{"id":11415,"date":"2005-11-10T15:22:39","date_gmt":"2005-11-10T15:22:39","guid":{"rendered":".\/?p=11415"},"modified":"2005-11-10T15:22:39","modified_gmt":"2005-11-10T15:22:39","slug":"11415","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/11\/11415\/","title":{"rendered":"Demonstrieren! Streiken! &#8211; Gemeinsam und entschlossen!"},"content":{"rendered":"<p>  <img alt=\"widerstand\" style=\"width: 75px; height: 102px\" src=\"\/media\/2005\/widerstand2005.jpg\" align=\"left\">  Vorschl&#228;ge der SAV f&#252;r die Aktions- und Strategiekonferenz<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 19. und 20. November findet die vom Deutschen Sozialforum   beschlossene Aktions- und Strategiekonferenz der au&#223;erparlamentarischen   Bewegungen statt. Diese Konferenz muss zum Ausgangspunkt f&#252;r den Beginn   von realem und praktischem Widerstand gegen die K&#252;rzungspl&#228;ne der Gro&#223;en   Koalition und die fortgesetzte Offensive der Kapitalisten beim Abbau von   Arbeitspl&#228;tzen und der Senkung von L&#246;hnen in den Betrieben werden. Sie   findet statt vor einer, im Vergleich zur letzten Konferenz im Januar   2004, g&#228;nzlich ver&#228;nderten Situation: Erstens gibt es die Erfahrungen   mit den Massenprotesten gegen Agenda 2010 und Hartz IV, zweitens gibt es   nun eine starke linke Fraktion im Bundestag und den   Neuformierungsprozess einer linken Partei. Aus ersterem m&#252;ssen die   Lehren und praktische Schlussfolgerungen gezogen werden. Letzteres wirft   die Frage nach dem Verh&#228;ltnis au&#223;erparlamentarischer Bewegungen,   Gewerkschaften und politischer Partei(en) der Linken auf.<br \/>Der Ausgang   der Bundestagswahl ist Sand im Getriebe der neoliberalen Offensive, aber   er hat den Kapitalisten keinen Strich durch die Rechnung gemacht. Diese   setzen ihre Offensive in den Betrieben gegen die Arbeiterklasse fort.   Ein Unternehmen nach dem anderen k&#252;ndigt Arbeitsplatzabbau, Entlassungen   oder gar Werksschlie&#223;ungen an. Flankiert werden solche Ank&#252;ndigungen von   Forderungen nach l&#228;ngeren Arbeitszeiten, niedrigeren L&#246;hnen und einer   weiteren Absenkung der so genannten Lohnnebenkosten.<br \/>Auch wenn die   Bundesregierung vorerst auf die gesetzliche Zerschlagung des   Fl&#228;chentarifs, Eingriffe in die Mitbstimmung und die Besteuerung von   Schichtzulagen zu verzichten scheint, wird sie schon bald eine Reihe von   Angriffen auf den Lebensstandard und die Rechte der Arbeiterklasse   ank&#252;ndigen. Nach der Bekanntgabe der SPD-Minister im neuen Kabinett   jubilierte die Financial Times Deutschland: &quot;Ministerauswahl zeigt Wille   zu Reformen&quot;.<\/p>\n<p><b><span><\/b>Keine Zeit<\/span><\/p>\n<p>So wenig   Regierung und Kapital sich Zeit lassen werden, so wenig haben   GewerkschafterInnen, die Linke und AktivistInnen der sozialen Bewegungen   Zeit, den Widerstand zu planen. Die Voraussetzungen f&#252;r diesen sind   durch die Existenz der WASG und das Ergebnis der Bundestagswahl   erheblich verbessert. Das gilt in jeder Hinsicht: Die Idee, dass es eine   Alternative zur neoliberalen K&#252;rzungspolitik geben kann, hat Millionen   erfasst; die Bruchlinien innerhalb der Gewerkschaften zur SPD wachsen   t&#228;glich; die Bewegungen der Jahre 2003 und 2004 birgen wichtige Lehren   und haben Hunderttausende politisiert und aktiviert; die Existenz der   WASG und der Formierungsprozess einer neuen Linken sollten es   vereinfachen, K&#228;mpfe zu verbinden und ihnen eine politische Dimension zu   geben; die Bundestagsfraktion der Linken hat 54 Abgeordnete plus   MitarbeiterInnen und monatlich in etwa eine Million Euro (inklusive der   &#252;berzogenen Di&#228;ten) zur Verf&#252;gung, die sie auch zur Unterst&#252;tzung des   Widerstandes nutzen k&#246;nnte.