{"id":11391,"date":"2005-09-28T11:00:41","date_gmt":"2005-09-28T11:00:41","guid":{"rendered":".\/?p=11391"},"modified":"2005-09-28T11:00:41","modified_gmt":"2005-09-28T11:00:41","slug":"11391","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/09\/11391\/","title":{"rendered":"&#8222;Bitter&#8220; f&uuml;r&acute;s Kapital"},"content":{"rendered":"<p>Das Bundestagswahlergebnis widerspiegelt die Instabilit&auml;t in Deutschland<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Das Ergebnis ist aus Sicht der Wirtschaft bitter entt&auml;uschend. Es macht das Regieren sehr schwierig.&#x93;<\/span> So das Fazit unmittelbar nach der Bundestagswahl von J&uuml;rgen Thumann, dem Pr&auml;sidenten des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie). Die Politik f&uuml;r Banken und Konzerne wurde abgestraft: Rot-Gr&uuml;n wurde f&uuml;r die Agenda-2010-Politik abgew&auml;hlt. Merkel erhielt keine Mehrheit zum &#x84;Durchregieren&#x93; der vom Kapital gew&uuml;nschten schwarz-gelben Angriffskoalition gegen die Gewerkschaften, gegen Fl&auml;chentarifvertr&auml;ge und K&uuml;ndigungsschutz. Doch das Wichtigste: Die Linke ist mit 8,7 Prozent im Bundestag und damit eine Ermutigung f&uuml;r alle AktivistInnen in Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen.<\/p>\n<p>Das Wahlergebnis legt vor allem offen: Der sozialen Instabilit&auml;t, wirtschaftlicher Stagnation und Massenarbeitslosigkeit folgt die politische Instabilit&auml;t. SPD und CDU bekommen zusammen erstmals seit 50 Jahren weniger als 70 Prozent. Das Wahlergebnis spiegelt vor allem eine Suche der W&auml;hlerInnen nach Alternativen: Gew&auml;hlt wurde gegen die Regierungsparteien in Bund und dem jeweiligen Bundesland, gegen Sozialkahlschlag und K&uuml;rzungen.<\/p>\n<p>Das folgende Gerangel um die Regierungsbildung beinhaltet zwar auch, dass die Unternehmer die unterschiedlichsten Konstellationen n&uuml;tzen k&ouml;nnen, um ihre Politik aus&uuml;ben zu lassen. Es zeigte aber, dass stabile Mehrheiten f&uuml;r die Banken und Konzerne schwieriger zu organisieren sind. Der Versuchung, diesen Spielraum f&uuml;r seine pers&ouml;nliche Interessen zu nutzen, konnte Noch-Kanzler Schr&ouml;der nicht widerstehen &#8211; und produzierte eine peinlich-witzige Elefanten-Runde. Es wird f&uuml;r&acute;s Kapital schwieriger, die eigenen Politiker zu kontrollieren.<\/p>\n<p>Und f&uuml;r die Masse der Bev&ouml;lkerung wurde erneut sichtbar, wie wenig die Herrschenden ihr System im Griff haben. Sie schaffen es nicht, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Sie sind nicht in der Lage, f&uuml;r soziale Sicherheit zu sorgen. Und jetzt bekommen sie es nicht einmal auf die Reihe, eine Regierung zu zimmern, ohne miese Intrigen und l&auml;cherliche R&auml;nkespiele.<\/p>\n<p>Die Sichtbarkeit der Instabilit&auml;t hat in erster Linie damit zu tun, dass sich die Wut und Frustration der Regierten, der Opfer von Schr&ouml;ders Agenda-Politik und der potenziellen Opfer der Merkel-Pl&auml;ne, einen Ausdruck suchten: Die Entstehung der Wahlalternative Arbeit &amp; soziale Gerechtigkeit (WASG) und die Kandidatur der WASG auf den Listen der in Linkspartei umbenannten PDS f&uuml;hrte zu einem Erdbeben in der politischen Landschaft. Und der Ausdruck auf Wahlebene davon, die 8,7 Prozent, geben das nur verzerrt wider.<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Ver&auml;nderung der Parteienlandschaft<\/p>\n<p>Die SPD verlor eine Million Stimmen an die Linkspartei und konnte schlimmeres nur durch dreiste L&uuml;gen verhindern. Sie inszenierte sich im Wahlkampf als &#x84;kleineres &Uuml;bel&#x93;, als Verteidigerin von K&uuml;ndigungsschutz und Arbeitnehmerrechten. Nicht wenige w&auml;hlten tats&auml;chlich SPD, um die CDU zu verhindern und nicht in einer Gro&szlig;en Koalition zu landen.