{"id":11385,"date":"2005-09-20T16:11:28","date_gmt":"2005-09-20T16:11:28","guid":{"rendered":".\/?p=11385"},"modified":"2005-09-20T16:11:28","modified_gmt":"2005-09-20T16:11:28","slug":"11385","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/09\/11385\/","title":{"rendered":"Abfuhr f&uuml;r Sozialabbau"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"\/media\/ssz\/Nr39_5.pdf\"><img alt=\"extra\" src=\"\/media\/2005\/Extra_nachwahlen.jpg\" style=\"border: 0px solid ; width: 126px; height: 175px;\" align=\"left\"><\/a><span style=\"font-weight: bold;\">Wahlerfolg der Linken nutzen &#8211; Widerstand organisieren<\/span><\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">Extrablatt der Solidarit&auml;t &#8211; Sozialistische Zeitung zum Ausgang der Bundestagswahlen<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <a style=\"font-style: italic;\" href=\"\/media\/ssz\/Nr39_5.pdf\">(als pdf zum Download hier)<\/a><a style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\" href=\"\/?p=11395\"><br \/> <\/a><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>&#8222;F&uuml;r die Wirtschaft ist der Wahlausgang ein Desaster&#8220;, so der Vorstandsvorsitzende der Altana AG Nikolaus Schweickart. Der DAX zeigt nach unten und der Euro verliert an Wert. Warum? Die Hoffnungen der Kapitalisten, mit einer schwarz-gelben Regierung einen weiteren Generalangriff auf die Rechte der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten und Erwerbslosen zu starten, sind vorerst im politischen Chaos untergegangen. Die einzige Siegerin der Wahlen ist die Linke und damit die Protestbewegung gegen Agenda 2010 und Hartz IV der Jahre 2003 und 2004. Ihr langer Arm hat Schr&ouml;ders rot-gr&uuml;ne Mehrheit gekippt und blockiert erst einmal Angela Merkels Zugriff auf die Kanzlerschaft.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">von Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher<\/span><\/p>\n<p>Das Wahlergebnis spricht eine deutliche Sprache: es gibt keine Mehrheit f&uuml;r die Agenda 2010 von Schr&ouml;der und Fischer, aber auch keine Mehrheit f&uuml;r die Versch&auml;rfung des Sozialkahlschlags durch Merkel und Westerwelle. Die Aufholjagd der SPD in den letzten Wochen basiert auf der Angst vor letzterem in breiten Teilen der arbeitenden Bev&ouml;lkerung. Diese hat viele Menschen dazu gebracht, noch einmal das &#8222;kleinere &Uuml;bel&#8220; zu w&auml;hlen, um Merkel zu verhindern. Doch ohne den verlogenen und heuchlerischen &#8222;Linksschwenk&#8220; im Wahlkampf der SPD, ohne das plakative Bekenntnis zu K&uuml;ndigungsschutz und Fl&auml;chentarif, ohne die Ank&uuml;ndigung die Reichen zu besteuern und eine Kopfpauschale im Gesundheitswesen zu verhindern, ohne die Absage an eine Gro&szlig;e Koalition w&auml;re die SPD bei den 25 Prozent gelandet, die sie zu Beginn des Jahres in Meinungsumfragen erreichte. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Entfremdung<\/p>\n<p>Der 18. September 2005 stellt eine Abfuhr f&uuml;r Sozialabbau und neoliberale Politik dar. <\/p>\n<p>Doch auch wenn Schr&ouml;der wie ein gedopter Boxer auftritt, der nachdem er drei Mal auf die Bretter gegangen ist, doch noch einen Punktsieg erreicht hat: die SPD hat das zweitschlechteste Ergebnis seit 40 Jahren eingefahren. Der Abl&ouml;sungsprozess der traditionellen SPD-W&auml;hlerInnen von der Sozialdemokratie setzt sich fort. Die beiden gro&szlig;en sogenannten &#8222;Volksparteien&#8220; bleiben zum ersten Mal seit 1949 unter 70 