{"id":11366,"date":"2005-08-30T16:48:33","date_gmt":"2005-08-30T16:48:33","guid":{"rendered":".\/?p=11366"},"modified":"2005-08-30T16:48:33","modified_gmt":"2005-08-30T16:48:33","slug":"11366","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/08\/11366\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir m&uuml;ssen ein Leben lang k&auml;mpfen!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Gespr&auml;ch mit Andr&eacute; Halfenberg, IGM-Vertrauensmann und Mitglied der Vertrauensk&ouml;rperleitung im Daimler-Werk Stuttgart-Untert&uuml;rkheim und Unterst&uuml;tzer der Betriebszeitung &#x84;Alternative&#x93;*<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\" lang=\"de-DE\"><font size=\"3\"><span style=\"font-weight: bold;\">Vor einem Jahr ist Daimler-Chrysler mit einem 500-Millionen-Sparpaket durchgekommen. Was sind die Folgen davon?<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/> Das Sparpaket, Betriebsvereinbarung &#x84;Zukunftssicherung 2012&#x93; genannt, ist in Mettingen viel diskutiert worden. Die L&ouml;hne werden ab 2006 um 2,79 % reduziert, Neueingestellte erhalten einen abgesenkten Einstelllohn, der Ausschluss Betriebsbedingter K&uuml;ndigungen bis 2012 ist an Bedingungen gekn&uuml;pft wie dem Gesch&auml;ftsverlauf, und damit relativiert, und gilt nicht f&uuml;r nach dem 9.8.2004 eingestellte Kollegen. Und dann die massiven Verschlechterungen f&uuml;r die Dienstleister, f&uuml;r die die Arbeitszeit in 3 Schritten unbezahlt auf 39 Stunden verl&auml;ngert wird, dazu wird dort das Wochenende zur Regelarbeitszeit. Und die k&auml;mpfen jetzt, unterst&uuml;tzt von den Kollegen aus den Produktionsbereichen.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Das sind die Abmachungen zu den so genannten &#8222;industrienahen Dienstleistungen&#8220;. Kannst du uns erkl&auml;ren, wen das betrifft?<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/> Es betrifft hier im Werk Untert&uuml;rkheim die Kantine, die Logistik, die Post, dann den LKW-Fuhrpark; der Werksschutz ist schon Fremdvergeben.<br \/> Wir hatten hier Betriebsversammlung. Schon vorher gab es viele Diskussionen. Die Kollegen aus Br&uuml;hl und die vom LKW-Fuhrpark haben dann entschieden, die Betriebsversammlung zu nutzen, um ihren Protest kund zu tun. Die Werksleitung hat das spitz gekriegt. Und so war die Polizei &uuml;ber die Aktion informiert und fr&uuml;hmorgens mit mehreren Streifenwagen in Br&uuml;hl, weil sie f&uuml;rchteten dass wieder die B 10 blockiert wird. Als die Kollegen dann mit Trillerpfeifen und Transparenten zur Betriebsversammlung marschierten, da waren dann pl&ouml;tzlich die Saalt&uuml;ren zu. Angeblich wegen &Uuml;berf&uuml;llung sollte man aus Sicherheitsgr&uuml;nden die Versammlung von einer Nebenhalle &uuml;ber einen Monitor verfolgen. Ich bin seit 20 Jahren hier und habe so was noch nie erlebt. Die Kollegen waren dann noch so taktvoll und haben die Schweigeminute f&uuml;r die verstorbenen Kollegen abgewartet, aber dann haben sie das Tor aufgedr&uuml;ckt und sind rein in die Versammlung, erstmal mit einem minutenlangen Pfeifkonzert. Der Betriebsratsvorsitzende vom Werk Untert&uuml;rkheim hat 1,5 Stunden geredet. Und danach war ihnen der Verlauf der Versammlung nicht mehr genehm und der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende hat nicht alle Wortmeldungen respektiert