{"id":11453,"date":"2005-11-29T13:18:12","date_gmt":"2005-11-29T13:18:12","guid":{"rendered":".\/?p=11453"},"modified":"2005-11-29T13:18:12","modified_gmt":"2005-11-29T13:18:12","slug":"11453","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/11\/11453\/","title":{"rendered":"Belgien: Generalstreiks gegen &#8222;Generationenpakt&#8220; &#160;"},"content":{"rendered":"<p>Zwei Generalstreiks innerhalb eines Monats<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 28. Oktober standen in Belgien alle R&#228;der still: Betriebe, H&#228;fen,   Flugh&#228;fen, &#246;ffentlicher Dienst &#8211; nur die KollegInnen von der Eisenbahn   arbeiteten, um die Streikenden zur Gro&#223;demonstration nach Br&#252;ssel zu   bringen. 100.000 Menschen protestierten dort gegen die neoliberale   Politik der Koalitionsregierung des Liberaldemokraten Verhofstadt.<\/p>\n<p>  Trotz gestiegener Produktivit&#228;t und Rekordgewinnen der Gro&#223;unternehmen   in Belgien soll die Arbeiterklasse weitere Verschlechterungen hinnehmen.   Unter anderem soll das Einstiegsalter f&#252;r die Fr&#252;hpensionierung von 58   Jahren auf 60 Jahre steigen, vorher m&#252;ssen mindestens 30 Jahre statt   bisher 25 Jahre gearbeitet werden. &#196;ltere KollegInnen, die entlassen   werden, m&#252;ssen dem Arbeitsmarkt weiter &#8222;zur Verf&#252;gung stehen&#8220; anstatt   fr&#252;her in Rente gehen zu k&#246;nnen. Gleichzeitig sind bereits 18,6 Prozent   der unter 25-J&#228;hrigen arbeitslos.<\/p>\n<p>  Gegen diese Pl&#228;ne hatte die sozialdemokratische Gewerkschaft ABVV&#8211;FGTB   bereits am 7. Oktober zu einem 24-st&#252;ndigen Generalstreik mobilisiert,   dem ersten Generalstreik in Belgien seit 1993. Die zweite gro&#223;e   Gewerkschaft, der christliche ACV-CSC, hatte ihre Unterst&#252;tzung im   letzten Moment zur&#252;ckgezogen. An vielen Orten streikten ACV-Mitglieder   jedoch trotzdem mit.<\/p>\n<p>  <b>Angriffe von allen Seiten<\/b><\/p>\n<p>  Da die Regierung nicht von ihren K&#252;rzungspl&#228;nen abweichen wollte,   stellte sich schnell die Frage nach weiteren Aktionen. Die massive   Beteiligung am Generalstreik hatte das Selbstvertrauen der KollegInnen   gest&#228;rkt. Schon vor dem 28. Oktober gab es zahlreiche spontane   Arbeitsniederlegungen, unter anderem bei VW in Br&#252;ssel. Um   einzusch&#252;chtern und die Spaltung voranzutreiben, intensivierten   Regierung und Kapital ihre Medienkampagne. So schrieb die Gazet van   Antwerpen unter dem Titel &#8222;Aufwiegler&#8220; &#252;ber streikende VW-ArbeiterInnen:   &#8222;Wenn es ums Streiken geht, ist VW Vorst an vorderster Front. Da braucht   es echt nicht viel. Zwei zu hart gebackene Fritten in der   Betriebskantine reichen aus, um alles lahm zu legen.&#8220;<\/p>\n<p>  Es folgten konkrete Angriffe auf das Streikrecht. Im Ort Zedelgem sollte   der Gewerkschaft mittels einer einstweiligen Verf&#252;gung ein Strafgeld von   1.000 Euro pro Stunde f&#252;r jeden Arbeitswilligen aufgedr&#252;ckt werden, der   durch die Streikposten von der Arbeit abgehalten wird. Andere   Unternehmer drohten mit &#228;hnlichen Ma&#223;nahmen. Minister Dewael k&#252;ndigte   Sanktionen gegen Streikposten, die Kreuzungen blockieren, sowie ein   generelles Verbot von Streikposten auf &#246;ffentlichen Verkehrswegen an! <\/p>\n<p>  Vor diesem Hintergrund musste die ACV-F&#252;hrung unter dem Druck der   Mitglieder in den Kampf einsteigen. Schlie&#223;lich rief sogar die liberale   Gewerkschaft zum zweiten Generalstreik und zur Gro&#223;demo auf.<\/p>\n<p>  <b>&#8222;Streikt die Regierung weg!