{"id":11389,"date":"2005-09-29T10:56:58","date_gmt":"2005-09-29T08:56:58","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11389"},"modified":"2012-05-25T15:20:52","modified_gmt":"2012-05-25T13:20:52","slug":"11389","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/09\/11389\/","title":{"rendered":"Bush in der Krise"},"content":{"rendered":"<p>  Katrina, Kriegstreiben und sozialer Kahlschlag f&#252;hren zu Wut und   Widerstand in den USA  <\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  US-Pr&#228;sident George W. Bush steckt in der gr&#246;&#223;ten Krise seinerKarriere.   Der Umgang der Bush-Regierung mit dem Hurrikan Katrina hatdie Wut gro&#223;er   Teile der US-Bev&#246;lkerung auf die Regierung gesteigert.Nachdem Bush   w&#228;hrend des Wirbelsturms erst sp&#228;t und widerwillig seinenUrlaub   unterbrach, haben seine Popularit&#228;tswerte einen historischenTiefstand   erreicht. Umfragen von Mitte September ergeben, dass Bush nurnoch bei 40   Prozent Unterst&#252;tzung genie&#223;t. Bei Schwarzen sind es nurzw&#246;lf Prozent.   Dabei kommt auch der &#196;rger &#252;ber die Irak-Politik, &#252;berhohe Benzinpreise   und &#252;ber Sozialk&#252;rzungen zum Tragen.  <\/p>\n<p>  Die Tatsache, dass die meisten Opfer der Katrina-Trag&#246;die arm undschwarz   sind, konnten die Medien nicht verh&#252;llen. Offensichtlich wurde,dass die   K&#252;rzungen &#8211; sowohl unter Bush als auch unter Clinton &#8211; zu   derkatastrophalen Notlage beigetragen haben. Jetzt hat Bush Haliburton   undBechtel beauftragt, New Orleans wieder aufzubauen. Das sind   zweiFirmen, die auf das Engste mit der Bush-Clique verflochten sind   undihre Verbindungen schon spielen lie&#223;en, um beim Irak-Krieg abzusahnen.   <\/p>\n<p>  Irak  <\/p>\n<p>  Schon vor dem Hurrikan Katrina hatte der Irak-Kurs an   Unterst&#252;tzungverloren. Dass Hilfe so lange gebraucht hat, um die Opfer   des Hurrikanszu erreichen, lag unter anderem daran, dass &#252;ber 7.000   Truppen derNationalgarde, die eigentlich im Fall von Naturkatastrophen   eingreifensollen, aus Mississippi und Louisiana in den Irak   abkommandiert wordenwaren.  <\/p>\n<p>  Die Mehrheit der US-AmerikanerInnen sind f&#252;r den sofortigen   AbzugderTruppen aus dem Irak. Nur noch 38 Prozent stehen hinter   BushsIrak-Politik. Die Frage, ob sich der Irak-Krieg gelohnt hat,   verneinten61 Prozent. Sogar der Stadtrat von Chicago hat eine   Resolutionverabschiedet, in der sie einen Truppenabzug fordert.  <\/p>\n<p>  Diese ablehnende Haltung liegt sowohl an den hohen Kosten, als auchander   Aussichtslosigkeit der Situation im Irak. Die herrschende Klasse inden   USA ist mit immer mehr Problemen konfrontiert. In absehbarerZukunft wird   es keinen milit&#228;rischen Sieg gegen den irakischenWiderstand geben. Das   wird die schon stattfindenden Debatten imKongress &#252;ber den Zeitpunkt des   Truppenabzugs noch versch&#228;rfen.  <\/p>\n<p>  Doch das Bush-Regime wird nicht so schnell aufgeben. Sie werdenallestun,   damit Irak nicht als eine Niederlage erscheint und dem Prestigedes   US-Imperialismus gedient ist. Aber der US-Armee gelingt es nicht,die   Sunniten in die irakische Regierung einzubeziehen. Die meistenSunniten   sind mit der neuen Verfassung unzufrieden. Der Streit dar&#252;berverst&#228;rkt   die K&#228;mpfe zwischen Sunniten und Schiiten. Al Qaida hat imIrak sogar zum   Krieg gegen die Schiiten aufgerufen. DieBombenanschl&#228;ge, die vor allem   ZivilistInnen treffen, nehmen dramatischzu. Ende August starben ungef&#228;hr   1.000 Schiiten auf dem Weg zu einerreligi&#246;sen Feier in Bagdad, als eine   Massenpanik im Zuge von Ger&#252;chten&#252;ber Anschl&#228;ge die Runde machten.   <\/p>\n<p>  Am 19. Oktober soll der Prozess gegen Saddam Hussein beginnen.KurdInnen   und Schiiten wollen Hussein h&#228;ngen sehen. Bei einem wichtigenTeil der   Sunniten k&#246;nnte er allerdings als M&#228;rtyrer in ihrem Kampfgegen die   US-Besatzer gesehen werden. Ein B&#252;rgerkrieg ist eine realeGefahr   geworden.  <\/p>\n<p>  Unmut gegen Rekrutierungskampagne  <\/p>\n<p>  Das Milit&#228;r wendet in den USA seit geraumer Zeit   besondersaggressiveMethoden bei der Rekrutierung neuer Soldaten an.   Kr&#228;fte des Milit&#228;rssind an Schulen pr&#228;sent und haben Zugang zu den   pers&#246;nlichen Daten vonSch&#252;lerInnen. Sie sind vor allem auf Jugendliche   aus den &#228;rmerenVierteln aus, vor allem Schwarze und ImmigrantInnen. Mit   Versprechenwie die Finanzierung des Studiums oder der Staatsb&#252;rgerschaft   versuchensie, Jugendliche zu k&#246;dern. Immer mehr Jugendliche, aber auch   Elternfangen an, sich gegen diese Rekrutierungskampagne zu wehren.   Trotzdieser Vorgehensweise erreicht die Armee ihre Ziele in keiner Weise.  <\/p>\n<p>  Der Unmut gegen die Kriegspolitik spiegelt sich noch nicht in   einergro&#223;en, l&#228;nger andauernden Protestbewegung wider. Doch vielf&#228;ltig   kommtder Stimmungswandel zum Ausdruck: So harrte Cindy Sheehan, die   Muttereines im Irak verstorbenen GI, &#252;ber einen Monat vor Bushs Ranch   inTexas aus. Inzwischen ist Sheehan zum Kristallisationspunkt   geworden.Hunderte Eltern von Soldaten und KriegsgegnerInnen sind nach   Texasgereist, um mit Sheehan zusammen zu protestieren. In den 1.500   Ortenzwischen Ost- und Westk&#252;ste fanden mittlerweile   `Cindy-Sheehan`-Mahnwachen statt.  <\/p>\n<p>  Bush = Nixon?  <\/p>\n<p>  Es bestehen einige Paralellen zwischen der Lage unterBush und   derSituation unter dem US-Pr&#228;sidenten Richard Nixon vor seinem   R&#252;cktritt1974. Nixon wurde auch w&#228;hrend eines verhassten Krieges   zun&#228;chst im Amtbest&#228;tigt. Nixon wurde kurz darauf aufgrund von   Massenprotesten zur `lame duck`. Das hei&#223;t, er war politisch zu schwach,   um seinRegierungsprogramm auch nur ansatzweise durchzuziehen.   &#196;hnlicheProzesse sind unter Bush zu beobachten. Allerdings gab es damals   eineBewegung gegen Vietnamkrieg und Rassismus, die mehrere Jahre   hinwegDemonstrationen von Hunderttausenden ausl&#246;ste. Die   politischeRadikalisierung ging seinerzeit mit einer Zunahme von   Arbeitsk&#228;mpfenHand in Hand. &#196;hnliches ist heute noch Zukunftsmusik.   <\/p>\n<p>  Heute leben in den USA offiziell 37 Millionen Menschen in   Armut.45,8Millionen sind ohne Krankenversicherung. Aber auch f&#252;r die   Mehrheit derarbeitenden und erwerbslosen Bev&#246;lkerung wird das leben   nicht leichter.Die hohen Benzinpreise in den USA machen viele w&#252;tend.   Auch andereProdukte, zu deren Herstellung &#214;l ben&#246;tigt wird, verteuern   sichgewaltig. Dazu kommt noch die hohe Verschuldung der meisten Familien   inden USA. Au&#223;erdem verdichten sich die Anzeichen, dass   dieImmobilienblase bald platzen k&#246;nnte. Das w&#252;rde den Konsum   erheblichtreffen und k&#246;nnte sogar zu einer Rezession f&#252;hren. &#220;brigens   spitztesich Nixons Regierungskrise 1974 vor dem Hintergrund   einesWirtschaftsabschwungs zu.  <\/p>\n<p>  Spaltung der Gewerkschaften  <\/p>\n<p>  Ende Juli spaltete sich der   US-amerikanischeGewerkschaftsdachverbandAFL-CIO. Einige Gewerkschaften   unter F&#252;hrung von Andy Stern,Vorsitzender der SEIU (einer Gewerkschaft   des &#246;ffentlichen Dienstes)bildeten eine eigene Koalition, genannt   `Change to Win`, die 40 Prozentder gewerkschaftlichen Mitgliedschaft   repr&#228;sentierte. Diese Koalitionhat den AFL-CIO nun verlassen. Diese   Spaltung spiegelt Streitigkeitenunter der Gewerkschaftsb&#252;rokratie wider;   vor allen Dingen dar&#252;ber, wiesie aus der Krise sinkender   Mitgliederzahlen herauskommen k&#246;nnte. Nurnoch 12,5 Prozent aller   Lohnabh&#228;ngigen sind heute gewerkschaftlichorganisiert; 1954 waren es 33   Prozent. Doch leider ist das Programm vonStern kein k&#228;mpferisches   Programm gegen Neoliberalismus und Sozialraub,das eine Demokratisierung   der Gewerkschaften vorsieht. Doch genau dasw&#228;re eigentlich notwendig, um   den Mitgliederverlust zu stoppen und dieGewerkschaften wieder zu einer   starken Kraft zu machen.  <\/p>\n<p>  Neubesetzungen im obersten Gericht  <\/p>\n<p>  Im obersten Gericht der USA, dem Supreme Court, sind in den   letztenMonaten zwei Pl&#228;tze frei geworden, die jetzt neu besetzt werden   m&#252;ssen.Supreme-Court-Richter werden vom Pr&#228;sidenten ernannt und vom   Senatbest&#228;tigt. Die Ernennung ist auf Lebenszeit. Das Supreme Court   kannwichtige Entscheidungen treffen, wie zum Beispiel   Abtreibungenverbieten. Bushs erste Wahl hei&#223;t John Roberts. Er ist   einkonservativer Rechtsanwalt und Richter, der auch bei   denWahlf&#228;lschungen in Florida im Jahr 2000 w&#228;hrend   derPr&#228;sidentschaftswahl seine Finger im Spiel hatte. Er ist jedoch   nichtso&#160; reaktion&#228;r, wie Bushs Anh&#228;nger es gerne h&#228;tten. Bush   willerstmal, dass Roberts best&#228;tigt wird, bevor er seine zweite   Besetzungbekannt gibt. Es ist notwendig, jetzt Widerstand gegen die   ErnennungRoberts zu organisieren, auch um zu verhindern, dass Bushs   zweiterKandidat ein noch reaktion&#228;rer Vertreter des b&#252;rgerlichen Systems   wird.  <\/p>\n<p>  Gegenwehr  <\/p>\n<p>  Am 24. September kamen Zehntausende zu einer   nationalenDemonstrationgegen die Besetzung des Irak nach Washington D.C.   Das kann der Auftaktf&#252;r weitere gr&#246;&#223;ere Proteste gegen die Kriegspolitik   sein. DieEreignisse um Hurrikan Katrina geben den Protesten zus&#228;tzlich   Nahrung.  <\/p>\n<p>  Nach Katrina kocht die Wut erst recht bei schwarzen   ArbeiterInnenundErwrbslosen. Der f&#252;r Oktober geplante Millions More   March f&#252;r dieRechte von Schwarzen wird vor diesem Hintergrund an   Bedeutung gewinnen.  <\/p>\n<p>  Um Bush wirklich stoppen zu k&#246;nnen, muss die Wut dieser Proteste mitden   K&#228;mpfen in Betrieben zusammen kommen. Die Radikalisierung derletzten   Monate stellt den Anfang eines politischen Wiedererwachens   derLohnabh&#228;ngigen in den USA dar. Notwendig ist es jedoch, nicht nur   gegenBush zu k&#228;mpfen, sondern gegen beide gro&#223;e Parteien des   Kapitals,Republikaner und Demokraten. Die Gewerkschaften,   dieAnti-Kriegs-Bewegung und weitere soziale Bewegungen h&#228;tten die   Macht,eine neue Arbeiterpartei ins Leben zu rufen. Eine solche Partei   ist inden USA dringend notwendig. Damit k&#246;nnte der erste Schritt   gemachtwerden, Kriegstreiben und Profitstreben eine Alternative entgegen   zusetzen. Damit k&#246;nnte dem Ziel n&#228;her gekommen werden, die Macht   desKapitals im reichsten Land der Welt zubrechen.  <\/p>\n<p>  <i>von Katie Quarles, Minneapolis, USA<\/i>  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n Katrina, Kriegstreiben und sozialer Kahlschlag f&#252;hren zu Wut und<br \/>\n Widerstand in den USA\n <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[42],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11389"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11389"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11389\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11389"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11389"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11389"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}