{"id":11401,"date":"2005-10-22T20:13:53","date_gmt":"2005-10-22T20:13:53","guid":{"rendered":".\/?p=11401"},"modified":"2005-10-22T20:13:53","modified_gmt":"2005-10-22T20:13:53","slug":"11401","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/10\/11401\/","title":{"rendered":"Erste politische Schachz&uuml;ge beim Wiederaufbau"},"content":{"rendered":"<p>Bericht der &#x84;Kampagne f&uuml;r gewerkschaftliche Rechte in Pakistan&#x93; (TURCP) zur Lage nach der Erdbebenkatastrophe in Asien<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>Eine atemberaubende Reaktion der ArbeiterInnen in Pakistans und Kaschmirs folgte dem verheerenden Erdbeben, um den Opfern der betroffenen Region zu helfen. In etlichen Orten haben ArbeiterInnen Hilfe geleistet und versucht Menschen zu retten, lange bevor &uuml;berhaupt milit&auml;rische Hilfe in die verw&uuml;steten Gebiete durchdringen konnte. Als die pakistanische Armee noch nicht einmal ihre kompletten Ressourcen aussch&ouml;pfen konnte, waren schon Freiwillige aus allen Teilen des Landes zusammengekommen, um ihre Hilfe anzubieten. Gerade die Spenden seitens der pakistanischen und kaschmirischen Gewerkschaften fielen reichlich aus. Trotzdem versuchen immer noch einige Parteien durch ihre Hilfsangebote politischen Nutzen f&uuml;r sich selbst zu erzielen.<\/p>\n<p class=\"western\">Islamistische Parteien und Organisationen treten als Helfer auf, um Zulauf aus den lokalen Communities zu erhalten. Auch bewaffnete und reaktion&auml;re islamische Gruppen sind f&ouml;rmlich wieder auferstanden. Sie treten nun offen auf und versuchen sich selbst als beste Helfer darzustellen. <\/p>\n<p class=\"western\">Diese Gruppen haben in der Vergangenheit linke AktivistInnen, GewerkschafterInnen und StudentInnen mit Gewalt bek&auml;mpft und auch vor Mord nicht zur&uuml;ckgeschreckt. Das nun wieder offene Auftreten dieser Gruppierungen in Kaschmir und der Nord-West-Grenzprovinz in Pakistan stellt eine gro&szlig;e Bedrohung f&uuml;r linke ArbeiterInnen und Studierende dar. Verbotene Organisationen wie die radikal-islamische Lashkar-e-Taibah (heute unter dem Namen Jamat al Dawah aktiv) oder Albadar Mujahideen (eine bewaffnete Gruppe, die in Verbindung mit Jamat-e-Islami steht) ringen um maximale mediale Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p class=\"western\">Genauso gehen die regierenden Parteien Kaschmirs und Pakistans vor. Sie geben sich alle M&uuml;he, um &uuml;ber die Bereitstellung von Hilfsg&uuml;tern politischen Nutzen f&uuml;r sich zu ziehen. In den letzten paar Tagen haben wir nichts anderes gesehen als einen verdeckten Wahlkampf unter dem Titel &#8222;Erdbebenhilfe&#8220;. Das pakistanische Musharraf-Regime will das verblasste Image seiner Armee wieder aufpolieren, und die regierungstreuen Medien sind bem&uuml;ht, dem Wunsch des Pr&auml;sidenten nach einer makellosen Propagandakampagne nachzukommen. Das Regime hat es abgelehnt, aus der Trag&ouml;die zu lernen und wiederholt die alten Fehler. Weiterhin werden ausschlie&szlig;lich Armeeoffiziere bei der Soforthilfe und im Wiederaufbau eingesetzt. Der Regierungsbeauftragte f&uuml;r Wiederaufbau steht im Rang eines Generals und hat soeben einen weiteren General berufen, um einen Bebauungsplan f&uuml;r die betroffenen Gebiete zu erstellen. Armeeobere sind mit der Organisation des Wiederaufbaus der zerst&ouml;rten Gebiete beauftragt worden. Und dies, obwohl sich die Armee schon direkt nach dem Beben durch Hilflosigkeit und eklatanten Fehler auszeichnete. General Musharraf musste dies in einer Rede an die Nation am 