&#8220;<\/b><\/p>\n<p>  Die Stimmung bei der Demonstration am 28. Oktober war sehr k&#228;mpferisch,   die meisten waren der Meinung, dieser Streiktag sei nur ein erster   Schritt, eine breitere Bewegung gegen den &#8222;Generationenpakt&#8220; der   Regierung aufzubauen. Ein weiterer Aktionsplan wurde leider nicht   angek&#252;ndigt. Es ist allerdings offensichtlich, dass die beiden   Streiktage trotz ihrer gro&#223;en Wirkung noch nicht reichen.<\/p>\n<p>  Nach der Demo erkl&#228;rte Verhofstadt, dass &#8222;keine Verhandlungen mehr &#252;ber   den Kern der Sache gef&#252;hrt werden&#8221;. Entsprechend gering waren die   Zugest&#228;ndnisse, welche die Gewerkschaftsf&#252;hrer bei den Fr&#252;hpensionen   erzwingen konnten, etwa bei NachtarbeiterInnen oder Besch&#228;ftigten mit   k&#246;rperlich anstrengenden Berufen.<\/p>\n<p>  Mit den Verhandlungen wollte die Regierung die Gewerkschaften einlullen.   Sie steht unter dem Druck des Kapitals, bei den &#8222;Reformen&#8220; der   Sozialsysteme gegen&#252;ber L&#228;ndern wie Deutschland aufzuholen! Es gelingt   ihr aber nicht, den Zusammenhalt und die Kampfbereitschaft der   Arbeiterklasse zu brechen. Wenn die Gewerkschaften bei weiteren Aktionen   einen Gang h&#246;her schalten und einen mehrt&#228;gigen Generalstreik   organisieren, k&#246;nnte die instabile Regierung endg&#252;ltig st&#252;rzen. <\/p>\n<p>  <b>Diskussionen &#252;ber eine neue Arbeiterpartei<\/b><\/p>\n<p>  Bisher gibt es allerdings keine Alternative zu Verhofstadt. Die   Sozialdemokratie ist keine Interessensvertretung der Arbeiterklasse. Sie   sitzt auch in der Regierung und tr&#228;gt alle K&#252;rzungen und   Privatisierungen mit. Daher ist die Wut auf die traditionellen Parteien   unter den GewerkschaftsaktivistInnen in den letzten Monaten bedeutend   gewachsen. Beim sozialdemokratischen Parteitag in Limburg hatte der ABVV   ein klares Zeichen gesetzt. GewerkschaftsaktivistInnen standen vor dem   Kongressgeb&#228;ude f&#252;r die Mitglieder &#8222;Spalier&#8220;&#8211; aber mit dem R&#252;cken zu   ihnen und dem Slogan: &#8222;Kehrt ihr uns den R&#252;cken, kehren wir Euch den   R&#252;cken&#8220;. Auch bei zahlreichen ABBV-Kampagnetreffen und Streikposten   wurde die Bindung in Frage gestellt.<\/p>\n<p>  Eine neue linke Partei, die eindeutig auf Seiten der Besch&#228;ftigten,   Jugendlichen und RentnerInnen steht, ist in Belgien n&#246;tiger denn je.   Nicht umsonst werden die Entwicklungen um die WASG und Linkspartei in   Deutschland von breiten Teilen der Bev&#246;lkerung aufmerksam verfolgt.<\/p>\n<p>  Die belgische Schwesterorganisation der SAV, Linkse Socialistische   Partij\/Mouvement pour une Alternative Socialiste, hat bereits   Initiativen in diese Richtung gestartet, unter anderem eine website   (www.nouvellepartiedestravailleurs.be). Ungef&#228;hr 150 LSP-AktvistInnen   warben bei der Demonstration f&#252;r diese Idee und trafen auf gro&#223;e   Offenheit bei den Streikenden. Hunderte wollen sich am Aufbau eines   landesweiten Internet-Netzwerks beteiligen.<\/p>\n<p>  <i>von Conny Dahmen, Aachen<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Generalstreiks innerhalb eines Monats<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[177],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11453"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11453"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11453\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11453"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11453"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11453"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}