Prozent, die Wahlbeteiligung ist weiter gesunken: die Entfremdung von den b&uuml;rgerlichen Parteien und Institutionen w&auml;chst weiter. Und &uuml;ber den Wahlerfolg der FDP, der kleinen Partei des gro&szlig;en Kapitals, k&ouml;nnen sich die Kapitalisten nicht so recht freuen, denn die FDP-Gewinne machen nicht einmal die CDU\/CSU-Verluste wett. Der Versuch von CDU\/CSU-W&auml;hlerInnen durch eine Zweitstimmenabgabe f&uuml;r die FDP eine gro&szlig;e Koalition zu verhindern, ist fehlgeschlagen. Zum dritten Mal in Folge gibt es eine Mehrheit links von den traditionellen b&uuml;rgerlichen Parteien CDU, CSU und FDP. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Nazis gebremst<\/p>\n<p>Die Faschisten von der NPD konnten ihr Wahlergebnis zwar verbessern, blieben aber unter den Erwartungen bzw. Bef&uuml;rchtungen, die es nach ihrem Wahlerfolg in Sachsen im letzten Jahr gab. Ihr Vormarsch wurde vorerst gestoppt. Auch dies ist vor allem das Verdienst der Kandidatur von WASG und Linkspartei\/PDS. Diese haben dazu beigetragen, dass in der &ouml;ffentliche Debatte weniger ImmigrantInnen f&uuml;r Arbeitslosigkeit und soziale Probleme verantwortlich gemacht wurden, sondern Regierung und Kapital. So wurden die Rassisten und Faschisten weitgehend in die Defensive gedr&auml;ngt. Der Wahlerfolg der NPD in Sachsen, wo sie 4,9 Prozent erreichte, weist jedoch darauf hin, dass die braune Gefahr nicht gebannt ist. Wenn die Linkspartei und WASG die in sie gesetzten Hoffnungen entt&auml;uschen sollte, ist ein weiterer Aufstieg der Faschisten zu erwarten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Instabilit&auml;t<\/p>\n<p>Das Wahlergebnis vertieft die politische Instabilit&auml;t und Krise in der Bundesrepublik. Der&nbsp; Wahlerfolg der Linkspartei ist Ausdruck der wachsenden Polarisierung zwischen den Kapitalisten und der arbeitenden Bev&ouml;lkerung. Steigende Massenarbeitslosigkeit, Agenda 2010, wachsende Armut haben den Hass und die Wut auf die Reichen und M&auml;chtigen enorm gesteigert. Und immer weniger sind bereit zu glauben, dass all dies n&ouml;tig ist, um in Zukunft Arbeitspl&auml;tze zu schaffen. <\/p>\n<p>Das Wahlergebnis ist gleichzeitig eine Motivation f&uuml;r alle diejenigen, die sich in den letzten Jahren gegen Agenda 2010, Hartz IV, Massenentlassungen und Privatisierungen zur Wehr gesetzt haben. Jetzt kommt es darauf an diesen Wahlerfolg in sozialen Widerstand und den Aufbau einer Partei, die konsequent Arbeitnehmerinteressen vertritt zu &uuml;bersetzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\"><big><big>8,7 Prozent f&uuml;r die Linke &#8211; wie weiter?<\/big><\/big><\/p>\n<p>Das faktische Wahlb&uuml;ndnis aus Linkspartei\/PDS und WASG ist der Sieger der Bundestagswahl. Zum ersten Mal seit der unmittelbaren Nachkriegszeit (als die KPD im Bundestag vertreten war) gibt es eine starke Bundestagsfraktion links von der SPD. 54 Bundestagsabgeordnete der Linken werden in Zukunft ihre Stimme gegen Sozialkahlschlag, Krieg und Umweltzerst&ouml;rung erheben k&ouml;nnen. Das Ergebnis von 8,7 Prozent ist zweifellos ein Erfolg. Die Unterst&uuml;tzung der WASG f&uuml;r die offenen Listen der Linkspartei\/PDS und die Kandidatur von Oskar Lafontaine als F&uuml;hrungsfigur mit bundesweiter Ausstrahlung und Massenwirkung waren daf&uuml;r die entscheidenden Faktoren. Die politische Landkarte in der Bundesrepublik hat sich durch diesen Erfolg ver&auml;ndert und die Leier von der Alternativlosigkeit der vorherrschenden neoliberalen