{"id":11367,"date":"2005-08-31T10:54:05","date_gmt":"2005-08-31T10:54:05","guid":{"rendered":".\/?p=11367"},"modified":"2005-08-31T10:54:05","modified_gmt":"2005-08-31T10:54:05","slug":"11367","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/08\/11367\/","title":{"rendered":"Keine bl&uuml;henden Landschaften"},"content":{"rendered":"<p>15 Jahre Wiedervereinigung: Frauen besonders betroffen <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nUnmittelbar vor dem 15. Jahrestag der Wiedervereinigung attackieren die Unionspolitiker Sch&ouml;nbohm und Stoiber die Ostdeutschen im Wahlkampf. Der eine macht die &#x84;Proletarisierung der DDR-Gesellschaft&#x93; f&uuml;r Kindsmorde, Gewalt und &#x84;Werteverlust&#x93; in der Gesellschaft verantwortlich und der andere beschimpft sie als &#x84;dumme K&auml;lber&#x93;.<br \/>  Erst hatte Kohl &#x84;bl&uuml;hende Landschaften&#x93; versprochen. Dann wurde der &#x84;Aufschwung Ost&#x93; von der SPD zur &#x84;Chef-Sache Ost&#x93; gemacht. Einen Aufschwung gibt es aber nur bei den Arbeitslosenzahlen. Viele &#x84;Ossis&#x93; f&uuml;hlen sich inzwischen nur noch als &#x84;Stimmvieh f&uuml;r Wahlen&#x93;, das w&auml;hrend des Wahlkampfes hofiert und danach vergessen wird, so Elmar Br&auml;hmer, Soziologe an der Uni Leipzig (Norddeutsche Neueste Nachrichten vom 12. August). Dieser ist auch der Meinung, dass sich seit der Wiedervereinigung eine &#x84;ostdeutsche Identit&auml;t&#x93; als B&uuml;rger zweiter Klasse entwickelt hat, die es vor der Wende gar nicht gab.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Absturz Ost<\/span><\/p>\n<p>  Die Entstehung einer eigenen Identit&auml;t ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man betrachtet, was sich in den letzten Jahren ver&auml;ndert hat. W&auml;hrend es bis zur Wende Vollbesch&auml;ftigung gab, ist die Arbeitslosenrate heute mit offiziell 20 Prozent doppelt so hoch wie im Westen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es sogar Regionen wie den &Uuml;cker-Randow-Kreis, in denen jeder Dritte ohne Arbeit ist. Die Ursache f&uuml;r so eine hohe fl&auml;chendeckende Arbeitslosigkeit ist der rapide Abbau von drei Viertel aller Industriearbeitspl&auml;tzen.<br \/>  Zudem sind die Einkommen derjenigen, die noch in Arbeit und Brot stehen, weiterhin deutlich niedriger als im Westen: &#x84;Mit 22.517 Euro je Arbeitnehmer verdient ein Erwerbst&auml;tiger in den neuen Bundesl&auml;ndern durchschnittlich 5.000 Euro weniger als ein Besch&auml;ftigter in den alten Bundesl&auml;ndern&#x93; (FAZ vom 19. August). Die Einkommensschere zwischen Ost und West klafft weit auseinander. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Ostdeutschland liegt bei 64,5 Prozent des Westniveaus. Wen wundert es da, dass die vielen Spa&szlig;b&auml;der, die in den neunziger Jahren in diversen Kommunen gebaut wurden, kaum ausgelastet sind.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Frauenarbeitslosigkeit<\/span><\/p>\n<p>  August Bebel, Sozialist und Gr&uuml;ndungsmitglied der SPD im 19. Jahrhundert, stellte fest, dass der Zustand einer Gesellschaft sehr gut anhand der Stellung der Frau in dieser Gesellschaft beurteilt werden kann.<br \/>  In der Zeit von 1990 bis 2000 haben knapp die H&auml;lfte der ostdeutschen Frauen ihre Arbeit verloren. Viele junge Frauen gehen deshalb auch in die westdeutschen Bundesl&auml;nder.<br \/>  Au&szlig;erdem wurde das System der Kinderbetreuung, welches es in der DDR gab, zum Gro&szlig;teil abgebaut. Von kostenlosen und ausreichenden Kita- und Krippenpl&auml;tzen k&ouml;nnen die Frauen im Osten nur noch tr&auml;umen. Die Erziehung der Kinder und deren Betreuung lastet heute wieder viel mehr auf den Schultern der Frauen als noch vor dem Mauerfall. Trotzdem arbeiten im Osten immer noch ungef&auml;hr 50 Prozent der M&uuml;tter Vollzeit, w&auml;hrend es im Westen nur 20 Prozent sind (&#x84;Mikrozensus 2002&#x93;). Von CDU-Politikern wie Biedenkopf wurden gerade auch die Frauen im Osten oft kritisiert. Sie sollten doch bitte sch&ouml;n lieber zu Hause bleiben, um sich um Haushalt und Kinder zu k&uuml;mmern, statt arbeiten zu gehen.<br \/>  Mit Hartz IV hat sich f&uuml;r viele Frauen im Osten die Lage weiter verschlimmert. Denn viele bekommen, obwohl sie jahrelang hart gearbeitet haben, keinen Cent mehr an Arbeitslosengeld. Sie sind, wenn sie einen erwerbst&auml;tigen Partner haben, v&ouml;llig von diesem abh&auml;ngig.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Radikalisierung<\/span><\/p>\n<p>  &#x84;Die Wechselstimmung ist noch da, aber verfinstert von einer Gewitterwolke. Aufgeladen mit der Wut eines knappen Viertels der ostdeutschen W&auml;hler &uuml;ber das &#8222;BRD-System&#8220; schlechthin (&#8230;) tr&uuml;bt die au&szlig;erparlamentarische Linke den b&uuml;rgerlichen Parteien die gerade noch so klare Aussicht auf ein Comeback als Bundestagsmehrheit&#x93; (FAZ vom 5. August).<br \/>  Die Ostdeutschen haben die Erfahrung mit zwei Systemen machen k&ouml;nnen: DDR-Stalinismus und BRD-Kapitalismus. Seit Jahren zeigen Umfragen, dass &uuml;ber 70 Prozent der &#x84;Ossis&#x93; Sozialismus f&uuml;r eine gute Sache halten, die nur falsch umgesetzt wurde.<br \/>  Lange dominierten im Osten Frust und Verzweiflung. Vor einem Jahr haben sich Erwerbslose und Besch&auml;ftigte im Osten eindrucksvoll zur&uuml;ckgemeldet &#8211; mit den Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV. Politischer Ausdruck der Proteste vor allem der letzten beiden Jahre in Ost und West ist die WASG. Die gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung f&uuml;r WASG und Linkspartei im Osten, die dort am 18. September mehr als ein Viertel aller Stimmen erhalten k&ouml;nnte, dr&uuml;ckt die Sympathie mit radikalen, linken Ideen, die Kritik am bestehenden System &uuml;ben, aus.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Maren Wiese, Rostock<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15 Jahre Wiedervereinigung: Frauen besonders betroffen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[174],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11367"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11367"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11367\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}