{"id":11400,"date":"2005-10-19T14:17:08","date_gmt":"2005-10-19T14:17:08","guid":{"rendered":".\/?p=11400"},"modified":"2005-10-19T14:17:08","modified_gmt":"2005-10-19T14:17:08","slug":"11400","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/10\/11400\/","title":{"rendered":"&quot;Ihre einzige Waffe sind Streiks und Demonstrationen&quot;"},"content":{"rendered":"<p>  Polen: Geringe Wahlbeteiligung bringt rechten Fl&#252;gel an die Macht<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Rechte Parteien wurden bei den Parlamentswahlen an die Macht gebracht.   Die rechts-populistische &quot;Recht und Ordnung&quot;-Partei (PiS) bekam 27   Prozent der Stimmen und ist damit st&#228;rkste Fraktion im Parlament,   gefolgt von der neo-liberalen &quot;Zivilen Plattform&quot;-Partei (PO) mit 24   Prozent der Stimmen.<\/p>\n<p>  Dennoch zeigt die geringe Wahlbeteiligung von 40 Prozent, der tiefste   Stand bisher, dass zwei Drittel der Wahlberechtigten den etablierten   Parteien eine regelrechte Abfuhr erteilten. Damit bringen sie ihr Gef&#252;hl   zum Ausdruck, dass keine der Parteien ihre Interessen vertritt. Das   bedeutet weiter, dass die neue Regierung auf einer sehr schmalen   sozialen Basis agiert &#8211; denn nur 20 Prozent der Wahlberechtigten haben   wirklich f&#252;r die aktuellen Regierungsparteien gestimmt. Weit davon   entfernt eine starke Regierung zu bilden, wird die neue   rechtspopulistisch-neoliberale-Regierung deutlicher Schw&#228;che und   Verwundbarkeit entgegenblicken. Nicht nur wird sie Probleme haben   Unterst&#252;tzung in der Gesellschaft zu finden, sondern es werden sich auch   Konflikte in der Regierung auftun, sobald die neo-liberale Zivile   Plattform (PO) unausweichlich mit der von der &quot;Recht und   Ordnungs&quot;-Partei (PiS) versprochenen Sozialpolitik zusammensto&#223;en wird. <\/p>\n<p>  Die erste H&#252;rde f&#252;r die Koalitionsregierung der PO und PiS wird ein   Abkommen &#252;ber die Auswahl des Kabinetts sein. Abgesehen von den   Personalentscheidungen gibt es bereits Streitigkeiten &#252;ber die   Wirtschaftspolitik der k&#252;nftigen Regierung. W&#228;hrend die PO sich f&#252;r eine   Einfachsteuer-Politik stark macht, stellt sich die PiS dagegen. Die   Zivile Plattform(PO) will alles, was nicht niet- und nagelfest ist,   privatisieren, wohingegen die &quot;Recht und Ordnungs&quot;-Partei (PiS)   skeptisch zu weiteren Privatisierungen steht. Die PO hat im Programm das   Fortf&#252;hren weiterer sozialer K&#252;rzungen, wobei die PiS wiederum einige   Elemente der Sozialen Sicherungssysteme intakt lassen will.<\/p>\n<p>  Die Parlamentswahlen in Polen kommentierend, zeigt die britische Zeitung   The Economist (London) auf: &quot;Seit dem Fall des &quot;Kommunismus&quot; schwenkte   das Pendel zwischen links und rechts in einer Abfolge von instabilen   Koalitionen oder Minderheitsregierungen. Und doch, abseits dieser   politischen Kreisbewegungen, blieb von den Machthabern ausgef&#252;hrte   Politik bemerkenswert gleich. Keine von Polens Regierungen hat sich   vollst&#228;ndig von Privatisierung, Deregulierung oder der EU abgewandt.   Noch scheint solch ein erdbeben-artiger Wechsel nahe.