samstag nimmt sie an Demos teil und am Sonntag gei&#223;elt   sie den Kapitalismus.<br \/>Die WASG hat bisher eine Position zur Frage der   Regierungsbeteiligung auf Bundesebene. Diese lautet: <i>&#8222;An einer   Regierung im Bund werden wir uns nur dann beteiligen, wenn dies zu einem   grundlegenden Politikwechsel f&#252;hrt. Wir werden uns nicht an einer   Regierung beteiligen oder sie tolerieren, die Sozialabbau betreibt.&#8220;<\/i><br \/> Wie sich die WASG auf Landes- und kommunaler Ebene positioniert, wurde bisher   im Rahmen der Bundespartei noch nicht ausf&#252;hrlich diskutiert. In NRW hat   sich die WASG im Landtagswahlkampf jedoch klar positioniert: <i>&#8222;Die   Regierungsbeteiligung der PDS und der Gr&#252;nen sind uns ein mahnendes   Beispiel f&#252;r den Verlust von Glaubw&#252;rdigkeit. Wir werden keine Regierung   tolerieren, die Sozialabbau betreibt.&#8220;<\/i> (aus: Langfassung des   Wahlprogramms der WASG NRW zur Landtagswahl am 22. Mai 2005) &#160;<br \/>  In Punkt 6 wird konkurrierenden Kandidaturen eine Absage erteilt. &#8222;<i>  Die Parteivorst&#228;nde werden dies mit allem Nachdruck vertreten.&#8220;<\/i>   Damit soll eine wichtige Debatte beendet werden, bevor sie begonnen   hat. Bei dieser Positionierung haben die AutorInnen zuallererst Berlin   im Blick. Dort soll unter allen Umst&#228;nden eine eigenst&#228;ndige Kandidatur   der WASG verhindert werden.<\/p>\n<p><b>Berlin &#8211; ein Sonderfall?<\/b><\/p>\n<p> Den Berliner Mitgliedern wird manchmal vorgeworfen, dass sie eine &#8222;Berliner   Brille&#8220; tragen und die Berlin-Frage &#252;ber den bundesweiten   Neuformierungsprozess stellen. Das ist falsch.<br \/>Die meisten Berliner   WASG-Mitglieder lehnen nicht den bundesweiten Prozess der Neuformierung   der Linken ab. Aber sie fragen: Unter welchen inhaltlichen   Voraussetzungen soll der Prozess stattfinden? Was ist links?<br \/>Diese   Fragen sind nicht nur f&#252;r Berlin, sondern bundesweit entscheidend.   Verschiedene Diskussionspapiere aus der Linkspartei\/PDS   (Breitenbach\/Schubert oder Hoff\/Kahrs\/Woop) und &#196;u&#223;erungen von Gregor   Gysi und Oskar Lafontaine deuten darauf hin, dass Teile der   Linkspartei\/PDS anstreben, 2009 der Bundesregierung anzugeh&#246;ren. Daf&#252;r   sollen in den L&#228;ndern die Weichen gestellt werden.<br \/>Das   entscheidende ist, dass eine Partei aufgebaut wird, die konsequent   Widerstand gegen Hartz IV, Mehrwertsteuer und den Abbau von   Arbeitnehmerrechten organisiert.<br \/><i><br \/>Lucy Redler ist Mitglied im   WASG-L&#228;nderrat und im gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Landesvorstand der WASG Berlin,   sowie Mitglied in der Bundesleitung der SAV<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Neuformierungsprozess, WASG und Linkspartei\/PDS\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[27,30],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11460"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11460"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11460\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}