{"id":11393,"date":"2005-10-04T11:07:15","date_gmt":"2005-10-04T11:07:15","guid":{"rendered":".\/?p=11393"},"modified":"2005-10-04T11:07:15","modified_gmt":"2005-10-04T11:07:15","slug":"11393","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/10\/11393\/","title":{"rendered":"Die Jobs von heute sind die McJobs von morgen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>CWI-Kampagnen gegen Niedrigl&ouml;hne<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>Mangels Alternative sitzen immer mehr Menschen f&uuml;r wenig Geld an der Supermarkt-Kasse, kellnern, putzen, tragen Zeitungen aus oder sind Leiharbeiter. Die Folgen solcher McJobs sind Unsicherheit, Stress und Armut im Alter durch niedrige Rentenanspr&uuml;che. <\/p>\n<p>Prek&auml;r Besch&auml;ftigte sind oft Arbeitgeberwillk&uuml;r ausgesetzt. So gibt es zum Beispiel bei den bundesweit 2.600 Lidl-Filialen nur in acht Filialen einen Betriebsrat. Die Bosse f&uuml;hlen sich sicherer und sind brutaler als bei Stammbelegschaften, die sich kennen, zusammenhalten und eher Gewerkschafter sind. Frauen, die durch ihre Situation ohnehin schon benachteiligt sind, sind noch leichter erpressbar. Wie k&ouml;nnen wir uns dagegen wehren?<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">UNITE-Kampagne in Australien<\/p>\n<p>Die australische Schwesterorganisation der SAV, die Socialist Party, hat die UNITE-Kampagne angesto&szlig;en, um was gegen die Ausbeutung von prek&auml;r Besch&auml;ftigten zu tun, die in Australien mehr als ein Viertel aller Arbeitenden ausmachen.<\/p>\n<p>Besch&auml;ftigte von Borders Books sind im vergangenen Jahr an UNITE herangetreten, da sie zwar fest angestellt sind, aber zu Hungerl&ouml;hnen arbeiten, ohne &Uuml;berstundenverg&uuml;tung und mit Einzelvertr&auml;gen. Borders Books ist also ein so mieser Arbeitgeber wie Starbucks oder McDonalds und als gewerkschaftsfeindlich bekannt. So erwirtschaftete sich der US-Buchhandlungsmulti im letzten Jahr einen Gewinn von 3,8 Milliarden Dollar.<\/p>\n<p>Nach einer wochenlangen intensiven Kampagne wurde ein wichtiger Punktsieg gegen den US-Multi gewonnen. UNITE hat &ouml;ffentlich gemacht, wie Borders seine Leute behandelt. Es wurden Kundgebungen vor den Gesch&auml;ften organisiert, massenhaft Unterschriften gesammelt und plakatiert. Es gab auch eine Konferenz zu dem Thema, wo neben vielen Diskussionen auch Politiker ausgequetscht wurden, was die Aufmerksamkeit der Medien weckte. Aus Angst vor Streik und einer Boykottkampagne gab die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung dem Druck nach. Erk&auml;mpft wurde ein Haustarifvertrag, &Uuml;berstundenverg&uuml;tung und die Anerkennung der Gewerkschaft &#8211; zum erste Mal f&uuml;r Borders in Australien. Die Folge ist, dass Manager mit ihren Einzelvertr&auml;gen am Sonntag abend um die 16 australische Dollar die Stunde bekommen, w&auml;hrend die Besch&auml;ftigten f&uuml;r &uuml;ber 40 Dollar Stundenlohn arbeiten!<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Soliarbeit f&uuml;r entlassene KollegInnen in Britannien<\/p>\n<p>Das Catering British Airways wurde als Gate Gourmet verkauft und landete schlie&szlig;lich bei Texas Pacific, einer US-Firma, die hart gegen Gewerkschaften vorgeht und zu der auch Burger King geh&ouml;rt. Besitzer ist der Milliard&auml;r David Bondermann, der schon mal zehn Millionen US-Dollar f&uuml;r seine Geburtstagsparty ausgegeben hat.<\/p>\n<p>Die L&ouml;hne bei Gate Gourmet sind seit drei Jahren nicht erh&ouml;ht worden. Jetzt sollten Leute aus Osteuropa eingestellt werden, die gezwungen sind, f&uuml;r noch weniger Geld zu arbeiten.<\/p>\n<p>Doch um Abfindungen und Rentenanspr&uuml;che zu umgehen, provozierte die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung einen wilden Streik. Zuerst wurde ein nicht hinnehmbarer &#x84;Restrukturierungsplan&#x93; herausgegeben, der Verschlechterungen bei L&ouml;hnen, Sonderzahlungen und Arbeitszeit forderte. Bei der folgenden spontanen Betriebsversammlung wurden alle 800 Besch&auml;ftigten auf beson-ders schockierende Weise entlassen: &uuml;ber die Lautsprecheranlage und einer Frist von drei Minuten! Doch die Arbeitgeber hatten nicht mit der Solidarit&auml;t der Heathrow-Besch&auml;ftigten gerechnet. 1.000 Gep&auml;cktransporteure und andere Besch&auml;ftigte des Flughafens traten in den Solidarit&auml;tsstreik und legten am 11. August den Flughafen lahm.<\/p>\n<p>Sie handelten sehr mutig, und das nicht nur, weil Heathrow einer der gewerkschaftlich am besten organisierten Betriebe ist. Ein Grund bestand darin, dass BA auch ihre Bezahlung und Bedingungen verschlechtern will.<\/p>\n<p>Es ist n&ouml;tig, dass Gewerkschaften prek&auml;re Besch&auml;ftigung zum Thema machen wie bei der Lidl-Kampagne unter anderem mit dem Schwarzbuch. Au&szlig;erdem m&uuml;ssen sie die prek&auml;r Besch&auml;ftigten organisieren und vor allem bei deren K&auml;mpfen Solidarit&auml;t organisieren.<\/p>\n<p>Doch jeder kann einen Beitrag leisten &#8211; wie die antikapitalistische Jugendorganisation International Socialist Resistance, die von der Socialist Party in England und Wales mit initiiert wurde. W&auml;hrend der Auseinandersetzung kl&auml;rten sie vor Burger-King-Filialen im ganzen Land &uuml;ber die Zust&auml;nde bei Gate Gourmet auf &#8211; mit Kundgebungen in Stra&szlig;en und auf Pl&auml;tzen, mit Unterschriftensammlungen und mit Infost&auml;nden. In solchen Auseinandersetzungen braucht man einen langen Atem. ISR und die Socialist Party mit mehr als einem Dutzend GenossInnen in nationalen Gewerkschaftsvorst&auml;nden haben dort f&uuml;r Antr&auml;ge gek&auml;mpft, die &uuml;berregionale Gegenwehr und eine Vernetzung von Protesten vorschlugen. Leider nutzt die Gewerkschaftsf&uuml;hrung in Gro&szlig;britannien ihre M&ouml;glichkeiten genauso wenig wie in Deutschland. Aber die KollegInnen von Gate Gourmet und die Solidarit&auml;tsarbeit hat viele ermutigt, sich nicht alles gefallen zu lassen.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">von Linda Sch&uuml;tz, Rostock<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CWI-Kampagnen gegen Niedrigl&ouml;hne<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[104],"tags":[175],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11393"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11393"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11393\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}