{"id":11443,"date":"2005-11-22T13:29:01","date_gmt":"2005-11-22T13:29:01","guid":{"rendered":".\/?p=11443"},"modified":"2005-11-22T13:29:01","modified_gmt":"2005-11-22T13:29:01","slug":"11443","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/11\/11443\/","title":{"rendered":"Emp&#246;rung,&#8237; &#8236;Angst,&#8237; &#8236;Widerstand"},"content":{"rendered":"<p>  <img src=\"\/media\/2005\/AxelHopfmann.jpg\" align=\"left\">  Interview mit Axel Hopfmann &#252;ber die Gegenwehr an Hamburger Kliniken   bez&#252;glich der Folgen der Privatisierung.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am&#8237; &#8236;30.&#8237; &#8236;November sind etwa&#8237; &#8236;17.000&#8237; &#8236;Besch&#228;ftigte verschiedener   Hamburger Krankenh&#228;user zum&#8237; &#8236;gemeinsamen Warnstreik aufgerufen.&#8237; &#8236;Du   bist aktives ver.di-Mitglied im LBK,&#8237; &#8236;Landesbetrieb Krankenh&#228;user in   Hamburg.&#8237; &#8236;Wogegen richtet sich Euer Protest&#8237;?<\/b><\/p>\n<p>  Seit&#8237; &#8236;dem&#8237; &#8236;30.&#8237; &#8236;Juni ist der LBK nicht mehr im Arbeitgeberverband.&#8237;   &#8236;Diesem Austritt folgte auch das Universit&#228;tsklinikum.&#8237; &#8236;Ein neuer   Arbeitgeberverband wurde gegr&#252;ndet.&#8237; &#8236;Das hei&#223;t f&#252;r die Besch&#228;ftigten:&#8237;   &#8236;Die Tarifbindung ist erloschen&#8237;; &#8236;f&#252;r die bisherigen Besch&#228;ftigten gilt   noch eine statische Nachwirkung der alten tariflichen Regelungen.&#8237; &#8236;Nun   soll ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen werden&#8237; &#8211; &#8236;nach dem Willen der   Arbeitgeber mit gewaltigen Absenkungen.&#8237;<\/p>\n<p>  Das wird bei Neueinstellungen jetzt schon ohne Tarifvertrag vorgemacht:&#8237;   &#8236;Sogenannte Verbandsrichtlinien verl&#228;ngern die Arbeitszeit von bislang&#8237;   &#8236;38,5&#8237; &#8236;auf&#8237; &#8236;42&#8237; &#8236;Stunden pro Woche.&#8237; &#8236;Die Urlaubstage werden um drei   bis vier Tage gek&#252;rzt,&#8237; &#8236;Schichtzulagen bis auf die Nachtschicht   weitgehend gestrichen,&#8237; &#8236;kein Weihnachts-&#8237; &#8236;und Urlaubsgeld mehr   gezahlt.&#8237; &#8236;Insgesamt kann das f&#252;r eine Krankenschwester bis zu&#8237; &#8236;700&#8237;   &#8236;Euro brutto ausmachen.<\/p>\n<p>  Der Austritt aus dem Arbeitgeberverband folgte unmittelbar auf die   Privatisierung des LBK.&#8237; &#8236;Die Asklepius GmbH h&#228;lt jetzt&#8237; &#8236;49,9&#8237; &#8236;Prozent   des LBK und hat bereits das unternehmische Sagen.&#8237; &#8236;Ab dem&#8237; &#8236;1.&#8237;   &#8236;Januar&#8237; &#8236;2007&#8237; &#8236;&#252;bernimmt sie&#8237; &#8236;74,9&#8237; &#8236;Prozent. <\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Der Kampf gegen die Privatisierung wurde auch mit einem   Volksentscheid gef&#252;hrt&#8237; &#8236;&#8230;<\/b><\/p>\n<p>  &#8230;&#8237; &#8236;man muss sagen,&#8237; &#8236;fast ausschlie&#223;lich.&#8237; &#8236;Am&#8237; &#8236;29.&#8237; &#8236;Februar fand   parallel zur B&#252;rgerschaftswahl eine Abstimmung statt.&#8237; &#8236;77&#8237; &#8236;Prozent   sprachen sich daf&#252;r aus,&#8237; &#8236;dass der LBK mehrheitlich &#246;ffentlich bleiben   soll&#8237; &#8211; &#8236;und gleichzeitig w&#228;hlte eine Mehrheit die CDU.