{"id":11416,"date":"2005-10-27T15:42:09","date_gmt":"2005-10-27T15:42:09","guid":{"rendered":".\/?p=11416"},"modified":"2005-10-27T15:42:09","modified_gmt":"2005-10-27T15:42:09","slug":"11416","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/10\/11416\/","title":{"rendered":"Was ist links?"},"content":{"rendered":"<p>Vereinigungsprozess WASG und Linkspartei\/PDS l&auml;uft &#8211; Berliner Wahlen kontrovers<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#x84;So schnell wie m&ouml;glich &#8211; so langsam, sorgf&auml;ltig und offen wie n&ouml;tig!&#x93; &#8211; so lautet der Titel einer als &#x84;Diskussionsplattform und Arbeitsgrundlage f&uuml;r den Bundesvorstand&#x93; vom WASG-L&auml;nderrat am 9. Oktober verabschiedeten Resolution. Darin wird die Vereinigung von WASG und Linkspartei\/PDS als Ziel formuliert, gleichzeitig aber betont, dass die Vereinigung nicht als &#x84;Top-Down-Prozess&#x93;, sondern unter Einbeziehung der &#x84;Menschen in den L&auml;ndern und Regionen&#x93; laufen soll. Damit konnten sich die Bef&uuml;rworter einer schnellen Fusion, m&ouml;glichst vor den im Jahr 2006 stattfindenden Landtagswahlen, nicht durchsetzen. Der auf zwei Jahre angelegte Diskussionsprozess wird nicht mehr wirklich ergebnisoffen sein. Es soll nicht mehr um das &#x84;ob&#x93;, sondern nur noch um das &#x84;wann und wie&#x93; gehen.<br \/> Kernst&uuml;ck der nun in &#x84;Parteibildungsprozess&#x93; umbenannten Fusion sind die bereits stattfindenden Foren, in denen &#x84;die politischen Gemeinsamkeiten, die historisch-kulturellen Unterschiede und die theoretisch-programmatischen Differenzen&#x93; diskutiert werden sollen. Diese scheinen aber weniger darauf ausgerichtet zu sein, eine gro&szlig;e Zahl von AktivistInnen aus beiden Parteien, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen anzusprechen, als kleinere Funktion&auml;rskreise. Deshalb ist es von gro&szlig;er Bedeutung, dass die politische Debatte nicht den Vorst&auml;nden &uuml;berlassen wird, sondern in den Kreis- und Landesverb&auml;nden ebenfalls Diskussionsforen stattfinden und so ein &#x84;Parteibildungsprozess von unten&#x93; in Gang gesetzt wird. Ebenso ist eine Einbeziehung von GewerkschafterInnen, AktivistInnen aus den sozialen Bewegungen und anderen Bereichen von entscheidender Bedeutung, wenn es tats&auml;chlich zu einer Neugr&uuml;ndung einer linken Partei kommen soll, die mehr repr&auml;sentiert als die heutige Linkspartei\/PDS und WASG.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Politische Basis<\/span><\/p>\n<p> Verzichtet wird jedoch darauf, politische Mindestbedingungen f&uuml;r die Bildung einer neuen Partei zu formulieren, zum Beispiel die kategorische Ablehnung von Arbeitsplatzvernichtung, Sozialk&uuml;rzungen und Privatisierungen. Diesem Gedanken wurde bereits durch den Bundestagsabgeordneten Werner Dreibus eine Absage erteilt. Stattdessen gibt es allgemeine Aussagen gegen den Neoliberalismus. Die Politik einer Partei l&auml;sst sich aber nicht an Worten messen, sondern an Taten. F&uuml;r Erwerbslose und prek&auml;r Besch&auml;ftigte, f&uuml;r die Lohnabh&auml;ngigen, RentnerInnen und Jugendlichen ist es zum Beispiel nicht entscheidend, ob die Berliner Linkspartei\/PDS sich auf dem Papier gegen Hartz IV ausspricht, sondern ob sie dieses Gesetz auf Landesebene umsetzt. Deshalb sollte der Gr&uuml;ndung einer neuen linken Partei die Beantwortung der Frage &#x84;was ist links&#x93; vorausgehen.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Regierungsfrage bundesweit wichtig<\/span><\/p>\n<p> Wie unter einem Vergr&ouml;&szlig;erungsglas stellt sich diese Frage in Berlin. Denn hier ist die Linkspartei\/PDS Bestandteil einer Regierungskoalition mit der SPD, die massiven Sozialabbau betreibt. Hier stellt sich die Frage, ob man nur (mehr oder weniger) links redet oder links &#8211; also an der Seite der von Lohn- und Sozialraub Betroffenen &#8211; handelt. Dabei geht es nicht um ein Berliner Problem. Es ist eine richtungsweisende Auseinandersetzung &uuml;ber Charakter und Politik einer neuen linken Partei in der Bundesrepublik. Wenn die F&uuml;hrungen von Linkspartei\/PDS und WASG die Politik der Berliner Linkspartei\/PDS unterst&uuml;tzen oder akzeptieren, wirft das ein Licht auf die Politik, die sie in Zukunft bereit sein werden zu betreiben, wenn sich ihnen die M&ouml;glichkeit der Regierungsbeteiligung bietet.