&quot;<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Demokratische Links-Allianz (SLD) ein ziemlich schwachses   Wahlergebnis erreichte (runter von 40 Prozent vor 4 Jahren auf 11   Prozent bei dein jetzigen Wahlen), war dies wesentlich besser als   erwartet. Vor einigen Monaten wurden die parlamentarischen Wahlchancen   der SLD von den meisten politischen Kommentatoren komplett   abgeschrieben, nachdem die Zeit an der Regierung f&#252;r sie verheerende war. <\/p>\n<p>  <b><span>  <\/b>&quot;Ihre einzige Waffe werden Streiks und Demonstrationen sein&quot;<\/span> <\/p>\n<p>  Die Schwierigkeiten der herrschenden Klasse wird von der Berliner   Zeitung so zusammengefasst:<\/p>\n<p>  &quot;Aus Polen ist ein Land ohne jegliche Repr&#228;sentanz der Linken geworden.   Das ist nicht nur erstaunlich, sondern auch gef&#228;hrlich. Erstaunlich,   weil dieses Land durchaus weitreichende Reformen seines Renten- und   Gesundheitssystems, der Steuern und des Arbeitsmarktes bedarf.   Gef&#228;hrlich, weil diejenigen Verlierer der Reformen ohne effektive   Interessenvertretungen im Parlament bleiben. Ihre einzige Waffe werden   Streiks und Demonstrationen sein.&quot;<\/p>\n<p>  Schwerpunkt wird jetzt auf die Pr&#228;sidentschaftswahlen am 9. Oktober   gelegt. Momentan f&#252;hrt Donald Tusk, Kandidat der Zivilen Plattform (PO)   die Umfragen, gefolgt vom &quot;Recht und Ordnung&quot;-Partei (PiS)-Kandidaten   Lech Kaczynski. Ungl&#252;cklicherweise kam der einzige linke Kandidat,   Daniel Podrzycki, Vorsitzender der Polnischen Arbeiter-Partei(PPP) und   der k&#228;mpferischen Gewerkschaft Sierpien 80 (August 80), bei einem   Autounfall ums Leben, dies geschah letztes Wochenende nur Stunden vor   den Parlamentswahlen. Obwohl die PPP nur 0,8 Prozent der Stimmen   erhielt, h&#228;tte das gesteigerte Profil der PPP ihr bei den kommenden   Pr&#228;sidentschaftswahlen durchaus einige Prozentpunkte mehr eingebracht.   Damit w&#228;re eine bessere Chance f&#252;r die St&#228;rkung des Aufbaus und   Entwicklung der eigenen Strukturen der PPP gegeben. Jetzt, mit dem Tod   dieses charismatischen, k&#228;mpferischen Vorsitzenden, ist die Zukunft der   Polnischen Arbeiterpartei ungewiss.<\/p>\n<p>  Am Ende der Wahlen, wenn sich der Staub gelegt haben wird und die   letzten Wahlkampf-Plakate runtergerissen, kehrt in Polen alles wieder   zum &quot;normalen Zustand&quot; zur&#252;ck. Mit anderen Worten, mehr Sozialk&#252;rzungen,   Fabrikschlie&#223;ungen und Entlassungen, Korruptionsf&#228;lle und weitere   Angriffe auf die Besch&#228;ftigten werden folgen. Jedoch, die polnischen   Arbeiter und Angestellten werden diese Angriffe nicht tatenlos   hinnehmen. Auch wenn eine enorme Apathie bez&#252;glich dieser Wahlen   herrschte, so hei&#223;t dies noch lange nicht, das diese Apathie sowohl auf   den industriellen Sektor\/ die betriebliche Sph&#228;re zutrifft. Doch wenn   die polnische herrschende Klasse dies denkt, kann sie sich auf einen   unangenehmen Schock gefasst machen, der ihr von der polnischen   Arbeiterklasse beigebracht wird.<\/p>\n<p>  <i>von Paul Newbery, GPR(cwi), Polen &#8211; deutsche &#220;bersetzung von   Stepjanovitsch Ljem<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Polen: Geringe Wahlbeteiligung bringt rechten Fl&#252;gel an die Macht\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11400"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11400"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11400\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11400"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11400"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11400"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}