{"id":11363,"date":"2005-08-23T22:26:48","date_gmt":"2005-08-23T20:26:48","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11363"},"modified":"2012-08-21T13:09:43","modified_gmt":"2012-08-21T11:09:43","slug":"11363","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/08\/11363\/","title":{"rendered":"Marx is back!"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"\/media\/2005\/SpiegelTitelMarx.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/><strong><em>Endlich hat\u2018s auch der SPIEGEL erkannt: Marx ist aktuell!<\/em><\/strong><br \/> \u201eMarx ist tot, Jesus lebt\u201c, sagte der ehemalige Bundesminister Norbert Bl\u00fcm nach dem Zusammenbruch der DDR. Der SPIEGEL kommt in seiner neuesten Ausgabe zu einem anderen Urteil: \u201eEs ist wie vor 40 Jahren: Die Leute, die Zweifel haben am Sinn des Kapitalismus, an seiner Logik und seiner Menschlichkeit, die suchen bei Marx nach Erkl\u00e4rungen und Alternativen.\u201c Und titelt in Anlehnung an den ber\u00fchmten ersten Satz des Kommunistischen Manifestes: \u201eEin Gespenst kehrt zur\u00fcck.<br \/> Sascha Stanicic, Berlin<\/p>\n<table style=\"width: 100%;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"border: 1px solid #990000;\">\n<div style=\"text-align: left;\">\u00a0<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\"><small><strong>Veranstaltungen \u201eAktualit\u00e4t, Ideen und Leben des Karl Marx\u201c<\/strong><\/small><\/div>\n<p style=\"margin-top: -3px; margin-bottom: -3px; text-align: right;\"><small> <strong>K\u00f6ln<\/strong>: Di, 6.9., 19:30, Allerweltshaus, K\u00f6rnerstr. 77-79<br \/> <strong>Hamburg<\/strong>: Do, 15.9., 19:00, Croque-Lagune, Eiffestr.\/Ecke Osterbrook. <\/small><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p>Die Reichen und M\u00e4chtigen werden offensichtlich nerv\u00f6s. Sie hatten nach der Wiedereinf\u00fchrung kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse in den fr\u00fchereren stalinistischen Staaten der Sowjetunion, DDR und anderen von ihrem endg\u00fcltigen Sieg getr\u00e4umt und schon das \u201eEnde der Geschichte\u201c ausgerufen. Brutal haben sie 15 Jahre lang privatisiert, die L\u00f6hne gedr\u00fcckt, Kriege gef\u00fchrt, demokratische Rechte abgebaut &#8211; und die betroffenen ArbeiterInnen waren meist hilflos in ihrem Widerstand, denn sie konnten das Totschlagargument der Herrschenden nicht widerlegen: \u201eZu dieser Politik gibt es keine Alternative!\u201c Das \u00e4ndert sich nun. Und der Erfolg der Linkspartei\/PDS und WASG sind davon nur ein Ausdruck. Tats\u00e4chlich sind diese alles andere als marxistisch, aber ihr Erfolg bereitet der Verbreitung marxistischer Ideen den Weg. Und die Offenheit f\u00fcr diese Ideen ist schon weiter in die Bev\u00f6lkerung vorgedrungen, als so mancher glaubt: nicht umsonst wurde Marx bei der ZDF-Wahl zum \u201ebesten Deutschen\u201c auf Platz 3 gew\u00e4hlt und auch 30.000 britische Radioh\u00f6rerInnen w\u00e4hlten ihn zum wichtigsten Philosophen aller Zeiten. Auch die im SPIEGEL ver\u00f6ffentlichten Umfragen zeigen: eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung hat eine positive Einstellung zum Sozialismus und zu Marx &#8211; und h\u00e4lt ihn f\u00fcr aktuell.<\/p>\n<p>Marx ist in jeder Hinsicht hochaktuell: als Philosoph und \u00d6konom, aber vor allem als Revolution\u00e4r. Er hat wie kein Zweiter die Funktionsweise des Kapitalismus offen gelegt und die Widerspr\u00fcche aufgedeckt, die zu wiederkehrenden Wirtschaftskrisen f\u00fchren und daf\u00fcr sorgen, dass der Kapitalismus das Lebens- und Kulturniveau der Menschheit nicht weiter anheben kann. Selbst b\u00fcrgerliche \u00d6konomen beschreiben heute fast schon ehrf\u00fcrchtig den Weitblick Marxens und weisen darauf hin, dass er die kapitalistische Globalisierung vorhergesagt hat. Der SPIEGEL nennt, ohne ihn namentlich zu nennen, den Wirtschaftskorrespondenten des \u201eNew Yorker\u201c, John Cassidy, der sagte: \u201eJe l\u00e4nger ich an der Wall Street bin, desto st\u00e4rker wird meine \u00dcberzeugung, dass Marx recht hatte.