<br \/>Dabei ist die Bilanz seit dem 18.   September bescheiden. Aus der Fraktion heraus gab es noch keine Signale   und keine konkreten Initiativen f&#252;r die Organisierung von Protesten   (wenn man mal von einer kleinen pressewirksamen Aktion der Abgeordneten   gegen die Ausweitung des Afghanistan-Mandats der Bundeswehr absieht).   Das zeigt: Die Genossinnen und Genossen Abgeordneten brauchen Druck von   der Basis und Feuer unterm Allerwertesten, damit sie nicht im   parlamentarischen Sumpf versinken.<\/p>\n<p><b><span><\/b>Gewerkschaften<\/span><\/p>\n<p> Den brauchen die Gewerkschaftsf&#252;hrungen nicht minder. Diese haben nur mit mehr   oder weniger markigen Worten reagiert, aber keine konkreten Schritte f&#252;r   Proteste unternommen. Dass Gewerkschaftsvorsitzende wie Wieseh&#252;gel (IG   BAU) davon sprechen, dass manche Kapitalisten Feinde sind, die man zur   Not bis zur Vernichtung bek&#228;mpfen m&#252;sse und der   rechtssozialdemokratische IG-BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt mit &#8211; als   illegal geltenden &#8211; politischen Streiks im Falle gesetzlicher Eingriffe   in die Tarifautonomie gedroht hat, dr&#252;ckt aber den Unmut und die   Erwartungshaltung vieler KollegInnen in den Betrieben aus. Die   Kampfbereitschaft zeigte sich zuletzt bei den Besch&#228;ftigten der   Universit&#228;tskliniken in Baden-W&#252;rttemberg, so wie sie sich 2003 und 2004   immer dann zeigte, wenn die Gewerkschaftsf&#252;hrungen ernsthafte Aufrufe zu   Streiks und Demonstrationen get&#228;tigt haben. Der Kongress der Initiative   zur Vernetzung der gewerkschaftlichen Linken vom 1. Oktober f&#252;hrte aber   leider vor Augen, dass die Organisierung einer schlagkr&#228;ftigen und   handlungsf&#228;higen innergewerkschaftlichen linken Opposition nicht   fortgeschritten ist.<br \/>Auf betrieblicher Ebene ist die   Auseinandersetzung in der IG Metall im DaimlerChrysler-Werk Mettingen   von gro&#223;er Bedeutung. Die k&#228;mpferischen &quot;Mettinger Rebellen&quot; werden von   der IG-Metall-Liste f&#252;r die anstehenden Betriebsratswahlen   ausgeschlossen und planen einen eigenst&#228;ndigen Antritt. Solche   betrieblichen Auseinandersetzungen, die Bildung von alternativen   gewerkschaftlichen Betriebsratslisten, k&#246;nnen KollegInnen Mut machen und   die Opposition auf betrieblicher Ebene st&#228;rken. Ausgehend von solchen   Entwicklungen und Erfolgen die bundesweite Vernetzung anzugehen, kann zu   einer St&#228;rkung der gewerkschaftlichen Opposition f&#252;hren.<\/p>\n<p><b><span><\/b> Verh&#228;ltnis zu WASG und Linkspartei<\/span><\/p>\n<p>Der Umgang mit WASG,   Linkspartei\/PDS und der neuen linken Bundestagsfraktion wird sicher auch   ein Thema des Kongresses sein. Forderungen, dass sich politische   Parteien nicht in die au&#223;erparlamentarischen Bewegungen direkt   einbringen sollen, m&#252;ssen zur&#252;ckgewiesen werden. Die Chance der &quot;neuen   Linken&quot; kann nur genutzt werden, wenn diese offensiv als Teil der   Bewegung agiert und entsprechend Forderungen an sie gerichtet werden   k&#246;nnen. Dies ist ebenfalls n&#246;tig, um den Bruch von GewerkschafterInnen   und ihren Organisationen mit der SPD zu forcieren. Andererseits darf es   keinerlei politische R&#252;cksichtnahme auf WASG und vor allem   Linkspartei\/PDS geben. Sich im Widerstand aufgrund parteipolitischer   Interessen bremsen lassen, darf nicht geschehen. Das gilt vor allem im   Bezug auf die in Landesregierungen Sozialabbau betreibende   Linkspartei\/PDS. Wo diese eine Politik gegen Besch&#228;ftigte und   Erwerbslose betreibt, ist sie Gegnerin und muss ihre Politik &#8211; nach   M&#246;glichkeit gemeinsam mit m&#246;glichst vielen ihrer tats&#228;chlich linken   Mitglieder &#8211; bek&#228;mpft werden.