12. Oktober bereits eingestehen und erkl&auml;ren, dass Armee und Regierung entscheidende 72 Stunden zu sp&auml;t auf die Katastrophe reagierten. <\/p>\n<p class=\"western\">Die Generalit&auml;t will das Bild vermitteln, wonach ausschlie&szlig;lich dem Milit&auml;r als einziger ehrenhafter, verl&auml;sslicher und effektiv arbeitender Einrichtung im Land blind vertraut werden kann. Doch allem Anschein nach kommt es hinter den Kulissen schon zu Spannungen zwischen milit&auml;rischem Stab und den herrschenden Eliten Kaschmirs, die eigentlich den gr&ouml;&szlig;ten Teil zum Wiederaufbau leisten m&uuml;ssten. Auch zwischen der Regierung eines islamisch-religi&ouml;sen B&uuml;ndnisses (MMA) in der Nord-West-Grenzprovinz Pakistans und der Zentralregierung Musharrafs in der Hauptstadt Islamabad kommt es verst&auml;rkt zu Differenzen. So beansprucht die Provinzregierung f&uuml;r sich, &uuml;ber 50% der Hilfsg&uuml;ter verf&uuml;gen zu k&ouml;nnen. Diese Interessengegens&auml;tze k&ouml;nnen zu einem Wiederaufleben nationalistischer Tendenzen und dem Wunsch nach Unabh&auml;ngigkeit in Kaschmir und der Nord-West-Grenzprovins Pakistans f&uuml;hren. Die herrschenden Eliten der entsprechenden Regionen werden die nationalistischen Bestrebungen zu nutzen wissen, die wiederum durch Unterdr&uuml;ckung und Diskriminierung der nationalen und ethnischen Minderheiten gen&auml;hrt wurden. <\/p>\n<p class=\"western\">N&auml;chstes Jahr stehen im von Pakistan besetzten Teil Kaschmirs Wahlen an und 2007 wird in Pakistan selbst gew&auml;hlt. Die etablierten Parteien werden dann auf dem Pr&uuml;fstand stehen. Alle Protagonisten erwarten dabei gr&ouml;&szlig;ten Zulauf aufgrund ihres jeweiligen Einsatzes bei der aktuellen Naturkatastrophe. In diese politischen Schachz&uuml;ge ist eindeutig auch Jamat-e-Islami in Kaschmir und der Nord-West-Grenzprovinz Pakistans einbezogen. Es wurden bereits Mengen an Hilfsg&uuml;tern angeh&auml;uft, die in den kommenden Monaten verteilt werden, um dann damit Wahlkampf zu machen. Eine Alternative zu kapitalistischer Ausbeutung und dem Machtanspruch der Landlords zeigt jedoch niemand der Genannten auf. Jamat-e-Islami konzentriert sich in diesem Zusammenhang auf die Stadt Bagh, weil hier j&uuml;ngst ein Parlamentssitz gewonnen werden konnte &#8211; der einzige in ganz Kaschmir.<\/p>\n<p class=\"western\">Die F&uuml;hrung der Pakistanischen Volkspartei (Pakistan Peoples Party &#8211; PPP) in Kaschmir nutzt die von durchschnittlichen ArbeiterInnen gespendeten Hilfsg&uuml;ter ebenfalls f&uuml;r eigene Zwecke aus. Sie haben Lebensmittel etc. zur&uuml;ckgehalten, um die Verteilung zu verz&ouml;gern und damit sp&auml;ter den Wahlkampf zu beeinflussen. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Widerstand gegen die bewaffneten Gruppen<\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Mitglieder der &#8222;Kampagne f&uuml;r gewerkschaftliche Rechte in Pakistan und Kaschmir&#8220; (TURCP und TURC) mussten bereits viermal eingreifen um zu verhindern, dass Dutzende bewaffnete Mitglieder einer religi&ouml;sen Gruppe in Bagh Hilfsladungen unter Gewalt in ihr eigenes Camp leiten wollten. Sie beanspruchten die Hilfsg&uuml;ter f&uuml;r sich und wollten sie zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt abladen und verteilen. Die besagten LKWs waren allerdings f&uuml;r die l&auml;ndlichen Gebiete bestimmt. Als die TURC-Mitglieder eingriffen, um die bewaffneten K&auml;mpfer an der &Uuml;bernahme der LKWs zu hindern, kamen spontan Menschen vor Ort zusammen und stellten sich den Islamisten entgegen. Auf