&#8237; <\/p>\n<p>  Als klar war,&#8237; &#8236;dass sich der neue Senat und die Mehrheit in der   B&#252;rgerschaft &#252;ber die Abstimmung hinweg setzen w&#252;rde,&#8237; &#8236;setzte ver.di   fast ausschlie&#223;lich auf eine Verfahren vor dem Hamburger   Verfassungsgericht.&#8237; &#8236;Mit einer f&#252;r mich kaum nachvollziehbaren   juristischen Argumentation bekam der Senat recht.&#8237; &#8236;Damit sind   Volkentscheide nat&#252;rlich grunds&#228;tzlich entwertet.<\/p>\n<p>  Das hei&#223;t nicht,&#8237; &#8236;dass man so ein Instrument in Zukunft nicht nutzen   sollte.&#8237; &#8236;Aber man darf sich darauf nicht verlassen.&#8237; &#8236;Man kann vor so   einem Hamburger oder einem anderen Verfassungsgericht solche   &#220;berraschungen erleben.&#8237;<\/p>\n<p>  Ein Volksentscheid bringt dann was,&#8237; &#8236;wenn man ihn begleitet mit einer   massiven Mobilisierung der Besch&#228;ftigten.&#8237; &#8236;Ich halte es f&#252;r einen   Fehler von ver.di,&#8237; &#8236;dass genau das nicht passiert ist.&#8237; <\/p>\n<p>  In der Vorbereitung des Volksentscheides,&#8237; &#8236;um &#252;berhaupt&#8237; &#8236;60.000&#8237;   &#8236;Unterschriften in&#8237; &#8236;14&#8237; &#8236;Tagen zusammen zu bekommen,&#8237; &#8236;da musste man   die Mitglieder mobilisieren.&#8237; &#8236;Nur leider hat man dann diesen Schwung   nicht verl&#228;ngert.&#8237;<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Jetzt ist einiges geplant an Aktionen&#8237;?<\/b><\/p>\n<p>  Nicht nur geplant,&#8237; &#8236;eine hat gerade am Freitag,&#8237; &#8236;am&#8237; &#8236;18.&#8237; &#8236;11.,&#8237;   &#8236;statt gefunden.&#8237; &#8236;Es gab den ersten Warnstreik in Universit&#228;ts-Klinikum   Eppendorf.&#8237; &#8236;Am Montag,&#8237; &#8236;am&#8237; &#8236;21.,&#8237; &#8236;folgt der n&#228;chste Warnstreik in   einem gro&#223;en Hamburger Krankenhaus.&#8237; &#8236;Weitere Einzel-Aktionen sind   m&#246;glich.&#8237; &#8236;Es wird aber auf jeden Fall einen gro&#223;en Warnstreik von LBK   und Uni-Klinikum am Mittwoch,&#8237; &#8236;dem&#8237; &#8236;30.,&#8237; &#8236;geben.&#8237; <\/p>\n<p>  Wie die Beteiligung daran aussehen wird,&#8237; &#8236;ist noch nicht abzusch&#228;tzen,&#8237;   &#8236;da es seit&#8237; &#8236;1992&#8237; &#8236;keine Streikerfahrung mehr gibt und die   Mobilisierungsf&#228;higkeit auch bislang nicht wirlich getestet wurde.&#8237;   &#8236;Danach ist es sehr wahrscheinlich,&#8237; &#8236;dass man in einen   Erzwingungsstreik gehen muss.&#8237; &#8236;Die Ansinnen der Arbeitgeber lassen   einem gar keine andere Wahl.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Die Landesbesch&#228;ftigten sind in einer &#228;hnlichen Situation.&#8237; &#8236;Auch   dort kam es zu Warnstreiks.&#8237; &#8236;Gibt es einen gemeinsamen Kampf dieser   ver.di-Bereiche&#8237;?<\/b><\/p>\n<p>  Nein,&#8237; &#8236;das existiert leider bislang relativ unverbunden nebeneinander   her.&#8237; &#8236;Formal-juristisch geht es um zwei verschiedene Tarifvertr&#228;ge.&#8237;   &#8236;Dabei fordert ver.di in beiden F&#228;llen die &#220;bernahme des Tv&#246;D&#8237;   [&#8236;Tarifvertrag &#246;ffentlicher Dienst&#8237;]&#8236;.&#8237;<\/p>\n<p>  Ich halte diese Forderung schon f&#252;r ein gro&#223;es Kompromissangebot,&#8237; &#8236;weil   dieser Tarifvertrag schon einige Verschlechterungen enth&#228;lt.&#8237; &#8236;Aber die   Gegenseite will noch mehr.