<\/p>\n<p><b><span><\/b>Bundesweite Demo   n&#246;tig<\/span><\/p>\n<p>Der Aktions- und Strategiekongress sollte einen   Aufruf an alle Gewerkschaften, Betriebs- und Personalr&#228;te, WASG- und   Linkspartei-Gliederungen, soziale Bewegungen und linke Organisationen   verabschieden. Dieser sollte zu einer Gegenoffensive gegen Gro&#223;e   Koalition und Kapital aufrufen. Die politische Kernaussage sollte sein,   keinerlei Sozialabbau und Arbeitsplatzvernichtung mehr zu akzeptieren.   Stattdessen sollte um eine Reihe zentraler Forderungen herum eine   Kampagne in alle Betriebe, Dienststellen, Nachbarschaften, Schulen und   Hochschulen getragen werden, die in einer bundesweiten Demonstration f&#252;r   diese Forderungen gipfelt. Gefordert werden sollte die komplette   R&#252;cknahme von Hartz IV, ein Verbot von Studiengeb&#252;hren,   Arbeitszeitverk&#252;rzung auf real 35 Stunden pro Woche bei vollem   Lohnausgleich, die Ablehnung von Arbeitsplatzvernichtung und   Werksschlie&#223;ungen und ein &#246;ffentliches Investitionsprogramm in den   Bereichen Gesundheit, Bildung, Umwelt und Verkehr finanziert durch eine   deutlich st&#228;rkere Besteuerung von Gewinnen und Verm&#246;gen.<br \/>  Eine bundesweite Demonstration gegen die Gro&#223;e Koalition k&#246;nnte eine   enorme Wirkung haben. Sie w&#252;rde den Widerstand gegen unterschiedliche   Angriffe verbinden und die Bewegung auf die Ebene zur&#252;ck bringen, die   sie schon erreicht hatte. Sie w&#252;rde erm&#246;glichen, in die politische   Offensive zu kommen und der Forderung nach einer grunds&#228;tzlich anderen   Politik massenhaften Nachdruck verleihen.<br \/>Doch die Erfahrungen von   2003 und 2004 haben auch unterstrichen, dass die Wirkung von   Demonstrationen allein begrenzt ist. Es war ein schwerwiegender Fehler,   dass nach dem 3. April durch die Gewerkschaftsf&#252;hrungen keine   Streikbewegung organisiert wurde, weil erstens kein wirtschaftlicher   Schaden f&#252;r die Kapitalisten entstanden ist (ihnen die Proteste also   nicht wirklich weh taten) und zweitens die Macht der Arbeiterklasse nur   begrenzt zum Ausdruck kam. Die letzte Aktionskonferenz vom Januar 2004   hatte die Forderung nach politischen Streiks aufgestellt. Daran muss nun   angekn&#252;pft werden und die Gewerkschaftsf&#252;hrungen in dieser Frage   offensiv herausgefordert werden.<br \/>In den letzten Wochen gab es   General- und Massenstreiks in Frankreich, Belgien, Indien, Kolumbien.   Warum nicht auch in Deutschland? Eine bundesweite Demonstration muss als   erster Schritt hin zu Streiks und einem n&#246;tigen eint&#228;gigen Generalstreik   verstanden werden. Schritte in diese Richtung k&#246;nnen auch auf lokaler   und regionaler Ebene ergriffen werden. So wie die Kasseler   Gewerkschaften im Dezember 2003 einen regionalen Streik- und Protesttag   gegen die Agenda 2010 und K&#252;rzungspl&#228;ne der hessischen Landesregierung   durchf&#252;hrten, an dem sich tausende KollegInnen aus Privatwirtschaft und   &#246;ffentlichem Dienst beteiligten, k&#246;nnten lokale Streiktage den Druck auf   die Gewerkschaftsf&#252;hrungen erh&#246;hen, einen bundesweit vereinheitlichten   Streik- und Protesttag durchzuf&#252;hren.