{"id":11352,"date":"2005-08-15T12:50:12","date_gmt":"2005-08-15T12:50:12","guid":{"rendered":".\/?p=11352"},"modified":"2005-08-15T12:50:12","modified_gmt":"2005-08-15T12:50:12","slug":"11352","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/08\/11352\/","title":{"rendered":"&#x91;Nicht das Ende der Besatzung&#x91;"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><img style=\"width: 150px; height: 113px;\" alt=\"ariel\" src=\"\/media\/2005\/ariel.jpg\" align=\"left\">Interview mit Ariel Gottlieb von Maavak Sozialisti, Schwesterorganisation der SAV in Israel, &uuml;ber den &#8222;Entkoppelungsplan&#8220;.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">Am 15. August beginnt der Abzug der israelischen Armee aus dem Gaza-Streifen und die R&auml;umung der j&uuml;dischen Siedlungen dort. Von Beginn an war der &#x92;Entkoppelungsplan&#x91; Sharons jedoch selbst in dessen eigener Partei sehr umstritten, einige der orthodoxen Koalitionspartner Scharons verlie&szlig;en die Regierung. In den letzten Monaten haben rechte Siedlergruppen immer wieder zu Massenprotesten mobilisiert. Die Berichte in den deutschen Medien geben den Eindruck einer gro&szlig;en Polarisierung der Bev&ouml;lkerung in Israel gegen&uuml;ber dem R&uuml;ckzug aus Gaza &#x96; wie gro&szlig; ist die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den Entkoppelungsplan?<\/span> <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Auch in Israel dominieren die Proteste gegen den Abzugs-Plan die Medien, von Auseinandersetzungen zwischen Polizei und DemonstrantInnen, Verhaftungen und so weiter. Viele haben von diesem Medienbombardement schon lange die Nase voll. Allen Umfragen zufolge liegt die Anti-Abzugs-Plan Fraktion bei zirka 30 bis 40 Prozent, ungef&auml;hr 50 Prozent der israelischen Bev&ouml;lkerung unterst&uuml;tzten den Plan. Viele Leute verstehen, dass er keine L&ouml;sung bietet, sehen aber zumindest der Abzug aus Gaza als etwas Positives an, der Zuspruch gilt also vor allem diesem Teil des Plans. <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Im Bef&uuml;rworter-Lager herrscht m&auml;&szlig;ige Begeisterung, da der Staat hinter dem Plan steckt und all seine Kr&auml;fte mobilisiert, um ihn durchzuf&uuml;hren. Es besteht also keine Notwendigkeit, auf die Stra&szlig;e zu gehen. Die linksliberalen Organisationen veranstalten keine gro&szlig;en Demos, sondern f&uuml;hren eher Aktion durch wie das Verteilen von blauen B&auml;ndchen (&#x92;Frieden jetzt&#x91; inserierte sogar in Zeitungen auf der Suche nach Leuten, die das f&uuml;r Geld machen). Sie haben damit weniger Erfolg als die Siedler, die orangefarbene B&auml;nder benutzen und ausreichend Leute haben, die bereit sind, sich den ganzen Tag an Stra&szlig;enkreuzungen zu stellen und sie an Autos zu binden.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-weight: bold;\">Was steckt hinter dem Entkoppelungs-Plan?<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Zum einen die &ouml;ffentliche Meinung in Israel, die &#8211; m&uuml;de von der zweiten Intifada, den Bombenattentaten und der Wirtschaftskrise &#8211; Sharon unter Druck setzt. Der Abzug jetzt ist eigentlich Teil des Oslo-Abkommens in den 90ern, des Gaza-Jericho-Plans. Gaza wurde deshalb ausgew&auml;hlt, weil der Milit&auml;rdienst dort sehr unpopul&auml;r ist. Die betroffenen Israelis wollen zum Beispiel nicht mehr l&auml;nger mit zehn SoldatInnen einen Tumult von zehn SiedlerInnen in Schach halten m&uuml;ssen. <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Zum anderen gibt es massiven Druck der israelischen Kapitalisten, die mehr Stabilit&auml;t haben wollen. Israel soll wieder zu einem sicheren Ort werden, schon wegen des Einbruchs beim Tourismus. Dar&uuml;ber hinaus f&uuml;rchten sie eine <font color=\"#000000\">weitere internationale Isolation Israels verbunden mit wirtschaftlichen Sanktionen.