{"id":11392,"date":"2005-10-02T11:04:25","date_gmt":"2005-10-02T11:04:25","guid":{"rendered":".\/?p=11392"},"modified":"2005-10-02T11:04:25","modified_gmt":"2005-10-02T11:04:25","slug":"11392","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/10\/11392\/","title":{"rendered":"&quot;Verzichtsangebote beschwichtigen den Arbeitgeber nicht&quot;"},"content":{"rendered":"<p>  Gespr&#228;ch mit Carsten Becker, Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe am   Uniklinikum Charit&#233; in Berlin<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b><span>  <\/b>Am Berliner Universit&#228;tsklinikum Charit&#233; finden w&#246;chentlich   Protestaktionen der Besch&#228;ftigten statt. Wogegen richten sich diese?<\/span> <\/p>\n<p>  Schon Anfang 2003 hat der Berliner SPD\/PDS-Senat Tarifflucht begangen.   Seither gibt es f&#252;r uns keinerlei Lohnerh&#246;hungen. Neueingestellte m&#252;ssen   l&#228;nger f&#252;r weniger Geld arbeiten.<\/p>\n<p>  Jetzt sagt der Charit&#233;-Vorstand, dass dem Klinikum ab 2007 eine Notlage   droht. Die Gr&#252;nde: Zum einen hat der Senat die Zusch&#252;sse f&#252;r die   Universit&#228;tsmedizin um 98 Millionen Euro gek&#252;rzt. Zum anderen drohen der   Charit&#233; durch die Umstellung der Krankenhausfinanzierung &#8211; der   Einf&#252;hrung von Fallpauschalen &#8211; gr&#246;&#223;ere Einnahmeausf&#228;lle. Mit dieser   Begr&#252;ndung will der Vorstand nun 266 Millionen Euro bis 2010 einsparen &#8211;   davon 90 Millionen durch Personalabbau und j&#228;hrlich 40 Millionen durch   Tarifabsenkung. Gegen diesen Lohnraub und die Vernichtung von   Arbeitspl&#228;tzen setzen wir uns zur Wehr.<\/p>\n<p>  Nun hat ver.di bereits die Senkung der Lohnkosten um 30 Millionen Euro   angeboten.<\/p>\n<p>  Der Vorstand droht mit der betriebsbedingten K&#252;ndigung von &#252;ber 3.000   Besch&#228;ftigten. Durch einen bis 2010 befristeten Verzicht haben wir   versucht, diese Arbeitspl&#228;tze abzusichern. Dieses Angebot war an klare   Bedingungen gekn&#252;pft: die Mitgliedschaft der Charit&#233; im Kommunalen   Arbeitgeberverband, sowie der Ausschluss betriebsbedingter K&#252;ndigungen   und von Privatisierungen.<\/p>\n<p>  Den letzten Punkt hat der Charit&#233;-Vorstand schon jetzt &#8211; mit dem   Einstieg des privaten Krankenhausbetreibers Helios in der P&#228;diatrie   (Abteilung f&#252;r Kinderheilkunde) im Benjamin-Franklin-Krankenhaus in   Steglitz &#8211; geknackt.<\/p>\n<p>  Das ist nicht der einzige von uns formulierte &quot;K.o.-Punkt&quot;, gegen den   sie versto&#223;en haben. Der Vorstand hat auch klargemacht, dass er weiteren   Personalabbau will. Die von uns geforderte automatische Einf&#252;hrung des   Tarifvertrags f&#252;r den &#246;ffentlichen Dienst (TV&#214;D) ab 2010 wollten   Vorstand und Aufsichtsrat auf keinen Fall zusichern. Stattdessen haben   sie noch eine Schippe draufgelegt: Jetzt wollen sie die L&#246;hne um 40   statt um 30 Millionen Millionen Euro k&#252;rzen.<\/p>\n<p>  <b><span>  <\/b>Wie haben die Besch&#228;ftigten auf diese Provokation reagiert?