{"id":11365,"date":"2005-08-29T16:42:17","date_gmt":"2005-08-29T16:42:17","guid":{"rendered":".\/?p=11365"},"modified":"2005-08-29T16:42:17","modified_gmt":"2005-08-29T16:42:17","slug":"11365","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/08\/11365\/","title":{"rendered":"Wir retten Leben &#8211; doch wer rettet uns?"},"content":{"rendered":"<p>  Notstand in den Krankenh&#228;usern &#8211; &#196;rzte wehren sich<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  In einer Protestwoche Anfang August machten rund 7.000 &#196;rzte und   &#196;rztinnen von Universit&#228;tskliniken aus Baden-W&#252;rttemberg, Bayern, Berlin   und Hessen in Warnstreiks ihrem Unmut Luft. Sie streikten zum Teil   mehrere Tage gegen schlechtere Bezahlung und &#252;berlange Dienstzeiten.<br \/> Die Proteste richten sich gegen den tariflosen Zustand an den Unikliniken, der   eine Erh&#246;hung der Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden, die K&#252;rzung des   Weihnachtsgeldes und die Streichung des Urlaubsgeldes f&#252;r alle   Neueingestellten zur Folge hat. Da die Mediziner meist nur kurzfristige   Vertr&#228;ge haben, sind sie neben dem anderen Klinikpersonal besonders   schnell von den K&#252;rzungen betroffen.<br \/>Hinzu kommen   Dauer&#252;berlastung und Marathonschichten, eine Wochenarbeitszeit von bis   zu 70 Stunden ist keine Seltenheit. Laut Marburger Bund leisten   bundesweit rund 146.000 Klinik&#228;rzte j&#228;hrlich rund 50 Millionen   &#220;berstunden, die &#252;berwiegend nicht bezahlt werden. Risiken und   Nebenwirkungen tragen Besch&#228;ftigte und PatientInnen.<br \/>Auf der   bundesweiten Abschlusskundgebung in Berlin forderten rund 3.000 &#196;rzte   das Ende des Sparwahns. Auf mitgebrachten Transparenten waren Aussagen   zu lesen wie: &quot;80 Stunden Spitzenmedizin f&#252;r 40 Stunden Niedriglohn&quot;   oder &quot;TV&#246;D tut auch den Patienten weh&quot;. Kinder trugen T-Shirts mit dem   Aufdruck: &quot;Mein Papa arbeitet immer&quot;. Ein Mediziner von der Uniklinik in   M&#252;nchen berichtete, dass er 1.600 Euro netto verdiene und daf&#252;r oft &#252;ber   70 Stunden in der Woche schuftet. &quot;Die Patienten werden zum privaten   Hobby&quot;, in der normalen Arbeitszeit gehe immer mehr Zeit f&#252;r das   Ausf&#252;llen der Abrechnungsformulare drauf.<\/p>\n<p><b><span><\/b>  Sparsucht &#8211; die neue Pest der Charit&#233;<\/span><\/p>\n<p>Den gr&#246;&#223;ten   Anteil an der Demo stellten die &#196;rzte der Berliner Charit&#233;, denn an der   gr&#246;&#223;ten Universit&#228;tsklinik in Europa regiert der Sparhammer. Der   Berliner PDS\/PDS-Senat hat den Zuschuss f&#252;r Lehre und Forschung um 98   Millionen gek&#252;rzt, au&#223;erdem rechnet die Berliner Charit&#233; mit   Einnahmeverlusten aufgrund des neuen Abrechnungssystems, in H&#246;he von 246   Millionen Euro bis zum Jahr 2010. Der Plan der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung sieht   vor, dass 2.300 Besch&#228;ftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Weiter will   man durch Gehaltsk&#252;rzungen 40 Millionen einsparen. Im Gegensatz zum   Marburger Bund setzt ver.di weiter auf Verhandlungen und rief die   Besch&#228;ftigten nicht zur Teilnahme an den Protesten auf.