{"id":11397,"date":"2005-10-03T12:16:16","date_gmt":"2005-10-03T12:16:16","guid":{"rendered":".\/?p=11397"},"modified":"2005-10-03T12:16:16","modified_gmt":"2005-10-03T12:16:16","slug":"11397","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/10\/11397\/","title":{"rendered":"&raquo;Ein Dokument der Hilflosigkeit&laquo;"},"content":{"rendered":"<p>Betriebsrats- und Gewerkschaftsspitze setzen den K&uuml;rzungspl&auml;nen bei DaimlerChrysler wenig entgegen. Daniel Behruzi sprach mit Tom Adler, Betriebsrat im DaimlerChrysler-Werk Untert&uuml;rkheim und Mitherausgeber der oppositionellen Betriebszeitung &raquo;alternative&laquo;.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold; font-style: italic;\">DaimlerChrysler will 8500 der 94 000 Arbeitspl&auml;tze in den deutschen Mercedes-Werken abbauen. Wie ist die Stimmung in der Belegschaft nach dieser Ank&uuml;ndigung?<\/span><br \/> Nat&uuml;rlich ged&auml;mpft. Es ist aber auch eine kr&auml;ftige Komponente Zorn dabei. Bei den Betriebsversammlungen wurde massive Kritik am Vorgehen des Managements laut. Wir haben es also trotz der allgegenw&auml;rtigen Sorge um den eigenen Arbeitsplatz keineswegs mit einer v&ouml;llig eingesch&uuml;chterten und handlungsunf&auml;higen Belegschaft zu tun.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold; font-style: italic;\">Beruhigt die Besch&auml;ftigten nicht, da&szlig; die Jobs &raquo;sozialvertr&auml;glich&laquo;, also durch Altersteilzeit und Abfindungen, abgebaut werden sollen?<\/span><br \/> Ein St&uuml;ck weit sicher, allerdings ist zu bezweifeln, ob die Abfindungsangebote tats&auml;chlich f&uuml;r so viele interessant sind. Die Kollegen sehen au&szlig;erdem am Beispiel Volkswagen, da&szlig; der Ausschlu&szlig; betriebsbedingter K&uuml;ndigungen nicht wirklich wasserdicht gesichert ist. Dort hat ja die Konzernspitze dieser Tage \u2013 nicht einmal ein halbes Jahr nachdem eine &auml;hnliche Vereinbarung wie bei DC unterschrieben wurde \u2013 weitere Verzichtsforderungen gestellt und durchgesetzt. Zudem sind in der &raquo;Zukunftsvereinbarung&laquo; bei Daimler lediglich betriebsbedingte K&uuml;ndigungen ausgeschlossen. Eine Sicherung der Arbeitspl&auml;tze \u2013 wie damals behauptet \u2013 ist das aber eben nicht.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold; font-style: italic;\">Im letzten Jahr haben Gesamtbetriebsrat (GBR) und IG Metall Lohnk&uuml;rzungen von 500 Millionen Euro bei DaimlerChrysler zugestimmt. Jetzt hat IG Metall-Vize Berthold Huber gesagt, die Gewerkschaft akzeptiere die Zahl 8500 &raquo;nicht per se&laquo;. Wie beurteilen Sie diese Haltung?<\/span><br \/> Wenn Huber &auml;hnlich wie GBR-Chef Erich Klemm allenfalls noch die Zahl der zu vernichtenden Arbeitspl&auml;tze in Frage stellt, dr&uuml;ckt das aus, da&szlig; sie der Unternehmerlogik nichts entgegenzusetzen haben. Zumindest m&uuml;&szlig;te man doch erwarten, da&szlig; sie Alternativen zur Arbeitsplatzvernichtung propagieren. Und das kann z.B. hei&szlig;en: statt 900 Millionen Euro in Abfindungsprogramme zu &raquo;investieren&laquo; mu&szlig; die Arbeitszeit bei vollem Nettolohnausgleich verk&uuml;rzt werden. Die Umverteilung der Arbeit auf mehr H&auml;nde und K&ouml;pfe mu&szlig; auch generell wieder die gewerkschaftliche Antwort auf &Uuml;berkapazit&auml;ten und die enorm gestiegene Produktivit&auml;t sein. Offensichtlich ist dieser strategische Ansatz in den K&ouml;pfen derjenigen, die sich F&uuml;hrung nennen, aber nicht mehr existent.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold; font-style: italic;\">Sind die Belegschaften denn in der Lage, solche Forderungen durchzusetzen?<\/span><br \/> Da&szlig; die Kollegen bereit sind, sich zur Wehr zu setzen, haben sie immer wieder \u2013 u.a. bei den Aktionen im vergangenen Jahr \u2013 bewiesen. Auch in der letzten Tarifauseinandersetzung war deutlich zu sp&uuml;ren, da&szlig; den Kollegen der Zusammenhang zwischen Jobs und Arbeitszeit vermittelbar ist. Daraus wird nicht von heute auf morgen ein Streik um die 30-Stunden-Woche. Aber wann, wenn nicht jetzt, wollen wir versuchen, solche Forderungen wieder zu popularisieren? <br \/> Die GBR-Spitze und gro&szlig;e Teile der IGM-Hauptamtlichen sind aber nach wie vor hilflos in der Standortlogik gefangen. Ein besonders krasses Beispiel daf&uuml;r hat k&uuml;rzlich bei uns auf einer Betriebsversammlung ein Stuttgarter Gewerkschaftssekret&auml;r abgeliefert: Auf Kritik an der bei Daimler im Dienstleistungsbereich vereinbarten Arbeitszeitverl&auml;ngerung und dem Hinweis darauf, da&szlig; die Kollegen bei Porsche entsprechendes abgelehnt und verhindert haben, argumentierte er, Porsche habe ja auch eine Kapitalrendite von 13 und Daimler nur von vier Prozent\u2026<br \/> <br style=\"font-weight: bold; font-style: italic;\"> <span style=\"font-weight: bold; font-style: italic;\">Bei VW sind \u2013 wenige Monate nach der letzten K&uuml;rzungsrunde \u2013 neue Lohnsenkungen akzeptiert worden. Die IG Metall scheint dem gegenseitigen Ausspielen verschiedener Belegschaften &uuml;berhaupt nichts mehr entgegenzusetzen.<\/span><br \/> Das stimmt. Die seinerzeitige linke Kritik, das VW-Modell &raquo;5000&#215;5000&laquo; sei keine Ausnahme, sondern der Anfang vom Ende des VW-Haustarifs, erweist sich nun als richtig, obwohl das damals alles bestritten wurde. Die Konzernvorst&auml;nde spielen sich mit den Kostensenkungs- und Personalabbauprogrammen gegenseitig den Ball zu. Der k&uuml;nftige Daimler-Chef Dieter Zetsche hat bereits angek&uuml;ndigt, da&szlig; mit dem Personalabbau von 8500 noch l&auml;ngst nicht alles im Lot sei. Die Strategie ist klar: Erst wurden schlechtere Konditionen bei Neueinstellungen vereinbart, jetzt wird massenhaft Personal &uuml;ber Abfindungsprogramme rausdr&uuml;ckt, danach folgt vielleicht wieder ein gewisser Personalaufbau \u2013 das dann aber zu schlechteren Konditionen. Vor diesem Hintergrund ist die bisherige Positionierung des 2. Vorsitzenden, des Bezirksleiters und des Gesamtbetriebsrats nur noch ein Dokument der Hilflosigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betriebsrats- und Gewerkschaftsspitze setzen den<br \/>\nK&uuml;rzungspl&auml;nen bei DaimlerChrysler wenig entgegen. 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