<\/p>\n<p>Die Steuerpl&auml;ne des &#x84;Finanzexperten&#x93; der CDU, Kirchhof, und die Ank&uuml;ndigungen, den Konflikt mit den Gewerkschaften zu suchen (K&uuml;ndigungsschutz, betriebliche B&uuml;ndnisse gegen den Fl&auml;chentarifvertrag) schufen eine polarisierte Stimmung gegen die CDU. Ironischerweise konnte davon auch die FDP profitieren, die sich im Wahlkampf mit ihren wirtschaftsradikalen Thesen eher zur&uuml;ck hielt. Mit einem &#x84;ehrlichen&#x93; Wahlkampf wollte Merkel die Masse der Bev&ouml;lkerung schon darauf einstimmen, ihre &#x84;Reformen&#x93; durchzusetzen. Auch hier verkalkulierten sich die Unternehmer und ihre Politiker: Sie untersch&auml;tzten den Widerstand bei den arbeitenden Menschen gegen eine solche Politik.<\/p>\n<p>Die Erleichterung am Wahlabend, Schwarz-Gelb verhindert zu haben, versuchte Schr&ouml;der denn auch gleich als eigenen Erfolg darzustellen. Doch mit der Realit&auml;t hat das wenig zu tun. Allein die Kandidatur der Linkspartei konnte verhindern, dass der Einbruch von Rot-Gr&uuml;n direkt in eine CDU-FDP-Regierung m&uuml;ndete. Und die SPD wurde massiv abgestraft: Sie verlor gegen&uuml;ber 2002 jeden zehnten und gegen&uuml;ber 1998 jeden f&uuml;nften W&auml;hler.<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Gro&szlig;e Koalition<\/p>\n<p>Nun scheint eine ungeliebte Gro&szlig;e Koalition konstruiert zu werden. Schon am 12. September schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung: &#x84;Mancher setzt in dieser Lage auf eine Gro&szlig;e Koalition, in der die CDU f&uuml;r das Antreiben und die SPD f&uuml;r das Bremsen zust&auml;ndig w&auml;re. Doch dieses Gespann k&auml;me nicht weit, da die SPD von der PDS und dem eigenen linken Fl&uuml;gel unter Druck gesetzt, st&auml;ndig St&ouml;cke in die Speichen stie&szlig;e.&#x93; Mit diesen Bef&uuml;rchtungen werden die Banken und Konzerne vom ersten Tag an alles tun, um eine solche Regierung vor sich her zu treiben und unter Druck zu setzen.<\/p>\n<p>Einerseits sind ihre Pl&auml;ne zur Neuwahl gescheitert: Ihre Rechnung &#8211; Union und FDP ziehen in der Regierung durch, die SPD sammelt die Opposition &#8211; ging nicht auf. Andererseits werden sie versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen. Wenn schon Gro&szlig;e Koalition, dann werden sie versuchen, diese Mehrheiten zu nutzen. Auch wenn sich einzelne Abgeordnete zieren, es bleibt genug Spielraum f&uuml;r R&uuml;cksichtslosigkeiten.<\/p>\n<p>Der Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank, J&uuml;rgen Kr&auml;mer, jammerte am Wahlabend: Die betrieblichen B&uuml;ndnisse f&uuml;r Arbeit, <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;das wird jetzt so nicht kommen. Zu einer Lockerung des K&uuml;ndigungsschutzes &#8211; wie von der CDU geplant &#8211; wird es wohl auch nicht kommen, auch eine Kopfpauschale wird es nicht geben.&#x93;<\/span> Mag sein, dass sich solche Pl&auml;ne verz&ouml;gern. Wenn der Katzenjammer nach der Wahl verflogen ist, werden die Bosse jedoch versuchen, sich schadlos zu halten. Die Angriffe werden verz&ouml;gert &#8211; aber nicht abgesagt. Widerstand muss organisiert werden.<\/p>\n<p style=\"font-style: italic;\">von Stephan Kimmerle, Berlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundestagswahlergebnis widerspiegelt die Instabilit&auml;t in Deutschland<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[175],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11391"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11391"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11391\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}