{"id":11372,"date":"2005-09-10T17:48:24","date_gmt":"2005-09-10T17:48:24","guid":{"rendered":".\/?p=11372"},"modified":"2005-09-10T17:48:24","modified_gmt":"2005-09-10T17:48:24","slug":"11372","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/09\/11372\/","title":{"rendered":"Kampf um Macht und M&auml;rkte in Asien und international"},"content":{"rendered":"<p>Japan und China im Wettstreit um die Vorherrschaft Asiens &#8211; mit dramatischen Folgen f&uuml;r die Weltwirtschaft <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Neuwahl des japanischen Parlamentes am 11. September kann von gro&szlig;er Bedeutung f&uuml;r Asien und die Welt werden. Der Partei des Ministerpr&auml;sidenten Koizumi, die Partei der Liberaldemokraten (LDP), die abgesehen von zehn Monaten die ganzen letzten 50 Jahre regiert hat, droht eine Spaltung. Unmittelbarer Hintergrund ist die Niederlage des erzkonservativen und nationalistischen Ministerpr&auml;sidenten Koizumi in der Abstimmung des Oberhauses &uuml;ber die geplante Privatisierung der Post. Allerdings geht es um viel mehr.<br \/>  Zeitgleich zum Programm der Privatisierungen und anderer Sozialk&uuml;rzungen hat Koizumi einen neuen aggressiven Ton in der Au&szlig;enpolitik angeschlagen, was seit seit der Niederlage im Zweiten Weltkrieg ohne Beispiel ist. Dazu wurde er von der US-Regierung unter Bush ermutigt.<br \/>  W&auml;hrend der Amtszeit Koizumis seit 2001 hat Japan territoriale Streitigkeiten mit Russland, S&uuml;dkorea und anderen L&auml;ndern vom Zaun gebrochen, gegen&uuml;ber Nordkorea einen h&auml;rteren Kurs eingeschlagen, sich in die Frage von Taiwan gegen China &ouml;ffentlich ge&auml;u&szlig;ert und Truppen in den Irak geschickt. Genauso wie der deutsche Imperialismus m&ouml;chte die herrschende Klasse Japans weg von der Rolle, die sie international aufgrund ihrer Niederlage im Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang einnehmen musste.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Neue imperialistische Rolle Japans<\/span><\/p>\n<p>  Die Herrschenden in Japan wollen ihre &ouml;konomischen Interessen jetzt auch wieder offensiv mit milit&auml;rischen Mitteln verfolgen. Die Nachkriegsverfassung beinhaltet den Paragraf Neun, der Japan solche milit&auml;rischen Aktionen untersagt &#8211; in den Augen Koizumis, aber auch des US-Imperialismus ist dieser Paragraf obsolet. Aller-dings sind immer noch zwei Drittel der JapanerInnen gegen die Streichung dieses Paragrafen.<br \/>  F&uuml;r das Wei&szlig;e Haus ist es von Interesse, Japan milit&auml;risch zu st&auml;rken, um den Aufstieg Chinas aufzuhalten. Die USA haben jetzt zum Beispiel vor, ihre wichtigste operative Milit&auml;rbasis in Asien nach Japan zu verlegen. Strategisch erhofft sich Washington in Japan eine &auml;hnliche Rolle wie in Gro&szlig;britannien &#8211; als ihnen untergeordneter, zuverl&auml;ssiger Verb&uuml;ndeter in der Au&szlig;enpolitik.<br \/>  Als Japan einen permanenten Sitz im UNO-Sicherheitsrat einforderte, l&ouml;ste dies nationalistisch gepr&auml;gte Protestdemonstrationen in S&uuml;dkorea und China aus. Die brutale Geschichte der japanischen Besatzungsmacht in Korea und China vor 1945 und deren Bagatellisierung durch Koizumi und seiner Regierung gab den Protesten Nahrung.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Ambitionen Chinas<\/span><\/p>\n<p>  Die vier Wochen dauernde antijapanische Protestbewegung in China im April diesen Jahres war die erste Bewegung auf nationaler Ebene seit den Massenprotesten 1989. Die Anfangs moderate Unterst&uuml;tzung durch die B&uuml;rokratie der KP Chinas steht im Kontrast zur sonst &uuml;blichen gnadenlosen Unterdr&uuml;ckung jeglichen Protestes im Land. Grund daf&uuml;r sind die Ambitionen der Herrschenden in China auf die Vorherrschaft &uuml;ber ganz Asien.