Politik kann nicht mehr unwidersprochen gesungen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Wahlerfolg nutzen<\/p>\n<p>Jetzt kommt es darauf an, den Wahlerfolg zu nutzen, um den Widerstand gegen Sozialabbau, Entlassungen und Krieg zu st&auml;rken und eine starke politische Interessenvertretung f&uuml;r ArbeitnehmerInnen, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen aufzubauen. Dies bleibt dringend n&ouml;tig, denn eine zuk&uuml;nftige Regierung &#8211; egal, wie sie aussehen mag &#8211; wird den Auftrag der Arbeitgeberverb&auml;nde umsetzen und &#8222;Reformen&#8220; anpacken, also den Sozialkahlschlag und Abbau von Arbeitnehmerrechten weiter treiben. Dies kann nur durch massenhaften Widerstand auf den Stra&szlig;en als auch den Betrieben und den Aufbau einer starken politischen Partei der ArbeitnehmerInnen und Erwerbslosen verhindert werden. Deshalb ist es zu begr&uuml;&szlig;en, wenn Oskar Lafontaine am Wahlabend in Fernsehinterviews dazu aufrief, sich zu organisieren und aktiv zu werden. <\/p>\n<p>Die Bundestagsfraktion und ihre Abgeordneten k&ouml;nnen eine wichtige Rolle bei der Organisierung von Widerstand gegen die Fortsetzung neoliberaler Politik spielen. Sie k&ouml;nnen das Parlament als B&uuml;hne zur Verbreitung von Argumenten und Gegenvorschl&auml;gen nutzen. Sie k&ouml;nnen ihre Autorit&auml;t dazu nutzen zu Demonstrationen und Streiks mit aufzurufen. Sie k&ouml;nnen ihren Apparat zur Verf&uuml;gung stellen, um Proteste praktisch zu organisieren. Unmittelbar&nbsp; schlagen wir der neuen Bundestagsfraktion drei Schritte vor:<\/p>\n<p>1. In der ersten Bundestagssitzung einen Antrag f&uuml;r die sofortige R&uuml;cknahme von Hartz IV einbringen und dies mit einem Aufruf zu einer bundesweiten Demonstration zur Unterst&uuml;tzung dieser Forderung verbinden.<\/p>\n<p>2. Ebenfalls einen Antrag f&uuml;r die Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns von 1500 Euro einbringen und die Gewerkschaften auffordern zur Unterst&uuml;tzung dieses Antrags Aktionen in den Betrieben durchzuf&uuml;hren.<\/p>\n<p>3. Teilnahme bei und praktische Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die geplante Aktionskonferenz der sozialen Bewegungen am 19. und 20. November und f&uuml;r die Konferenz der Gewerkschaftslinken am 1. Oktober.<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Tolerieren?<\/p>\n<p>Ein Teil der arbeitenden Bev&ouml;lkerung hat SPD gew&auml;hlt, um eine Merkel-Regierung zu verhindern und manche werden die Frage aufwerfen, ob die Linke nicht eine SPD-Gr&uuml;nen-Regierung tolerieren sollte, um eine noch rechtere Regierung zu stoppen. Dies k&ouml;nnte nur eine Option sein, wenn die SPD einen Kurswechsel vollzieht und mit ihrer Agenda-Politik bricht. Doch sie h&auml;lt an Schr&ouml;der fest und ist fest entschlossen mit der Umverteilung von unten nach oben weiter zu machen. Gysi und Lafontaine haben richtigerweise erkl&auml;rt, dass sie eine rot-gr&uuml;ne Koalition, die an der Agenda 2010 festhalten wird, nicht tolerieren werden und Schr&ouml;der auf dieser Grundlage nicht zur Kanzlerschaft verhelfen werden. Gleichzeitig ist es falsch, dass sie den Eindruck erwecken, eine Gro&szlig;e Koalition sei das kleinere &Uuml;bel. Es mag sein, dass das Tempo von arbeitnehmerfeindlichen Ma&szlig;nahmen unter einer schwarz-gelben Regierung beschleunigt worden w&auml;re. Eine Gro&szlig;e Koalition jedoch wird erstens ebenfalls weitere Angriffe auf ArbeitnehmerInnen und Erwerbslose durchf&uuml;hren und zweitens wird die SPD weiterhin versuchen, ihre Verbindungen zu den Gewerkschaftsf&uuml;hrungen dazu zu nutzen, um den betrieblichen und gewerkschaftlichen Widerstand zu bremsen. