{"id":11374,"date":"2005-08-27T17:52:01","date_gmt":"2005-08-27T17:52:01","guid":{"rendered":".\/?p=11374"},"modified":"2005-08-27T17:52:01","modified_gmt":"2005-08-27T17:52:01","slug":"11374","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/08\/11374\/","title":{"rendered":"Irak: Auf dem Weg in den B&uuml;rgerkrieg?"},"content":{"rendered":"<p>Der Widerstand gegen die Besatzer als auch Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten nehmen zu <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie USA befinden sich im Krieg. Das erkl&auml;rte George W. Bush nicht im Irak-Krieg vor zwei Jahren, sondern in diesem Sommer. Die Mehrheit des US-Establishments &#8211; ob Republikaner oder Demokraten &#8211; h&auml;lt diesen Krieg l&auml;ngst f&uuml;r verloren. Die USA und Gro&szlig;britannien w&uuml;rden sich lieber heute als morgen zur&uuml;ckziehen und die Macht an ein Marionettenregime &uuml;bergeben, um im Hintergrund die F&auml;den zu ziehen. Sie finden aber keine politische Kraft im Land, die im Stande w&auml;re, in ihrem Sinne Stabilit&auml;t zu sichern. Im Gegenteil &#8211; der Irak schliddert scheinbar unaufhaltsam in einen B&uuml;rgerkrieg.<br \/>  Der US-Imperialismus hat keines seiner Ziele im Irak erreicht. Der Widerstand sorgt daf&uuml;r, dass die weltweit f&uuml;hrende Supermacht nicht in der Lage ist, den Drohungen gegen&uuml;ber dem Iran oder Syrien Taten folgen zu lassen. Das schiitisch dominierte Parlament wirft die Frage auf, ob eine iranisch-irakische Allianz entstehen k&ouml;nnte. Davor sorgen sich besonders &ouml;lreiche Staaten wie Saudi-Arabien und die Emirate, in denen es eine sunnitische Bev&ouml;lkerungsmehrheit gibt, wo die dort besonders unterdr&uuml;ckten Schiiten allerdings eine relevante Kraft darstellen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Horror ohne Ende<\/span><\/p>\n<p>  Die Lebensbedingungen sind heute schlechter als unmittelbar nach Saddams Sturz. Zerst&ouml;rte Infrastruktur, Massenarbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Stromausf&auml;lle, Bombenterror und &Uuml;bergriffe des Besatzungsregimes pr&auml;gen den Alltag. Die 135-150.000 US-Soldaten sind damit besch&auml;ftigt, ihre eigene Haut zu retten. Selbstschutz ist neuerdings der Hauptauftrag der US-Armee im Irak. Das st&auml;rkt nicht unbedingt das Selbstvertrauen der amerikanischen Soldaten. Viele haben in ihrer Verzweiflung Geld angeboten, damit sie au&szlig;er Landes gebracht werden.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Bewaffneter Widerstand<\/span><\/p>\n<p>  Die Selbstmordangriffe werden nur von einer kleinen Minderheit von reaktion&auml;ren Islamisten propagiert und durchgef&uuml;hrt. Aus Hass auf die Besatzung und aus Verzweiflung &uuml;ber den unertr&auml;glich gewordenen Alltag sind unendlich viele bereit, die Bomben zu z&uuml;nden.<br \/>  Der bewaffnete Widerstand ist aber viel breiter und vielf&auml;ltiger als die Zahl der Selbstmordattent&auml;ter. In Kurdistan haben die beiden gro&szlig;en b&uuml;rgerlichen Parteien PUK und PDK jeweils ihre eigene Armee (Peschmergas-K&auml;mpfer). Unter den Sunniten gibt es unterschiedliche bewaffnete Gruppen, von ehemaligen Soldaten aus Saddams Armee und Mitgliedern der Baath-Partei &uuml;ber verschiedene islamische Gruppen der Al-Qaida. Bei den Schiiten haben die verschiedenen Parteien eigene Milizen. Sie halten sich momentan zur&uuml;ck, weil sie noch darauf hoffen, &uuml;ber ihre Mehrheit im Parlament Entscheidungen zu ihren Gunsten beeinflussen zu k&ouml;nnen. Die Aufst&auml;ndischen k&ouml;nnen sch&auml;tzungsweise bis zu 200.000 K&auml;mpfer aufstellen, deutlich mehr als die Besatzer.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Neuer Libanon?