<br \/>  Die neuen au&szlig;enpolitischen Machtanspr&uuml;che Chinas spiegeln die im riesigem Tempo wachsende Wirtschaftsst&auml;rke wider. Nach den USA und Russland ist China heute auf Rang drei bei den R&uuml;stungsausgaben: 55,9 Milliarden Dollar im Jahr 2003. Aufgrund ihrem Ziel, Rohstoffquellen zu sichern und neue zu kontrollieren, streben sie eine dominante Rolle in Zentralasien an und sind auf B&uuml;ndnisse mit dem Iran und mehreren afrikanischen Staaten aus.<br \/>  Der Konflikt zwischen Japan und China ist aber ein gef&auml;hrliches Spiel f&uuml;r die Machthaber in beiden L&auml;ndern, nicht zuletzt wegen der Handelsbeziehungen und &ouml;konomischen Abh&auml;ngigkeiten. Ein F&uuml;nftel des chinesischen Au&szlig;enhandels wird heute mit Japan abgewickelt. Dar&uuml;ber hinaus sind die USA der mit Abstand wichtigste Exportmarkt Chinas. Die, wenn auch nur moderate, wirtschaftliche Erholung Japans in den letzten Jahren basiert gro&szlig;teils auf den chinesischen Markt.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Wirtschaftliche Abh&auml;ngigkeiten und Krisengefahren<\/span><\/p>\n<p>  Nicht minder f&uuml;rchten die Kapitalisten die &ouml;konomische Rolle Chinas. &Uuml;ber ein Jahrzehnt war die chinesische W&auml;hrung, der Yuan, an den Dollar gebunden. Aber w&auml;hrend Chinas Wirtschaft ein beispielloses Wachstum erlebte, ist der US-Markt mit den gr&ouml;&szlig;ten Problemen seit den drei&szlig;iger Jahren konfrontiert. Die Folge: Chinesische Waren konnten mehr und mehr zu Niedrigpreisen auf dem Weltmarkt verkauft werden.<br \/>  Lange drohten die USA mit protektionistischen Z&ouml;llen, falls China seine W&auml;hrung nicht freigibt und damit eine erhebliche Aufwertung des Yuan erlaubt. Im Juli war es so weit. Der Yuan wurde um zwei Prozent aufgewertet &#8211; was jedoch nur ein Bruchteil dessen ist, was bei einer wirklichen Freigabe zu erwarten w&auml;re (dann w&uuml;rden sich n&auml;mlich chinesische Waren sch&auml;tzungsweise um 40 Prozent auf dem Weltmarkt verteuern).<br \/>  Die Aufwertung des Yuan kann daher nur der Anfang gewesen sein. Auch wenn sich dadurch das US-Handelsdefizit verringern m&uuml;sste, k&ouml;nnte damit allerdings auch ein massiver Vertrauensschwund in den Dollar einsetzen. Das wiederum k&ouml;nnte zur Ersch&uuml;tterung der chinesischen Wirtschaft f&uuml;hren &#8211; wo schon kleine Verluste die Profitraten in der Exportindustrie enorm beeintr&auml;chtigen k&ouml;nnen.<br \/>  Hintergrund f&uuml;r die wachsende Rivalit&auml;t zwischen Japan und China ist die allgemeine Versch&auml;rfung der innerimperialistischen Widerspr&uuml;che im Niedergang des Kapitalismus. Begonnen hat eine &Auml;ra verst&auml;rkter milit&auml;rischer Konflikte, Auseinandersetzungen um Rohstoffe und Einflusssph&auml;ren. Eine &Auml;ra instabiler, kurzweiliger Allianzen. Eine &Auml;ra, in der Ma&szlig;nahmen zur L&ouml;sung von Problemen auf kapitalistischer Basis f&uuml;r die Machthaber zu neuen und gr&ouml;&szlig;eren Schwierigkeiten f&uuml;hren.<br \/>  Die einzige wirklich internationalistische Kraft &#8211; in Japan, in China, wie weltweit &#8211; ist die Arbeiterklasse. Nur durch ihren Widerstand gegen Machtstreben und Profitinteressen ist eine Spirale von ansteigenden nationalistischen Rivalit&auml;ten und letztend-lich Kriegen zu stoppen.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Tommy Lindqvist, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Japan und China im Wettstreit um die Vorherrschaft Asiens &#8211; mit dramatischen Folgen f&uuml;r die Weltwirtschaft<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[174],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11372"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11372"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11372\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11372"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11372"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11372"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}