{"id":11447,"date":"2005-11-29T09:37:02","date_gmt":"2005-11-29T09:37:02","guid":{"rendered":".\/?p=11447"},"modified":"2005-11-29T09:37:02","modified_gmt":"2005-11-29T09:37:02","slug":"11447","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/11\/11447\/","title":{"rendered":"Gegen Sozialabbau &#8211; &#252;berall &#160;"},"content":{"rendered":"<p>Der Landesparteitag der WASG in Berlin am 26. und 27. November<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Eine gro&#223;e Mehrheit der 157 Delegierten sah eine gemeinsame Kandidatur   mit der Linkspartei\/PDS zur Berliner Abgeordnetenhauswahl kritisch und   will als WASG eigenst&#228;ndig antreten, sollte die Linkspartei\/PDS, die im   Berliner Senat den Sozialabbau mitbetreibt, nicht eine weitreichende   Kurskorrektur vornehmen.<\/p>\n<p>  Der Parteitag war ein gro&#223;er Erfolg f&#252;r alle diejenigen, die in Berlin   und bundesweit den Aufbau einer starken, k&#228;mpferischen Kraft gegen   Neoliberalismus &#8211; in Programm und Praxis &#8211; anstreben.<\/p>\n<p>  &#8222;Nur eine Einheit der Linken kann den Sozialabbau stoppen!&#8220;, rief das   WASG-Bundesvorstandmitglied Klaus Ernst zu Beginn den Delegierten zu. Er   meinte den Sozialabbau der Gro&#223;en Koalition im Bund und warnte   gleichzeitig vor einem eigenen Antritt der WASG bei der Berliner   Abgeordnetenhauswahl am 17. September 2006. &#8222;Wir m&#252;ssen an den Erfolg   der Bundestagswahl ankn&#252;pfen und nicht so lange vor der Suppe sitzen und   mit dem Kopf sch&#252;tteln, bis wirklich ein Haar hineinf&#228;llt.&#8220; <\/p>\n<p>  Viele Delegierte hingegen zogen andere Konsequenzen aus dem Lohn- und   Sozialraub des Berliner SPD\/PDS-Senats. So sollen aktuell die   Besch&#228;ftigten des Universit&#228;tsklinikums Charit&#233; Lohnk&#252;rzungen im Umfang   von &#252;ber 30 Millionen Euro hinnehmen. Sind diese dazu nicht bereit,   drohen Senat und Wissenschaftssenator Flierl (Linkspartei\/PDS) mit   betriebsbedingten K&#252;ndigungen. &#8222;Das nenne ich Erpressung!&#8220;, sagte   Carsten Becker, Vorsitzender der ver.di-Betriebsgruppe der Charit&#233;, auf   dem Landesparteitag.<\/p>\n<p>  <b>Ablehnung der Linkspartei\/PDS-Regierungspolitik<\/b><\/p>\n<p>  Obwohl Ernst indirekt mit Ma&#223;nahmen des WASG-Bundesvorstandes drohte,   lehnte eine gro&#223;e Mehrheit der Delegierten zun&#228;chst ein   &#8222;Kooperationsabkommen&#8220; (siehe Artikel auf dieser Seite) ab, das die   Linkspartei\/PDS auf ihrem n&#228;chsten Bundesparteitag im Dezember   beschlie&#223;en will, und welches konkurrierende Antritte beider Parteien   auf allen Ebenen zuk&#252;nftig ausschlie&#223;en soll.<\/p>\n<p>  Ob die Berliner WASG schlie&#223;lich allein zu den Wahlen antreten wird,   soll nach dem Willen von zwei Drittel der Delegierten dann auf dem   n&#228;chsten Landesparteitag Ende Februar und in einer anschlie&#223;enden   Urabstimmung der 800 Mitglieder entschieden werden. Zuvor werden   &#246;ffentliche Foren stattfinden, auf denen die WASG und VertreterInnen aus   Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen mit der   Linkspartei\/PDS &#252;ber ihre bisherige K&#252;rzungpolitik und Alternativen   diskutieren werden. &#8222;Nicht wir m&#252;ssen uns da bewegen, sondern die PDS&#8220;,   so Rouzbeh Taheri, Schatzmeister im alten und neuen Landesvorstand.<\/p>\n<p>  Der WASG-Bundesvorstand und eine Minderheit des Berliner Landesverbandes   dr&#228;ngt darauf, Entscheidungen erst nach dem Bundesparteitag und den   Landtagswahlen im M&#228;rz zu treffen. Die Mehrheit der Berliner WASG trat   indes daf&#252;r ein, die Entscheidungen von unten nach oben zu treffen.   Au&#223;erdem wurde erkl&#228;rt, dass nicht der Beschluss f&#252;r eine eigenst&#228;ndige   Kandidatur gegen neoliberale Politik die Wahlk&#228;mpfe in Baden-W&#252;rttemberg   oder Rheinland-Pfalz &#8222;behindern&#8220; (O-Ton Klaus Ernst) w&#252;rde, sondern die   Regierungspolitik der PDS in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.