<\/span><\/p>\n<p>  Die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der IrakerInnen war und ist noch froh dar&uuml;ber, dass Saddam vertrieben wurde. Sie hassen jedoch die Besatzung. Die imperialistische Taktik von &#x84;Teile und Herrsche&#x93; hat es geschafft, die IrakerInnen entlang ihrer ethnischen oder religi&ouml;sen Linien gegen einander aufzubringen.<br \/>  Die Bomben gegen die Besatzer und ihre Vasallen in der irakischen Armee und Polizei wurden noch von vielen begr&uuml;&szlig;t. Heute terrorisieren reaktion&auml;re Gruppen wahllos die Bev&ouml;lkerung, lassen Bomben in schiitischen und sunnitschen Moscheen oder auf &ouml;ffentlichen Pl&auml;tzen hochgehen. Erpressung und Geiselnahme sind allt&auml;glich. Wer einen Job bei der Verwaltung oder bei den Hilfsorganisationen hat, gilt als Kollaborateur.<br \/>  Der Irak droht zu einem neuen Libanon zu werden. &#x84;Der B&uuml;rgerkrieg tobt viel-leicht noch nicht im Parlament und nicht in der Regierung, aber sonst &uuml;berall auf den Stra&szlig;en und in den Stadtvierteln&#x93;, so Woria Ahmadi, Vorstandsmitglied der Arbeiterkommunistischen Partei Irak (Deutschland).<br \/>  Die Wahlen und nun die Verfassung haben dazu beigetragen, die ethnischen und religi&ouml;sen Unterschiede in den Vordergrund zu schieben. Die in der Verfassung vorgeschlagenen f&ouml;deralen Strukturen missfallen besonders den Sunniten im Zentralirak, weil sie von den &ouml;lreichen Regionen im kurdischen Norden und schiitischen S&uuml;den abgeschnitten w&auml;ren.<br \/>  Die aktuellen K&auml;mpfe um die Stadt Kirkuk zeigen, wohin die ethnischen Auseinandersetzungen f&uuml;hren k&ouml;nnen. Kirkuk soll nach der neuen Verfassung zum sunnitischen Teil geh&ouml;ren, liegt aber in einer &Ouml;lregion, die mehrheitlich von KurdInnen bewohnt wird und steht bereits unter Kontrolle von bewaffneten kurdischen Kr&auml;ften. AraberInnen und KurdInnen haben jahrelang (trotz Saddams Versuchen, KurdInnen umzusiedeln) friedlich miteinander gelebt. Heute werden unter der F&uuml;hrung von PUK und PDK AraberInnen aus ihren Wohnungen vertrieben. An den Stra&szlig;ensperren werden die Fahrzeuge von AraberInnen angehalten, die Besitzer rausgeworfen und die Fahrzeuge beschlagnahmt.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Kein Ausweg?<\/span><\/p>\n<p>  Nicht nur die Besatzer hetzen die Bev&ouml;lkerungsgruppen gegeneinander auf, auch die reaktion&auml;ren Islamisten unternehmen alles, um das Chaos zu vergr&ouml;&szlig;ern und den B&uuml;rgerkrieg anzuheizen. Die US-Besatzung hat die reaktion&auml;rsten Kr&auml;fte gest&auml;rkt, sie treibt Al-Qaida Menschen in die Arme.<br \/>  Nur die vereinte Arbeiterklasse kann die n&ouml;tige St&auml;rke aufbringen, die unterdr&uuml;ckte Landbev&ouml;lkerung mitzumobilisieren, die Besatzer zu vertreiben, die ethnische und religi&ouml;se Spaltung zu &uuml;berwinden und den Zerfall des Landes zu verhindern. Als SozialistInnen verteidigen wir das Recht des irakischen Volkes auf Selbstverteidigung gegen die Besatzer. N&ouml;tig ist der Aufbau von unabh&auml;ngigen Gewerkschaften und einer multiethnischen Arbeiterpartei, die Vergesellschaftung von &Ouml;l- und Schl&uuml;sselindustrien unter Kontrolle und Verwaltung durch die arbeitenden Menschen, gleiche Rechte f&uuml;r alle ethnischen und religi&ouml;sen Gruppen sowie &ouml;ffentliche Investitionen zur Schaffung von Wohnungen und Arbeitspl&auml;tzen. Nur ein sozialistischer Irak als Teil einer sozialistischen F&ouml;deration kann dauerhaft Armut und Elend beseitigen.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Gaetan Kayitare, Aachen<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Widerstand gegen die Besatzer als auch Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten nehmen zu<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[64],"tags":[174],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11374"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11374"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11374\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}