&#8237;<\/p>\n<p>  Es geht also im Grunde gar nicht darum,&#8237; &#8236;besonders viel zu erreichen,&#8237;   &#8236;sondern darum,&#8237; &#8236;das Allerschlimmste zu verhindern.&#8237; &#8236;Deshalb hat man   keine Wahl,&#8237; &#8236;diesen Fehde-Handschuh aufzunehmen&#8237; &#8211; &#8236;oder klein bei zu   geben.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Wie ist denn die Stimmung und Kampfbereitschaft&#8237;?<\/b><\/p>\n<p>  Sehr auf der Kippe.&#8237; &#8236;Es gibt eine gro&#223;e Emp&#246;rung.&#8237; &#8236;Es gibt aber auch   eine gro&#223;e Angst aufgrund der unverhohlenen Drohung des Arbeitgebers mit   Entlassungen und damit verbunden vor dem Arbeitslosengeld II.&#8237;   &#8236;Gleichzeitig gibt es diese Wut.&#8237;<\/p>\n<p>  In wieweit die sich in Aktionen entl&#228;dt&#8237;? &#8236;Da ist der&#8237; &#8236;30.&#8237; &#8236;November   f&#252;r uns auch ein Test:&#8237; &#8236;wie weit k&#246;nnen wir gehen&#8237;? <\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Du warst auf der Aktions-&#8237; &#8236;und Strategiekonferenz am&#8237; &#8236;19.&#8237; &#8236;und&#8237;   &#8236;20.&#8237; &#8236;November in Frankfurt am Main.&#8237; &#8236;Dort wurde auch diskutiert,&#8237;   &#8236;wie es weiter gehen soll:&#8237; &#8236;dezentrale Aktionen,&#8237; &#8236;zentrale Demo&#8237; &#8211;   &#8236;was denkst Du&#8237;?<\/b><\/p>\n<p>  Was wir selber machen ist schon dezentral:&#8237; &#8236;wir protestieren und   streiken,&#8237; &#8236;Wenn man also bundesweit zusammen kommt,&#8237; &#8236;dann ist es   paradox dezentrale Aktionen zentral planen zu wollen.&#8237; &#8236;Was wir aber gut   gebrauchen k&#246;nnen&#8237; &#8211; &#8236;und ich kann mir gut vorstellen,&#8237; &#8236;dass das   anderen in &#228;hnlichen Konflikten auch hilft&#8237; &#8211; &#8236;ist,&#8237; &#8236;dass r&#252;ber kommt:&#8237;   &#8236;Wir sind mit unserem dezentralen Konflikt nicht alleine.&#8237; &#8236;So eine   bundesweite zentrale Aktion k&#246;nnte uns R&#252;ckenwind geben.&#8237; &#8236;Das ist das   eigentliche,&#8237; &#8236;was ich mir erhofft habe.&#8237; &#8236;Jetzt mal sehen,&#8237; &#8236;wie das   beschlossene umgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>&#8237;[&#8236;Die Aktions-&#8237; &#8236;und Strategiekonferenz am&#8237; &#8236;19.&#8237; &#8236;und&#8237; &#8236;20.&#8237;   &#8236;November verabredete eine Arbeitskonferenz am&#8237; &#8236;17.&#8237; &#8236;Dezember,&#8237; &#8236;um   eine bundesweite Demonstration sozialer Bewegungen im Fr&#252;hjahr sowie   eine Folgekonferenz im Februar auf die Beine zu stellen, <a href=\"\/?p=11442\"> siehe Bericht<\/a>.&#8237;]<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img src=\"\/media\/2005\/AxelHopfmann.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n      Interview mit Axel Hopfmann &#252;ber die Gegenwehr an Hamburger Kliniken<br \/>\n      bez&#252;glich der Folgen der Privatisierung.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11443"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11443"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11443\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11443"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11443"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11443"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}