<\/span> <\/p>\n<p>  Am Anfang war die Stimmung im Betrieb zur Frage des Lohnverzichts sehr   unterschiedlich. Einige meinten, dass wir uns einen Verzicht einfach   nicht mehr leisten k&#246;nnen. Andere &#8211; vor allem bei den Arbeitern, die   zwar gewerkschaftlich am Besten organisiert sind, wegen der Ausgr&#252;ndung   der technischen Bereiche aber um ihre Arbeitsvertr&#228;ge f&#252;rchten &#8211; waren   hingegen zu Zugest&#228;ndnissen bereit. Durch die neuerliche Provokation des   Vorstands ist aber allen Kollegen klargeworden, dass Verzichtsangebote   den Arbeitgeber nicht beschwichtigen. Die ver.di-Tarifkommission hat   deshalb einstimmig beschlossen, zu unseren Ausgangsforderungen   zur&#252;ckkehren: Kein Lohnverzicht, die &#220;bernahme des TV&#214;D ohne Abstriche,   keine betriebsbedingten K&#252;ndigungen und Privatisierungen. Au&#223;erdem   fordern wir jetzt eine Einmalzahlung von 1.000 Euro an alle   Besch&#228;ftigten &#8211; quasi als Schmerzensgeld f&#252;r die bisherigen   Unversch&#228;mtheiten.<\/p>\n<p>  Verwundert es, dass die Zuspitzung ausgerechnet durch einen   SPD-PDS-Senat herbeigef&#252;hrt wurde?<\/p>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten der Charit&#233; sind ja nicht die einzigen, die von diesem   Senat zum Lohnverzicht erpresst werden. Schon vor &#252;ber einem Jahr haben   SPD und Linkspartei\/PDS mit dem Ausstieg aus der Tarifgemeinschaft bei   den Landesbesch&#228;ftigten den Vorreiter beim Lohndumping gespielt &#8211;   gefolgt von Lohnk&#252;rzungen bei vivantes und der BVG. Es hat wohl vorher   keinen Senat gegeben, der so massiv und konsequent Tarifabsenkungen und   Privatisierungen betrieben hat, wie dieser.<\/p>\n<p>  Was m&#252;sste ver.di dieser Entwicklung entgegensetzen?<\/p>\n<p>  Schon bei den Landesbediensteten, bei der BVG und vivantes hat die   Gewerkschaftsspitze den Verzicht mit durchgesetzt, statt die Kolleginnen   und Kollegen dagegen zu mobilisieren. Deswegen hat unsere Betriebsgruppe   von vornherein festgelegt, dass wir jede Tarifkommissionssitzung mit   einer Mitgliederversammlung nachbereiten, damit die Mitglieder &#252;ber   jeden Verhandlungsschritt abstimmen k&#246;nnen und keine Vorentscheidungen   &#252;ber ihre K&#246;pfe hinweg getroffen werden.<\/p>\n<p>  Die Gewerkschaft m&#252;sste vor allem mehr daf&#252;r tun, die betroffenen   Belegschaften zusammenzubringen &#8211; in Berlin und bundesweit. Wegen der   dramatischen Ver&#228;nderungen im Gesundheitswesen schlagen wir vor, dass   ver.di einen Kongress von Aktivisten aus diesem Bereich organisiert. Das   wollen wir auch in Berlin durchsetzen. ver.di mu&#223; deutlich machen, dass   das, was auf die Krankenh&#228;user zukommt, nicht vom Himmel f&#228;llt, sondern   politisch gewollt ist.<\/p>\n<p>  Ist das nicht auch ein ideologisches Problem? Die ver.di-Spitze selbst   bef&#252;rwortet den &quot;Wettbewerb der Gesundheitsanbieter&quot;.<\/p>\n<p>  Diese Position muss sich &#228;ndern. Hier hat sich auch im Bewusstsein der   Bev&#246;lkerung einiges getan: Privatisierung wird viel st&#228;rker als noch vor   einigen Jahren abgelehnt. Das merken wir auch in der eigenen Belegschaft.<\/p>\n<p>  <i><span>  <\/i>Das Interview f&#252;hrte Daniel Behruzi<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gespr&#228;ch mit Carsten Becker, Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe am<br \/>\n      Uniklinikum Charit&#233; in Berlin\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14,17],"tags":[175],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11392"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11392"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11392\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11392"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11392"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11392"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}