{"id":11442,"date":"2005-11-21T15:57:21","date_gmt":"2005-11-21T15:57:21","guid":{"rendered":".\/?p=11442"},"modified":"2005-11-21T15:57:21","modified_gmt":"2005-11-21T15:57:21","slug":"11442","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/11\/11442\/","title":{"rendered":"Bundesweite Demo im Fr&#252;hjahr geplant &#160;"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht von der Aktions- und Strategiekonferenz 19. und 20. November in   Frankfurt am Main&#160;><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am Wochenende des 19. und 20. November kamen 330 AktivistInnen aus   sozialen Bewegungen und VertreterInnen verschiedener sozialistischer   Gruppen in Frankfurt zusammen, um &#252;ber die n&#228;chsten gemeinsamen Schritte   zu debattieren. Vereinbart wurde eine Arbeitskonferenz am 17. Dezember   zur Vorbereitung einer bundesweiten Demonstration, die f&#252;r Fr&#252;hjahr 2006   terminiert wurde. Im Februar soll eine Folgekonferenz die Mobilisierung   zur Demonstration unterst&#252;tzen<\/b>.<\/p>\n<p>  Auch der Aufruf zur Demonstration soll beim Dezember-Treffen vereinbart   werden. Verschiedene Redebeitr&#228;ge pl&#228;dierten f&#252;r eine Orientierung am <a href=\"http:\/\/www.alle-gemeinsam-gegen-sozialkahlschlag.de\/appell.pdf\"><b> Frankfurter Appell<\/b><\/a>. Auch der Vorschlag des Arbeitsausschusses der   Gewerkschaftslinken lehnt sich daran an. Eine Diskussion auf der   Konferenz am Wochenende &#252;ber die inhaltiche Gestaltung des Demo-Aufrufs   wurde allerdings abgelehnt.<\/p>\n<p>  Die &#8220;APO-Konferenz&#8221; in Frankfurt am Main ging vom Treffen des deutschen   Sozialforums in Erfurt aus. Sie stand aber gleichzeitig in der Tradition   der Aktionskonferenzen 2003 und 2004. Diese Aktionskonferenzen hatten   zum Beispiel die Demonstration am 1. November 2003 gegen Sozialabbau mit   &#252;ber 100.000 Menschen in Berlin auf den Weg gebracht. Dass aus diesen   beiden Richtungen konkurrierende Vorstellungen entstanden, wurde durch   die Moderation, bis Sonntag fr&#252;h, bis zu ihrer Abwahl, vor allem in den   H&#228;nden von Sabine Leidig, Attac, verdeutlicht: Kritik an den   Gewerkschaftsspitzen und eine Ausrichtung auf eine bundesweite, zentrale   Aktion im Fr&#252;hjahr (die mit der Metalltarifrunde zusammenfallen w&#252;rde)   sollten mit unterschiedlichsten Mitteln verhindert werden.<\/p>\n<p>  Der Arbeitsausschusses der Gewerkschaftslinken brachte einen Vorschlag   zu einer bundesweiten Demo (am 18. M&#228;rz &#8211; eine Woche vor den   Landtagswahlen in Baden-W&#252;rttemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt)   und einer Aktionswoche ein. In die gleiche Richtung gingen die   Vorschl&#228;ge des Netzwerks f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di   sowie die Vorstellungen verschiedener sozialistischer Gruppen. Auch die   TeilnehmerInnen der SAV argumentierten f&#252;r eine zentrale Aktion (siehe   auch das <a href=\"\/media\/2005\/Protest-UndStreikStrategie-VorschlagAnAPO-Konferenz_2005_11_19.pdf\"><b> Flugblatt der SAV zur Aktionskonferenz<\/b><\/a>).