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Potenzial nicht ausgesch&ouml;pft<\/p>\n<p>Noch vor einigen Wochen lag die Linkspartei in Meinungsumfragen bei bis zu zw&ouml;lf Prozent. Mit den 8,7 Prozent wurde nun nur ein Teil des Potenzials mobilisiert. Es ist zwar gelungen 360.000 Nichtw&auml;hlerInnen von der Wahl der Linken zu &uuml;berzeugen. Der R&uuml;ckgang der Wahlbeteiligung insgesamt und die Zunahme ung&uuml;ltiger Stimmen auf 760.000 weisen aber darauf hin, dass auch hier viel vorhandenes Potenzial nicht ausgesch&ouml;pft wurde. In Westdeutschland hat die Linkspartei keine f&uuml;nf Prozent erreicht. Im Osten ist sie nur drittst&auml;rkste Kraft geworden. Warum?<\/p>\n<p>Die WASG war und ist der dynamische Teil des B&uuml;ndnisses, ohne sie w&auml;re die Entwicklung der PDS zur ostdeutschen Regionalpartei wahrscheinlich weiter gegangen. Drei Eigenschaften der WASG sind daf&uuml;r entscheidend: erstens ist sie ein tats&auml;chlich neue und unverbrauchte politische Kraft, zweitens beteiligt sie sich auf keiner Ebene an Sozialabbau in Regierungen und drittens hat sie eine enge Verbindung zu GewerkschaftsaktivistInnen und sozialen Bewegungen. Diese drei Eigenschaften fehlen der Linkspartei\/PDS. Hinzu kommt die Ablehnung der Linkspartei\/PDS in Teilen der Bev&ouml;lkerung (vor allem, aber nicht nur, in Westdeutschland) aufgrund ihrer SED-Vergangenheit. Diese Ablehnung konnte sie bisher nicht &uuml;berwinden, weil sie nach wie vor die DDR als eine Form des Sozialismus bezeichnet und keine eindeutige und unmissverst&auml;ndliche Ablehnung der SED-Diktatur als anti-sozialistischer Regierungsform bezogen hat. <\/p>\n<p>Die SAV, die sich aktiv am Aufbau der WASG beteiligt, hat in den letzten Monaten erkl&auml;rt, dass eine eigenst&auml;ndige Kandidatur der WASG in Westdeutschland mehr Stimmen mobilisieren kann, als eine B&uuml;ndniskandidatur unter dem Banner der Linkspartei\/PDS. Bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen erreichte die WASG im Mai 2,2 Prozent. Damals war sie unbekannt, hatte kaum finanzielle Mittel und deutlich weniger Mitglieder und Oskar Lafontaine war ihr noch nicht beigetreten. Viele Menschen haben an den WASG-Infost&auml;nden erkl&auml;rt, dass sie WASG gew&auml;hlt h&auml;tten, aber nicht bereit sind PDS zu w&auml;hlen. <\/p>\n<p>Hinzu kommt ein Plakatwahlkampf der Linkspartei, der keine klaren Inhalte vermittelte. Forderungen nach der R&uuml;cknahme von Hartz IV und Agenda 2010, der Verteidigung von K&uuml;ndigungsschutz und Fl&auml;chentarif, f&uuml;r eine st&auml;rkere Besteuerung der Banken und Konzerne oder f&uuml;r die Verteidigung von Arbeitspl&auml;tzen suchte man auf den Wahlplakaten vergeblich. Zus&auml;tzlich wurden Signale ausgesendet, die nicht zur Mobilisierung von AktivistInnen beigetragen haben: die von Lafontaine vorgeschlagene Senkung der H&ouml;he des zu fordernden Mindestlohns und das Fallenlassen der Forderung nach der kompletten R&uuml;cknahme von Hartz IV vermittelten nicht den Eindruck, dass hier eine neue und radikal andere Kraft den Kampf gegen die etablierten Parteien aufnehmen will, sondern gaben eher der Sorge Nahrung, dass sich hier die n&auml;chste Partei in die Startl&ouml;cher zur Anpassung an das Establishment begibt. Deshalb wurde die Dynamik und Begeisterung, die sich im Juni und Juli entwickelte und zu tausenden Eintritten in die WASG f&uuml;hrte, wieder verloren.