<\/p>\n<p><b><span><\/b> Gemeinsamer Kampf aller Krankenhausbesch&#228;ftigten<\/span><\/p>\n<p>&quot;Die   Forderung des Marburger Bundes nach 30 Prozent mehr Lohn f&#252;r &#196;rzte passt   nicht in eine Zeit, in der von den anderen Krankenhaus-Besch&#228;ftigten   Verzicht gefordert wird&quot;, so ver.di-Verhandlungsf&#252;hrerin Christa Hecht   (Berliner Zeitung vom 5. August). Dieses Zitat macht die Strategie der   Gewerkschaftsf&#252;hrung mehr als deutlich. Es wird von der Gewerkschaft   akzeptiert, dass es Verzicht geben muss, dem eingeleiteten   Konkurrenzkampf und dem Wettbewerbsprinzip wird nichts entgegengesetzt.   In den vergangenen Jahren wurden bereits zehn Prozent der Krankenh&#228;user   geschlossen, 20 Prozent der Betten wurden abgebaut und die Verweildauer   zeitgleich um 30 Prozent gek&#252;rzt, bei gleichzeitigem Anstieg der   Patientenf&#228;lle um 20 Prozent. Der enorme Produktivit&#228;tszuwachs wurde auf   den R&#252;cken aller Krankenhausbesch&#228;ftigen ausgetragen. Arbeits&#252;berlastung   und &#220;berstundenberge kennzeichnen nicht nur das Bild der &#196;rzte, sondern   auch das des Pflegepersonals und der restlichen Besch&#228;ftigten.   Ungest&#246;rte Pausen? Planbare Freizeit? Zeit f&#252;r Anleitung der   Auszubildenden? Alles Rechte, die vor dem Aussterben gesch&#252;tzt werden   m&#252;ssen.<br \/>Die Situation an den Kliniken schreit nach einem   gemeinsamen Kampf aller Krankenhaus-Besch&#228;ftigten. Anstatt weiter am   Verhandlungstisch Verzicht festzuschreiben, ist es n&#246;tig, gemeinsam mit   dem Marburger Bund einen bundesweiten Streik zu organisieren.<\/p>\n<p><b><span><\/b> Widerstand organisieren<\/span><\/p>\n<p>Die neoliberale Politik macht die   Krankenh&#228;user zu Pflegef&#228;llen, Gesundheit verkommt zur Ware. Es ist die   Aufgabe der Gewerkschaften, diesem Prozess Einhalt zu gebieten.   Privatisierung, Entlassungen, l&#228;ngere Arbeitszeiten und Gehaltseinbu&#223;en   drohen bundesweit, deshalb muss auch bundesweit reagiert werden. Das   &quot;Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di&quot; fordert die   Gewerkschaft in Antr&#228;gen und mit Unterschriftenlisten auf, eine   bundesweite Kampagne und Kampfma&#223;nahmen zu organisieren. Als Start soll   es eine bundesweite Krankenhaus-Konferenz von aktiven Vertrauensleuten   und Betriebs- und Personalr&#228;ten geben. Hier sollte eine Kampfstrategie   und die Vorbereitung eines bundesweiten Streiks diskutiert und   beschlossen werden. Dass Widerstand erfolgreich sein kann, haben uns   unsere belgischen KollegInnen vorgemacht. Sie erstreikten in diesem Jahr   eine Erh&#246;hung des Budgets der Krankenh&#228;user um 25 Prozent. Daran sollte   sich ver.di ein Beispiel nehmen.<br \/><i><br \/><span><\/i>von Steffi   Nitschke, Betriebsr&#228;tin* im Klinikum Kassel <\/span><i><br \/><span><\/i>  (*Angabe nur zur Kenntlichmachung der Person)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Notstand in den Krankenh&#228;usern &#8211; &#196;rzte wehren sich\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,18],"tags":[174],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11365"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11365"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11365\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11365"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11365"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11365"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}