<\/p>\n<p>  <b>Wenig betriebliche AktivistInnen, wenig Erwerbslose selbst<\/b><\/p>\n<p>  Trotz enormer Wut und Unzufriedenheit und einer Zunahme der Streiks in   den Betrieben, sehen sich viele Besch&#228;ftigte mit dem R&#252;cken zur Wand:   Die Erpressung der Unternehmer in den Betrieben und der Verzicht der   Gewerkschaftsf&#252;hrungen auf gemeinsame Gegenwehr isolieren k&#228;mpferische   Belegschaften. Zur Debatte um zentrale oder dezentrale Aktionen sprach   auch Axel Hopfmann, ver.di-Aktivist vom LBK, Landesbetrieb   Krankenh&#228;user, Hamburg: <i>&#8220;Was wir selber machen ist schon   dezentral: wir protestieren und streiken, Wenn man also bundesweit   zusammen kommt, dann ist es paradox dezentrale Aktionen zentral planen   zu wollen. Was wir aber gut gebrauchen k&#246;nnen &#8211; und ich kann mir gut   vorstellen, dass das anderen in &#228;hnlichen Konflikten auch hilft &#8211; ist,   dass r&#252;ber kommt: Wir sind mit unserem dezentralen Konflikt nicht   alleine. So eine bundesweite zentrale Aktion k&#246;nnte uns R&#252;ckenwind   geben.&#8221;<\/i><\/p>\n<p>  Doch die Zusammensetzung der Konferenz war nicht von solchen   AktivistInnen gepr&#228;gt. Anders als bei vorherigen Aktionskonferenzen   nahmen nur wenige VertreterInnen aus Betrieben und Gewerkschaften teil.   Auch VertreterInnen von Anti-Hartz- und Erwerbslosen-Gruppen waren   weniger zahlenm&#228;&#223;ig erschienen. Ihre Wut wurde diesesmal kaum   artikuliert. ImmigrantInnen, Frauen und Jugendliche waren   unterrepr&#228;sentiert.<\/p>\n<p>  Berichte von KollegInnen aus dem Widerstand gegen   Arbeitsplatzvernichtung blieben isoliert. K&#228;mpferisch wurde der   Widerstand bei Alstom Mannheim eingebracht und ein Bild der gemeinsamen   Aktionen von Studierenden, kommunalen und Landesbesch&#228;ftigten in   Stuttgart beziehungsweise Baden-W&#252;rttemberg gezeichnet; doch weder die   allgemeinen Bedingungen sozialer Bewegungen 2005 noch die Zunahme der   betrieblichen Auseinandersetzungen (Infineon M&#252;nchen, AEG N&#252;rnberg,   Samsung Berlin, Telekom, Einzelhandelstarifrunde, &#8230;) wurden   tiefergehend er&#246;rtert.<\/p>\n<p>  Die VertreterInnen sozialer Bewegungen r&#252;ckten reale Bewegungen nicht in   den Mittelpunkt ihrer Debatte.<\/p>\n<p>  Horst Schmitthenner, IG-Metall-Kontaktmann zu sozialen Bewegungen, nahm   als Vertreter der Gewerkschaftsf&#252;hrungen teil. Er sprach &#252;ber die   Notwendigkeit der Neuformierung der sozialen Bewegungen parallel zum   Neuformierungsprozess der Linken auf Parteiebene. Er nahm positiven   Bezug auf den Wahlerfolg der Linken und forderte dabei aber eine   Orientierung der Fraktion auf au&#223;erparlamentarische Proteste ein. Er   betonte die Macht der Gewerkschaften, die im Vergleich zu anderen   sozialen Bewegungen auch &#252;ber eine zus&#228;tzliche Machtbasis in den   Betrieben verf&#252;gen. Wie diese Macht genutzt werden w&#252;rde, wurde von ihm   nicht geschildert.