<\/p>\n<p>  <b>Mitregieren um jeden Preis&#8230;<\/b><\/p>\n<p>  Die Delegierten, die gegen diesen Beschluss waren und die Entscheidung   &#252;ber den Wahlantritt so sp&#228;t wie m&#246;glich wollten, streben in erster   Linie eine bundesweite Vereinigung mit der Linkspartei\/PDS an. Was ist   die zu erwartende Konsequenz? In Berlin ziehen Linkspartei\/PDS und SPD   eine positive Bilanz &#252;ber ihre Koalition und die bisherige Politik von   Privatisierung und Sozialabbau unter dem Primat der   &#8222;Haushaltskonsolidierung&#8220;. Dehalb w&#252;rde sich die WASG bei einem   gemeinsamen Antritt mit der Linkspartei\/PDS nach der Wahl wahrscheinlich   in einer Koalition wiederfinden, die Sozialk&#252;rzungen umsetzt. F&#252;r die   Mehrheit der Delegierten kein Sonderfall, sondern ein Pr&#228;zedenzfall, der   weitere Regierungsbeteiligungen in Zukunft bef&#252;rchten l&#228;sst.<\/p>\n<p>  Die Forderung des WASG-Bundesvorstandes, seitens der Berliner   Linkspartei\/PDS keine Koalitionsaussage zugunsten der SPD zu machen,   reichte der Parteitagsmehrheit nicht. &#8222;Wenn PDS-Senator Thomas Flierl   beispielsweise bei der Forderung nach Lohnk&#252;rzungen und Entlassungen bei   der Charit&#233; keine 180-Grad-Wende macht, ist es nicht als eine Platit&#252;de,   keine Koalitionsaussage f&#252;r die SPD zu machen&#8220;, so Carsten Becker. <\/p>\n<p>  <b>&#8230;oder Widerstand organisieren?<\/b><\/p>\n<p>  Der designierte Landesvorsitzende der Linkspartei\/PDS, Klaus Lederer,   verstieg sich dazu, die Realpolitik der PDS als &#8222;Sozialreformen&#8220; zu   bezeichnen. Viel Applaus bekamen demgegen&#252;ber vor allem RednerInnen, die   den Gr&#252;ndungskonsens der WASG betonten: kein Sozialabbau in Bund,   L&#228;ndern und Kommunen! SAV-Mitglieder und andere sprachen sich daf&#252;r aus,   auch in Berlin in erster Linie die Betroffenen des Sozialkahlschlags   zusammenzubringen und gemeinsam Widerstand zu organisieren. So erkl&#228;rte   Lucy Redler: &#8222;Kandidaturen bringen uns nichts, wenn es uns nicht   gelingt, die gesellschaftlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse zu ver&#228;ndern.&#8220; <\/p>\n<p>  Der mehrheitliche Wille der Delegierten nach einer WASG, die in ihrer   Ablehnung gegen jeden Sozialabbau kosequent bleibt, zeigte sich zum   Abschluss des Parteitages auch an der Neuwahl zum Landesvorstand. Es   wurden vor allem die KandidatInnen gew&#228;hlt, die sich f&#252;r eine   eigenst&#228;ndige WASG-Kandidatur ausgesprochen hatten, falls die   Linkspartei\/PDS ihre Politik nicht grundlegend &#228;ndert und aus der   Koalition mit der SPD aussteigt. Darunter Lucy Redler, die in den   gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Vorstand und Hakan Doganay, ebenfalls SAV, der in den   erweiterten Landesvorstand gew&#228;hlt wurden.<\/p>\n<p>  <b>Wie weiter?<\/b><\/p>\n<p>  Der Landesparteitag hat beschlossen, in den n&#228;chsten Monaten eine   Kampagne gegen die Privatisierung weiterer &#246;ffentlicher Dienstleistungen   durchzuf&#252;hren. Bislang forderte die WASG den &#8222;R&#252;ckkauf&#8220; der Berliner   Wasserbetriebe. Unter Beifall erkl&#228;rte Daniel Behruzi, dass zwei   Milliarden R&#252;ckkaufkosten Geschenke f&#252;r RWE und Veolia w&#228;ren, die wir   nicht guthei&#223;en k&#246;nnen. Zumal RWE letztes Jahr 1,6 Milliarden Euro   Profit erzielte. Dementsprechend wurde &#8222;R&#252;ckkauf&#8220; in   &#8222;Rekommunalisierung&#8220; ge&#228;ndert. Nach dem Parteitag gilt es, die Frage von   Alternativen weiterzudiskutieren und die Linkspartei\/PDS in den   &#246;ffentlichen Foren herauszufordern.<\/p>\n<p>  Des weiteren werden Streiks der Charit&#233;-Besch&#228;ftigten immer   wahrscheinlicher und es soll ein Aktionskomitee gegr&#252;ndet werden, in dem   die WASG mitarbeiten wird. Da Klaus Ernst in der Debatte ausrief, dass   er bei einem Streik dabei w&#228;re, um die KollegInnen zu unterst&#252;tzen,   sollte der Bundesvorstand einbezogen und bundesweite Solidarit&#228;tsarbeit   organisiert werden. Die SAV-Mitglieder in der WASG werden sich daf&#252;r   einsetzen, in diesen Auseinandersetzungen die WASG Berlin weiter als   konsequente Kraft gegen Sozialabbau und Arbeitslosigkeit aufzubauen.<\/p>\n<p>  <i>von David Matrai, Berlin<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Landesparteitag der WASG in Berlin am 26. und 27. 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