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Interessant ist auch, dass der Abzugs-Plan Anfang 2004 ausgearbeitet wurde, als Scharon gerade in Korruptionsskandale verstrickt war. Einige Zeit nach Ver&ouml;ffentlichung des Plans stellte sich heraus, dass man diesen Korruptionsf&auml;llen nicht mehr weiter nachgehen wird.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-weight: bold;\">Warum stellt der Plan deiner Meinung nach keine L&ouml;sung dar?<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Israel wird den Gaza-Streifen weiterhin kontrollieren, seine Streitkr&auml;fte sind sowohl zu Lande wie zu Wasser als auch in der Luft um das ganze Gebiet postiert. Zwar werden die Siedlungen in Gaza ger&auml;umt, in der Westbank werden sie jedoch erweitert &#8211; dort leben 98 Prozent der SiedlerInnen. Es ist immer noch nicht klar, wie der Durchgang zwischen der Westbank und dem Gaza-Streifen aussehen soll, sicher ist allerdings, dass die israelische Armee ihn vollst&auml;ndig kontrollieren wird. Jetzt kann die Scharon- Regierung diesen Abzug und dien Widerstand dagegen sogar noch als Druckmittel gegen die Pal&auml;stinenserInnen benutzen, nach dem Motto: &#x92;Wir haben getan was wir konnten, nun muss Pal&auml;stina mit den Bomben aufh&ouml;ren! Es wird keine weiteren Zugest&auml;ndnisse geben, schaut euch nur die ganzen Proteste an, mit denen wir uns jetzt schon herumschlagen mussten!&#x91; <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Das Leben der Menschen in Gaza wird sich nicht wesentlich verbessern, da der Staat keine Arbeitserlaubnisse mehr f&uuml;r Israel ausstellen will. Aber auch der Lebensstandard der israelischen ArbeiterInnen wird nicht steigen, denn der Entkoppelungsplan geht einher mit einem offensiven K&uuml;rzungspaket der Regierung, das vor allem versch&auml;rfte Privatisierung, inklusive der Kommerzialisierung der Bildungswesens, und massive K&uuml;rzungen bei Arbeitslosenunterst&uuml;tzung und Kinderbetreuung enth&auml;lt<font color=\"#000000\">. <\/font> <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-weight: bold;\">Wird das unter den pal&auml;stinensischen Massen auch so gesehen? <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die pal&auml;stinensischen Massen haben wirklich keinerlei Illusionen in den Entkoppelungsplan, sie wissen, dass sie von Scharon nichts geschenkt kriegen. Sobald der Plan abgeschlossen ist, werden wir eine sehr explosive Situation haben, es gibt schon den Ruf nach einer dritten Intifada. <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Nat&uuml;rlich ist der Abzug der Armee und der 8000 SiedlerInnen ein Fortschritt. Letztere beanspruchen schlie&szlig;lich ein Drittel des gesamten Gebiets, im restlichen Teil leben mehr als eine Million Pal&auml;stinenserInnen &#8211; damit ist der Gaza-Streifen weltweit das Gebiet mit der h&#038;&ouml;uml;chsten Bev&ouml;lkerungsdichte. Obwohl es sie betrifft, gab es mit diesen pal&auml;stinensischen Massen jedoch keinerlei Diskussionen &uuml;ber den Entkoppelungsplan, die Regierung hat ihn von oben entschieden.