{"id":11373,"date":"2005-08-28T17:49:59","date_gmt":"2005-08-28T17:49:59","guid":{"rendered":".\/?p=11373"},"modified":"2005-08-28T17:49:59","modified_gmt":"2005-08-28T17:49:59","slug":"11373","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/08\/11373\/","title":{"rendered":"Billigjobs &#8211; Kampf um den letzten Cent"},"content":{"rendered":"<p>LidL &#038; Co.: F&uuml;r vern&uuml;nftige Tarifl&ouml;hne und einen gesetzlichen Mindestlohn von 1.500 Euro! <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n28. Juli, Calw: &Uuml;ber die Ticker kommt die Nachricht, dass die &ouml;rtliche Lidl-Filiale geschlossen werden soll. Unverst&auml;ndlich, angesichts der gut laufenden Gesch&auml;fte. Einen Tag sp&auml;ter in Forchheim erf&auml;hrt die Lidl-Belegschaft, dass die Filiale nur noch mit Aktionsartikeln beliefert werden soll &#8211; durch diesen Schritt der Gesch&auml;ftsleitung ist es sehr wahrscheinlich, dass die Filiale &#x84;unrentabel&#x93; wird. Auch in der Filiale Barmbeg steht auf einmal eine Umstrukturierung an, die die Filiale auf l&auml;ngere Sicht &#x84;unrentabel&#x93; macht. Angesichts der kurzen Zeitr&auml;ume zwischen den Meldungen dr&auml;ngt sich die Frage auf, was die drei Lidl-Filialen gemeinsam haben. Die Antwort: Die Belegschaften aller drei Filialen sind bei der letzten Tarifrunde geschlossen in den Warnstreik getreten.<br \/>  Die Arbeitsbedingungen in Discount-Ketten wie Lidl sind miserabel. So gut wie immer m&uuml;ssen die KollegInnen l&auml;nger arbeiten als im Vertrag festgelegt, oftmals werden diese &Uuml;berstunden nicht, oder nur zu einem geringen Teil, verrechnet. Die KollegInnen werden systematisch unter Druck gesetzt. So m&uuml;ssen sie mindestens 40 Warenscans in der Minute durchf&uuml;hren und die sogenannte &#x84;2+1-Regel&#x93; (sobald sich ein dritter Kunde an eine Kasse anstellt, muss eine weitere er&ouml;ffnet werden, sonst drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen) einhalten. Eine ausgebildete Verk&auml;uferin verdient maximal zw&ouml;lf Euro die Stunde und kommt im Monat h&ouml;chstens auf 2.000 Euro brutto. Die Welt am Sonntag berichtete am 19. Dezember von einem neu eingestellten Bezirksleiter, der f&uuml;r 16 Stunden t&auml;glicher Arbeitszeit auf die gleiche Summe kam. In den meisten Filialen kommt zu diesem System noch ein von oben&nbsp; durchgesetztes Mobbing.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Superausbeutung<\/span><\/p>\n<p>  Die Discounter-Kette hat europaweit insgesamt 6.000 Filialen, nur 2.600 davon befinden sich in Deutschland. Die Arbeitsbedingungen sind anderswo nicht besser. Zudem werden viele Produkte der Ketten in Lateinamerika hergestellt. Dort lassen sich noch schlechtere Verh&auml;ltnisse f&uuml;r die Besch&auml;ftigten durchsetzen. So wird zum Beispiel der in Brasilien produzierte Orangensaft der Lidl-Kette im Akkord bei einem Lohn von 0,025 Cent pro Liter hergestellt.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Gewerkschaftliche Organisierung?<\/span><\/p>\n<p>  In Deutschland haben von den 2.600 Filialen nur acht, also knapp 0,3 Prozent, einen Betriebsrat. Dies liegt vor allem daran, dass die Gesch&auml;ftsleitung extrem hart gegen jeden Ansatz gewerkschaftlicher Organisierung vorgeht. J&uuml;ngst wurde beispielsweise Andrea Kr&auml;tzner gek&uuml;ndigt. Zuvor hatte sie versucht, eine Betriebsratswahl zu organisieren. Die Gesch&auml;ftsleitung warf ihr prompt vor, Geld aus der Kasse geklaut zu haben. Da die Bosse damit nicht durchkamen, mussten die Verkaufsleiter eine andere Schiene fahren: Andrea Kr&auml;tzner soll einer Kollegin den erhobenen Mittelfinger gezeigt haben.<br \/>  Seit einiger Zeit l&auml;uft eine ver.di-Kampagne zur Organisierung der Besch&auml;ftigten in Discount-Ketten. Diese Kampagne wird mittlerweile auch von Teilen der sozialen Bewegung wie attac unterst&uuml;tzt. Um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erk&auml;mpfen, ist nat&uuml;rlich der Aufbau eines Betriebsrates in den Filialen wichtig, aber die Solidarit&auml;t von KollegInnen anderer Betriebe und Branchen ist von entscheidender Bedeutung.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Gesetzlicher Mindestlohn<\/span><\/p>\n<p>  Die Arbeitsbedingungen bei Lidl schreien zum Himmel. Aber auch bei McDonalds und in vielen anderen Unternehmen sind &auml;hnliche Zust&auml;nde und Billigjobs gang und g&auml;be.<br \/>  835.000 von 2,7 Millionen Angestellten im Einzelhandel sind &#x84;geringf&uuml;gig&#x93; besch&auml;ftigt, Tendenz steigend: &#x84;Neu eingestellt werden fast nur Teilzeitkr&auml;fte, ungelernte Verk&auml;uferinnen oder Aushilfen auf 400-Euro-Basis&#x93;, so Ulrich Dalibor, Fachgruppenleiter Einzelhandel bei ver.di in der Welt am Sonntag Ende letzten Jahres.<br \/>  Mit Ein-Euro-Jobs und der Ausweitung von prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen ist die Spirale nach unten in vollem Gang. Die neue Partei &#x84;Arbeit &amp; soziale Gerechtigkeit &#8211; Die Wahlalternative&#x93; (WASG) tritt f&uuml;r die Verteidigung des Fl&auml;chentarifs ein und hat die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn von 1.500 Euro, neun Euro pro Stunde aufgestellt. Daf&uuml;r sollte die WASG eine Kampagne auf die Beine stellen: &Ouml;ffentlichkeitsarbeit f&uuml;r diese Losung, Diskussionsangebote, Argumentationshilfen und Zusammenarbeit mit Erwerbsloseninitiativen, ver.di-AktivistInnen, attac und anderen. Der Kampf f&uuml;r hohe Tarifl&ouml;hne und f&uuml;r einen gesetzlichen Mindestlohn, der nicht nur ein Almosen darstellt, ist absolut n&ouml;tig, um von McJobs betroffene KollegInnen zu ermutigen.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Viktor Sersch, Kassel<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LidL &#038; Co.: F&uuml;r vern&uuml;nftige Tarifl&ouml;hne und einen gesetzlichen Mindestlohn von 1.500 Euro!<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[174],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11373"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11373"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11373\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11373"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11373"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11373"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}