und die Versammlung selbstherrlich vorzeitig beendet. Nur 16 von 27 Wortmeldungen hatten geredet. Beitr&auml;ge gegen den Absenkungstarifvertrag erhielten Applaus und die Bef&uuml;rworter Buhrufe. Der Bereichsbetriebsrat f&uuml;r die Dienstleister- er unterst&uuml;tzt die Absenkungen- konnte nichts sagen, keinen Ton! Als er auf die B&uuml;hne ging, haben die Kollegen ein ohrenbet&auml;ubendes Pfeifkonzert angefangen. Danach kam der Abbruch. Die Betriebsr&auml;te die im Dienstleitungsbereich zust&auml;ndig sind und massiv f&uuml;r den Dienstleitungtarifvertrag bei den Kollegen werben sind selber von den Verschlechterungen &uuml;berhaupt nicht betroffen. Es w&auml;re nur richtig wenn sie selber als erste und als gutes Bespiel voran gehen und im Dienstleitertarifvertrag gehen aber das machen die nicht.<br \/> <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Es sind nicht die klassischen, Streikerprobten Produktions- und <\/span><span style=\"font-weight: bold;\">Bandarbeiter. Eigentlich der Bereich, wo die Gewerkschaftsoberen dann sagen <\/span><span style=\"font-weight: bold;\">w&uuml;rden: &#8222;Der Bereich ist nicht kampfstark genug&#8220;, da kann man nichts machen.<\/span><\/p>\n<p> Das ist es ja. Der Betriebsrat sagt, es gibt keine Alternative. Aber wof&uuml;r haben wir uns denn in einer Gewerkschaft zusammengeschlossen? Damit wir gemeinsam k&auml;mpfen, streiken. Das kommt denen heute gar nicht mehr in den Sinn. Aber man kann k&auml;mpfen. In der Produktion haben wir in Unterst&uuml;tzung der Dienstleister mehr als 2.000 Unterschriften gesammelt. Es mag sein, dass man alleine dann verliert, aber gemeinsam kann man was erreichen. Den anderen Kollegen von der Produktion ist ja auch klar, dass sie irgendwann selber dran sind. Es gab f&uuml;r den Bereich Fuhrpark\/LOG am 27. Juli eine Abstimmung &uuml;ber den Absenkungstarifvertrag. 40 dagegen, 3 Enthaltungen und 18 daf&uuml;r. Jetzt wird mit Fremdvergabe gedroht. Unsere Parole dagegen ist &#x84;alle gemeinsam gegen Billigtarif und Fremdvergabe&#x93;.<br \/> <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Im letzten Sommer haben sich bei den Protesten gegen das Sparpaket 2.000 Kolleginnen aus Mettingen an der B-10-Blockade beteiligt. Anderstlautend als die IG Metall, die dazu aufgerufen hatte mit der S-Bahn zur Kundgebung zu fahren. Unter den vielen Kolleginnen und Vertrauensleuten die euch unterst&uuml;tzen sind auch vier Betriebsr&auml;te. Wie ist das Verh&auml;ltnis im und zum Betriebsrat?<\/span><\/p>\n<p> Der Vorsitzende der Vertrauensk&ouml;rperleitung war sich damals nicht zu schade zu versuchen die Leute daran zu hindern an der Aktion teilzunehmen. <font color=\"#000000\">Ich finde es sehr widerspr&uuml;chlich von <\/font><font color=\"#0000ff\">ihm, als<\/font><font color=\"#000000\"> einen Betriebsrat und F&uuml;hrender IGM- Funktion&auml;r, wenn er <\/font><font color=\"#0000ff\">jetzt<\/font><font color=\"#000000\"> eine Wahlempfehlung der WASG unterschreibt. Weil zwischen dem was er sagt und letztendlich tut Welten liegen. Ich kann nicht so wie es die WASG richtig in ihr Programm bringt f&uuml;r Arbeitszeitverk&uuml;rzung sein und gleichzeitig zur &#8222;Rettung der Arbeitspl&auml;tze&#8220; im Betrieb f&uuml;r die Verl&auml;ngerung 39 bzw. 40 Stunden stimmen. Dieses ist in meinen Augen unglaubw&uuml;rdig. Aber diese Person muss es mit seinem Gewissen selber ausmachen.