diese Weise konnten TURC-Mitglieder mit Hilfe der ortsans&auml;ssigen Bev&ouml;lkerung die bewaffneten K&auml;mpfer dazu zwingen, den Ort des Geschehens zu verlassen. <\/p>\n<p class=\"western\">Viele Parteien und religi&ouml;se Gruppen verteilen die Hilfsg&uuml;ter nicht nach fairen Ma&szlig;gaben. In der Regel wird nur unter den eigenen SympathisantInnen verteilt und ein Bruchteil wird den B&auml;uerInnen und ArbeiterInnen &uuml;berlassen. Die bewaffneten islamischen Gruppen ziehen alle Vorteile daraus, dass eine funktionierende Verwaltung in diesen Gebieten nicht vorhanden ist. <\/p>\n<p class=\"western\">Eine Alternative der Arbeiterklasse ist dringend erforderlich um das Geflecht aus Habgier und Ausbeutung zu beenden. Dieses kapitalistische System benutzt Zerst&ouml;rung und Elend, um Korruption zu verbreiten und einer Minderheit noch Profit aus der Misere zu beschaffen &#8211; auf Kosten der Mehrheit. Das Erdbeben, eine Naturkatastrophe, bringt den Horror der kapitalistischen Ordnung zutage. Die Katastrophe offenbart, dass das verrottete System des Kapitalismus endlich beendet und vom Sozialismus abgel&ouml;st werden muss. <\/p>\n<p class=\"western\">\n<p><span style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\">Erdbebenkatastrophe in Asien: Arbeiterkomitee f&uuml;r Unterst&uuml;tzung und Wiederaufbau in Bagh gegr&uuml;ndet<\/span><\/p>\n<p>Mitglieder der &#8222;Kampagne f&uuml;r gewerkschaftliche Rechte in Pakistan&#8220; (TURCP) haben ein Komitee gegr&uuml;ndet, um im Zuge ihrer Gewerkschaftsarbeit und politischen Kampagne auch Unterst&uuml;tzung und Wiederaufbauhilfe in der gegenw&auml;rtigen Situation vor Ort zu leisten. Zu diesem Zweck wurde ein f&uuml;nfk&ouml;pfiges Komitee bestehend aus Azad Qadri, Sattar Advocate, Shaukat Taimure und Jabar gew&auml;hlt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Das Team wird die Wiederaufbauarbeit in Bagh koordinieren. Die Gr&uuml;ndung dieses Komitees ist gleichzeitig ein wichtiger Schritt beim Aufbau einer verst&auml;rkten politischen Zusammenarbeit zwischen GewerkschafterInnen und linken AktivistInnen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">In der vergangenen Nacht haben Mitglieder von TURCP und der &#8222;Kampagne f&uuml;r gewerkschaftliche Rechte in Kaschmir&#8220; (TURC) gemeinsam eine LKW-Ladung Decken, Lebensmittel und Kleidung in zwei D&ouml;rfer gebracht, wo Hilfe verzweifelt erwartet wurde. Die Unterst&uuml;tzungsarbeit von TURCP und TURC besteht aus der Beschaffung und Verteilung von dringend ben&ouml;tigten Decken, Lebensmitteln und Medikamenten an bisher mehr als 5.000 Menschen in Kaschmir und der Nord-West-Grenzprovinz in Pakistan. Unser Ziel ist es, weitere solcher Komitees in anderen vom Erdbeben verw&uuml;steten Gebieten ins Leben zu rufen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-style: italic;\">Pressemitteilung der &#8222;Kampagne f&uuml;r gewerkschaftliche Rechte in Pakistan&#8220; (TURCP) vom 21. Oktober 2005<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht der &#x84;Kampagne f&uuml;r gewerkschaftliche Rechte in Pakistan&#x93; (TURCP) zur Lage nach der Erdbebenkatastrophe in Asien<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11401"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11401"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11401\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11401"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11401"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11401"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}