<\/p>\n<p>Vor allem aber die Mitverantwortung f&uuml;r Sozialabbau, Arbeitsplatzvernichtung und Privatisierungen in den Landesregierungen von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind ein offensichtlicher Widerspruch zum proklamierten Widerstand gegen genau solche Ma&szlig;nahmen auf Bundesebene und machen die Linkspartei\/PDS wenig glaubw&uuml;rdig. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Was tun?<\/p>\n<p>Linkspartei-Vorsitzender Lothar Bisky hat erkl&auml;rt, dass er nun eine schnelle Vereinigung seiner Partei mit der WASG erreichen will. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen wird die Frage der Berliner Abgeordnetenhauswahlen im Herbst 2006 stehen. Die Berliner WASG hat zurecht entschieden eigenst&auml;ndig gegen den SPD-Linkspartei\/PDS-Senat des Sozialabbaus und der Untergrabung gewerkschaftlicher Rechte anzutreten. Solange die PDS bei Lohnk&uuml;rzungen und Arbeitsplatzvernichtung im &ouml;ffentlichen Dienst, bei Sozialabbau und Privatisierungen mitmacht, verhindert sie eine gemeinsame Kandidatur der Linken. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um ein Berliner Problem, sondern darin enthalten ist die Frage: was f&uuml;r eine Partei soll geschaffen werden?<\/p>\n<p>Die SAV fordert alle AktivistInnen in WASG, Linkspartei\/PDS, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen auf, sich aktiv und auf allen Ebenen in den Diskussionsprozess &uuml;ber die Bildung einer neuen linken Partei in der Bundesrepublik einzubringen und sich mit uns daf&uuml;r einzusetzen, dass diese Partei sich nirgendwo an Sozialabbau, Arbeitsplatzvernichtung und Privatisierung beteiligt, sondern &uuml;berall an der Seite der Lohnabh&auml;ngigen, Erwerbslosen und Jugendlichen steht. In der Konsequenz bedeutet das, von der Linkspartei\/PDS einen Kurswechsel und den Bruch der Regierungskoalitionen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zu fordern. Wir brauchen eine Partei, die aktiver Teil des Widerstandes gegen neoliberale Politik und das kapitalistische Profitsystem ist. Und wir brauchen eine Partei, die wirkliche Alternativen aufzeigt. Deshalb tritt die SAV f&uuml;r die Bildung einer sozialistischen Arbeiterpartei ein. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\"><big><big>Ein politisches Erdbeben<\/big><\/big><\/p>\n<p>Das gab es noch nie: am Abend einer Bundestagswahl nehmen beide SpitzenkandidatInnen von CDU\/CSU und SPD &#8211; trotz der offensichtlichen Tatsache, dass sie die VerliererInnen des Abends sind &#8211; f&uuml;r sich in Anspruch, Kanzler\/in zu werden. <\/p>\n<p>Schr&ouml;der pr&auml;sentiert sich als Wahlsieger, wie ein Fu&szlig;balltrainer, der nach einer 0:3-Niederlage seiner Mannschaft darauf hinweist, dass viele Zuschauer auf ein 0:6 getippt haben. Merkel pr&auml;sentiert sich als Wahlsiegerin, obwohl sie wei&szlig;, dass sie die eigentliche Verliererin des Tages ist. Stoiber gibt Jamaika eine v&ouml;llig neue Bedeutung: in diesen Tagen denkt man nicht mehr an Reggae und Karibik, sondern an die schwarz-gelb-gr&uuml;ne Nationalflagge des Inselstaates, die Namensgeberin f&uuml;r eine bis vor kurzem noch undenkbare Regierungskoalition ist. Nur &uuml;ber eine Ampelkoalition wird nicht wirklich spekuliert, weil die FDP offensichtlich das Image der prinzipienlosen Regierungsbeteiligungs-Geilheit loswerden will und eine solche (noch) ausschlie&szlig;t. Deutschland