<br \/> Deshalb sollte die WASG bundesweit und in Berlin einen politischen Grundsatz aufstellen: Bildung einer neuen linken Partei &#8211; ja! Beteiligung an Sozialabbau und Privatisierungen &#8211; Nein! Wenn die WASG offensiv mit dieser Minimalbedingung in den Diskussionsprozess mit der Linkspartei\/PDS geht, m&uuml;sste diese sich &ouml;ffentlich und f&uuml;r alle sichtbar erkl&auml;ren. Die in weiten Teilen &#8211; au&szlig;erhalb Berlins &#8211; selbst unter Linken herrschende Unwissenheit &uuml;ber die arbeitnehmerfeindliche Politik des Berliner &#x84;rot-roten&#x93; Senats k&ouml;nnte &uuml;berwunden werden und viele w&uuml;rden verstehen, dass die WASG nicht aus eigenn&uuml;tzigen Parteiinteressen, sondern aufgrund politischer Prinzipienfestigkeit ihre Kritik an der Politik der Linkspartei\/PDS formuliert. Alle w&uuml;rden verstehen, dass eine wirklich neue Kraft entstehen soll, die konsequent und &uuml;berall gegen Sozialabbau k&auml;mpft. Das w&uuml;rde die Begeisterung unter zehntausenden ArbeiterInnen und Erwerbslosen steigern, die in dem dynamischen Aufbau der WASG schon erkennbar war. Sollte die Linkspartei\/PDS auf dieser Basis nicht zu einer gemeinsamen Partei-Neugr&uuml;ndung bereit sein, k&ouml;nnte eine gest&auml;rkte WASG mit vielen tausend AktivistInnen aus Gewerkschaften, Bewegungen und Linkspartei\/PDS eine neue, ungleich st&auml;rkere, Partei bilden.<br \/> Viele Mitglieder, vor allem aus Berlin, bef&uuml;rchten, dass der f&uuml;r M&auml;rz angesetzte Bundesparteitag &uuml;ber ihre K&ouml;pfe hinweg beschlie&szlig;en k&ouml;nnte, keine konkurrierenden Kandidaturen zur Linkspartei\/PDS zuzulassen. Deshalb ist es wichtig, dass die Berliner WASG vor dem Bundesparteitag eine Bilanz ihrer Gespr&auml;che mit der Linkspartei\/PDS zieht und entscheidet, ob der Beschluss, eigenst&auml;ndig zur Abgeordnetenhauswahl anzutreten, best&auml;tigt oder aufgehoben wird. Die Berliner WASG hat zweifellos die Verantwortung, die bundesweiten Entwicklungen in diese Entscheidungsfindung mit einzubeziehen. Trotzdem sollte die Entscheidung &uuml;ber einen Wahlantritt in Berlin auch von den Berliner WASG-Mitgliedern gef&auml;llt werden.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">K&auml;mpfe unterst&uuml;tzen<\/span><\/p>\n<p> Eine Partei, die f&uuml;r Arbeit und soziale Gerechtigkeit k&auml;mpfen will, muss gemeinsam mit den Betroffenen, sei es bei Daimler, Agfa-Photo oder den Studierenden in Baden-W&uuml;rttemberg, Widerstand organisieren. Dazu geh&ouml;rt auch, die Blockadehaltung der Gewerkschaftsspitze zu kritisieren und k&auml;mpferische GewerkschafterInnen und den Aufbau einer oppositionellen Gewerkschaftslinken zu unterst&uuml;tzen.Um eine wirklich demokratische, k&auml;mpferische und breite neue Partei f&uuml;r ArbeiterInnen und Erwerbslose aufzubauen, sollten &uuml;ber das Spektrum der beiden Parteien hinaus AktivistInnen aus der sozialen und gewerkschaftlichen Bewegung gewonnen werden. Vor allem muss sich die WASG in die Auseinandersetzungen gegen Arbeitsplatz- und Sozialabbau einschalten und Vorschl&auml;ge erarbeiten, wie diese Angriffe zur&uuml;ckgeschlagen werden k&ouml;nnen.<\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">von Leonie Blume (Mitglied des WASG-L&auml;nderrats) und Sascha Stanicic (Bundesprecher der SAV)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vereinigungsprozess WASG und Linkspartei\/PDS l&auml;uft &#8211; Berliner Wahlen kontrovers<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[176],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11416"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11416"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11416\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}