<\/font><br \/> N&auml;chstes Jahr sind Betriebsratswahlen. Die Vollversammlung der Vertrauensk&ouml;rperleitung hat ein Anforderungsprofil f&uuml;r die Liste der IG Metall beschlossen. Gruppen, die andere Publikationen herausbringen oder unterst&uuml;tzen d&uuml;rfen nicht auf der IGM-Liste kandidieren. Das hei&szlig;t also, dass wir n&auml;chstes Jahr f&uuml;r die Betriebsratswahl von der IGM-Liste ausgeschlossen sind, da wir die &#x84;Alternative&#x93; herausbringen oder unterst&uuml;tzen. Deshalb sind wir gezwungen mit einer eigenen Liste anzutreten. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Die Stuttgarter Zeitung hat euch bei den Protesten im letzten Sommer als &#8222;Mettinger Rebellen&#8220; bezeichnet. Mettingen ist der Werksteil vom Werk Untert&uuml;rkheim, wo ihr besonders stark seid. Wie seht ihr euch selber?<\/span><\/p>\n<p> Wir wollen eine Alternative bieten zur Politik des Co-Managements und der Verzichtslogik der Betriebsratsspitzen. Wir stehen f&uuml;r basisdemokratische Gewerkschaftspolitik. Nach der B-10-Blockade haben wir eine Bilanz von unserem Kampf herausgebracht, wir haben sie &#x84;Eine Bilanz von Metallern an der Basis&#x93; genannt. Jetzt erscheint die &#x84;Alternative&#x93;, Betriebszeitung von Kolleginnen f&uuml;r Kolleginnen. Sie bringt unzensierte, ungeschminkte Informationen aus der Daimler-Welt. Parteilos, aber immer parteiisch f&uuml;r die Kolleginnen und Kollegen. Meine pers&ouml;nliche Meinung ist, dass man den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit immer wieder in den Vordergrund stellen muss. Das, was schon Karl Marx und andere erkl&auml;rt haben, muss man immer wieder diskutieren und aufkl&auml;ren. Wir sind bem&uuml;ht, unsere Arbeitskraft so teuer wie m&ouml;glich zu verkaufen, und die Unternehmer sind bem&uuml;ht, so viel Profit wie m&ouml;glich zu machen, das ist verk&uuml;rzt gesagt, der Widerspruch.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Noch ein anderes Thema: Die WASG und die Linkspartei\/PDS. Wie stehst du dazu?<\/span><\/p>\n<p> Als ich das erste Mal von der WASG h&ouml;rte, war ich erfreut. Mittlerweile sehe ich das mit Sorgen, weil es jetzt eine Dominanz der f&uuml;hrenden Politiker gibt, wie Lafontaine, Gysi oder hier Uli Maurer. Und&nbsp; das Gewicht der Basis die wirklich eine andere Politik wollen, nimmt ab. Bei der Wahl werde ich die WASG\/Linkspartei w&auml;hlen. Bei der PDS hatte ich auch Hoffnung, aber sie hat sich immer weiter angepasst, wie an der Regierungskoalition in Berlin, hoffentlich entt&auml;uscht uns die WASG nicht. <br \/> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Das Gespr&auml;ch f&uuml;hrte Pablo Alderete.<\/span><br \/> * Alle Angaben dienen nur zur Kenntlichmachung der Person<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gespr&auml;ch mit Andr&eacute; Halfenberg, IGM-Vertrauensmann und Mitglied der Vertrauensk&ouml;rperleitung im Daimler-Werk Stuttgart-Untert&uuml;rkheim und Unterst&uuml;tzer der Betriebszeitung &#x84;Alternative&#x93;*<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[174],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11366"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11366"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11366\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}