<\/p>\n<p><b><span><\/b>K&#228;mpfe   verbinden<\/span><\/p>\n<p>Gerade weil Streiks entscheidend sein werden, um   ein Sparpaket der Gro&#223;en Koalition zur&#252;ckzuschlagen, ist es von   besonderer Bedeutung, den Widerstand dagegen mit den betrieblichen   Auseinandersetzungen zu verbinden. Hier spielen die Gewerkschaften die   entscheidende Rolle. Deshalb sollten besondere Anstrengungen unternommen   werden, GewerkschafterInnen, aber auch VertreterInnen gewerkschaftlicher   Gliederungen, zur Aktions- und Strategiekonferenz zu mobilisieren. Bei   einer guten Beteiligung aus Betrieben und Gewerkschaften k&#246;nnte von ihr   ein Appell zur Einberufung eines bundesweiten Notkongresses aller von   Arbeitsplatzvernichtung, Werkschlie&#223;ungen und Lohnk&#252;rzungen betroffenen   GewerkschafterInnen ausgehen. Ein solcher Kongress k&#246;nnte die   KollegInnen zusammen bringen, die sich in aktuellen Konflikten befinden   und eine gro&#223;e Dynamik entfalten. Er k&#246;nnte sowohl politische und   &#246;konomische Alternativen als auch eine Kampfstrategie diskutieren und   w&#252;rde ein Beitrag zur &#220;berwindung der Vereinzelung der verschiedenen   Belegschaften sein. Ausgehend von einem solchen Kongress k&#246;nnte die   Mobilisierung zu einer bundesweiten Demonstration massenhaft in die   Betriebe getragen werden.<\/p>\n<p><b><span><\/b>Und die Linke im Bundestag?<\/span><\/p>\n<p> Eine Protestbewegung gegen die Politik der Gro&#223;en Koalition und gegen die   Offensive der Bosse w&#228;re eine notwendige Voraussetzung, um aus dem   Vereinigungsprozess von WASG und Linkspartei\/PDS eine wirkliche   Neugr&#252;ndung zu machen, an der sich tausende bisher unorganisierte   ArbeiterInnen, Erwerbslose und Jugendliche beteiligen und eine wirklich   neue Partei schaffen w&#252;rden.<br \/>Der Druck einer Bewegung ist auch   n&#246;tig, um zu verhindern, dass eine neue Partei die politische Praxis der   Linkspartei\/PDS &#252;bernimmt und sich auf Landes- und kommunaler Ebene an   Sozialabbau beteiligt. Deshalb muss es f&#252;r k&#228;mpferische Linke und   SozialistInnen in WASG und Linkspartei\/PDS eine vordergr&#252;ndige Aufgabe   sein, den Widerstand mitzuorganisieren. Gleichzeitig muss Druck auf die   F&#252;hrungen und die Bundestagsfraktion ausge&#252;bt werden, damit diese nicht   nur zur&#252;ckhaltende verbale Unterst&#252;tzung f&#252;r Proteste geben, sondern   diese mit organisieren und praktisch-materiell unterst&#252;tzen. Dann k&#246;nnte   das Jahr 2006 der Anfang vom Ende der k&#252;rzesten Kanzlerschaft in der   Geschichte der Bundesrepublik und der Anfang des Aufbaus einer neuen   sozialistischen Arbeiterpartei sein.<\/p>\n<p><i><span><\/i>von Sascha   Stanicic, Bundessprecher der SAV <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img alt=\"widerstand\" style=\"width: 75px; height: 102px\" src=\"\/media\/2005\/widerstand2005.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n      Vorschl&#228;ge der SAV f&#252;r die Aktions- und Strategiekonferenz\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[176],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11415"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11415"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11415\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11415"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11415"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11415"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}