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Der Punkt ist: Der Abzug aus Gaza ist nicht das Ende der Besatzung! Vielleicht in Gaza, ja, aber was ist mit der Westbank? Und auf der anderen Seite wird die Mauer hochgezogen, um den Abzug aus Gaza sozusagen vorzubereiten und Israel von den pal&auml;stinensischen Gebieten &#x92;abzuschirmen&#x91;. Die meisten Israelis sehen sie immer noch als ein Mittel, sie gegen die Bombenattentate zu verteidigen und verstehen nicht, was sie f&uuml;r die Pal&auml;stinenserInnen bedeutet. Tausende von ihnen werden jeden Zugang zu Versorgung und Arbeitspl&auml;tzen verlieren. Mehr Armut wird zu mehr Wut und Frustration f&uuml;hren, wovon die Hamas dann &#8211; aus Mangel an Alternativen &#8211; profitieren kann. Die terroristischen Angriffe gegen israelische ZivilistInnen haben seit dem Beginn des Mauerbaus schon zugenommen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Es gibt allerdings auch Proteste dagegen seitens der Dorfbev&ouml;lkerung in Pal&auml;stina, die von der Mauer betroffen sind, au&szlig;erdem gibt es noch Protest-Zeltlager israelischer AktivistInnen gegen die Mauer. Sie werden mit Tr&auml;nengas, Gummigeschossen und Granaten angegriffen, viele werden verletzt. Aber die Aktionen gehen trotzdem weiter, die Dorfleute organisieren w&ouml;chentliche Demos. Diese Organisation l&auml;uft &uuml;ber demokratische Koordinationskomitees, die einen sehr guten Kampf ohne Waffen f&uuml;hren. Da sie von unten aufgebaut wird und nichts mit den Milizen, mit Hamas oder der Fatah zu tun hat, ist diese Bewegung eine wirkliche Alternative zum bewaffnetem Kampf und den Selbstmordattentaten. Es wird immer offensichtlicher, dass die Methoden der Hamas und anderen fundamentalistischen Gruppen nicht der Ausweg aus der Misere sind, sondern dass die Intifada wieder zu einem Massenaufstand von unten werden muss.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-weight: bold;\">Was macht &#x92;Maavak Sozialisti&#x91;, um die Bewegungen aufzubauen? Was sind Eure Alternativen?<\/span> <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Wir sind sowohl aktiv bei den Protesten gegen die Mauer als auch dem Widerstand der Arbeiterklasse gegen die neoliberale Offensive in Israel, denken aber, dass diese die K&auml;mpfe der pal&auml;stinensischen Massen mit denen israelischen Arbeiterklasse verbunden werden m&uuml;ssen. Wir alle m&uuml;ssen f&uuml;r die Wirtschaftkrise in Israel mit zunehmender Unterdr&uuml;ckung der pal&auml;stinensischen und Verarmung der israelischen Massen bezahlen. Gemeinsam k&ouml;nnen wir die korrupten Eliten auf beiden Seiten loswerden und endlich selbst &uuml;ber unser Leben bestimmen. Keine der &#x92;L&ouml;sungen&#x91; unter kapitalistischen Bedingungen, wie Oslo-Abkommen oder der Entkoppelungsplan hat funktioniert oder wird jemals Frieden oder Wohlstand f&uuml;r alle bringen. Deshalb bauen wir &#x92;Maavak Sozialisti&#x91; auf, um f&uuml;r ein unabh&auml;ngiges sozialistisches Pal&auml;stina und ein sozialistisches Israel zu k&auml;mpfen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-style: italic;\">Das Interview f&uuml;hrte Conny Dahmen <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><img style=\"width: 150px; height: 113px;\"\nalt=\"ariel\" src=\"\/media\/2005\/ariel.jpg\"\nalign=\"left\">Interview mit Ariel Gottlieb von Maavak Sozialisti, Schwesterorganisation der SAV in Israel, &uuml;ber den &#8222;Entkoppelungsplan&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11352"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11352"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11352\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11352"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11352"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11352"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}