<\/p>\n<p>  Eine Diskussion dar&#252;ber kam nicht zustande, da am gesamten Samstag nur   60 Minunten zur offenen Debatte eingeplant wurden, w&#228;hrend Einleitungen   zur aktuellen Situation &#8211; Reichtum besteuern (von Michael Schlecht,   ver.di-WiPo-Abteilung) zur Energiewende, zu Globalisierung &#8211; zwar   wichtige Themen anschnitten, aber ohne Diskusion dazu und in der K&#252;rze   der f&#252;r jedes Thema zur Verf&#252;gung stehenden Zeit, nur schwer dar&#252;ber   hinaus kommen konnte, alt bekanntes zu wiederholen. Die Endlichkeit der   &#214;l- und Gasvorr&#228;te war den allermeisten der 350 TeilnehmerInnen wohl   schon zuvor bekannt. Eine Strategie zur Verhinderung der Angriffe der   Gro&#223;en Koalition oder eine genauere Einsch&#228;tzung der Bedeutung der   Angriffe auf den K&#252;ndigungsschutz blieben in den &#8220;Inputs&#8221; wenig   behandelt.<\/p>\n<p>  Von der Linksfraktion im Bundestag waren knapp ein Dutzend Abgeordnete   erschienen, ohne aber ein gemeinsames Auftreten, Initiativen oder   Vorschl&#228;ge zu pr&#228;sentieren.<\/p>\n<p>  Peter Grottian, Professor und Aktivist zum Beispiel gegen den   Bankenskandal in Berlin, forderte ein, dass eine bundesweite   Demonstration nur dann Sinn machen k&#246;nne, wenn sie den Auftakt zu   weiterem Widerstand bilden w&#252;rde. Applaus fand sein Vorschlag, <i>  &#8220;Demo im M&#228;rz, ziviler Ungehorsam im Mai&#8221;<\/i>, in der   Arbeitsgruppe zu &#8220;Arbeit und Sozialem&#8221;. Dass eine solche Strategie n&#246;tig   ist, die &#252;ber eine bundesweite Ermutigung durch eine erfolgreiche Demo   hinausgeht, teilten wohl die meisten Anwesenden.<\/p>\n<p>  <b>Wie weiter?<\/b><\/p>\n<p>  Die SAV sieht in den Protestwelle 2003 und 2004 eine Best&#228;tigung daf&#252;r,   dass Demonstrieren und Protestieren alleine nicht ausreicht.   Arbeitsniederlegungen und Streiks sind n&#246;tig, um die Auftraggeber der   Kahlschlags-Politik, die Banken und Konzerne, ins Visier zu nehmen und   anzugehen. Doch soll die Macht der organisierten Arbeiterbewegung, die   Kraft der Besch&#228;ftigten in den Betrieben genutzt werden, dann wird dies   nicht freiwillig von den Gewerkschaftsf&#252;hrungen ausgehen.<\/p>\n<p>  Um von einer Strategie- und Aktionskonferenz auch in diesem Bereich von   unten weiter zu kommen, sind gezielte Anstrengungen n&#246;tig, Besch&#228;ftigte,   Vertrauensleute, Betriebs- und Personalr&#228;te von unten zusammen zu   bringen.<\/p>\n<p>  Eine Konferenz der AktivistInnen aus Betrieben und Gewerkschaften, mit   dem Ziel, Belegschaften im Kampf gegen Arbeitsplatzvernichtung,   Arbeitszeitverl&#228;ngerung und Lohnraub zu vernetzen und gemeinsame   Strategien gegen die Offensive der Arbeitgeber und der Regierung zu   vereinbaren ist n&#246;tig.<\/p>\n<p>  Ein Aufruf zu einer solchen Konferenz, ausgehend vom Arbeitstreffen der   sozialen Bewegungen am 17. Dezember und dem Arbeitsausschuss der   Gewerkschaftslinken w&#228;re ein gro&#223;er Schritt nach vorn.<\/p>\n<p>  <i>von Stephan Kimmerle, Berlin<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht von der Aktions- und Strategiekonferenz 19. und 20. 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