\u201c F\u00fcr die SPIEGEL-Autoren \u201eliest sich (Marx), als h\u00e4tte (er) schon Hollywood und Blue Jeans und Michael Jackson gekannt, liest sich wie ein Kommentar auf hilflose \u2018Standort-Debatten\u2018, wie ein kritischer Kommentar zum krisengesch\u00fcttelten modernen Kapitalismus, wie eine bildhafte, pr\u00e4zise Beschreibung der modernen, globalisierten \u00d6konomie.\u201c Sie versuchen zwar sich Marx in einigen Abschnitte zu n\u00e4hern, scheitern aber an einer wirklich ernsthaften und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit seinen Ideen. Die Kernthesen seiner Wirtschaftstheorie widerlegen sie nicht, sondern lassen einen Wirtschaftsprofessor platt und ohne ein Argument behaupten diese seien \u201efalsch, sinnlos, \u00fcberholt\u201c. Marx\u2018 Analyse der kapitalistischen Wirtschaft ist jedoch zutreffend und seine Methode ist die einzige Basis, auf der ein Verst\u00e4ndnis der globalisierten Weltwirtschaft m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Doch Marx war nicht nur Analytiker. Er entwickelte eine Alternative zum Kapitalismus und beteiligte sich aktiv daran, diese zu erk\u00e4mpfen. Seine Leitlinie wird in seinem ber\u00fchmtesten Ausspruch deutlich: \u201eDie Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an sie zu ver\u00e4ndern.\u201c Seine Theorien sah er vor allem als Anleitung zum Handeln. Der SPIEGEL bezeichnet Marx\u2018 Vorstellung einer Alternative zum Kapitalismus als \u201ewolkig\u201c und l\u00e4sst einen weiteren Professor behaupten, dass die DDR-Gesellschaftsform die unweigerliche Konsequenz des Marxismus ist. Blanker Unsinn! Marx sah in der \u201eBefreiung des Einzelnen die Voraussetzung f\u00fcr die Befreiung aller\u201c &#8211; ein Gedanke der eine Ein-Parteien-Diktatur ausschlie\u00dft. Unter Stalin w\u00e4re Marx nach Sibirien verbannt oder zu Tode verurteilt worden, bei Honecker w\u00e4re er in Bauzen gelandet. Sozialismus braucht Demokratie, wie der menschliche K\u00f6rper Sauerstoff. Die \u201eDiktatur des Proletariats\u201c war nur Marxens Begriff f\u00fcr die demokratische Herrschaft der Mehrheit der LohnarbeiterInnen \u00fcber die Minderheit der Kapitalisten. Er hat die Widerspr\u00fcche aufgezeigt, die eine sozialistische Gesellschaft aufl\u00f6sen muss: das Privateigentum an Produktionsmitteln, die Existenz des Nationalstaats, die Produktion zur Profitmaximierung. Die Aufl\u00f6sung dieser Widerspr\u00fcche muss die \u00dcberf\u00fchrung der Produktionsmittel in Gemeineigentum, sinnvolle und demokratische Wirtschaftsplanung und eine Aufhebung von Zollschranken und Grenzen beinhalten.<\/p>\n<p>Marx war vor allem Revolution\u00e4r. Mit gro\u00dfem Eifer f\u00fchrte er die erste internationale Arbeiterorganisation. Heute w\u00fcrde er am Kampf f\u00fcr eine sozialistische Gesellschaft teilnehmen &#8211; in den Arbeiterorganisationen und in der SAV und unserer internationalen Organisation, dem Komitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale.<\/p>\n<p>Er w\u00fcrde seinen unersch\u00fctterlichen Optimismus verbreiten und auf die aktuellen Entwicklungen in Lateinamerika verweisen. Dort fand der Neoliberalismus in den 70er und 80er Jahren sein erstes Experimentierfeld. So wie Lateinamerika damals die Zukunft Europas vorzeichnete, so tut es dies auch heute. Und heute wird der ganze Kontinent von Massenbewegungen und Aufst\u00e4nden ersch\u00fcttert. Millionen ArbeiterInnen, Bauern und B\u00e4uerinnen, Jugendliche und Arme suchen eine Alternative zum Kapitalismus und Imperialismus. In Bolivien haben Massenversammlungen von Zehntausenden die Bildung einer Arbeiterregierung gefordert. In Venezuela finden breite Debatten \u00fcber Sozialismus und Arbeiterkontrolle \u00fcber die Wirtschaft statt, nachdem Pr\u00e4sident Ch\u00e0vez sich f\u00fcr Sozialismus ausgesprochen hat. Das ist die Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich hat\u2018s auch der SPIEGEL erkannt: Marx ist aktuell!<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[92],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11363"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11363"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11363\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}