im politischen Chaos und keiner wei&szlig;, wie dieses aufgel&ouml;st werden soll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Druck der Bosse<\/p>\n<p>Das US-amerikanische &#8222;Wall Street Journal&#8220; schreibt: &#8222;Der &#8222;kranke Mann Europas&#8220; wird wahrscheinlich noch einige Zeit bettl&auml;gerig bleiben&#8220; und spielt damit auf die wirtschaftliche Krisen- und Stagnationsphase an, in der sich die Bundesrepublik seit Jahren befindet. Nun scheinen die politischen Verh&auml;ltnisse sich den wirtschaftlichen anzugleichen. Ein Konzernboss nach dem anderen dr&uuml;ckt seine &#8222;bittere Entt&auml;uschung&#8220; &uuml;ber das Wahlergebnis aus. Kein Wunder, ist doch das Kalk&uuml;l der Reichen und M&auml;chtigen nicht aufgegangen: durch Neuwahlen eine Regierung zu bekommen, die in Sachen Sozialkahlschlag und Abbau von Arbeitnehmerrechten den Hammer rausholt und die Gewerkschaften zum &#8222;letzten Gefecht&#8220; herausfordert. Stattdessen wird nun von den Kapitalisten das Gespenst des durch eine Gro&szlig;e Koalition hervorgerufenen &#8222;Stillstands&#8220; an die Wand gemalt und dieses Gem&auml;lde sogleich mit der Forderung nach einer Fortsetzung der sogenannten &#8222;Reformen&#8220; versch&ouml;nert. Keine Frage: die Bosse und B&auml;nker wollen nicht warten, bis sie uns weiter an die Tasche gehen k&ouml;nnen. Und sie werden zweifelsfrei auf jede neue Regierung, egal wie diese zusammengesetzt sein wird, erheblichen Druck aus&uuml;ben die Rechte und den Lebensstandard der Masse der Bev&ouml;lkerung weiter einzuschr&auml;nken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Neue Instabilit&auml;t<\/p>\n<p>Das Wahlergebnis unterstreicht die Unf&auml;higkeit des Kapitalismus in Zeiten struktureller Krisen politische Stabilit&auml;t aufrecht zu erhalten. Deutschland n&auml;hert sich Verh&auml;ltnissen, wie wir sie fr&uuml;her in Italien kannten &#8211; unberechenbares W&auml;hlerverhalten, h&auml;ufigere Regierungswechsel, politische Instabilit&auml;t. Diese ist letztlich nur Ausdruck einer zunehmenden Polarisierung zwischen den Klassen, also zwischen Unternehmern und lohnabh&auml;ngiger bzw. erwerbsloser Bev&ouml;lkerung. Erstere k&ouml;nnen ihre Profitraten nur steigern, wenn sie die Lohnkosten drastisch senken, letztere glauben nicht mehr, dass es sich irgendwann auszahlen wird, heute den G&uuml;rtel enger zu schnallen. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Welche Regierung?<\/p>\n<p>Es ist zwei Tage nach dem Wahltag unm&ouml;glich sicher vorher zu sagen, zu welcher Regierungskonstellation es kommen wird. <\/p>\n<p>Schr&ouml;der und Merkel pokern hoch und geben sich unnachgiebig. Das geht m&ouml;glicherweise bis zur Nachwahl in Dresden am 2. Oktober so weiter. Aber irgendwann wird sich der Druck der Banken und Konzerne, eine schnelle Regierungsf&auml;higkeit zu erreichen, durchsetzen. <\/p>\n<p>Nur wenn sich pers&ouml;nliche und parteipolitische Interessen als un&uuml;berwindbar herausstellen, w&auml;ren selbst neuerliche Neuwahlen nicht auszuschlie&szlig;en. Vom Standpunkt der Kapitalisten, die ja in dieser Gesellschaft letztlich &uuml;ber die Macht verf&uuml;gen, w&uuml;rde dies aber die Gefahr beinhalten, eine weitere Destabilisierung der Verh&auml;ltnisse und ein weiteres Wachstum der Linkspartei zu riskieren. Eine Jamaika-Koalition ist ebenfalls nicht auszuschlie&szlig;en, da sich Gr&uuml;ne, FDP und CDU\/CSU und wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen gar nicht so sehr unterscheiden. Ob die Gr&uuml;nen allerdings diese innerparteiliche Zerrei&szlig;probe eingehen k&ouml;nnen, ist fraglich. <\/p>\n<p>Zur Zeit spricht am meisten f&uuml;r eine Gro&szlig;e Koalition &#8211; mit wem auch immer als Kanzler oder Kanzlerin. Schlie&szlig;lich sind die politischen Unterschiede zwischen SPD und CDU\/CSU begrenzt und gab es in den letzten Jahren eine faktische Gro&szlig;e Koalition bei der Umsetzung der Agenda 2010 und bei Hartz IV. Eine solche w&uuml;rde aus Sicht des Kapitals den Weg frei machen, die n&auml;chsten &#8222;Reformen&#8220; anzupacken. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Kommende K&auml;mpfe<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass die Pl&auml;ne des Kapitals verz&ouml;gert, aber nicht wirklich durchkreuzt wurden und sich die arbeitende Bev&ouml;lkerung auf gro&szlig;e Auseinandersetzungen einstellen muss. Die Vorbereitung auf diese muss jetzt beginnen. <\/p>\n<p>Dies gilt sowohl f&uuml;r weitere Angriffe durch eine zuk&uuml;nftige Bundesregierung als auch f&uuml;r die Attacken der Bosse in den Betrieben. Die Ank&uuml;ndigung von Stellenabbau bei Siemens, Volkswagen und DaimlerChrysler zeigen, wo es lang gehen soll. In den Gewerkschaften muss sich auf Massenmobilisierungen gegen die k&uuml;nftige Regierung und gegen&nbsp; Entlassungen und Arbeitsplatzvernichtung in den Betrieben vorbereitet werden. Dabei m&uuml;ssen auch die Lehren aus den Protesten gegen die Agenda 2010 und Hartz IV gezogen werden &#8211; ohne Streiks sind Regierung und Kapital nicht aufzuhalten.<\/p>\n<p>Auch die IG Metall steht in der Pflicht f&uuml;r die kommende Tarifrunde im Fr&uuml;hjahr des n&auml;chsten Jahres Lohnforderungen aufzustellen, deren Durchsetzung zu sp&uuml;rbaren Reallohnsteigerungen f&uuml;hren w&uuml;rde und die dementsprechend mobilisierbare Wirkung unter den KollegInnen entfalten k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>Die Bundestagsfraktion der Linken muss unmissverst&auml;ndlich an der Seite des Widerstands stehen und diesen unterst&uuml;tzen und mit aufbauen. Nicht nur gegen Gesetze der n&auml;chsten Regierung. Sie hat auch die Verpflichtung eine Alternative zur Arbeitsplatzvernichtung aufzuzeigen und einen Beitrag dazu zu leisten, die K&auml;mpfe der KollegInnen bei Siemens, VW und Daimler zu verbinden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"\/media\/ssz\/Nr39_5.pdf\"><img alt=\"extra\"\nsrc=\"\/media\/2005\/Extra_nachwahlen.jpg\"\nstyle=\"border: 0px solid ; width: 126px; height: 175px;\" align=\"left\"><\/a><span\nstyle=\"font-weight: bold;\">Wahlerfolg der Linken nutzen &#8211; Widerstand<br \/>\norganisieren<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic;\">Extrablatt der Solidarit&auml;t &#8211;<br \/>\nSozialistische Zeitung zum Ausgang der Bundestagswahlen<\/span><br\nstyle=\"font-style: italic;\"><br \/>\n<a style=\"font-style: italic;\"\nhref=\"\/media\/ssz\/Nr39_5.pdf\">(als pdf zum<br \/>\nDownload hier)<\/a><a style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\"\nhref=\"\/?p=11395\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11385"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11385"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11385\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11385"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11385"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11385"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}